No. 51
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 01. Juli
1892
Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1892 Nr. 51 Seite 1]

              Nachdem das Inkrafttreten der auf die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe bezüglichen Bestimmungen der Gewerbe=Ordnungs=Novelle vom 1. Juni 1891 zum 1. Juli dieses Jahres verfügt worden ist, werden hiemit für die Zeit vom 1. Juli ab die folgenden Bestimmungen zur allgemeinen Kenntniß gebracht:

1. die fünfstündige Beschäftigungszeit in den Handelsgewerben wird an den gewöhnlichen Sonn= und Festtagen
a. für Schönberg von 7-10 Uhr Vormittags und von 12-2 Uhr Nachmittags,
b. für das platte Land von 7 1/2-9 1/2 Uhr Vormittags und von 12-3 Uhr Nachmittags festgesetzt.
2. Am Sonntage nach dem 24. October sowie an den drei Sonntagen und dem Buß= und Bettage vor Weihnachten darf eine erweiterte Beschäftigungszeit auch auf die Nachmittagsstunden sich erstrecken, jedoch bleibt die Festsetzung dieser Stunden vorbehalten.
3. den Inhabern von Bäckereien ist gestattet, auch Sonntags von 6 Uhr Morgens an ihre Läden offen zu halten.
4. Ausdrücklich wird darauf aufmerksam gemacht, daß mit der regiminell genehmigten Zulassung eines erweiterten Geschäftsverkehrs nach Maßgabe des § 105 b beziehungsweise 105 e des Gesetzes eine Dispensation von den den Geschäftsverkehr im Handelsbetriebe beschränkenden Bestimmungen der einheimischen Verordnung vom 28. August 1855, betreffend die bessere Heilighaltung der Sonn= und Festtage, insbesondere von der Vorschrift des § 5 Nr. 1 dieser Verordnung nicht hat ertheilt sein sollen.
              Schönberg, den 25. Juni 1892.

Großherzoglich Mecklenburgische Landvogtei für das Fürstenthum Ratzeburg.
Cl. v. Oertzen.


Bekanntmachung.

                Das diesjährige Ober=Ersatzgeschäft zur Aushebung der Militärpflichtigen des hiesigen Aushebungsbezirks findet statt

in Schönberg
im Boye'schen Gasthofe
am
Freitag, den 8. Juli.

                Zu demselben haben sich diejenigen Militairpflichtigen, welche nach Ausweis ihrer Loosungsscheine eine endgültige Entscheidung über ihre Militairpflicht zu gewärtigen haben, und denen besondere Ladungen zugehen werden, Morgens präcise 9 Uhr einzufinden.
                Es steht jedoch jedem Militairpflichtigen, der in den Grundlisten des Aushebungsbezirks verzeichnet ist, frei, im Aushebungstermin zu erscheinen und der Ober=Ersatz=Commission etwaige Anliegen vorzutragen.
                Die bei der Musterung für diensttauglich befundenen Mannschaften gelangen zuerst zur Vorstellung.
                Im Anschluß an das Ober=Ersatzgeschäft findet die Superrevision der Temporair=Invaliden statt.
                Militairpflichtige, welche im Termin nicht pünktlich erscheinen, haben, insofern sie nicht dadurch eine härtere Strafe verwirkt haben, auf Grund des §. 26, 7 der Wehr=Ordnung eine Geldstrafe bis zu 30 M. oder Haft bis zu 3 Tagen zu gewärtigen, auch können denselben die Vortheile der Loosung entzogen werden. Ist diese Versäumniß in böslicher Absicht oder wiederholt erfolgt, so werden sie dem Befinden nach als unsichere Dienstpflichtige zur sofortigen Einstellung gebracht werden.

[ => Original lesen: 1892 Nr. 51 Seite 2]

                Die Ortsvorsteher haben für die pünktliche Gestellung der betreffenden Militairpflichtigen aus ihrer Ortschaft Sorge zu tragen.
                Schönberg, den 17. Juni 1892.

Der Civilvorsitzende der Ersatz=Commission des Aushebungsbezirks für das Fürstenthum Ratzeburg.
Cl. v. Oertzen.


