No. 90
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 18. November
1881
einundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1881 Nr. 90 Seite 1]

Eine gute Gelegenheit zum Sparen.

Zu den zahlreichen künstlichen Bedürfnissen, die der Mensch sich angequält hat, gehören auch die geistigen Getränke. Der Himmel bewahre uns davor, einen guten Tropfen zu lästern - das sei fern! Aber trinken denn der Ochs oder das Pferd Bier und Wein? Und sie arbeiten doch, sie bringen doch ihre Leistung zu Stande. Damit wollen wir keineswegs befürworten, daß man den Arbeitsthieren Wein und Bier zu trinken geben möge. Unser vierfüßiges Beispiel bezweckt nur den Hinweis, daß die geistigen Getränke zum Leben nicht durchaus nothwendig sind. Eine Temperenzpredigt wollen wir auch nicht halten, bewahre, wir glauben aber angesichts des riesigen und immer mehr anwachsenden Verbrauchs an geistigen Getränken mit unserer Ueberzeugung nicht zurückhalten zu dürfen, daß man den Werth der geistigen Getränke für unser leibliches und geistiges Wohlergehen und Gedeihen bedeutend überschätze. Diese Getränke sind nämlich keine eigentlichen Nahrungsmittel, selbst das Bier enthält nur einen verschwindenden Theil davon; sie gehören vielmehr zu den sogenannten Genuß= und Reizmitteln. Gehörten sie zu den Nahrungsmittel so müßte die Blutanalyse einen gewissen Prozentsatz Alkohol aufweisen, wie sie Salze, Eiweißstoffe etc. aufweist. Der Alkohol, dieser wesentliche Bestandtheil der geistigen Getränke wird vom Blute auch nicht geduldet; er unternimmt, sobald die Lymphgefäße ihn den Adern zuführen, einen heftigen Kampf dagegen - daher die nervöse Aufregung, in die uns der Alkoholgenuß versetzt - und dieser Kampf dauert so lange, bis kein Atom Alkohol mehr im Blute enthalten ist. Es findet also ein Kraftaufwand ohne wesentlichen Nutzen statt, wir sagen ohne wesentlichen Nutzen, denn etwas profitiren wir doch dabei, indem der Alkohol dadurch, daß er im Körper rascher zur Verbrennung gelangt als andere Stoffe, eben ein Stoff und Gewebesparer ist. Nothwendig ist dieses Sparen der Stoffe aber im Allgemeinen nicht und nur in besonderen Fällen, z. B. bei außergewöhnlichen Anstrengungen, oder bei zu kärglicher Nahrung, tritt eine Art Nothwendigkeit dazu ein, als Schutz für den Körper. Wir sind daher baß erschrocken, als wir uns neulich hinsetzten, um eine Berechnung über den Verbrauch der geistigen Getränke anzustellen und das Facit besahen.
In England sind nach amtlicher Angabe im Jahre 1877 für 2875 Millionen Mark geistige Getränke dem Durst und der Gewohnheit zum Opfer gefallen. Macht auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet bei 34 Millionen Seelen nicht weniger als 85 M. Nähme man diesen Durchschnitt als maßgebend an, so betrüge der Verbrauch geistiger Getränke in Deutschland 3825 Mill. M. und in ganz Europa 27200 Mill. M. Heiliger Antonius von Padua! Mit dieser Summe könnte man die gesammten europäischen Staatsausgaben bestreiten und behielte dabei noch verschiedene Milliarden zur Schuldentilgung übrig. Nun erscheint aber diese Summe offenbar zu hoch, da bekanntlich der Verbrauch der geistigen Getränke weit stärker ist als auf dem europäischen Continent. Machen wir daher einmal die Probe. Die jährliche Bierproduction in Europa sei 127 Millionen Hektoliter, die Weinproduktion 100 Millionen, so erhält man, das Hekt. Bier zu 25 und das Hekt. Wein zu 100 M. gerechnet, 13,000 Mill. M. Wäre nun die Rechnung auf Grund des englischen Consums richtig, so bliebe für den Branntweinverbrauch allein 14200 Mill. M. Das geht nicht! Immerhin wird man denselben so hoch annehmen müssen als den Bierverbrauch, also 3000 Mill. M., da England allein für 800 Mill. consumirt und Rußland gewiß nicht nachsteht. Das machte also zusammen 16000 Mill. M. oder gerade 50 M. auf den Kopf der Bevölkerung, Weiber und Kinder mitgerechnet. Der auf Deutschland entfallende Theil machte also 2550 Mill. M. aus. Ein nettes Sümmchen, nicht wahr? Wieviel kommt nun von dieser Summe auf den ehrlichen Durst und wieviel auf die böse Gewohnheit? Genau ausrechnen kann das Niemand. Jeder wird sich aber sagen: ein gut Theil, rechnen wir die Hälfte oder will man mehr? Jedermann wird mir aber auch recht geben, wenn ich behaupte, daß wenn eine Gelegenheit zum sparen geboten ist, sie hier vorliegt.


