No. 76
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 30. September
1890
sechzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1890 Nr. 76 Seite 1]

      Nr. 17 des Offiz. Anzeigers für das Fürstenthum Ratzeburg pro 1890 enthält in der
        II. Abtheilung.

(1.) Bekanntmachung, betr. die Herausgabe eines neuen Arzneibuchs für das Deutsche Reich.
(2.) Bekanntmachung, betr. die zur Abstempelung von Spielkarten befugten Zoll= und Steuerstellen.
(3.) Bekanntmachung, betr. die für Leistungen an das Militär zu vergütenden Durchschnittspreise von Naturalien pro Monat August 1890.
(4.) Bekanntmachung, betr. die Unfallverhütungsvorschriften für die Hamburgische Baugewerksberufsgenossenschaft, Section II (Lübeck).
(5.) Bekanntmachung, betr. die Versendung von Postpacketen nach Siam.
(6.) Bekanntmachung, betr. Geldsendungen per Postanweisung nach Britisch=Betschuanaland.


Kaiser Wilhelm begab sich am Donnerstag vormittag von Theerbude nach dem Szittkahner Revier und hielt dort eine Pürschjagd mit gutem Erfolge ab. Abends kehrte der Kaiser nach Theerbude zurück, woselbst er noch bis zum 30. September verbleibt.
Voraussichtlich wird dem deutschen Kaiser die Freude zu Theil werden, während seines bevorstehenden kurzen Aufenthaltes in Wien bezw. auf Schloß Schönbrunn seinen nahen Verwandten, den Prinzen Karl von Rumänien begrüßen zu können. Es heißt, daß derselbe vom Kaiser von Oesterreich eine Einladung zum Besuch erhalten und angenommen habe. Eine direkte politische Bedeutung würde darin ja kaum zu erblicken sein. Immerhin würde daraus von Neuem die freundliche Stellung des Königs zu den beiden Kaisern hervorgehen, und deshalb dürfte man dem Besuche des Königs in Wien, falls er thatsächlich stattfinden wird, seitens der Petersburger Regierung eine allzu freundliche Beurtheilung kaum zu Theil werden lassen.
Mit Kaiser Wilhelm werden zugleich der König Albert und Prinz Georg von Sachsen am 1. October in Wien eintreffen. Der Festschmuck der Kaiserstadt an der Donau wird ein so glänzender sein, wie es seit Jahren der Fall nicht gewesen ist.
Die Schweidnitzer Zeitungen kündigen den nochmaligen Besuch des Kaisers in Creisau am Geburtstage des Generalfeldmarschalls Grafen von Moltke an.
- Fürst Bismarck wird in der nächsten Landtagssession im preußischen Herrenhause erscheinen. Aus der Umgebung des Fürsten kommen verschiedene Aeußerungen, welche dieses Vorhaben als ganz bestimmten Plan darstellen, und es erklärt sich auch sehr leicht daraus, daß Fürst Bismarck zur Miquelschen Steuerreform Stellung nehmen will. Miquel hat verschiedene Punkte angeregt, die den Fürsten Schon in seiner Eigenschaft als einer der bedeutendsten preußischen Großgrundbesitzer erheblich interessiren und zu denen er gewiß nicht schweigen wird. Man kann sich daher auf eine recht interessante Parlamentssession in diesem Winter in Voraus gefaßt machen.
Mitte October findet im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin eine Konferenz von Vertretern sämtlicher Staats=Eisenbahndirectionen statt, in der es sich um Berathungen über Gegenstände des Tarif=, Verkehrs= und Fahrplanwesens handelt.
Dem nächsten Reichstag werden bereits vorbereitende Forderungen für die Befestigung der Insel Helgoland unterbreitet werden. Voraussetzung daß von ist natürlich, daß die Insel durch besonderes Gesetz dem deutschen Reiche einverleibt wird.
Eine plötzliche starke Geldknappheit macht sich an allen großen Handelsplätzen geltend. Die Reichsbank in Berlin erhöhte den Diskont am Freitag auf 5 Prozent, den Lombardzinsfuß für Darlehen gegen ausschließliche Verpfändung von Schuldverschreibungen des Reiches oder eines deutschen Staates 5 1/2 Prozent, gegen Verpfändung sonstiger Effecten und Waaren auf 6 Procent.
Der "Reichsanzeiger" erklärt gegenüber verschiedenen Versuchen der Presse, das volle Inkrafttreten des Invalidität= und Altersversicherungsgesetzes zu hintertreiben oder zu verzögern, daß es sich schon mit Sicherheit annehmen lasse, daß die Inkraftsetzung am 1. Januar 1891, dem von vornherein in Aussicht genommenen Zeitpunkt erfolgen werde. Von einer Absicht, den Zeitpunkt weiter hinauszuschieben, könne gar keine Rede sein.
Wie die "Kölnische Volkszeitung" meldet, wird Anfang Oktober ein gemeinsames Hirtenschreiben aller deutschen Bischöfe über die soziale Frage erscheinen.
Der deutsche Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke hat in seiner Anfangs dieser Woche in Frankfurt a. M. abgehaltenen ersten Jahresversammlung beschlossen, beim Bundesrath und Reichstag um den Erlaß eines Gesetzes zur Bekämpfung der Trunksucht einzukommen. Dieser Petition dürfte um so größere Aussicht auf Erfolg zur Seite stehen, als die Reichsverwaltung bereits seit längerer Zeit mit der gesetzlichen Regulirung dieser Frage beschäftigt ist. Die letzte Erklärung, die von amtlicher Stelle über diese Arbeiten abgegeben wurde, datirt aus dem Herbst vorigen Jahres. Darnach war man damals nach Abschluß commissarischer Vorberathungen dazu übergegangen, Grundzüge für ein Gesetz, welches sich auf die Bekämpfung der Trunksucht richtet, auszuarbeiten. Man hat somit alle Veranlassung, einem gesetzgeberischen Vorgehen in der Bekämpfung der Trunksucht, das doch wohl von allen Seiten gewünscht wird, für eine nicht ferne Zukunft entgegenzusehen.
Nach Beendigung der Herbstmanöver ist nun die Entlassung der Reserven und die Einziehung älterer Jahrgänge derselben behufs Einübung mit dem neuen Gewehr erfolgt. Die Einziehung der Rekruten für den Dienst mit der Waffe steht, wie alljährlich, anfangs November bevor. In militärischen Kreisen sieht man diesmal mit besonderer Spannung den Manöverberichten entgegen, in denen es sich u. a. um Gutachten über zahlreiche Neueinführungen handeln soll, welche im Lauf der Manöver ihre Probe zu bestehen hatten. Die Versuche betreffen zum großen Theil ökonomische Einrichtungen, doch