Am 29. Juni 6 Uhr Morgens ist Kaiser Wilhelm von Kiel aus an Bord des "Kaiseradlers" begleitet von dem Panzerschiff "Siegfried" nach Drontheim abgereist.
Das italienische Königspaar, das am Sonnabend Nachmittag 3 Uhr von Homburg die Heimreise angetreten hatte, ist am Sonntag Vormittag glücklich nach Monza zurückgekehrt. Die Majestäten wurden am Bahnhof von dem Präfekten von Mailand, den Spitzen der Civil= und Militärbehörden empfangen und von einer großen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Daß König Humbert und seine schöne Gemahlin mit dem Gefühl hoher Befriedigung vom deutschen Boden geschieden sind, beweist schon die große Zahl von Auszeichnungen und Spenden, die auf den Weg der hohen Gäste gefallen sind. Der Bürgermeister von Berlin, Herr Zelle, hat das Kommandeurkreuz der italienischen Krone, sein Potsdamer Kollege, Herr Boie, das Officierskreuz des Mauritiusordens erhalten. Für die Armen von Potsdam hat König Humbert 10 000 Lire gespendet. Bei dem Frühstück in der Husarenkaserne in Bockenheim am Sonnabend Vormittag sind nicht weniger als 15. Ordensverleihungen verkündet worden. Das Kaiserpaar hat seinen Gästen zum Andenken an ihren Aufenthalt in Potsdam eine herrliche Standuhr aus Porzellan, die in der kgl. Porzellan=Manufaktur angefertigt worden ist, zum Geschenk gemacht. Man scheint also auf beiden Seiten das alte Wort, daß "kleine Geschenke die Freundschaft unterhalten", voll gewürdigt zu haben.
In einer Schlußbetrachtung zu dem italienischen Königsbesuche äußert sich die Nordd. Allg. Ztg. in folgender Weise: "Wenn wir den Eindruck zusammenfassen sollen, welchen alle aus Deutschland, Italien und Oesterreich=Ungarn vorliegende Kundgebungen hervorbringen müssen, so erscheinen dieselben wie ein erneutes, einmütiges Plebiszit, der drei Reiche zur Bestätigung einer Politik des Friedens auf der unerschütterlichen Grundlage einer tiefgehenden Gemeinschaft der staatlichen Interessen und jener still, aber sicher wirkenden Macht eines regen günstigen Güteraustausches, durch welchen die völkerverknüpfenden Bande fester geschlungen werden."
Glücklich eines Sohnes genesen ist die Fürstin Luise zu Waldeck in Arolsen. Fürstin Luise, von Geburt eine Prinzessin von Schleswig=Holstein=Sonderburg=Glücksburg, geb. am 6. Jan. 1858, ist seit dem 29. April 1891 mit dem derzeit im 62. Lebensjahre stehenden Fürsten Georg Viktor zu Waldeck und Pyrmont vermählt.
Im Südosten des russischen Reiches herrscht große Aufregung wegen der asiatischen Pest, die aus Persien und Afghanistan unaufhaltsam vorrückt und bereits in Tiflis eingedrungen sein soll. Leider stehen die unmittelbar oder mittelbar an die asiatischen Choleraheerde grenzenden Länder in sanitätspolizeilicher Hinsicht meist selbst noch ganz auf asiatischem Standpunkt, sodaß dem Vordringen der Seuche nur geringer Widerstand entgegengesetzt werden kann. In den Städten Transkasiens bilden hundertjährige Schmutzablagerungen den Boden fast sämtlicher Straßen und Höfe, städtische Abfuhr und dergl. sind unbekannte Begriffe. In Buchara brachte vor mehreren Wochen der Befehl des Emirs, das bisher allgemein übliche Schlachten der Rinder und Schafe auf den Straßen der Stadt (wobei dann sämtliche Abfälle an Ort und Stelle liegen blieben) zukünftig auf besonderen hierzu angewiesenen Plätzen vor den Thoren der Stadt vorzunehmen, fast eine Revolution hervor. In Südkaukasien stehen die von den Eingeborenen bewohnten Theile der Städte in sanitätspolizeilicher Hinsicht auf demselben Standpunkt wie im angrenzenden Persien.


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Anzeigen.

In Folge der Ermächtigung des Großherzoglichen Schöffengerichts in Schönberg machen wir das nachstehende, rechtskräftige Urtheil desselben:
Im Namen Seiner Königlichen Hoheit, des Allerdurchlauchtigsten Großherzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburgs=Strelitz!

