No. 57
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 19. Juli
1889
neunundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1889 Nr. 57 Seite 1]

Der deutsche Kaiser hat, während er bei Bergen vor Anker lag, vom König Oscar von Schweden, der in Christiania zur Lösung der norwegischen Ministerkrisis weilte, ein sehr herzliches Begrüßungstelegramm erhalten. Der Kaiser antwortete mit einem Telegramm, in welchem er nicht genug die nordische Natur und die freundliche Zuvorkommenheit der Bevölkerung rühmend hervorheben konnte. Es verlautet, daß der Kaiser Bodö, eine kleine Stadt am Vestfjord dicht unter der südlichsten Spitze der Lofoten, besuchen werde, wo in diesen Tagen eine Fischerei=Ausstellung eröffnet wird, welche des Kaisers Interesse wachgerufen hat.
Der häufig kränkelnde Erbgroßherzog von Baden ist jetzt wieder an katarrhalischer Erkältung mit Entzündung der Luftröhre erkrankt.
Ueber die Verschiedenheit des Tones in den von dem Reichskanzler an den deutschen Gesandten in Bern gerichteten Erlassen bemerkt die "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" was folgt: Die erste Depesche vom 5. Juni sei auf Grund einer Verständigung mit Rußland entstanden, und zwar mit der gleichzeitig überreichten russischen Depesche darauf berechnet gewesen, durch eine gewisse Uebereinstimmung in Ton und Inhalt den Eindruck zu verstärken. Der Zweck sei insoweit erreicht worden, als die schweizer Behörden sich beeilt hätten, den russischen Reklamationen Rechnung zu tragen, und als zu erwarten sei, daß das schließlich auch der deutschen Regierung gegenüber geschehen werde, wenn auch in einer weniger freundlichen Form und in weniger beschleunigten Fristen, als Rußland gegenüber. Darauf komme schließlich aber nichts an. Die diplomatische Aktion Deutschlands sei nur gegen die Sozialdemokratie in der Schweiz gerichtet, gegen die Schweiz selbst nur insoweit, als dort reichsfeindliche Elemente gehegt und gefördert werden. Letztere zu bekämpfen, sei die Aufgabe der deutschen Reichspolitik und werde es bis zur Lösung der Frage bleiben.
In den italienischen Blättern ist nur noch vom Krieg die Rede. Das offiziöse Organ des Kriegsministers, der "Esercito", bestätigt die neulichen Mittheilungen der "Opinione" über die Kriegsbereitschaft Frankreichs, welche ihm in merkwürdiger Uebereinstimmung aus den wichtigsten militärischen Centralstellen gemeldet worden seien. Besonders in letzter Zeit soll das französische Heer bedeutende Fortschritte gemacht haben. Der "Esercito" erinnert an die Reformen, die die französische Armee seit 1870 zu ihrem Vortheil durchgemacht habe. Er resumirt sein Urtheil dahin, daß das französische Heer durch Organisation, Unterweisung und Korpsgeist einen hohen Grad der Tüchtigkeit erreicht habe. Der Dreibund könne mit ungeheueren Anstrengungen den Tag des Krieges auf einige Zeit hinausschieben, aber der Krieg sei unvermeidlich. Das offiziöse Blatt erklärt, die öffentliche Meinung über die Lage aufklären zu wollen, um nicht in den Fehler zu verfallen, den Frankreich vor den Ausbruch des Krieges von 1870 begangen habe, als es die Berichte des Obersten Stoffel über das deutsche Heer vollständig übersehen habe. Die Artikel haben großen Eindruck gemacht.
Eine Sensationsnachricht ersten Ranges bringt die "Kölnische Zeitung", die aus Paris aus ganz unbedingt zuverlässiger Quelle erfahren haben will, daß vor etwa 10 Tagen dem russischen Kriegsminister Wannowski, der sich bekanntlich zur Zeit in Vichy aufhält, von Peterhof aus ein Schriftstück des Zaren zugegangen sei, und zwar so überaus wichtigen Inhalts, daß man dasselbe weder der Post noch einem Feldjäger anvertraut habe. Es sei daher ein Verwandter Wannowskis, ein Offizier der russischen Garde, besonders beauftragt worden, das Schriftstück von Peterhof nach Vichy zu befördern. Wenn es sich um einen Allianzvertrag mit Frankreich handeln sollte, wie vielfach angenommen wird, so wäre die plötzliche Eile des Zaren allerdings auffällig, denn die Franzosen haben sich doch schon lange genug um das Zustandkommen eines russisch=französischen Bündnisses bemüht. Noch bedenklicher sind die Nachrichten, die tagtäglich über russische Rüstungen einlaufen. Wie aus Krakau gemeldet wird, hat die russische Regierung im Gouvernement Lublin ein Terrain von 1600 Joch erworben, um daselbst ein verschanztes Lager zu errichten. Der Handelshafen von Kronstadt soll im Interesse der Stärkung der Machtstellen im Baltischen Meer nach Oranienbaum verlegt werden. Ferner ist die Herstellung von 3 neuen großen Panzerschiffen angeordnet worden. Und alle diese friedfertigen Pläne sollen mit Hülfe deutschen Kapitals zur Ausführung gelangen!
Mann schreibt aus Kopenhagen vom 13. d. M.: Der Kaiser von Rußland hat sich auf seiner kurzen Reise nach Finnland in der ungezwungensten und heitersten Weise der dortigen Bevölkerung gezeigt. Vergangenen Sonntag äußerte er auf seiner Yacht den Wunsch, finnische Musik und finnische Volksweisen zu hören. Die Finnländer sind bekanntlich, wie ja in diesen Tagen wieder der Triumphzug der augenblicklich in Berlin weilenden "Munteren Musikanten" beweist, ein Volk von ungemein musikalischer Veranlagung, die namentlich im freien Vortrag elegischer Volksweisen ihren schönsten Ausdruck findet. Auch der Zar liebt in hohem Grade diese finnischen Melodien. Sein Wunsch, einheimische Sänger zu hören, wurde sofort erfüllt, indem sich von Abo aus eine Fregatte aufmachte und in's offene Meer bis dicht an die Seite der kaiserlichen Yacht hinaussegelte. Der Kaiser stand mit seiner Familie in hellgrauer Civilkleidung auf Deck und begrüßte die hinaussegelnden Sänger, die aus einem Bataillon der Aboer Garnison schnell zusammengestellt waren, Der Zar rief ihnen mit lauter Stimme weit über das Meer in russischer Sprache entgegen: "Ich grüße Euch, Finnen!" und dankte ihnen ebenso nach Beendigung des Gesanges mit den russisch gesprochenen Worten : "Finnen, ich danke Euch!" Daß der Kaiser diese wenigen Worte in russischer und nicht in finnischer Sprache redete hat übrigens, wie wir der "Nordischen Correspondenz" entnehmen, unter den