[ => Original lesen: 1890 Nr. 76 Seite 2]

ist andererseits auch die Anwendung des rauchlosen Pulvers noch Gegenstand der Erörterungen, sodaß diese hochwichtige Frage noch keineswegs als abgeschlossen zu betrachten ist.
Einen vom Grusonwerk in Magdeburg veranstalteten großartigen Schießversuche mit Schnellfeuer= und Panzerthum=Geschützen wohnten Offiziere fast aller Nationen bei. Man erreichte eine Feuergeschwindigkeit von 9 Schuß pro Minute mit der Grusen'schen Schnellfeuerkanone. Zwei Geschütze, welche geprüft wurden, schleuderte Geschosse von 439 Pfund Gewicht.
Die zweijährige Dienstzeit wird noch immer viel erörtert. Neuerdings wird sogar, wie die "Berliner Politischen Nachrichten" hervorheben, der Versuch gemacht, als bestehe innerhalb der Heeresverwaltung über die zweijährige Dienstzeit eine Meinungsverschiedenheit. Insbesondere ist man zu diesem Ende bemüht, einen Zwiespalt zwischen der Auffassung des verantwortlichen Leiters der preußischen Heeresverwaltung und der bekannten Rede des Generals Vogel von Falkenstein in der Militärkommission des Reichstags zu konstruieren. Diese Unterstellung läßt die Thatsache außer Acht, daß die Vertretung von Gesetzvorlagen seitens der Regierung eine einheitliche ist und es keinem Kommissar derselben gestattet ist, von der vorgezeichneten Linie abzuweichen. Am wenigsten ist natürlich eine solche Abweichung innerhalb des Ressorts der Heeresverwaltung denkbar. Man wird gegenüber solchen Ausstreuungen aber gut thun, sich der in den Verhandlungen über die Militärvorlage bekundeten Thatsache zu erinnern, daß die Frage der zweijährigen Dienstzeit von der Heeresverwaltung zum Gegenstand eingehendster Erörterung gemacht worden ist, und die zu diesem Zweck zahlreich von den bewährtesten Militärs eingeforderten Gutachten sich nahezu einstimmig gegen die Maßregel ausgesprochen haben. Gerade das Gegentheil der Eingangs erwähnten Unterstellung ist daher der Fall.
Die Schießübungen mit dem rauchlosen Pulver während der schlesischen Manöver haben, wie die Schles. Ztg. schreibt, auch eine Aenderung der Uniformen wünschenswerth erscheinen lassen. Die glänzenden Metalltheile, die leuchtenden Farben der Uniformen sind jetzt aus weiter Ferne zu erkennen und bieten mithin gute Zielobjekte. Es dürfte wohl manche Aenderung eintreten.
Die klassischen rothen Hosen, ohne die man sich den französischen Soldaten nicht gut denken kann, werden der Einführung des rauchlosen Pulvers nicht zum Opfer fallen, da sich die Befürchtung, daß dieselben zu viel sichtbar wären, nicht bestätigt hat. Man geht vorläufig nur damit um, die Dragonerhelme und die Säbelscheiden der Cavallerie durch Bronzirung weniger sichtbar zu machen. Auch in Deutschland wird in militärischen Kreisen erwogen, ob nicht durch die Anwendung des rauchschwachen Pulvers gewisse Veränderungen in der Ausrüstung und Bekleidung der Truppen bedingt seien. Die blanken Helme, die vielen glänzenden Metalltheile, die weißen Koller der Kürassiere, die bunten Attilas der Husaren und manches andere machen sich in der Ferne so deutlich sichtbar, daß das Einschießen der Artillerie und das Zielen der Infanterie außerordentlich dadurch erleichtert wird. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß die deutsche Armee äußerlich dem Glanz mehr Rechnung trägt, als jede andere der Neuzeit.
Die Generalinspektoren der französischen Armee bestehen in ihrem Bericht an den Kriegsminister über die diesjährigen großen Feldübungen auf einer durchgreifenden Verjüngung der Truppenführer, da viele Offiziere, vom Hauptmann an, den Anforderungen, der durch das rauchlos Pulver bedingten neuen Taktik körperlich nicht mehr gewachsen seien. Diese Forderung hat großes Aufsehen erregt, weil sie die Pensionirung zahlreicher Offiziere zur Folge haben wird.
Die schon ziemlich lange Unglückschronik der französischen Torpedoflotte ist um eine Nummer vermehrt worden. Bisher pflegten die Boote zu kentern und mit Mann und Maus unterzugehen. Diesmal ist das Genre neu, und wie es scheint, weniger gefährlich. Wie aus Toulon gemeldet wird, hat ein Torpedoboot bei der Uebung dadurch schwere Havarie erlitten, daß die Ladung des Torpedos rückwärts explodirte.