In der Privatklagesache

1. des Sattlermeisters Tews zu Schönberg als gesetzlichen Vertreters seines minderjährigen Sohnes Johannes,
2. des Bahnwärters Clasen zu Rottensdorf als gesetzlichen Vertreters seines minderjährigen Sohnes Hermann,
3. des Vogts Brockmüller zu Bauhof Schönberg als gesetzlichen Vertreters seines minderjährigen Sohnes Fritz und
4. des Arbeitsmanns P. Maaß zu Schlutup als gesetzlichen Vertreters seines minderjährigen Sohnes Peter,
vertreten durch den R. A. Monich zu Grevsmühlen,
                                                    Privatkläger gegen
                          den Bäckermeister Heinrich Wolgast zu Schönberg,
                                                    Angeklagten,
                          wegen Beleidigung
hat das Großherzogliche Schöffengericht zu Schönberg in der Sitzung vom 26. Februar 1892, an welcher Theil genommen haben
1. Amtsrichter Horn, als Vorsitzender,
2. Früherer Schulzenanerbe, jetziger Schulze Heinrich Faasch aus Selmsdorf,
3. Schulze Heinrich Heitmann aus Klocksdorf, als Schöffen,
      Actuar E. Breuel, als Gerichtsschreiber
für Recht erkannt:
daß der Angeklagte Wolgast des Vergehens gegen § 185, § 195 und § 200 des St.=G.=B. schuldig und des wegen in eine Geldstrafe von fünf Mark, welcher im Unvermögensfalle eine Gefängnißstrafe von einem Tage substituirt wird, verurtheilt wird. Auch hat derselbe die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Es wird ferner den Privatklägern die Befugniß zugesprochen, den Tenor des Urtheils innerhalb 14 Tagen nach erreichter Rechtskraft durch die "Wöchentlichen Anzeigen" hierselbst auf Kosten des Angeklagten bekannt zu machen durch einmalige Insertion

V. R. W.

hierdurch öffentlich bekannt.
       Schönberg, den 28. Juni 1892.

                                                                                                          Tews, Sattlermeister.
Clasen, Bahnwärter.
Brockmüller, Vogt.
Maß, Arbeitsmann.


[ => Original lesen: 1892 Nr. 51 Seite 3]

Oeffentl. Zwangsversteigerung.

Am Sonnabend, den 2. Juli d. J. Nachm. 4 Uhr sollen in Rabensdorf

1 Bauwagen und
1 Stuhlwagen

öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden. Versammlung der Käufer im Kruge zu Rabensdorf.

                                                    C. Staffeldt, Gerichtsvollzieher.


Gesucht zum baldigen Antritt                          
ein Knecht
bei gutem Gehalt.                                                    
                                                    H. Steding,
                                                    Genossenschafts=Meierei, Schönberg.


Generalversammlung
der Mitglieder der Schweineversicherung

des Kirchspiels Carlow am Sonntag, den 3. Juli nachmittags 2 Uhr im Krellenberg'schen Locale.

Carlow, d. 20. Juni 92.                                                    P. Törper.


Diesjährigen hiesigen                          
Schleuder-Honig
Pfund 75 Pf. bei                                                    H. Brüchmann.


Extrafeine
Gussstahl-Sensen 2,50 Mark.
Silber Gussstahl-Sensen 3 M.
und werde solche, wenn nicht Schneiden, umtauschen.
                                                    H. Brüchmann.


Zu dem am Montag, den 4. und Dienstag, den 5. Juli
dieses Jahres hieselbst stattfindenden
                          
Königschuß

laden wir die geehrten Bewohner von Stadt und Land so höflich als ergebenst ein.
        Schönberg, den 23. Juni 1892.

Kapitain und Schaffner der Schützenzunft.
C. Schultze.       J. Greiff.       H. Soltmann i. V.

Fest-Programm.
Zur Vorfeier am Sonntag Nachmittag die üblichen Ständchen. -Abends: Harmonie=Musik im Schützenhause. - Um 10 Uhr Abends: Zapfenstreich.

Montag, den 4. Juni: Morgens 5 Uhr: Reveille durch die Stadt. - Um 1/2 7 Uhr Antreten der Schützen vor "Spehrs Hotel". - 8 Uhr: Empfang der Rehnaer Schützenzunft. - Festmarsch durch die Stadt. - Festrede und Schmückung der Jubiläumsfahne. - Nach Ankunft im Schützenhause: Beginn des Schießens nach der Königsscheibe und den beiden Gewinnscheiben. - Frühstück bei Tafelmusik. - Von 4 Uhr Nachmittags bis zum Einmarsch: Concert, ausgeführt von der aus 24 Mann bestehenden Stadt=Capelle aus Wismar, unter persönlicher Leitung des Musik=Directors Jul. Müller. Entrée für Nichtmitglieder 50 Pfg.
Dienstag, den 5. Juli: Ausmarsch, Schießen, Harmonie=Musik wie am Montag. Nachmittags 4 Uhr:

Ziehung der Tombola.