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auf ihre nationale Selbständigkeit so außerordentlich eifersüchtigen Finnländer nicht gerade den angenehmsten Eindruck gemacht, während sich die Sänger und alle die dem Zaren auf seiner Reise zu sehen Gelegenheit hatten, über seine leutselige Liebenswürdigkeit sehr entzückt aussprachen.
Ueber eine Folge des Prozesses Hagemann=Wollank schreibt man aus Memel: Bei den bevorstehenden Herbstübungen der ersten Division werden an mehreren Orten der betheiligten Kreise Manöver=Magazine mit eigenen Feldback=Anstalten und Feldschlächtereien errichtet werden. Bei der Sicherstellung der zur Füllung der Magazine benöthigten Mengen an Verpflegungs= und Bivaksbedürfnissen wird grundsätzlich mit dem früher üblich gewesenen System der Versorgung durch Lieferungs=Unternehmer gebrochen werden und der gesammte Bedarf möglichst an Ort und Stelle direkt vom Produzenten gegen sofortige Baarzahlung freihändig angekauft werden.
Der Schah von Persien trifft am 2. August in Baden=Baden ein. Demselben wurde das großherzogliche Schloß zur Verfügung gestellt.


- Schönberg. Das Dreieck an dem Dassower Wege, unmittelbar an der Eisenbahn belegen, ist nunmehr von hoher Großherzoglicher Landesregierung zur Erbauung von Speichern und zu Lagerplätzen zum Preise von 1500 Mk. an die hiesigen Kaufleute Spehr, Lundwall und Baade & Oldörp verkauft worden. Letztere beabsichtigen daselbst einen Kornspeicher, erstere ein Steinkohlen= resp. Holzlager zu errichten.
- Schönberg. In diesem Monate wurden aus dem hiesigen Fürstenthume an Unfällen, welche die Land= und Forstwirthschaftliche Unfallversicherung zu tragen hat, angemeldet: 1. Zu Törpt verunglückte der Arbeiter Dettmann beim Laden eines Fuders Heu, indem er vom Wagen fiel und sich das Rückgrad verletzte. 2. Zu Bauhof=Schönberg fiel der Kutscher Holz beim Kirschenpflücken von der Leiter und verletzte sich ein Schultergelenk.
- Ein scheußliches Verbrechen ist am 14. Juli In der Nähe von Alt=Mölln von einem ca. 27jährigen Malergesellen aus Sachsen an einem 14jährigen Mädchen verübt worden. Als gegen 9 Uhr Abends zwei 14jährige Kindermädchen aus Bälau sich nach Alt=Mölln zu einer daselbst stattfindenden Tanzbelustigung begeben wollten, wurden sie kurz vor dem zuletzt genannten Dorfe hinterrücks überfallen und in den Chausseegraben geworfen. Nachdem bei dem Ringen dem einen der beiden Mädchen es gelungen war sich aus den Händen des Menschen zu befreien und zu entfliehen, schleppte Letzterer das Mädchen mit sich in ein nahe gelegenes Kornfeld, und that ihr Gewalt an. Zuvor hatte er das Mädchen am Schreien verhindert, indem er sie bedrohte, daß er ihr bei dem ersten Laut die Kehle durchschneiden würde. Erst heute Morgen ließ der Unmensch sein Opfer nach Hause gehen und entfernte er sich dann selbst in der Richtung nach Schwarzenbeck. Die Recherchen nach dem Verbrecher werden fortgesetzt.
- Ein äußerst ruchloser Frevel wurde auf dem alten Friedhofe zu Neustrelitz entdeckt. Elf Särge, welche in 6 dortselbst befindlichen Gewölben stehen, waren erbrochen und ihr Inhalt nach Kostbarkeiten und Schmucksachen durchwühlt. Ob und welche Werthgegenstände den Leichenräubern in die Hände gefallen sind, hat sich bisher noch nicht feststellen lassen.
- Einer der internationalen Bankdiebe, welche im Jahre 1885 der Hamburger Reichsbankhauptstelle 200 000 Mk. stahlen, namens Mackee, wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurtheilt.
- In militärischen Kreisen verlautet, daß demnächst die ganze Kavallerie der preußischen Armee mit Lanzen bewaffnet werden soll.
- Von den 4000 Berliner Bäckergesellen striken seit Freitag etwas über 2000. Die Meister, die nach wie vor fest entschlossen sind, die Forderungen der Gesellen nicht zu bewilligen, zwingen die Arbeit mit den ihnen gebliebenen Kräften. Auch Militärbäcker sind in den Werkstätten thätig.
- Im Laboratorium der Universitätsklinik für Hautkranke des Prof. Schwenninger in Berlin ist es dem Dr. med. Georg Kühnemann gelungen, den Krankheit erregenden Bazillus der gewöhnlichen Hautwarzen darzustellen und somit den wissenschaftlichen Beweis für die Uebertragbarkeit dieser Hautkrankheit zu liefern.