Am Sonnabend von Varzin in Berlin eingetroffen fuhr Fürst Bismarck am Sonntag mit zwei Füchsen am Palais der Kaisers vor. In Kürassier=Uniform, gestiefelt und gespornt, wurde er in das Zimmer des Kaisers geleitet und blieb 1 1/4 Stunde. Mehr haben die besten Augen nicht gesehen und die feinsten Ohren nicht gehört.
Der Alterspräsident des Reichstages wird Generalfeldmarschall v. Moltke sein.
Die neuesten Nachrichten über den Großherzog von Baden lauten etwas tröstlicher; es soll der Typhus sein an dem er so hart darniederliegt. Seine Tochter die schwedische Kronprinzessin, ist mit ihrem Gemahl von Stockholm nach Carlsruhe geeilt.
Der Schnitt= und Modewaaren=Händler Hertzog in Berlin hat sich die conservativen Wahlen 160000 Mark kosten lassen. Bismarck hat ihm in einem eigenhändigen Brief "für seine opferreiche und muthige Theilnahme am Kampfe gegen die Fortschrittspartei" gedankt.
Frankreich. Der französische Kriegsminister Farre, eine Creatur Gambettas, ist bei der Debatte über den Feldzug in Tunis förmlich Spießruthen gelaufen. Zuletzt stotterte er, er habe jeder Brigade in Tunis sogar einen Backofen mitgegeben, damit sie sich immer Zwieback backen könne. Die ganze Kammer lachte; denn mit dem Backofen hatte es zwar seine Richtigkeit, es war nur leider das Mehl vergessen worden.
Gambetta renommirt, er habe sich einen vollen Monat lang im deutschen Reiche umgesehen und kenne Land und Leute, Festungen und Häfen und alles. Desto besser; dann wird er sich noch lange nicht gelüsten lassen nach deutschem Haus und Hof, Weib und Kind und alles was deutsch ist. Wir wissen in Deutschland auch, daß er ein guter Schauspieler ist und sich auf Verkleidungen und Versenkungen vortrefflich versteht. Wir möchten nur wissen, wie er auf seiner deutschen Studienreise sein Spitzbäuchlein vor Argusaugen versteckt hat; sein zweites Auge konnte er sich leicht borgen; dann sah's

[ => Original lesen: 1881 Nr. 90 Seite 2]

kein Mensch dran, daß es ein falsches Auge war. Als er damals in Cherbourg mit den Handelsreisenden Punsch kneipte, soll er sogar zwei gläserne Augen gehabt haben. Gambetta hat sich als Ministerpräsident das Auswärtige vorbehalten, für das Innere Waldeck=Rousseau, für den Unterricht Bert, für den Krieg Campenon, für die Finanzen Altain Targe, für die Justiz Cachot berufen, lauter "neue Leute."
Preisausschreiben für Aerzte. Die "Wiener med. Blätter" melden: "Herr und Frau Victor Saint=Paul haben der Académie de Médecine zu Paris 25,000 Francs übergeben zur Gründung eines Preises für diejenige Person, ohne Unterschied der Nationalität und des Standes, welche zuerst ein - von der Akademie als wirksam und unfehlbar=erprobtes - Mittel gegen Diphtherie erfindet. Bis zur Entdeckung desselben soll die Rente des Preises als Aufmunterungspreis alle zwei Jahre denjenigen zuerkannt werden, welche durch Arbeiten resp. Untersuchungen über Diphtherie eine Anerkennung verdienen."
Amerika. Der verstorbene Präsident Garfield hatte 6 Aerzte. Sie waren 80 Tage lang in Thätigkeit, verlangen für jeden Tag 400 M. und zusammen 192000 M.


