No. 13
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 14. Februar
1888
achtundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 1]

Nach leider eingetroffenen ungünstigen Nachrichten aus San Remo am Donnerstag hatte die Anschwellung unten rechts am Kehlkopf des Kronprinzen so stark zugenommen und Atmungsbeschwerden waren eingetreten, daß in einer Konsultation der Aerzte die sofortige Vornahme der Tracheotomie beschlossen worden ist. Dr. Bramann hat dieselbe mit bestem Erfolge ausgeführt. Nach den neuesten Berichten ist das Allgemeinbefinden des Kronprinzen befriedigend.


Ein Arbeitstag Kaiser Wilhelms.

Unser Kaiser erfreut sich augenblicklich eines so ausgezeichneten Wohlseins, wie seit lange nicht. Leute aus der nächsten Umgebung des hohen Herrn finden nicht Worte genug, um ihrer Freude und Bewunderung Ausdruck zu geben über die Frische und Rüstigkeit, mit welcher der Monarch an der Schwelle seines zweiundneunzigsten Lebensjahres seinen hohen Berufspflichten obliegt. Volle vierzehn Stunden des Tages bleibt Kaiser Wilhelm in voller Thätigkeit, behält während der ganzen Zeit die Uniform am Körper, die Stiefel an den Füßen. Und alles das im Einverständnis mit den Aerzten, welche über die theilweise neue Zeiteintheilung, die sie vor einiger Zeit dem Kaiser gerathen, und über deren wohlthätige Wirkung sie ebenso erfreut zu sein alle Ursache haben, wie der Monarch selbst und jeder Deutsche. Es dürfte wohl von allgemeinstem Interesse sein, Kaiser Wilhelm einen Tag über in seiner Lebensweise und Thätigkeit zu begleiten. Es ist 7 Uhr Morgens; der diensthabende Kammerdiener=Garderobier betritt das kaiserliche Schlafzimmer. Der Kaiser ist soeben erwacht; auf einfachem Präsentierteller reicht ihm der Kammerdiener eine kleine Tasse Thee, welchen der Monarch im Bett zu sich nimmt. Nach wenigen Minuten entfernt sich der Kammerdiener wieder unter Mitnahme des Theeservices und des Nachtlichtes, welche die Nacht über im Schlafzimmer gebrannt hat. In früheren Jahren pflegte sich der Monarch sofort zu erheben, wenn er wie andere Sterbliche ausgeschlafen hatte, und unter Assistenz seines Kammerdieners an die Toilette zu gehen. Heute bleibt Kaiser Wilhelm auf besonderen Wunsch seiner Aerzte, auch nachdem er ausgeschlafen, noch im Bett liegen und pflegt, ob wachend oder wieder einschlummernd, noch anderthalb Stunden der Ruhe. Punkt 8 1/2 Uhr betritt der Kammerdiener wiederum das Schlafzimmer und meldet Sr. Majestät, daß die Uhr halb neun ist. Der Monarch erhebt sich und macht mit Hülfe des Kammerdiener=Garderobiers Toilette. Diesen intimsten Dienst versehen drei altbewährte Diener des Kaisers, von denen jeder immer 24 Stunden im Dienst und dann 2 mal 24 Stunden frei ist. Es sind dies der Garderoben=Intendant Engel und die Kammerdiener=Garderobiers Ukermarker und Krause. Um 9 Uhr ist die Toilette beendet, und der Kaiser begiebt sich zunächst in das Bibliothekzimmer zum Frühstück, welches aus Thee mit etwas Gebäck besteht. Dienstags und Freitags erscheint um 9 Uhr schon der Polizeipräsident zum Vortrag. An diesen Tagen beeilt sich der Kaiser mit der Toilette und dem Frühstück etwas mehr und betritt sofort, nachdem der Polizeipräsident gemeldet ist, sein Arbeitszimmer. An den anderen Tagen nimmt der Kaiser kurz nach 9 Uhr die Arbeit auf, öffnet die eingelaufenen Briefschaften und Aktenstücke, giebt Unterschriften, bis um 10 Uhr pünktlich der Chef des Zivilkabinets v. Wilmowski zum Vortrag erscheint. Dann reiht sich Vortrag an Vortrag, persönliche Meldungen werden entgegengenommen, Audienzen ertheilt, so daß es mitunter 1/2 1 Uhr wird, bis der Kaiser Zeit findet, das 12 Uhr bestimmte zweite Frühstück einzunehmen. Dieses besteht regelmäßig aus einer Tasse Bouillon und einer leichten Fleischspeise. Das Menu für das Frühstück wie für das Diner wird nach Angabe der Aerzte in der kaiserlichen Küche aufgestellt und dem Kaiser vorgelegt; mitunter streicht der Monarch einen Gang davon und stellt dafür einen andern ein. Auf Wunsch der Aerzte soll der Kaiser zum Frühstück wie zum Diner ein Glas alten Bordeaux trinken. Nun ist aber Kaiser Wilhelm absolut kein Weintrinker, um jedoch den Aerzten "den Gefallen zu thun", trinkt der Kaiser den Wein, mischt ihn aber, wie den Champagner, mit natürlichem Selterwasser. Zieht die Wache auf, so erscheint der Kaiser, wie bekannt, am Fenster, um die jubelnde Menge zu begrüßen. Nach dem Frühstück gehen die Vorträge etc. weiter, bis die Stunde der Ausfahrt gekommen. Um 3 Uhr kehrt der Monarch in der Regel von der Ausfahrt zurück und begiebt sich sofort wieder an die Erledigung von Regierungsgeschäften. In der Zeit zwischen 3 und 5 Uhr erscheinen auch die obersten Beamten des Reiches zur Audienz, so der Reichskanzler, die Minister und Staatssekretäre. Um 5 Uhr nimmt der Kaiser das Diner ein, welches bis 6 Uhr währt. Nach dem Diner finden wir Kaiser Wilhelm gleich wieder in seinem Arbeitszimmer. Jetzt erst findet der Monarch Zeit, sich mit den Tagesblättern zu beschäftigen. Mittlerweile ist es 7 Uhr geworden; der Monarch befiehlt den Wagen, um nach dem Opernhaus oder Schauspielhaus zu fahren. Kaiser Wilhelm ist ein großer Theaterfreund und besucht jeden Abend eine Vorstellung, wenn ihn nicht äußere Gründe abhalten. Solche Gründe liegen ja des Oefteren vor; einer aber scheint uns schon um dessentwillen besonders erwähnenswerth, weil er so recht den Charakter und das dankbare Herz unseres greisen Kaisers im schönsten Licht zeigt, und weil er überdies den wenigsten bekannt ist. Stirbt einer der Paladine des Reichs, ein verdienter Heerführer, der ihm besonders nahe gestanden, so unterläßt der Kaiser den Theaterbesuch, so lange die Leiche des Heimgegangenen noch nicht der Erde übergeben ist. Kaiser Wilhelm trauert um seine treuen Diener, um seine Freunde. Um 1/2 9 Uhr verläßt der Kaiser regelmäßig das Theater und kehrt zum Thee in das Palais zurück. Nach 10 Uhr verabschiedet sich der Kaiser von der Theegesellschaft, sieht in seinem Arbeitszimmer noch nach,