- Ein in Paris aufgestiegener Luftballon mit zwei Herren kam vor einigen Tagen in der Nähe von Koblenz zur Erde. Die Insassen wurden zuvorkommend behandelt und fuhren abends nach Paris zurück.
- Der König von Württemberg hat am Sonnabend Nachmittag in Lebensgefahr geschwebt. Bei einem Gewitter, das zu dieser Zeit über Friedrichshafen niedergegangen ist, hat der Blitz in der Nähe des Königs, der sich auf der Veranda vor seinem Arbeitszimmer befand, eingeschlagen. Der Monarch ist glücklicherweise unversehrt geblieben.
- Der kritische Tag. Leider hat Professor Falb, wie schon öfter, so auch diesmal mit seiner Prophezeiung recht behalten, denn es liegen bereits aus den verschiedensten Gegenden Nachrichten über elementare Katastrophen vor und die Reihe der Hiobsposten scheint noch lange nicht zu Ende zu sein. Orkanartige Stürme haben in der Umgegend von Ratibor, Chocen (Galizien), Leitmeritz und Krimmitzschau gewüthet, während in Thüringen, Mittelfranken, Oberschlesien, Rheinhessen, im Altenburgischen und bei Frankfurt schwere Gewitter mit Hagelschlag niedergegangen sind, die stellenweise die Ernte gänzlich vernichtet und an Gärten und Gebäuden großen Schaden angerichtet haben. In der Nähe von Frankfurt sind 2 Knaben im Alter von 15 und 16 Jahren, die unter einem Apfelbaum Schutz gegen das Unwetter gesucht hatten, vom Blitz erschlagen worden. In Mittelasien hat auch ein Erdbeben stattgefunden, durch das die Stadt Dscharkent zur Hälfte zerstört worden ist.
- Der neue Strike im Saarrevier geht mit der theilweisen Unterwerfung der Arbeiter zu Ende, nachdem 400 Bergleute auf der Grube "Dechen" wieder zur Arbeit zugelassen worden sind, die allerdings versprechen mußten, sich der beiden Delegirten, wegen deren Maßregelung sie die Arbeit eingestellt hatten, nicht wieder anzunehmen.
- Aus Heiligenblut meldet man den am letzten Sonntag an der Pilatus=Scharte erfolgten Absturz des Führers Pichler mit zwei Touristen namens Klein und Bernascheck. Pichler und Bernascheck sind todt, Klein ist lebensgefährlich verwundet und wird auch wohl inzwischen schon gestorben sein. Der Führer Pichler hatte einen neuen Weg über die Pilatus=Scharte genommen und war ohne Steigeisen.
- Infolge schweren Gewitters trat am Sonnabend abends der Wildbach zwischen den Dörfern Mitloedi und Schwanden (Kanton Glarus) aus und wälzte ungeheure Schuttmassen in die Linth, wodurch dieselbe in ihrem Laufe gehemmt wurde und in dem engen Linththal austrat. Das Dorf Mitloedi wurde überschwemmt, die Eisenbahn, Straßen und rücken zerstört, viele Häuser unterwühlt. Der Schaden ist sehr beträchtlich.
- Ein gräßliches Unglück ereignete sich auf dem italienischen Panzerschiff "Formidabile" im Kriegshafen zu Spezzia. Als das Schiff den Hafen verließ, wurden von dem auf ihm befindlichen Kanonen die üblichen Salutschüsse abgegeben. Plötzlich hörte man einen dumpfen Fall und als der Pulverdampf sich verzog, sah man einen Kanonier kopflos auf dem Verdeck liegen. In noch nicht aufgeklärter Weise war ihm, der zur Bedienung eines der Geschütze kommandiert war, wahrscheinlich durch ein Versehen bei einem andern Geschütz, beim Abgeben der Salute der Kopf vom Rumpfe geschossen und weit in das Meer hinausgeschleudert worden. Ein neben ihm stehender Unteroffizier wurde so schwer an den Augen verletzt, daß er wohl kaum jemals wieder die Sehkraft erlangen dürfte.
- "Jack der Aufschlitzer" hat in London sein blutiges Handwerk wieder aufgenommen. Ein Telegramm aus London meldet, daß am 17. d. M. in der ersten Morgenstunde ein Polizist in Whitechapel in einer schmalen Passage in einer Blutlache die Leiche einer Frauensperson mit durchschnittenem Halse, aufgeschlitztem Unterleib und mit sonstigen Verstümmelungen gefunden habe, welche die Hand Jacks erkennen lassen. In Whitechapel hat dieser neue Mordanfall eine wahre Panik erzeugt und in London überhaupt eine große Aufregung hervorgerufen.