Anzeigen.

Diejenigen Deputatisten, welche einen Theil ihres Deputatholzes pro 1890/91 der Forst gegen die Geldentschädigung zu überlassen beabsichtigen, haben dies bis zum 1. October c. hierher anzuzeigen.
Schönberg, den 22. September 1890.

Großherzoglich Meckl. Domainen=Amt.
Cl. v. Oertzen.


Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß die für die Stadt in der Zeit vom d. J. in hiesiger Rathsstube ausliegt. Gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Urliste können Einsprachen von Jedermann innerhalb einer Woche (vom 1. October d. J. angerechnet) erhoben werden, und sind solche schriftlich bei uns einzureichen.
Schönberg, den 22. September 1890.

Der Magistrat.


Torf=Auction.

Am Donnerstag, den 2. October d. Js., sollen auf dem Kuhlrader=Moore öffentlich meistbietend

132 Mille Formtorf

versteigert werden.
Zusammenkunft 9 Uhr Vormittags an der Molzahner Seite.
Carlow, den 25. September 1890.

                                                    A. v. Linstow,
                                                    Förster.


Am Sonnabend, den 4. October d. Js., Vormittags 10 Uhr werde ich in dem Lokale des Gastwirths Boye hieselbst ein

altes, braunes Pferd

öffentlich meistbietend verkaufen. Kaufliebhaber können dasselbe vor dem Verkaufe von Morgens 8 Uhr an in Augenschein nehmen.
Schönberg, den 29. September 1890.

                                                    Rechtsanwalt Fölsch.


Generalversammlung des
Herbergs=Vereins.

Nachdem Se. Königl. Hoheit der Großherzog gnädigst geruht haben, 300 Mark zur ersten Einrichtung zu bewilligen und die Anweisung von 40% der Kosten der Verpflegungsstation in Aussicht zu stellen und das Unternehmen somit gesichert erscheint, wird auf den 27. October, Nachm. 3 Uhr, in dem Boye'schen Gasthof hierselbst eine

Generalversammlung

berufen, zu der alle diejenigen eingeladen werden, die Jahresbeiträge gezeichnet haben oder bis dahin zeichnen werden. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß statutenmäßig in der Generalversammlung nur die Mitglieder, welche bis zur Beschlußfassung einen Jahresbeitrag von mindestens 1 Mark gezeichnet haben stimmberechtigt sind.
                                                    Tagesordnung:
                          1) Berichterstattung.
                          2) Beschlußfassung über Herberge zur Heimath und Verpflegungsstation.
                          3) Wahl des Vorstandes.

Der Ausschuß des Herbergs-Vereins für das Fürstenthum Ratzeburg.
I. A.: Georg Krüger.


Die Einsammlung des Opfers hat der Stadtdiener Stree übernommen und wird am Tage nach Michaelis beginnen. Diejenigen Zahlungspflichtigen, welche in der nächsten Woche nicht zu Hause sein sollten, werden ersucht, das Opfer bei einem Nachbar abzugeben.

                                                    H. Schulze, Küster.


Zur Wintersaison

halte ich mein Lager von Kleiderstoffen und dazu passenden Besätzen, wie Seide, Samet, Samet=Bänder, Krimmer u. Sontache=Garnituren in allen Farben bestens empfohlen.
Auch biete ich in dieser Saison in abgepaßten Roben wieder was hervorragendes.