Abends: Grosser Ball im Schützenhause gegen Entrée für Herren Mk. 1,50 und für Damen 50 Pfg.
Mittwoch, den 6. Juli: Abends 1/2 8 Uhr: Festball im Schützenhause nur für Ehren= und Zunftmitglieder, welche als Legitimation die betreffende Medaille mit Schleife zu tragen haben.


Agentur der Mecklenburgischen Bank in Schwerin
------------------
für Schönberg und Umgegend.

        Spar= und Capital=Einlagen werden z. Zt. verzinst:
1, gegen Sparbücher der Bank mit 3 1/2%;
2, gegen Schuldverschreibungen der Bank je nach der Kündigungsfrist mit 3 1/2, 3 u. 2%;
3, im Baar=Conto=Corrent mit 2%.
        Die Bank bewilligt Darlehen gegen genügende Sicherheit und übernimmt Bankcommissionsgeschäfte aller Art zu billigen Bedingungen.

Schönberg i/M.                                                     Stadtsceretair Wilh. Schrep.


[ => Original lesen: 1892 Nr. 51 Seite 4]

               Die Unterzeichneten zeigen ihren verehrlichen Kunden hierdurch ergebenst an, daß sie laut Reichsgesetz ihre Verkaufsstellen vom 1. Juli d. J. an an Sonn= und Festtagen nur 5 Stunden offen halten dürfen und zwar

in der Stadt Schönberg                                                    
von 7-10 Vormittags und von 12-2 Uhr Nachmittags
auf dem Lande                                                                    
von 7 1/2 -9 1/2 Vorm. und von 12-3 Uhr Nachmittags.

               Am 1. Oster=, Pfingst= und Weihnachtstage müssen die Läden den ganzen Tag geschlossen sein. Den Inhabern von Bäckereien ist es gestattet, von 6 Uhr Morgens an ihre Verkaufsläden offen zu halten.
               Schönberg, den 30. Juni 1892.

Die Inhaber von offenen Verkaufsstellen des Fürstenthums Ratzeburg.


               Wir machen hiermit die Anzeige, daß wir

Herrn W. A. Utermöhl in Schönberg i/M.

bevollmächtigt haben, für uns Kaufrübenverträge verbindlich abzuschließen und ist durch diesen Herrn jede gewünschte Auskunft zu verlangen.

                                                    Rübenzucker-Fabrik Oldesloe A.-G.


Jede Mutter begeht ein Unrecht, wenn sie zum Waschen ihrer Lieblinge eine andere Seife gebraucht als die Vaselin-Cold-Cream-Seife von der Parfümerie Union, Berlin, Gegen rauhe Haut unentbehrlich.

à Packet (3 Stück) 50 Pf. zu haben bei
                                                    C. Schwedt.


Matjes Heringe
empfiehlt                          
                                                    Aug. Spehr.


ff. Matjes Hering
                                             empfiehlt
                                                    A. Wigger Nachf.


Mauersteine
vorräthig bei                                                    
                          Chr. Vollmar, Ratzeburg i. Lauenburg.


Streichfertige und trockene
Malerfarben

sowie Lacke, Bronzen, Bohnermasse; doppelt gekochten Firniß Pfund 40 Pf., Fußbodenglanz=Oel in einer Nacht trocknend Pfund 60 Pf. empfiehlt

                                                    H. Brüchmann.


Braun-Bier-Niederlage

für Carlow und Umgegend befindet sich bei Herrn Emil Borchard daselbst.

                          Hochachtungsvoll
                                                    C. Schwedt.
Schönberger=Dampf=Bier=Brauerei.


Beste                          
Guß= und Schmiedestahlsensen
empfiehlt billigstens                                                    
                                                    Aug. Spehr.


Zu verkaufen noch ca. 2 Schock                          
gutes Roggenstroh
Näheres in d. Expd.d. Blattes.


Stadt Lübeck.
Sonntag, d. 3. Juli                          
Tanzmusik,
An beiden Königschusstagen
Tanzmusik
am ersten Tage à Tanz 10 Pfg.                                                    


Einem hochgeehrten Lehrer=Collegium Schönbergs mit den gesammten Schulen, sowie allen Theilnehmern, welche mich am 28. d. M. aus Anlaß des Ausfluges mit ihrem Besuche erfreuten, sage hiermit meinen wärmsten Dank.