[ => Original lesen: 1889 Nr. 57 Seite 3]

Anzeigen.

Antragsmäßig soll über die zu Rieps sub Nr. IV belegene Büdnerei c. p. des Hauswirth Joachim Heinrich Wiese ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstücke zu haben vermeinen und deren Eintragung in das niederzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf

Dienstag, den 1. October 1889,
Vormittags 10 Uhr

peremtorisch und unter dem Nachtheil hiermit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht gesetzlich nicht ausgenommenen Realrechte an dem proclamirten Grundstück sowohl gegen den jetzigen als auch die zukünftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Anmeldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubiger, welche ihre Forderungen auf einem mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidations=Termine ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichnenden Postenzettel vollständig und richtig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 13. Juli 1889.

Großherzogliches Amtsgericht.
G. Horn.

A. Dufft.       


Oeffentliche Zustellung.

Der frühere Bereiter Heinrich Maaß hieselbst, Kläger, klagt gegen den Schmied Wilhelm Maaß von hier, jetzt unbekannten Aufenthalts, Beklagten, wegen Erbtheilung, mit dem Antrage: den Beklagten zu verurtheilen, seine Zustimmung zum öffentlich meistbietenden Verkaufe der zum Nachlasse des wailand Schustermeisters Hans Heinrich Franz Maaß gehörigen Grundstücke, nämlich:

1. des zu Schönberg vor dem Siemzer Thore sub Nr. 120 belegenen Wohnhauses, Stallgebäudes und Gartens,
2. der zu Schönberg vor dem Sabower Thore belegenen halben Parcele Nr. 42,
zu geben, auch das Urtheil für vorläufig vollstreckbar zu erklären und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Großherzogliche Amtsgericht zu Schönberg auf

Freitag, den 20. September 1889,
Vormittags 11 Uhr.

Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht.
Schönberg, den 16. Juli 1889.

Gerichtsschreiberei I des Großh. Amtsgerichts.
W. Wetzel.


Bekanntmachung.

Die unterzeichnete Commission macht hiedurch auf die Bestimmungen in den §§. 89 und 91 der Wehr=Ordnung vom 22. November 1888, betreffend die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Militairdienste und den Nachweis der dazu erforderlichen wissenschaftlichen Befähigung, mit dem Bemerken aufmerksam, daß die Herbstprüfungen in der zweiten Hälfte des Monats September stattfinden werden, und daß Gesuche um Zulassung zu dieser Prüfung bis zum 1. August d. J. angebracht werden müssen.
Schwerin, 15. Juli 1889.

Großherzoglich Mecklenb. Prüfungs=Commission für Einjährig=Freiwillige.