                                                    Heinrich Meyer.


[ => Original lesen: 1890 Nr. 76 Seite 3]

J. W. Hundt, Schumachermstr., Schönberg i. M.

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Schönberg.                                                     Wwe. Creutzfeld.


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Lübeck.                                                     R. Lübcke.
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Rabensdorf.                                                     W. Egert.


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der melken kann, gegen guten Lohn. Zu erfragen in der Expedition d. Bl.


Zum 24. October suche ich noch                                                    
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Lockwisch.                                                     Dierking.


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Tagelöhner
in Arbeit und Wohnung gesucht von                                                    
                                                    J. Oldenburg-Niendorf.


Entlaufen

ist mir mein weißer Terrier, auf dem linken Auge ein schwarzer Fleck und auf den Namen "Pietsch" hörend.
Dem Wiederbringer eine Belohnung.

                                                    H. Mette,
                                                    Schönberg i. M.


[ => Original lesen: 1890 Nr. 76 Seite 4]

         Vom 10. Mai d. J. bis heute sind nachstehende Schäden bei unserem Verein angemeldet:
  1. Vom Hauswirth Freitag=Lübseerhagen1 Pferd 300 M.
  2. Vom Schulzen Bollow zu Campow 1 Kuh 120 M.
  3. Vom Ackerbürger Wulff=Ratzeburg 2 Kühe 270 M.
  4. Vom Arbeitsmann Lehmann=Duvennest 1 Kuh 135 M.
  5. Vom Mühlenpächter Frank hier 1 Pferd 250 M.
  6. Vom Handelsmann Ohls hier 1 Kuh 135 M.
  7. Vom Hauswirth Heiden=Schlagsdorf 1 Pferd 300 M.
  8. Vom Hauswirth Ebell in Gr. Mist 1 Kuh 135 M.
  9. Vom Ackerbürger Boye hier 2 Kühe 270 M.
10. Vom Schulze Renzow=Grieben 1 Kuh 135 M.
11. Vom Kutscher Gerber=Mechow 1 Kuh 135 M.
12. Vom Hauswirth Gerds=Selmsdorf 1 Pferd 300 M.
13. Vom Arbeitsmann Strickert=Rabensdorf 1 Kuh 135 M.
14. Vom Hauswirth Planthaber=Mist 1 Pferd 200 M.
15. Vom Ackerbürger Wulff vor Ratzeburg noch 2 Kühe 270 M.
16. Vom Tischlermeister Fick=Schlagsdorf 1 Pferd 100 M.
17. Vom Hauswirth Ebell in Gr. Mist 1 Pferd 200 M.
Unsere Mitglieder werden ersucht, zur Deckung dieser Schäden einen Beitrag von 80 Pfennig pro 100 M. Versicherungssumme am

Freitag, den 10. October, Morgens 10 Uhr,

im Boye'schen Gasthause hieselbst einzuzahlen.
An demselben Tage liegt daselbst die letzte Vereinsrechnung zur gefälligen Einsicht unserer Mitglieder und sonstiger Interessenten vor. Aus derselben wollen wir hier nur bemerken, daß die Zahl der Mitglieder 385 und die Versicherungssumme 408,600 M. beträgt.
Schönberg, den 20. September 1890.

Direction des Viehversicherungs=Vereins im Fürstenthum Ratzeburg.
As. Ahrendt.             Wilh. Heincke.


Mecklenburgische Hypotheken- & Wechselbank.

Wir bringen hiermit zur Kenntniß, daß wir mit dem heutigen Tage die bisher von Herrn J. H. Böckmann verwaltete Agentur unserer Bank für

Schönberg und Umgegend
dem Herrn Wilh. Boye zu Schönberg

übertragen haben.
Schwerin, den 26. September 1890

Die Direction.
Büsing.                 Kayser.


Am Sonntag, den 12. October,
Concert

im Boye'schen Saale, ausgeführt von der Albrecht'schen Bergkapelle.

Anfang 8 Uhr.
Entree 50 Pfg. à Person.
Hierzu ladet ergebenst ein                                                    
                                                    Josef Albrecht.
Nach dem Concert: Ball.


Einem hochgeehrten Publikum von Schönberg und Umgegend die ergebene Anzeige, daß ich am heutigen Tage in der Schlauentrift eine

Gastwirthschaft

mit Ausspannung eröffnet habe und bitte mein Unternehmen gütigst zu unterstützen.

                                                    H. Bockmann.


Für den Winter

sind die Damenmäntel, Visites und Jaquets von den einfachsten bis zu den elegantesten eingetroffen, darunter apparte Neuheiten.

                                                    Heinrich Meyer.


Mein Lager von Buckskins, Kammgarne, Paletots & Hosenstoffe

ist reichhaltig sortirt und offeriere ich selbige zu bekannten billigen Preisen.
Auf Wunsch des Käufers lasse ich sämmtliche Stoffe anfertigen und garantiere für guten Sitz, neuesten Schnitt und vorzügliche Arbeit.