- Eine französische Zeitung bringt folgende Zusammenstellung:
Die französische Armee. Sie kostet jährlich 630,594,675 Frcs. Sie zählt (auf dem Friedensfuß) 281,601 Mann Infanterie (aber größtentheils nicht präsent.) Und an ihrer Spitze steht General Farre!
Die deutsche Armee. Sie kostet jährlich 470,000,000 Frcs. Sie zählt (auf dem Friedensfuß 274,783 Mann Infanterie (vollständig präsent). Und an ihrer Spitze steht Marschall Moltke.
- Ein persischer Prinz hat sich in Berlin unter die Freimaurer aufnehmen lassen.
- Wenn es nicht mitten im tiefsten Frieden wäre, so könnte man fast annehmen, als sei wieder irgend etwas im Anzuge. Ueberall werden Festungen ausgebaut, Flotten vervollständigt, Erfindungen neuer Zerstörungsmaschinen gemacht. Die Engländer haben neulich ein Kriegsschiff vom Stapel gelassen, das den Namen Polyphemos führt, was etwa soviel heißt als ein verkappter Teufel, wenigstens entspricht es diesem Begriffe vollständig. Es ist ein sogenanntes Torpedo=Rammschiff, ein Schiff also, in welchem die Systeme des Rammsporns mit dem des Torpedos vereinigt sind. Der ungeheure Rammsporn ist nämlich behufs Aufnahme von Torpedos hohl, die durch Anrennen an Panzerschiffe zur Explosion gebracht werden. Das cigarrenförmige Schiff geht fast ganz unter Wasser, hat beinahe die Geschwindigkeit eines Eisenbahn=Personenzuges (31 1/2 Kilometer in der Stunde) und ist, abgesehen von Torpedo=Schleuderapparaten, noch mit 6 Hörnern ähnlichen Panzerthürmen versehen, aus denen schwere Revolverkanonen Tod und Verderben auf weite Entfernung schleudern. Die Amerikaner fabriciren eine ganz neue Art Geschütz, das anstatt einer Pulverkammer deren 5 hat, eine regelrechte und vier in einem Bodenstück längs des 25 Fuß langen Rohres angebrachte. Das dieser Construction zu Grunde liegende Princip besteht darin, daß man den wesentlichen, bei einer gewöhnlichen Entladung bedingten Kraftverlust des Geschosses innerhalb des Rohres vermindern und die Schnelligkeit und Kraft des Projectiles durch die aufeinanderfolgenden Entladungen der längs des Rohres angebrachten Pulverkammern um ein Bedeutendes erhöhen will. Man glaubt dadurch die doppelte Kraft der bisherigen Geschütze gleichen Kalibers zu erzielen und noch auf 16 Kilometer Entfernung Panzerplatten durchschlagen zu können. Das Geschoß wiegt 150 Pfund. In Amerika erschallt überhaupt seit einiger Zeit der Ruf nach mehr Soldaten und nach Verstärkung der Flotte, während man in Europa nur die Verminderung derselben herbeiwünscht. Nun gar die Türken! Sie haben einen Vertrag auf Lieferung von hundert gegen Torpedos zu verwendende Mitrailleusen und fünfzig Feld= und Festungsmitrailleusen abgeschlossen.
- Das Königreich Sachsen hat von der in Leipzig verstorbenen Frau Mende ein Vermächtniß von 17 Millionen Mark erhalten, das, wie in Regierungskreisen verlautet, zum größten Theile zur Gründung eines Wohlthätigkeitsinstitutes Verwendung finden soll, dessen Bestimmung es ist, zur möglichst gründlichen Abhülfe der Noth im Erzgebirge und im Voigtlande zu dienen.
- Frankreich hat gut reich werden, es hat jährlich 400,000 Kinder weniger zu erziehen, als Deutschland. Das Plus an Kindern und Kindererziehung kostet Deutschland jährlich eine Milliarde schlecht gerechnet wie die Statistiker nachweisen.