[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 2]

ob wichtige Sachen vom Auswärtigen Amt eingelaufen sind, erledigt, was der dringenden Erledigung bedarf, und begiebt sich gegen 11 Uhr zur Ruhe. Um 11 Uhr verläßt der Kammerdiener das kaiserliche Schloß, nachdem er das Nachtlicht angezündet und die Lampe entfernt hat. Das Nachtlicht steht auf dem Nachttisch neben dem Bett und besteht ans einer mäßig langen, dicken Wachskerze, welche auf einem großen, mit Wasser gefüllten Teller ruht. Fällt die Kerze durch irgend einen Zufall um, so erlischt sie im Wasser und kann kein Unheil anrichten. Kaiser Wilhelm erfreut sich in der letzten Zeit eines ganz vortrefflichen Schlafes, und das Tönen der elektrischen Klingel, welche den im Nebenzimmer weilenden Kammerdiener an das Bett des Monarchen ruft, gehört zu den größte Seltenheiten.


- Auf dem Fort VII bei Posen werden beim Erdschachten sieben Arbeiter verschüttet, wobei vier todt blieben und drei schwer verletzt wurden.
- In Arlen bei Konstanz verstarb vor einiger Zeit ein Fabrikbesitzer Hr. ten Brink. Wie sich jetzt herausstellt, ist sein Vermögensnachlaß so bedeutend, daß die badische Staatskasse für Erbschafts=Stempel die kolossale Summe von 383 000 Mk. vereinnahmt hat.
- Die heftigen Schneestürme, welche in den letzten Tagen auch in Oesterreich namentlich im Hochgebirge wütheten, haben eine schreckliche Katastrophe dadurch herbeigeführt, daß am Freitag die Station Langen am Westportal des Arlbergtunnels nebst einem Postzug durch eine kolossale Schneelawine verschüttet worden ist. Die Bergfacaden der Gebäude sind eingedrückt und sieben Personen verwundet. Der angrenzende Streckentheil gegen Danöfen zu, ist durch eine zweite, ebenso mächtige Lawine 18 Meter hoch überschüttet. Ein Wächterhaus ist im Schnee verschwunden, die Insassen sind todt. Der Gesamtverkehr ist auf acht Tage eingestellt; Hülfe kann wegen weiterer Lawinengefahr nicht gebracht werden.
- Ein heftiger Schneesturm, wie er seit 1874 dort nicht erlebt worden ist, wüthete am goldenen Horn. Der Post= und Telegraphenverkehr war zum großen Theil unterbrochen. In den Straßen lag 3 Fuß hoher Schnee und die Lokaldampfer stellten ihre Fahrten ein, die Börse und viele Läden blieben geschlossen. Man fürchtet, daß im Schwarzen und im Marmarameer viele Schiffsunfälle vorgekommen sind.
- Der Reblausschaden, den Frankreich durch die Reblauskrankheit erlitten, beziffert sich auf rund 10,000 Millionen Franks, also das Doppelte der Kriegsentschädigung von 1871. Dieser Verlust bildet die Hauptursache der gewerblichen, Handels= und Ackerbaukrisis, die seit einige Jahren empfunden wird, sowie des Rückganges der Eisenbahn=Einnahmen.
- In Petersburg findet demnächst ein Schlitten=Rennen statt, bei dem durchwegs Damen der Aristokratie als Rosselenkerinnen fungiren werden. Jede der Damen wird, gleichwie beim Wettrennen, eine eigene bunte Atlas=Dreß anlegen, in den gleichen Farben werden auch der Schlitten und das Sattelzeug decorirt sein. Die Preise, die durchweg in Brillant=Schmuckgegenständen bestehen, wurden von der Kaiserin, vom Jockey=Club und von mehreren Sportvereinen gestiftet. Bürgerliche Damen werden zum Schlitten=Rennen nicht zugelassen, auch ist für die Teilnehmerinnen ein Alter von mehr als zwanzig und unter vierzig Jahren fixirt. Karten zum Eintritte in den abgeschlossene Raum kosten per Stück die Kleinigkeit von 25 Rubeln.