                                                    Heinrich Meyer.


Zum Clavierstimmen
empfielt sich bestens                                                    
Schönberg.                                                     L. Creutzfeldt.


Gegen Hautunreinigkeiten

Mitesser, Finnen, Flechten, Röthe des Gesichts etc. ist die wirksamste Seife:

Bergmann's Birkenbalsam-Seife

allein fabricirt von Bergmann & Co. in Dresden. Verkauf à Stück 30 u. 50 Pfennig (Mecklenburg) bei Apotheker Montag.


Im Laufe dieser Woche wird der Stadtdiener Stree die für den Herbergsverein gezeichneten Beiträge einfordern.

                                                    I. A.: F. Heitmann,
                                                    Cassenführer des Herbergs=Vereins
                                                    für das Fürstenthum Ratzeburg.


Elise Teut
Wilhelm Hauschild.
Verlobte.
Schlag=Resdorf.                                                     Ziethen.


Abgang der Eisenbahnzüge von Schönberg
nach Lübeck:
6,55 Vorm. 9,50 Vorm. 3,21 Nachm. 7,19 Abends. 11,12 Nachts.
Nach Kleinen:
7,51 Morg. 10,13 Vorm. 12,51 Nachm. 5,29 Nachm. 8,48 Abends.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1890 Nr. 76 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 76 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 30 September 1890.


In St. Petersburg geht das Gerücht, demnächst werde eine Begegnung zwischen dem Kaiser Alexander und dem Kaiser Franz Josef von Oesterreich stattfinden.
Das Wichtigste bei den großen Manövern in Nordfrankreich scheint die Person des russischen Militärbevollmächtigten, General Fredericks, gewesen zu sein. Derselbe ist während der ganzen Dauer der Manöver der Gegenstand enthusiastischer Kundgebungen gewesen, über die alles Andere, was sonst das Herz der Franzosen höher schlagen läßt: Carnot, die Republik und die Armee selbst, in Vergessenheit gerathen ist. In den Städten wie in den Dörfern, auf den Landstraßen wie auf dem Manöverfeld, überall wo die fremden Offiziere sich zeigten, wurden dieselben mit dem Ruf: "Vive la Russie!" empfangen, so daß die Geschichte schließlich dem General Fredericks unbequem geworden ist. Jedenfalls bewiesen diese Kundgebungen, daß auch in der Provinz die russische Allianz gleichsam das Loosungswort geworden ist, wenn auch nicht recht verständlich ist, was diese arbeitsame Bevölkerung, die gewiß nicht den Ausbruch eines Krieges wünscht, von der russischen Allianz erwartet. Vielleicht schenken sie den Pariser Zeitungen Glauben, welche bekanntlich allen Ernstes behaupten, daß die russisch=französische Allianz die beste Garantie für die Aufrechterhaltung des Friedens bilde!
Die Pläne und Acten bezüglich des Seekanals von Paris nach Rouen sind jetzt im Stadthaus zu Paris niedergelegt. Der Kanal soll eine Länge von 180 Kilometer und eine Tiefe von 6,20 Meter haben. Der Pariser Seehafen würde dann zwischen Saint=Denis und Clichy ausgehoben werden. Die Kosten in der Höhe von 135 Millionen Francs vertheilen sich wie folgt: Grunderwerb 4 1/2 Millionen, Erdarbeiten 67 1/2 Mill., Schleusen und Dämme 14 1/3 Mill., Verlegung der Bahnlinien 10 1/2 Mill., Brückenbauten 10 Mill., Verwaltungsspesen 22 Mill. Die Fahrdauer wird etwa 17 Stunden betragen; die Kanalgebühr beläuft sich auf 6,50 Frcs. für die Tonne.
Die Judenfrage soll demnächst in Rußland durch eine Special=Conferenz im Ministerium des Innern ihre Lösung finden. Die Conferenz wird sich aus Vertretern der höheren Verwaltungsbehörden zusammensetzen, auch sollen die Gouverneure der Provinzen, in welchen die Juden Heimathsrecht besitzen, zu der Conferenz hinzugezogen werden. Die Grundlage der Verhandlungen bildet das von der früheren Commission zur Lösung der Judenfrage ausgearbeitete Project, von welchem jedenfalls einzelne Theile in die Beschlüsse der Conferenz aufgenommen werden.
Von Emin Pascha und seiner Expedition ins Innere des Schwarzen Erdtheils sind jetzt ausführliche Nachrichten eingetroffen. Er hißte, wie bereits kurz gemeldet wurde, die deutsche Flagge in Tabora, nahm Besitz von den Kanonen des Sultans Sikes und zwang diesen außerdem, zum Ersatz für entwendete Waaren eine beträchtliche Menge Elfenbein und 400 Rinder auszuliefern.
In und um Bagamojo ist ein großes Emin=Plantagen=Unternehmen unter dem Namen Emin=Plantage in der Anlage begriffen. Wie der Kreuz=Zeitung mitgetheilt wird, hat vor kurzem zu diesem Unternehmen der König von Neapel 100 000 Mark beigesteuert, weil er, wie er sich dem Major v. Gravenreuth gegenüber ausdrückte, als Gattin einer bayrischen Prinzessin bei einem deutschen Unternehmen nicht hintenanstehen wolle.
Der deutsche Generalkonsul Dr. Michahelles hat von Sansibar aus Bagamoyo besucht. Derselbe stellt ebenfalls fest, daß von den durch englische Zeitungen verbreiteten lügenhaften Nachrichten über deutsche Sklavenmärkte kein Wort wahr ist.
Aus Bagamojo schreibt die "Times," daß die vom deutschen Generalkonsul dort eingeleitete Untersuchung die Folge hatte, daß am vorigen Dienstag daselbst ein Araber wegen Sklavenhandels öffentlich gehängt wurde.
Die englische Regierung hat nach einer Meldung des Bureau Reuter einem in Sansibar stationirten Kriegsschiff telegraphisch den Befehl ertheilt, nach Witu abzugehen, damit der Sachverhalt in Betreff der Ermordung Küntzels und Genossen an Ort und Stelle festgestellt werde. Nähere Nachrichten über das Massacre sind vor Ende October nicht zu erwarten. Die bis jetzt vorliegenden Berichte englischer Blätter klingen sehr unwahrscheinlich und sind jedenfalls dem bekannten Wohlwollen entsprungen, das sich überall bekundet, wo englische und deutsche Interessen einander kreuzen.