- Eine wahre Selbstmord=Manie herrscht in letzterer Zeit in der bayrischen Armee. Nachdem sich vor einem Vierteljahre der im besten Mannesalter stehende Chevauxlegers=Rittmeister Freiherr v. Pletten in seiner Garnison Nymphenburg durch einen Pistolenschuß das Gehirn zerschmetterte, entleibte sich vor vierzehn Tagen der commandirende Oberst Caris des 6. Infanterie=Regiments in Amberg durch einen Schuß ins Herz; am letzten Sonnabend tödtete sich der Artillerie=Premierlieutenant Feller in München und am letzten Montag machte der jugendliche Secondelieutenant Dietz des 14. Infanterie=Regiments zu Nürnberg durch einen Pistolenschuß seinem Leben ein Ende. Am 8. ds. kam die Nachricht aus Wien, daß sich dort der bayrische Oberlieutenant a. D. Freiherr v. Esebeck in einer Badeanstalt entleibt habe und soeben erfährt man, daß in München der Major a. D. Freiherr von Stetten durch Selbstmord endete. Dazu kommen noch die in der jüngsten Zeit sich mehrenden Selbstmorde unter den Unteroffizieren und Soldaten; in der vorletzten Woche erschossen sich zwei Nachtposten in der Türkenkaserne in München und zu Beginn dieser Woche je ein Sergeant in Nürnberg, Landau, Ingolstadt und Aschaffenburg.
- Vor dem Schaufenster einer Kunsthandlung in Cöln standen Onkel und Nichte und besahen sich die aufgestellten Photographien. Die junge Dame zeigte auf das Bild eines protestantischen Geistlichen und sagte lustig: "Den würde ich schon nehmen." Zufällig stand hinter ihr im Gedränge der betreffende Geistliche und hörte, was sie sagte, und als sie weiter ging, sah er ihr Gesicht und dachte: "nun die würde ich auch nehmen;" denn er war unbeweibt und hatte wohl eine stattliche Pfarre aber noch keine Quarre. Im Dom sahen sich "die Leutchen, die einander schon nehmen würden", wieder - und vor ein paar Tagen haben sie sich wirklich "genommen."
- Mr. Mamoylde, ein alter Gauner, der durch viele Jahre die englische Polizei vergebens nach seiner Person schmachten ließ, hat mit großer Freundlichkeit bei der Gerichtsverhandlung, die gelegentlich seiner endlichen "Habhaftwerdung" stattfand, einige Geheimmittel genannt, die am besten geeignet sind, einen Menschen unkenntlich zu machen. "Da ist vor Allem ein gutes Haarfärbemittel zu empfehlen, welches wenige Schillinge kostet und in einigen Stunden Augenbraunen, Haare und Bart in grauer, rother, blonder, schwarzer Farbe verändert. Sehr nützlich ist der Saft der Wallnuß, der die Haut ganz bräunlich erscheinen macht, sowie das Rauchen einer Cigarre die vierundzwanzig Stunden in Oel gelegen und die das Gesicht mit dem schönen Dunkelgelb des Mulatten versieht. Von größerem Werthe sind jedoch zwei kleine Stöpsel, die man in die Nase steckt, diese bringen nicht allein eine Wandlung der Form dieses Organs hervor, sondern sie verändern auch die Stimme. Augengläser sind nicht immer zu empfehlen, denn man muß daran gewöhnt sein, damit Kenner nicht merken, daß man vorsätzlich nach ihnen gegriffen. Hinken ist nicht schlecht, aber man muß es verstehen; ist man ein Pfuscher, so genügt der Blick eines Polizeibeamten, um sofort die Sache aufzuklären." Der Gerichtshof war von diesen Eröffnungen höchst amüsirt und sprach Mr. Bamoylde ein Honorar von 18 Monaten Zwangsarbeit zu.
- Louise Michel in Paris, die Petroleuse mit den brandrothen Haaren und Reden, scheint auch in Deutschland stille Liebhaber zu haben. In Würzburg warf ein solcher den Zettel in die Wahlurne Luise Michel in Paris. Es scheint eine heimliche und verschämte Liebe zu sein; denn der feurige Verliebte hat seinen Namen nicht unter die Liebeserklärung. gesetzt.
- Das perpétuum mobile in der Westentasche. Man schreibt aus Vowry (Schweiz): Am 16. Ja=