Torf=Auction
im Vitenser Forste,
auf dem Woitendorfer Moore
am Freitag, den 26. Juli cr. unter den an Ort und Stelle zu verlesenden Verkaufsbedingungen über:                          
1000 Ruthen Baggertorf.
Versammlung Morgens 9 Uhr bei der Hütte.
Vitense, den 17. Juli 1889.                          
                                                    L. Wiegandt,
                                                    Großherzoglicher Revierförster.


Gesucht zu Gr. Molzahn bei hohem Lohn zum 24. October d. J. ein zweiter

Schäferknecht.


Ernte=Handschuhe
sind stets zu haben bei                                                     
                                                                        Emil Jannicke,
Schönberg.                                                       Handschuhmacher.


Das größte Glück auf Erden

ist nicht der Reichtum an Geld und Gut, sondern die Gesundheit. Viele Kranken erkennen ihre wahren Leiden nicht und lassen sich als Magenkranke, Blutarme, Bleich= und Schwindsüchtige behandeln. Betrachte man nun bei den meisten Kranken die sich zeigenden Symptome genauer, so wird man finden, daß Wurmkrankheit die Hauptrolle spielt; so manche Medizin wird gegen obenstehende Leiden eingenommen, wäre aber besser ersetzt durch ein Wurmmittel des bekannten Spezialisten Theodor Konetzky in Stein bei Säckingen. Die sichersten Symptome eines an Bandwurm=, Spuhl= oder Madenwürmer Leidenden sind: Abgang nudel= oder kürbisähnlicher Glieder und sonstiger Würmer, sowie Blässe des Gesichts, matter Blick, blaue Ringe um die Augen, Abmagerung, Verschleimung, stets belegte Zunge, Verdauungsschwäche, Appetitlosigkeit, abwechselnd mit Heißhunger, Uebelkeiten, Aufstoßen eines Knäuels bis zum Halse, stärkeres Zusammenfließen des Speichels im Munde, Magensäure, Sodbrennen, häufiges Aufstoßen, Schwindel, öfter Kopfschmerz, unregelmäßiger Stuhlgang, Koliken, Kollern und wellenförmige Bewegungen, dann stechende, saugende Schmerzen in den Gedärmen, Herzklopfen - Zahlreiche Atteste aus allen Kantonen beweisen die Vorzüglichkeit der Methode. - Dauer der Kur 30 bis 60 Minuten, ganz ohne Berufsstörung. Bei Bestellung ist Alter und Geschlecht des Patienten anzugeben. Die meisten Kranken, welche solche Mixtur versuchsweise nahmen, waren von Würmern geplagt, während andere damit die dem Körper sehr dienliche Entfernung aller Unreinigkeiten zu ihrer Zufriedenheit erzielten. Die Kur ist unter Garantie der Gesundheit vollständig unschädlich.


Guten Kleehonig
verkauft H. Piper, Schönberg.


Dachpappe
in verschiedenen Qualitäten empfiehlt                                                    
                                                    J. Ludw. D. Petersen.


Zahnschmerzen aller Art werden selbst wenn die Zähne angestockt sind, augenblicklich durch den berühmten Indischen Extract beseitigt. Dieses Mittel hat sich seiner Unübertrefflichkeit wegen einen Weltruf erworben und sollte daher in keiner Familie fehlen. In Fl. à 50 Pfg. im Alleindepot für

Schönberg bei                                                     Emil Jannicke, Bandagist.


Wichtig
für Inhaber alter Briefe!

Alte Briefmarken und Couverte mit eingeprägten Marken der alten deutschen Bundesstaaten, wie z. B. Mecklenburg, Lübeck, Braunschweig, Hannover, Oldenburg etc. kauft stets zu den höchsten Preisen

Schwerin                                                     i. M. Ed. Lüllemann.


Zu Michaelis d. J. werden zu Neuhof bei Ratzeburg mehrere

Tagelöhner-Wohnungen

frei.


Gesucht wird zum 24. October d. J.                          
eine Arbeiterfamilie
bei freier Wohnung und gutem Lohn.                          
                                                    A. Russwurm, Lockwisch.


Gesucht zu Michaelis d. Js. oder früher ein
junger Knecht,
und zum 1. August oder Michaelis ein Mädchen
Schlutup.                                                     J. H. Pump.


Gesucht
zum 1. August event. später ein fleißiges                          
kräftiges Mädchen

Gute Empfehlungen Bedingung. Kosten, wenn engagirt, werden ersetzt.

                                                    Frau Otto Reinhardt.
                                                    Lübeck. Holstenstraße 5.


Suche per 1. August oder etwas später ein

tüchtiges Mädchen

für Küche und Hausarbeit bei gutem Lohn an Stelle eines sich verheirathenden.

                                                    Frau Jul. Heymanson. Lübeck. Untertrave.


[ => Original lesen: 1889 Nr. 57 Seite 4]

Travemünder Rennen
den 2. und 4. August.
Anfang 3 1/2 Uhr Nachmittags.