Die Herberge zur Heimat= und Natural=Verpflegungsstation zu Schönberg.

Unter diesem Titel sollen zur näheren Verständigung über den Gegenstand einige kürzere Artikel erscheinen, um auch solche, die der Sache noch fern stehen, möglichst zur Mitwirkung heranzuziehen.

I.

Bekanntlich hat sich ein "Herbergsverein für das Fürstenthum Ratzeburg" gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, dem Unwesen der Hausbettelei und Landstreicherei zu steuern und den Wanderern eine Herberge zu bieten, die nach Möglichkeit ihnen die Heimath ersetze und sie vor den Gefahren und Versuchungen des Wanderlebens und den schlechten Herbergen bewahre, damit sie nicht auch dem Vagabondenthum anheimfallen oder doch dem letzteren thunlichst wieder entzogen werden.
Die Anregung dazu war aus Hauswirthskreisen im Verein für kleinere Landwirthe gegeben und herrschte in der gut besuchten Versammlung allseitige Uebereinstimmung darüber, daß die Landstreicher für unser Fürstenthum eine große Plage seien und daß es an der Zeit sei, Schritte zur Abstellung des Uebels zu thun. Auch im Gewerbeverein war die Sache schon früher angeregt und fand nunmehr bei eingehenderer Erörterung viel Verständniß und Entgegenkommen. Deshalb war die Erwartung berechtigt, daß in dieser Sache nicht bloß Stadt und Land zusammenstehen, sondern auch in den einzelnen Dorfschaften und nicht minder in Schönberg die Betheiligung eine allgemeine und sehr rege sein werde.
Um so mehr muß man sich wundern, daß jetzt, da an die Einwohner des Fürstenthums die Aufforderung ergangen ist, durch Zeichnung von Jahresbeiträgen Mitglieder des Vereins zu werden und thunlichst auch zur ersten Einrichtung einen Beitrag zu zahlen, die Stimmung in Stadt und Land eine verhältnißmäßig laue zu sein und die Betheiligung, von rühmlichen Ausnahmen abgesehen, eine geringe zu bleiben scheint.
Es würde ein schlechtes Zeugniß für die Einsicht, wie für die sittliche Thatkraft unserer Bevölkerung sein, wenn das, was in dem größten Theile unseres deutschen Vaterlandes bereits mit dem augenscheinlichsten Erfolge ins Leben gerufen ist, gerade in unserem, von dem Landstreicherthum so besonders heimgesuchten Lande fortgesetzt auf Bedenken und Schwierigkeiten stieße. Aber vielleicht liegt's daran, daß es trotz der an verschiedenen Orten gehaltenen Vorträge noch an der nöthigen Kenntniß der Sache und an der Ueberzeugung fehlt, daß um des Landes wie um der von jedem Einzelnen zu erfüllenden Liebespflicht willen auch jeder das Seine mitthun muß, damit das hervorragend gemeinnützige Werk wirklich allerorten Anklang finde und erfolgreich zum Segen des Landes durchgeführt werden könne. Darum soll es versucht werden, die der Betheiligung entgegenstehenden mannigfachen Vorurtheile zu entkräften und die hier und da herrschenden grundlosen Befürchtungen zu zerstreuen, damit wenigstens jeder sehe, daß es eine sittliche Pflicht ist, mit Hand an's Werk zu legen, um dem großen Nothstande abzuhelfen.
Wir wollen in einem folgenden Artikel zunächst den Nothstand selbst ins Auge fassen, dem durch Errichtung einer Herberge zur Heimath mit Natural=Verpflegungsstation entgegengetreten werden muß.