Sülsdorf, d. 30. Juni 1892.                                                    J. Wienck.


Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, den 3. Juli.

Frühkirche: fällt aus.
Vormittagskirche: Pastor Krüger.
      Amtswoche: Pastor Krüger.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Viehmarkt in Hamburg.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage
und Illustrirtes Beiblatt Nr. 27.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1892 Nr. 51 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 51 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 1. Juli 1892.


Aus der neuen Militärvorlage wird jetzt wieder eine andere Skizze und zwar in der "Frankf. Ztg. " und dem "Reichsboten" gezeichnet. Darnach soll es sich nicht, wie die "Post" am 20. Juni meldete, um 63 000 Mann und eine Erhöhung des Ordinariums um 60 Mill. Mk. handeln, sondern um eine Erhöhung der Präsensstärke um 32 000 Mann und einen größeren Kostenaufwand von 36 Mill. Mk. insbesondere durch Aufstellung von neuen Kadres für 10 Kavallerieregimenter und 189 Infanteriebataillone, sowie durch Formierung von sechs neuen Fußartilleriebataillonen und 50 Batterien.
Der ostafrikanische Korrespondent des "Berliner Tageblatts" hat wieder eine Alarmnachricht telegraphiert, nämlich daß im Usagara=Gebiet Scharen eingeborener Krieger raubend das Land durchziehen und der Ausbruch eines gefährlichen Aufstandes bevorstehe. Die englische Mission am Kilimandscharo habe den Dschaggas Hinterlader und Munition geliefert und man erwarte daher die Ausweisung aller englischen Missionare aus dem deutschen Kilimandscharo=Gebiet. Im südlichen Küstengebiet soll auch wieder der Sklavenhandel blühen.
Nach einem dem Bundesrath vorgelegten Entwurfe soll am 1. December d. J. eine umfassende und am 1. December 1897 eine vereinfachte Viehzählung vorgenommen werden.
Die Yacht Hohenzollern, auf welcher der Kaiser die Reise von Kiel nach Stettin zurücklegte, ist auf Befehl des Kaisers in Kaiseradler umgetauft worden.
Der "Börsen=Courier meldet: Fürst Bismarck schenkte seinem Sohne Herbert das Gut Schönhausen.
Der Valutaausschuß in Wien erledigte die Berathung des Münzgesetzes entsprechend der Regierungsvorlage und begann die Berathung der Münzconvention mit Ungarn. Die Münzconvention zwischen Oesterreich und Ungarn wurde angenommen. Das vorgeschlagene Auftheilungs=Verhältniß der Contingente beider Reichshälften von 70 zu 30 wurde mit 17 gegen 13 Stimmen genehmigt.
Wegen Veruntreuung von Dokumenten im französischen Marineministerium sind jetzt zwei Beamte verhaftet worden, Rivat und Grevnier (nicht Greiner). Außerdem aber wird aus Paris gemeldet, daß derjenige, an den diese Dokumente ausgeliefert worden sind, Kapitän Borup sei, der Attachè der amerikanischen Gesandtschaft. Einige Blätter behaupten, es sei nicht der Mühe wert, die Sache an die große Glocke zu hängen, da es sich nur um Schriftstücke handle, die durchaus nicht sekret seien; andere behaupten das Gegentheil. Kapitän Borup wird voraussichtlich abberufen werden.
Mittels Kaiserlichen Ukases werden die im Gouvernement Astrachan lebenden Kalmücken von der Leibeigenschaft befreit.
Wie der "Times" aus Petersburg gemeldet wird, befürchtet man den Ausbruch einer Hungersnoth in sieben der Gouvernements, welche voriges Jahr schon von der Mißernte heimgesucht worden waren.
Die Cholera hat sich dem russischen Gebiet nicht blos genähert, sie hat das russische Gebiet bereits erreicht und macht dort rasche Fortschritte. Wer die russischen Verhältnisse kennt, wird wissen, daß die Dinge schon eine beträchtliche Entwickelung genommen haben müssen, ehe amtlich das Umsichgreifen der Cholera zugestanden wird. Unter dem 26. aber wird aus Petersburg depeschirt, daß nach amtlicher Mittheilung in den Gouvernements Astrachan, Saratow, Taurien, in den uralischen Gebieten, dem Kaukasus und den Häfen des Schwarzen Meeres "energische Maßregeln betreffs der Choleragefahr getroffen worden seien." Es handelt sich hier nicht um Maßregeln gegen eine ferne Gefahr, sondern um Maßregeln gegen eine bereits hereingebrochene Gefahr, wie aus der weiteren Meldung hervorgeht, daß, abgesehen von einzelnen Cholerafällen in Transkaukasien, Turkestan und Samarkand, unter den Eingeborenen wie unter den Truppen sich die Cholera "bis jetzt nur in Baku in größerem Umfange gezeigt hat".
Wie in Christiana verlautet, wird der Kaiser am 7. dieses Monats in Stockmarknäs (Lofoten) eintreffen, sich von dort längs der Hadsel=Insel nach Melbo und sodann per Dampfschiff nach Hegafeidet am Oestnäsfjord begeben.