Kriegerverein
für das Fürstent. Ratzeburg.
Allgemeine Versammlung
am Sonntag, den 28. Juli d. J.,
Nachmittags 4 Uhr im Vereinslocale.
Tagesordnung.

1. Bericht über den Delegirtentag und das Landeskriegerfest in Neustrelitz.
2. Berathung über die Feier des diesjährigen Sedanfestes.
3. Sonstige Vereinsangelegenheiten.

                                                    Der Vorstand.


Außerordentliche Versammlung
der Selmsdorfer Todtenlade

am Sonntag, den 21. Juli 1889, Nachmittags 2 Uhr, wozu sämmtliche Mitglieder eingeladen werden.

                                                    Der Vorstand.
Schönberg, den 4. Juli 1889.


Häfen
in Glas und Steingut zum Einmachen empfiehlt                          
                                                    C. Schwedt.


Gestern Abend 8 Uhr entschlief nach langen Leiden meine liebe Mutter und Tante

Frau Katharina Oldenburg
geb. Maas,

welches tiefbetrübt zur Anzeige bringen

                                                    H. Oldenburg und Frau.
                                                    D. Sickmann und Frau. 
                                                    J. Stegmann und Frau.  

Rottensdorf, den 18. Juli 1889.

Alle, welche der Verstorbenen die letzte Ehre erzeigen wollen, werden gebeten sich am Montag, den 22. Juli cr., Nachmittags 2 Uhr, beim Gastwirth Böckmann einzufinden.


Eintragungen in das Familien=Register der Gemeinde Selmsdorf.

a. Geboren:

  1. Jan. Ein unehelicher Sohn zu Selmsdorf.
21. Jan. Dem Schulzenanerben Faasch zu Selmsdorf ein S.
24. Jan. Dem Hauswirth Drews zu Lauen ein S.
15. Febr. Dem Bäcker Roduft zu Selmsdorf Zwillingstöchter.
21. Febr. Ein unehelicher Sohn zu Selmsdorf.
27. Febr. Dem Arbeitsm. Jakobs zu Selmsdorf eine T.
28. Febr. Dem Arbeitsm. Lewerenz zu Selmsdorf ein S.
16. März. Dem Maurer Menz zu Selmsdorf ein S.
21. März. Ein unehelicher Sohn zu Selmsdorf.
21. März. Dem Arbeitsm. Andersohn zu Lauen eine todgeb. T.
22. März. Eine uneheliche Tochter zu Teschow.
  4. April. Eine uneheliche Tochter zu Selmsdorf.
  9. April. Dem Arbeitm. Koth zu Selmsdorf eine T.
10. April. Dem Maurer Borgward zu Selmsdorf ein todgeb. S.
16. April. Dem Handelsmann Wendland zu Selmsdorf eine T.
23. April. Dem Arbeitsm. Staaß zu Lauen eine T.
26. April. Dem Hauswirth Hans Voß zu Teschow ein S.
30. April. Dem Arbeitsm. Matthias Arndt zu Selmsdorf eine T.
23. Mai. Dem Arbeitsm. Meyer zu Selmsdorf eine T.
14. Juni. Dem Handelsmann Maaß zu Selmsdorf ein S.
20. Juni. Ein unehel. Sohn zu Hof Zarnewenz.

b. Gestorben:

  3. Jan. Schulzenwittwe aus Kl. Mist, Trinlise Planthafer zu Teschow 75 J. 8 M. alt.
12. Jan. Jochim Vagt, Arbeitsmann zu Selmsdorf, 71 J. 9 M. alt.
13. Jan. Katar. Marie Marß, Arbeitsmanntochter zu Hof Selmsdorf 6 J. 8 M. alt.
10. Febr. Wilhelm Woisin, Küster zu Selmsdorf, 61 J. 2 M. alt.
11. Febr. Wilhelm Meyer, Arbeiter, Arbeitsmannwittwe=Sohn zu Schwanbeck, 20 J. 2 M. alt
14. Febr. Anna Krellenberg, Hauswirthw. zu Sülsdorf, 71 J. 1 M. alt.
18. Febr. Johannes Schlatow, Schlosserssohn zu Selmsdorf, 8 J. 3 M. alt.
  3. März. Maria Sterly, Hauswirthstochter zu Zarnewenz, 6 J. 1 M. alt.
  7. März. Anna Lise Sterly, Schulzin zu Teschow, 51 J. 2 M. alt.
11. März. Maria Harms, Arbeitsmanntochter zu Zarnewenz, 1 J. 3 M. alt.
13. März. Katharina Oldörp, Büdnersehefrau zu Bardowiek, 45 J. 5 M. alt.
20. März. Engel Bade, Handelsmannehefrau zu Selmsdorf 74 J. 4 M. alt.
- März. Todgeborene Tochter des Arbeitsmann Andersson zu Lauen.
26. März. Jochen Lohse, Hauswirth zu Bardowieck, 60 J. 8 M. alt.
27. März. Heinrich Hinzelmann, Maurersohn zu Selmsdorf, 7 J. 4 M. alt.
29. März. Katharina Schütt, Arbeitsmannw. zu Selmsdorf, 70 J. 5 M. alt.
  - März. Todgeborener Sohn des Maurers Borgward zu Selmsdorf.
15. April. Anna Eckmann, Arbeitsmanntochterkind zu Hof Zarnewenz, 6 M. alt.
23. April. Katharina Stegmann, Arbeitsmanntochter zu Selmsdorf, 4 M alt.
25. April. Hans Oldörp, Büdnerssohn zu Bardowiek, 4 J. 3 M. alt.
29. April. Emma Gieseler, Arbeitsmannstochter zu Selmsdorf, 7 M. alt.
16. Mai. Magdalena Blomberg, Hauswirthsaltentheilerswittwe zu Sülsdorf, 71 J. 5 M. alt.
22. Mai. Friedrich Meier zu Selmsdorf, Arbeitsmannwittwe=Tochterkind aus Bardowiek, 10 M. alt.
23. Mai. Ernst Schröder, Büdner zu Lauen, 46 J. 1 M. alt.
22. Mai. Heinrich Ruge, Kutscher zu Hof Zarnewenz, 51 J. 2 M. alt.
  4. Juni. Heinrich Pape zu Lauen, Maurerstochterkind aus Selmsdorf, 7 M. alt.
  9. Juni. Erna Voß, Schusterstochter zu Selmsdorf, 11 M. alt.
14. Juni. Karoline Arndt, Arbeitsmanntochter zu Selmsdorf, 8 J. 10 M. alt.
22. Juni. Elisabet Eckmann, Arbeitsmanntochterkind zu Hof Zarnewenz, 8 M. alt.

Kopuliert.

22. März. Bäcker zu Lübeck Wilhelm Karl Friedrich Pommering, Ackerbürgerssohn aus Kammin in Pommern u. Katharina Elisabet Bahr, Jungfrau zu Selmsdorf, Büdnerswittwetochter daselbst.
12. April. Arbeitsmann zu Hamburg Hans Jürgen Joachim Heinrich Klatt, Handelsmannssohn aus Zarnewenz u. Wilhelmine Margareta Ilse Maria Busch zu Bauhof Schönberg, Schmiedemeisterswittwetochter aus Torrisdorf.
23. April. Arbeitsmannwittwer Hans Joachim Heinrich Schmüser zu Selmsdorf, Arbeitsmannwittwesohn aus Westerbäk und Christine Marie Katharina Klingbiel geb. Rieck, Arbeitsmannwittwe zu Selmsdorf, Tagelöhnerstochter aus Arpshagen.
26. April. Arbeitsmann Joachim Peter Meyer zu Selmsdorf, Arbeitsmannwittwensohn aus Selmsdorf u. Dorothea Anna Maria Jakobs zu Selmsdorf, Arbeitsmanntochter aus Lockwisch.
21. Mai. Arbeitsmann zu Wilhelmsburg bei Harburg a. d. Elbe Heinrich Rocks, Arbeitsmannsohn aus Kl. Raden in Rußland und Anna Katharina Maria Voß zu Teschow, Arbeitsmanntochter daselbst.


Kirchliche Nachrichten
Sonntag, den 21. Juli

Frühkirche: fällt aus.
Vormittagskirche: Pastor Langbein.
    Amtswoche: Pastor Langbein.


Abgang der Eisenbahnzüge von Schönberg.
nach Lübeck.
9,30 Vorm. 2,58 Nachm. 5,35 Nachm. 10,56 Nachts.
Nach Kleinen:
7,27 Morg. 10,13 Vorm. 12,46 Nachm. 8,30 Abends.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage
und Illustrirtes Beiblatt Nr. 29.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1889 Nr. 57 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 57 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 19. Juli 1889.