[ => Original lesen: 1890 Nr. 76 Seite 6]

- Schönberg: Mit Rücksicht auf den am 1. October in Kraft tretenden Winterfahrplan der Friedrich=Franz=Eisenbahn werden nachfolgende Aenderungen in dem hiesigen Postengange stattfinden: Das II. Fuhrwerk nach Rehna wird 5 Minuten früher, also 3 Uhr 45 Minuten Nachmittags, das III. Fuhrwerk 15 Minuten später, mithin 9 Uhr 35 Min. Abends von hier abgefertigt werden. Das II. Fuhrwerk nach Dassow wird nicht mehr den Zug von Lübeck 9 Uhr 2 Min. Abends abwarten, sondern bereits nach dem Schnellzug um 8 Uhr Abends abgehen.
- Schönberg. Unter großer Betheiligung der Einwohnerschaft unseres Fürstenthums wurde am 24. Sept. im Dom zu Ratzeburg unser diesjähriges Missionsfest gefeiert, bei dem Hofprediger Stöcker=Berlin die Festpredigt hielt und Pastor Eulenberg=Schlagsdorf den Missionsbericht erstattete. Im Dom hatte sich eine nach vielen Hunderten von Personen zählende Gemeinde eingefunden, die lautlos dem Wort des Festredners lauschte. Der Vortrag nahm fast eine volle Stunde in Anspruch. Nach der kirchlichen Feier fand auf der Bäck ein gemeinschaftliches Essen statt, an dem sich ca. 100 Personen betheiligten. Punkt 3 Uhr begann die Nachmittagsfeier, bestehend aus Vorträgen von geistlichen Liedern und aus der Mission. Als Festredner traten auf Pastor Hunziger=Roggenstorf und Hofprediger Stöcker. Letzterer sprach über die Berliner Stadtmission. Zum Schluß wurde für diese Mission eine Collecte veranstaltet.
- In Ratzeburg wurde am 26. September, dem 25jährigen Gedenktag der Erbhuldigung Lauenburgs für König Wilhelm I., unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung, namentlich der Kriegervereine, das Denkmal Kaiser Wilhelms I. enthüllt.
- In der Nähe des Central=Friedhofes in Ohlsdorf bei Hamburg hat der Hamburger Verein für Leichenverbrennung ein Areal von 80 000 []Fuß angekauft, um auf demselben die Gebäude der Leichenverbrennung zu errichten. Nachdem er nachgewiesen, daß die hierzu nötige Summe vorhanden, hat der Senat seine Zustimmung zu der Erbauung gegeben. Dieser Tage haben die Arbeiten ihren Anfang genommen.
Die Staatsanwaltschaft in Altona stellte das Verfahren gegen jenen Russen ein, welcher anfangs August eine Anzahl von Personen in einem Eisenbahnzuge bei Wandsbeck durch Messerstiche verletzte, weil der Verhaftete durch das Gericht für wahnsinnig erklärt worden ist. Derselbe wird in einer Irrenanstalt untergebracht.
- Die Arbeiten im Mausoleum für Kaiser Friedrich bei der Friedenskirche zu Potsdam sind nahezu beendet, so daß die Einweihung desselben, sowie die Überführung der sterblichen Ueberreste Kaiser Friedrichs am 18. October d. J. stattfinden kann.
- Der preußische Minister des Innern wies, wie die "Kreuzztg." meldet, den Einspruch von 200 Görlitzer Spielern gegen die Giltigkeit der Schloßfreiheit=Lotterie zurück.
- Die Einfuhr ungarischer Schweine nach Berlin hat bereits begonnen, doch ist der Rückgang des Fleischpreises noch gering, etwa 3 Pfg. pro Pfund.
- In Spandau ist ein großer Theil der wegen Einstellung der Nachttour in der Munitionsfabrik entbehrlich gewordenen Arbeiter und Arbeiterinnen abgelohnt worden.
- Nur 26 aus Berlin ausgewiesene Sozialdemokraten erklärten, daß sie zurückkehren wollen. Da der 1. October dicht vor der Thür ist, wird sich die Zahl kaum noch vergrößern.
- Das Geburtshaus des Grafen Moltke ist bereits am 12. d. M. von dem Comite in Parchim angekauft worden.
- Eduard Simson, der greise Präsident des deutschen Reichsgerichtes wird in wenigen Wochen sein 80. Lebensjahr vollendet haben und hat sein Pensionsgesuch eingereicht, um den Rest seiner Tage in dem wohlverdienten Ruhestande zu verbringen. Am Ende des langen Weges, den er von der Professur an der Königsberger Hochschule bis zum Verzichte auf das oberste Richteramt im Deutschen Reiche zurücklegte, gebührt ihm eine Würdigung der hervorragenden Rolle, die ihm in dem politischen Leben seiner Zeit und seines Volkes auferlegt war.