[ => Original lesen: 1881 Nr. 90 Seite 3]

nuar 1879 deponirte ein alter Uhrmacher unserer Stadt beim Bürgermeisteramte ein versiegeltes Packet, in welchem sich zwei Taschenuhren befanden, deren sinnreicher Mechanismus das "Aufziehen" als einen längst überwundenen Standpunkt erscheinen ließ. Vor einigen Tagen wurde das Packet in Gegenwart einer großen Menschenmenge geöffnet und als die schützenden Hüllen gefallen waren, hörte man das fröhliche Ticken der Uhren, welche seit 21 Monaten nicht aufgezogen waren.
- Ein Trakehner Hengst hat, wie die Ausstellungszeitung von Porto Allegre in Brasilien berichtet, die weite Reise über den Ocean glücklich zurückgelegt und wird als Prämie in der Ausstellungs=Lotterie verloost werden.
- Die Mörder unserer Zeit müssen vor allen Dingen auf einen guten Stammbaum sehen, nicht um sich an ihm aufzuhängen, sondern um frei von Strafe auszugehen. Wenn sie einen Vater oder Großvater, eine Großmutter oder rechte oder Stieftante gehabt haben, bei denen es nicht ganz richtig im Kopfe war, so haben sie schon halb und halb ausgesorgt und kriegen zum allerwenigsten mildernde Umstände. Sie sind dann nicht selber schuld, daß sie Jemand todtgeschlagen oder vergiftet haben, sondern der Groß= und Urgroßvater und die armen Mörder sind eigentlich die einzigen, die darunter zu leiden haben. Der Vertheidiger des scheußlichen englischen Mörders Lefroy hat auch schon einen melancholischen Großvater bereit, der's verhindern wird, daß sein Enkel am Halse gehängt wird, bis er todt ist.
- "Er fährt mit Vieren", galt sonst als die höchste Leistung gewöhnlicher sterblichen ohne Fürstenhut. Der Amerikaner Levingstone in Florenz fährt aber mit 20 und 24 Pferden spazieren und er fährt selbst und ganz allein vom Bocke aus. Alle Pferde sind edlen Blutes, je 2 an Farbe und Größe gleich und die zwei hintern Pferde immer um etwas höher als die vordern.
- In einem der Dörfer des russischen Kreises Mohilew war ein Bauer, der bei einem Juden in Lohn stand, von diesem bezichtet worden, ein Beil gestohlen zu haben; der Dieb leugnete und beschwor, vor den Landgendarmen ein Kreuz küssend, mit folgenden Worten seine Unschuld: "Herr Gott, wenn ich das Beil gestohlen habe, so möge mein einziges Kind sofort sterben." Kaum hatte er diesen Schwur gethan als seine Frau hereinstürzte und Thränen überströmt ausrief: "Unser Kind ist eben plötzlich gestorben". Der Dieb gestand nun, furchtbar durch den Vorfall erschüttert, seine Schuld ein. Selbstverständlich hat das Zusammentreffen dieser Umstände auf die bäuerliche Bevölkerung einen tiefen Eindruck gemacht.


Anzeigen.

Im vergangenen Monat sind im Fürstenthum Ratzeburg

1. zu Papenhusen eine goldene Damenuhr, welche die Nummer 39839 trägt,
2. zu Kuhlrade: 8 Mannshemden gez. A. F. und resp. W. T. und 3 Laken gez. L. F.
gestohlen worden.
Um Vigilanz und event. Benachrichtigung wird gebeten.
Neustrelitz, 7. November 1881.

Der Großherzogliche Staatsanwalt.
H. Götze.


Holz=Auction Nr. 3.

Am Mittwoch den 23. November Morgens 10 Uhr, sollen beim Gastwirth Fahrenkrug zu Lüdersdorf aus

den Lenschower Tannen
ca. 50 tannen Kiepen und Bauhölzer Nr. 37-87,
und ca. 50 Rmtr. tannen Rodestämme

meistbietend verkauft werden.
Schönberg, den 17. November 1881.

Der Oberförster:               
C. Hottelet.        


Hagelschaden-Versicherungs-Verein
für Mecklenburg-Schwerin und Strelitz zu Grevesmühlen.
Es sind in diesem Jahre versichert 2022881 Centner Getreide, nach den Preisen vom 15. August und 1. November d. J. zum Werthe von 19,891,987 M. - Für die stattgefundenen 48 Hagelschäden sind mit Einschluß der Taxations= und sonstigen Kosten aufzubringen 155,477 M. und ist hiernach in heutiger Directorial=Versammlung der diesjährige Beitrag auf 78 Pfennig pro 100 M. festgesetzt. -
Nach Vorschrift des §. 36 der Statuten wird solches mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß jedem Mitgliede über die Höhe des zu zahlenden Beitrags eine besondere Abrechnung zugehen wird.
Grevesmühlen den 5. November 1881.

Die Direction.


Einige Sprietfässer,
zu Schlachtbalgen passend, hat preiswürdig zu verkaufen                          
                                                    A. Wigger Nachfolger.