- Schönberg. Die Schüler der hiesigen Schulen machten in dieser Woche ihre üblichen Sommerausflüge, die vom schönsten Wetter begünstigt waren. Die oberen Classen der Realschule gingen am Montag über Grevesmühlen nach Hohenkirchen, wo übernachtet wurde, und am folgenden Morgen weiter nach Wismar, von wo Sie Abends spät mit der Bahn hierher zurückkehrten. Die unteren Classen machten eine Fußtour nach Dassow und Travemünde und kehrten Abends über Lübeck mit der Bahn zurück. Am Dienstag machten die unteren Classen der Knabenschule und alle Classen der Mädchenschule eine Tour durchs Zarnewenzer Holz nach Sülsdorf, von wo sie Abends 9 Uhr hier wieder eintrafen, eingeholt von der Trommler= und Pfeiferabtheilung der Knabenschule.
- Das Schwurgericht in Lübeck verurtheilte am 29. Juni die neunzehnjährige Kindesmörderin Steen aus Eutin zum Tode.
- Neustrelitz. Am 28 Juni über ein Jahr feiern Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Zur bleibenden Erinnerung an dieses seltene Fest wird Se. K. H. der Großherzog der hiesigen Stadtkirche eine neue Orgel schenken, die auf der der jetzigen Orgel gegenüberliegenden Seite aufgestellt werden soll, während die bisherige Orgel, die aus dem Dorfe Wanzka stammt und ein Geschenk des weiland Amtsrathes Zimmermann ist, wieder nach Wanzka kommen soll. Die Orgel wird der Orgelbauer Grünberg in Stettin liefern, die dazu gehörigen Holzarbeiten der hiesige Hoftischler Bengelsdorff. Jedenfalls wird die Kirche innerlich und äußerlich auch renovirt werden.
- Das Bauwerk, das auf dem Kaninchenberg im Großh. Schloßgarten errichtet ist und nach der inneren Herstellung demnächst den Sarkophag der Königin Luise aufnehmen wird, soll "Gedächtnishalle für die Königin Luise" genannt werden.
- Am nächsten Sonntag wird sich in unserem Geschäftsleben eine große Veränderung zeigen: Die Verordnung betreffend die "Sonntagsruhe" tritt mit diesem Tage in Kraft. Man steht der neuen Einrichtung im Allgemeinen sympathisch gegenüber, wenn auch einige Zeit vergehen wird, bevor sich Publikum und Geschäftsleute an die neuen Einrichtungen gewöhnt haben werden. Unsere Hausfrauen werden sich darauf einrichten müssen, daß sie an den Sonntag Nachmittagen und Abenden Nichts mehr einkaufen können. Wünschenswerth wäre es, daß auch die Post ihre Geschäftsstunden gemäß den Bestimmungen der neuen Verordnung einrichtet; die Oeffnung der Postschalter Nachmittags von 5-7 Uhr erscheint überflüssig. Die Post sollte am Sonntag von 8-10 und 12-2 Uhr geöffnet sein, wie es das Gesetz für die übrigen Geschäfte vorschreibt. Fabrik und Engrosgeschäfte werden in ihrer Mehrzahl nicht nur in Berlin, sondern fast im ganzen deutschen Reiche fortab gänzlich geschlossen sein. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß auf