- Nicht wenig erschreckt wurden dieser Tage mehrere vom Wochenmarkt zu Vorbeck in der Rheinprovinz heimkehrende Frauen, als sie ein etwa 6 Fuß langes Ungethüm in nächster Nähe im Chausseegraben sich herumtummeln sahen. Die Bestürzung wuchs, als das Ungethier wie zum Morgengruß seinen gewaltigen Rachen öffnete und so die Weiber zur Flucht veranlaßte. Als bald darauf eine Schar muthiger Männer mit allerlei Mordwaffen auf der gefährlichen Stelle erschien, kam rechtzeitig der Besitzer des entsprungenen Ungethüms, um den Flüchtling einzufangen. Mit einem Lasso gelang dies dem Menagerie=Besitzer sehr schnell, und nun wurde das Krokodil - ein solches war der Flüchtling - mit einiger Mühe seinem Behälter wieder zugeführt. Das Thier war während der Nacht aus einer sich dort aufhaltenden Menagerie entsprungen.
- Am Sonntag Abend wurde ein Schaffner des von Radebeul in Dresden ankommenden Zuges während des Koupierens der Fahrkarten auf dem Trittbrett stehend von einem das andere Geleis befahrenden Schnellzuge zerschmettert.
- In Gerlachsheim in Baden sind Montag nachts 45 Häuser abgebrannt. Etwa 20 Familien sind obdachlos.
- In Oberammergau sind die Passionsspiele wieder aufgenommen worden. Unter den Zuschauern befand sich kürzlich auch die Mutter der deutschen Kaiserin, die dem Spiele von Anfang bis zu Ende auf einem gewöhnlichen Sperrsitz zu 10 Mark beiwohnte. Die Einnahmen des Passionsspieles haben 600 000 Mark überstiegen und betragen schon heute fast das Doppelte des Ertrages von 1880.
- Die alten Helgoländer Briefmarken haben bereits eine recht erhebliche Preissteigerung erfahren. Am theuersten sind die Postkarten, welche 1879 ausgegeben worden sind und die s. Z. dadurch hergestellt wurden, daß man die 5 Pfennigkarten der Emission 1875/76 mit neuer Werthbezeichnung 1 1/2 Pence = 10 Pfenning bedruckte. Diese Karten kosten mit Umrandung 12 Mark, ohne Umrandung, also in der ursprünglichen 75er Emission 6 Mark ein Stück.
- Die Überschwemmungen in Südfrankreich richten fortgesetzt unbeschreibliches Unglück an. Die Flüsse Ardéche, Gard, Hérault sind über ihre Ufer getreten. In Alais wälzt der Gardon Baumstämme, große Fässer, Schafe etc. auf seinen Fluten daher. Ganze Gärten, Eisenbahnlinien, ganze Gutshöfe sind fortgeschwemmt, zahlreiche Gebäude wurden vom Strome niedergerissen. In Avignon ist der Eisenbahndamm auf eine große Strecke durchbrochen.
- Der Chef des russischen Gefängnißwesens schlägt vor, zukünftig die weiblichen Gefangenen nicht mehr körperlich zu bestrafen, sondern eintretenden Falles in Zellen zu sperren.
- Aus Konstantinopel schreibt man: Das asiatische Gespenst - die Cholera - rückt allen Ableugnungen zum Trotz immer weiter gegen die Grenzen Europas vor. An verschiedenen Punkten, in Aleppo und am Rothen Meer, hat es den Quarantainekorden übersprungen und gegenwärtig tritt es in Diarbekir, Djesire und Mardine auf. In Aleppo rafft es täglich über fünfzig Menschen hin. Man befürchtet allen Ernstes, die Seuche werde sich länger von der türkischen Hauptstadt nicht mehr fern halten lassen. In Alleppo fehlt es obenein an Aerzten, so daß von einer wirksamen Bekämpfung derselben gar keine Rede sein kann. Die Truppenabsperrung hat sich nirgends bewährt.
- Die sibirische Pest tritt in vielen nördlichen, mittleren und einigen südlichen Gebieten Rußlands sehr heftig auf.
- Das neue Zollgesetz der Vereinigten Staaten von Nordamerika wird voraussichtlich am 15. October in Kraft treten. Etwa 60 deutsche Fabrikanten gedenken eigene Fabriken in Nordamerika einzurichten, da das Zollgesetz die Ausfuhr ihrer Artikel von Deutschland nach Nordamerika ganz unmöglich macht.
- Das Haupt der Mormonen veröffentlicht ein Manifest, in welchem die Beschuldigung, daß die Mormonensecte fortfahre, Polygamie oder Vielweiberei vorzuschreiben, entschieden in Abrede stellt und gleichzeitig die Absicht der Mormonengemeinde ausgesprochen wird, sich den die Polygamie verbietenden Gesetzen der Unionstaaten zu unterwerfen.


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