Die Apotheke zu Schönberg i. M.
empfiehlt
Viehwaschpulver

anerkannt gutes und billiges Mittel zur Vertilgung des Ungeziefers beim Rindvieh in Packeten zu 75 Pfg. und 1,25 Mrk., hinreichend für 5 resp. 10 Stück Hornvieh.


Ich empfehle für den Winter mein Handschuh=Geschäft in Rennthier=, Hirsch=, Kenguruh=, Reh= und Waschleder=Handschuhe, sowie mit Pelz und Trikot gefütterten Handschuhen in Fuchs=, Waschleder und Glacee, mit und ohne Besatz für Herren und Damen von den billigsten Preisen an.

                          Hochachtungsvoll
                          Emil Jannicke,
Schönberg.                                                     Handschuhmacher.


Lohnender Verdienst.

Solide und strebsame Personen werden für den Verkauf von Badischen Loosen v. J. 1845, welche bis 1885 sämmtlich verloost werden müssen, zu vortheilhaften Provisionsbedingungen event. fixem Gehalt angestellt. Bankvereeniging Grün & Co. in Amsterdam. Offerten sind zu richten an die Filiale der Bankvereeniging Grün & Co. in Frankfurt a. M.


Verloren

eine goldene Brosche mit einem schwarzen Stein. Der ehrlich, Finder wird gebeten, diese in der Expedition dieses Blattes abzugeben.


Einem hochgeehrten Publikum Schönbergs und Umgegend die ergebene Anzeige, daß ich mich hieselbst als

Brunnen- und Pumpenmacher

etablirt habe. Sämmtliche in diesem Fach vorkommenden Arbeiten sowie Reparaturen werden von mir prompt und billigst ausgeführt.
Schönberg den 14. November 1881.

Fr. Ausborn.       


Englisches Salz
empfiehlt                                                    
Herrnburg.                                                     J. Kleinfeldt.


[ => Original lesen: 1881 Nr. 90 Seite 4]

Der Kalender für das Fürstenthum Ratzeburg pro 1882 ist erschienen und an den bekannten Verkaufsstellen zum Preise von 25 Pfennig pro Exemplar käuflich.


Für Haus und Küche.

Eine größere Partie leicht in der Farbe beschädigte blau emaillirte Kochgeschirre und Hausstandssachen haben wir unserer Verkaufsstelle übergeben, und werden solche zu ein Drittel des Fabrikations=Preises verkaufen. Besonders empfehlenswerth:
Theekessel von 70 Pfg. an, Kochtöpfe, Deckel, Eimer Teller, Tassen, Pfannen, Kaffeekannen u. s. w.
Die Sachen werden zu festen Preisen pfundweise verkauft.

Wiederverkäufer entsprechenden Rabatt.

Alleinige Verkaufsstelle der leicht beschädigten Kochgeschirre

Lübeck, Klingenberg 923.       


Empfehle mein Lager von
                          Fleischhackmaschinen,
                          Ofenvorsetzer,
                          Kohlenplätteisen,
                          Schlittschuhe,
                          Feuergeräthe

in Garnituren und auch einzeln, sowie blau
email. Koch-Geschirr.
                                                    W. Maass.


Versammlung
der gr. Siemzer=Schweinegilde

am Sonntag den 20. November Nachmittags 2 Uhr beim Gastwirth Staak vor Schönberg.
Um zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten.

Der Vorstand.       


Zu dem am Dienstag den 22. d. Mts. stattfindenden

Balle

ladet ergebenst ein.

Carlow, den 18. November 1881.
                                                    J. Eckmann.


Theater=Anzeige.
Sonntag den 19. November 1881
Gastspiel des Herrn Bunke vom Stadttheater zu Wismar.
Onkel Zornebock,
oder:
Eine Nacht in Berlin.
Posse in 4 Abtheilungen von Kneisel.
Nächste Vorstellung: Dienstag, 21. Nov.
                                                    W. Schuldt,
                                                    Direktor.


Am Montag den 21. d. M. Abends von 7 Uhr an

Ball
des Gesangvereins Teutonia

im Lokale des Herrn Boye hieselbst.
Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.

Der Vorstand.       


Course notirt v. d. Mecklenburgischen Bank.
Schwerin, Donnerstag den 17. November 1881.
Die Course verstehen sich incl. Zinsen und Provision.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]
Die Direction.
Steiner.                          Frels.


Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 20. November.

Frühkirche: Pastor Langbein.
Vormittagskirche: Pastor Kämpffer.
     Amtswoche: Pastor Kämpffer.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


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