[ => Original lesen: 1892 Nr. 51 Seite 6]

eine vom "Confect." gestellte Anfrage der Bescheid geworden ist, daß das Offenhalten der Schaufenster auch nur während der vom Gesetz gestatteten Geschäftsstunden erlaubt ist, selbst wenn der Eingang zu den Geschäftsräumen geschlossen ist.
- Schlesien beging am 27. d. die hundertfünfzigste Wiederkehr des Tages, an welchem die Einverleibung der Provinz in das preußische Staatsgebiet erfolgt ist. Die Unterzeichnung des definitiven Friedensvertrages fand allerdings erst etwa einen Monat später statt. Aber am 27. Juni des Jahres 1742 wurde mit besonderer Feierlichkeit in Breslau der bereits durch die Prämilinarverhandlung vollständig gesicherte Friedensschluß verkündigt, welcher die großen Erfolge des preußischen Schwertes in dem Ringen mit der Kriegsmacht Oesterreichs vorläufig besiegelte.
- Der größte Ochse Europas. Der Bierbrauer Loibl in Mühldorf kaufte in Kitzbichl (Tirol) einen fünf Jahre alten, schön gebauten Ochsen (Pinzgauer Schlag, lichtroth gefleckt) um den Preis von 1000 Gulden (ca. 1700 Mk.) Dieser Ochse, welcher in der Größe einem Elephanten gleicht, hat ein Gewicht von 32 1/2 Zentner; seine Höhe ist 208 Centimeter, die Länge vom Kopf bis zur Schweifwurzel beträgt 390 Centimeter, die Rückenbreite (von einem Knochen zum andern) ein Meter, dessen Körperumfang 320 Centimeter, gewiß eine hübsche "Taille". Der vormalige Besitzer in Kitzbichl setzte öffentlich eine Summe von 1000 Gulden demjenigen aus, der imstande ist, ein Exemplar von gleicher schwere vorzuzeigen. Es meldete sich aber niemand. Der Ochse wird heuer zu Octoberfest nach München spazieren, um sich in der Ochsenbraterei zu produzieren.
- Ueber die Ankunft des Fürsten Bismarck in München schreibt man vom Freitag: Der Fürst und die Fürstin Bismarck sind heute nacht 2 Uhr 10 Min. hier eingetroffen und wurden mit Hochrufen begrüßt. Der Ankunftsperron war für das größere Publikum abgesperrt. Das Empfangskomitee überreichte mit kurzen Worten Blumensträuße, ein Musikkorps spielte die "Wacht am Rhein". Bis zur nahen Villa Lenbach bildeten fackeltragende studentische Korporationen, Turnvereine und die Feuerwehren Spalier, hinter denen das zahlreich angesammelte Publikum die "Wacht am Rhein" sang und Hochrufe ertönen ließ. Im Garten der Villa Lenbach begrüßten 24 Fanfarenbläser des Künstlervereins "Allotria" den Fürsten und seine Gemahlin. Fürst Bismarck dankte vom Balkon aus dreimal für diese Begrüßung.
- Der "Figaro" regt die Veranstaltung einer Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 an, damit das Berliner Ausstellungsprojekt durchkreuzt werde; ein Komitee zur Zeichnung eines Garantiefonds sei bereits vorbereitet.
- In Hannover erregte seit einigen Tagen das Verschwinden der Komtesse von Linsingen großes Aufsehen; jetzt kommt die Nachricht, daß ihre Leiche in der Leine gefunden sei. Aus welcher Veranlassung die Dame den Tod in dem Wasser gefunden, ist wohl schwer zu enträthseln. Aus ihrem vorher bezeigtem auffallenden Benehmen darf wohl mit Sicherheit angenommen werden, daß Geistesumnachtung sie befallen hat.
- Verwendung destillierten Wassers. Die industrielle Darstellung des destillierten Wassers wird in Frankreich im Großen betrieben und findet dasselbe dort die mannigfachste Anwendung. Ein mit destilliertem Wasser kupierter Wein oder Branntwein scheint ein ganz anderes Aroma zu bekommen, als dasselbe Gemisch mit Brunnenwasser bereitet. Liqueure, eingekochte Früchte und Syrupe sollen eine Farbe erhalten, wie sie schöner nicht zu wünschen sei. Selbst in der Küche werden die Vorzüge vor dem gewöhnlichen Brunnenwasser gelobt, seit Professor Baurent vor einem halben Jahrhundert die Entdeckung gemacht hat, daß z. B. Thee oder Kaffee, mit Hilfe von destilliertem Wasser bereitet ein unübertreffliches Aroma besitzt. Wenn man die durch die Anwesenheit der Karbonate Alkalies und Erdalkalien möglich gemachten Zersetzung in Betracht zieht, so muß man sich über die Findigkeit dieser Industriellen wundern. Es findet bei Anwendung kalkhaltigen Brunnenwassers 1) eine Saturation der organischen Säuren der Pflanzensäfte, 2) eine Veränderung der Farben, 3) eine Einwirkung auf die Glykoside und aldehydartigen Aromas und 4) eine unlösliche Verbindung mit Tannin statt.