- Die deutsche Expedition zur Erforschung der Meere, unter Leitung des Geh. Medizinalraths Professor Dr. Hensen, hat am Montag Vormittag an Bord des Dampfes "National" unter den Hurrahrufen der akademischen Jugend und einer zahlreichen Volksmenge den Hafen von Kiel verlassen.
- Es muß eine wahre Sintfluth gewesen sein, in der am französischen Nationalfesttag der letzte Rest der Begeisterung, den der Morast der Politik noch nicht verschlungen hatte, zerronnen ist. Unter dem ernüchternden Einfluß unaufhörlicher Regengüsse ist der hundertjährige Gedenktag der Erstürmung der Bastille, der mit besonderem Glanz gefeiert werden sollte, womöglich noch trauriger verlaufen, als die früheren Nationalfeste. Nur beim Anblick der bewaffneten Macht, die den Parisern wie alljährlich in einer Truppenschau auf dem Hippodrom in Longchamps in respektabler Stärke vorgeführt worden ist, haben sich die Schwingen des Enthusiasmus etwas geregt, wennschon auch hier die Vergleiche von früheren militärischen Schauspielen nicht zu Gunsten dieser Revue ausfallen konnten. Besonders wurde bemerkt, das der Kommandant der Truppen, General Saussier, ein plumper Reiter auf einem plumpen braune Pferd war, der neben dem jugendlichen Boulanger auf dem berühmten Rappen eine traurige Rolle gespielt haben würde. Als er vor der Mitteltribüne den Degen zog und Carnot begrüßte, da soll es ausgesehen haben, als ob er vom Pferd fallen wolle und sich mit der Waffe im Gleichgewicht zu halten suche. Der einzige General, der wirklich mit Eleganz ein schönes Pferd ritt, war Deffis, der Befehlshaber der 10. Infanterie=Division. Neues und Bemerkenswerthes bot die Truppenschau nur in dem Schlußeffekt, der darin bestand, daß sämmtliche Reiter sich nach dem Vorbeimarsch jenseits des Rennplatzes sammelten und gleichzeitig mit gezogenen Klingen gegen die Tribünen vorstürmten. Die Spielerei mit den Schülerbataillonen hatte Morgens in gewohnter Weise stattgefunden und die Eltern trotz der Störung, welche die Studien durch die militärischen Uebungen erleiden, auf das Höchste beglückt. Sieht doch jeder seinen Sohn im Geist als Sieger durch das Brandenburger Thor marschieren! Die sonstigen Festlichkeiten und Belustigungen unterschieden sich nur dadurch von denen in früheren Jahren, daß sie verregnet waren und daß die boulangistischen Kundgebungen, die die Intermezzos zu bilden pflegen, noch kläglicher verlaufen sind als sonst. Am Börsenplatz und einigen anderen Stellen fanden zwar Schlägereien zwischen Boulangisten und Republikanern statt, aber dieselben waren ziemlich harmloser Natur und konnten von der Polizei rasch unterdrückt werden. Der im Saal des Industriepalastes von der Regierung und der Stadtverwaltung für die Arbeiter gebotene Ball, zu dem 40 000 Einladungen ergangen waren, hatte ebenfalls keinen rechten Erfolg. Sonst gab es unentgeltliche Theatervorstellungen, öffentliche Bälle, Feuerwerk und Illumination. Alles die alte Leier mit wässerigem Beigeschmack. Zieht man dazu in Betracht, daß auf allen Gemüthern ein Druck der Ungewißheit wegen der bevorstehenden Wahlen und des Schicksals der Republik überhaupt lastet, so wird man sich schwerlich wundern können, daß keine rechte Feststimmung aufkommen wollte und daß die Pariser herzlich froh waren, als sie ins Trockene kamen und von den Strapazen des Tages ausruhen konnten. Schwamm drüber!
- Das Lateinisch - ein Kinderspiel. Das Lateinische, welche bisher den Schülern so viel Kopfschmerzen machte, ist jetzt buchstäblich zum - Kinderspiel geworden. Ein Gymnasiallehrer in Hildesheim hat nämlich in Gestalt eines Würfelspiels eine Anleitung zur Erlernung der lateinischen Deklination herausgegeben. Diese Anleitung enthält außer 5 größeren Bestandtheilen, welche die Bezeichnung der sechs Fälle tragen, 48 große Würfel, die auf ihren Seiten ein Wort der ersten, drei Wörter der zweiten, vier Wörter der dritten, je zwei Wörter der vierten und fünften Deklination in Stamm= und Endsilben zerlegt, zeigen erstere in Schwarz=, letztere in Rothdruck. Der Schüler fügt auf diese Weise Stamm und Endung zusammen.
- Ein deutsches Wort für Zigarre. Im Briefkasten Mitteld. Ztg." ertheilt eine Dame in Naumburg folgende Antwort: Aus ihren Versen, die "Umdeutschung" der Zigarre betreffend, zitieren wir die beiden letzten, welche für den Zweck wohl genügen werden:
Muth, deutscher Mann, jetzt fasse dir ein Herze,
Wirf die Zigarre weg und rauche die Kanasterkerze.
- Schreckliche Drohung. Unteroffizier: "Einjähriger Bolltmann, wenn Sie morgen Ihr Haar noch immer nicht vorschriftsmäßig geschnitten tragen, lasse ich sie mit Ihren eigenen Zähnen kürzer beißen!"


Angela.
Roman aus den vergangenen Tagen.
                          (Nachdruck verboten.)
Fortsetzung.

[ => Original lesen: 1889 Nr. 57 Seite 6]

Angela.
[Fortsetzung.]


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