- Eine große Bauernhochzeit fand dieser Tage in Klietz (Kreis Westhavelland) statt, woselbst die Tochter eines Bauern mit dem Sohne des Gemeindevorstehers aus Buckow sich verheirathete. An der Feier nahmen 400 Personen theil, zu deren Bewirthung ein besonderes Zelt errichtet war. Geschlachtet wurden 1 Rind, 2 Schweine, 4 Kälber, 2 Hammel, eine Menge Federvieh und verschiedene Arten Fische. Ferner wurden verbraucht: Für 400 Mk. Butter, 8 Centner Mehl, 8 Tonnen Bier und ungezählte Flaschen Wein und Selters.
- Am Donnerstag fand in München die öffentliche Frohnleichnamsprozession unter dem herkömmlichen höfischen, kirchlichen und militärischen Prunk unter Spalierbildung der Truppen, unter Theilnahme des Prinzregenten, der Prinzen und Hofklassen, des Kultusministers, des Justizministers und des Kriegsministers und einer mäßigen Anzahl von Beamten statt.
- Vom Blitze erschlagen wurde während eines Gewitters am Mittwoch Nachmittag die 45 Jahre alte Ehefrau des Einwohners Pacholik in Przyborowo bei Samter (Ostpreußen), als sie sich mit mehreren Arbeitern aus dem Dorfe auf den nahen Wiesen zur Arbeit befand. Der Blitzstrahl fuhr direkt senkrecht in die Schädeldecke der Erschlagenen, so daß sie sofort leblos zur Erde sank. Ein wollenes Tuch, das die Frau auf dem Kopfe trug, ist auf der Stelle, die den Schädel bedeckte, vollständig durchgerannt; die übrigen Theile desselben blieben unversehrt.
- Honig als Schlafmittel. Vor dem Schlafengehen einige Löffel Honig genossen, soll, namentlich bei älteren unruhigen Leuten, ein gutes Mittel sein den Schlaf zu befördern.
- In Berlin wurde am Dienstag morgen 6 Uhr der Raubmörder Wetzel, der im vorigen Jahr den Kaufmann Hirschfeldt in Spandau ermordet hatte, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit hingerichtet.
- Wie aus Metz gemeldet wird, landete bei dem Grenzort Cheminot ein Luftballon mit zwei von Toul kommenden französischen Offizieren, der durch den Wind über die Grenze getrieben worden war. Nach Feststellung des Thatbestandes kehrten die Offiziere nebst dem Ballon über die Grenze zurück.
- Der Kaiser von Oesterreich hat auf dem Bundesschießen in Brunn einen Schuß gethan und mitten ins Schwarze getroffen. Darob großer Jubel unter den Festgenossen, die überhaupt, wie die übrige Bevölkerung, nicht müde werden, dem geliebten Herrscher stürmische Ovationen zu bereiten.
- Vor dem Berliner Schwurgericht hat am Montag die erneute Verhandlung im Mordprozeß Heintze begonnen. Die Oeffentlichkeit ist für die ganze Dauer des Prozesses ausgeschlossen.
- In Como in Oberitalien sind gegen 300 Personen an Blutgeschwüren und Pestbeulen erkrankt. Die Epidemie soll infolge des Genusses verdorbenen Fleisches entstanden sein.
- Ertappte Dynamitarden. In Folge von Enthüllung des Anarchisten Bricou kennt jetzt die französische Polizei die Urheber des Dynamitattentats im Restaurant Véry zu Paris. Es sind dies Bricou selbst, dessen Frau, ein gewisser Francis, genannt Francois, und Meunier. Francis und Meunier sind nach London geflüchtet, wo zwei Polizeiagenten sie überwachen, um sie nach Erledigung der Auslieferungsformalitäten festnehmen zu lassen. Bei Francis, der den plan zu dem Attentat gefaßt hatte, ist die Bombe hergestellt worden.
- Der französische Komponist Charles Gounod liegt schwer krank darnieder; er hat am Montag die Sterbesakramente erhalten.


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