- Ein zahmer Rehbock ist bei dem Förster Jäker zu Teerbude bei Stallupönen zu sehen. Derselbe kommt jeden Morgen an die Küchenthür des Försters und kratzt so lange, bis ihm Einlaß gewährt wird. Dann trinkt er die Milch aus, die ihm dort gereicht wird, geht in die Scheune, die zu dem Zweck zu der Zeit offen gelassen wird, und frißt dort Klee und Heu nimmt hierauf wieder seinen Weg in den Wald hinein. Im Sommer bleibt der Gast aus. Der Rehbock ist vor drei Jahren als kleines hilfloses Thier aufgenommen und gepflegt worden und vergißt seinen Wohlthäter nicht.
- Der Blumenfreund. "Ach, die Blumen sind doch die herrlichsten Geschöpfe der Natur! Sie sind wohl auch ein großer Liebhaber von Blumen, Herr Schluckmann?" Herr Schluckmann: "Ja wohl, Madame, namentlich Moselblümchen!"


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Anzeigen.

Antragsmäßig soll über das zu Schönberg an der Marienstraße sub Nris. 36 und 37 belegene Wohnhans c. p. des Schneidermeisters Peter Maaß allhier ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle Diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstück zu haben vermeinen und deren Eintragung in das niederzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf

Mittwoch, den 15. Februar 1888,
Vormittags 10 Uhr,

peremtorisch und unter dem Nachtheil hiemit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht gesetzlich nicht ausgenommenen Realrechte an dem proklamirten Grundstück sowohl gegen den jetzigen als auch die zukünftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Anmeldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubige, welche ihre Forderungen auf einem mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidationstermine ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichneten Postenzettel vollständig und richtig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 29. November 1887.

Großherzogl. Amtsgericht.
G. Horn.

A. Dufft.       


Zur Ausloosung der Geschworenen, welche für die am 5. März 1888 bei dem hiesigen Landgerichte beginnenden ordentlichen Sitzungen des Schwurgerichts in die Spruchliste aufzunehmen sind, habe ich auf

Mittwoch, den 15. Februar 1888,
Mittags 12 Uhr,

eine öffentliche Sitzung des Großherzoglichen Landgerichts in dem Sitzungszimmer der Civilkammer I anberaumt.
Güstrow, den 9. Februar 1888.

Der Präsident des Großherzoglich Mecklenburg=Schwerinschen Landgerichts.
(gez.) von Amsberg.


Es wird hierdurch zur Kenntniß der betheiligten Kreise gebracht, daß die am 11. Januar d. J. hierselbst abgehaltene constituirende Versammlung der Berufsgenossenschaft für die Unfallversicherung der land= und forstwirthschaftlichen Arbeiter hiesigen Landes gemäß § 21, Abs. 2 des Reichsgesetzes vom 5. Mai 1886 die Wahl des provisorischen Genossenschafts=Vorstandes vorgenommen und zu Mitgliedern derselben erwählt hat:

1. den Oberforstmeister a. D. von Waldow auf Dannenwalde als Vorsitzenden,
2. den Rath Löper zu Fünfeichen bei Neubrandenburg als ersten Schriftführer und Stellvertreter des Vorsitzenden,
3. den Pächter Dierking zu Hof Lockwisch als zweiten Schriftführer,
4. den Oberamtmann Zarneckow zu Wanzka und
5. den Senator Kohrt zu Neustrelitz, letztere beiden als Beisitzer.
Neustrelitz, den 10. Februar 1888.

Großherzogliches Landesversicherungsamt.
v. d. Decken.

Werner.        


[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 3]

Am 2. d. M. sind aus einem Hause in Schönberg 2 Seiten Speck im Gewichte von zusammen etwa 60 Pfund., 1 Gänsebrust, ein halber Schweinekopf und 2-3 Mettwürste gestohlen worden.
Es wird um Vigilanz und Benachrichtigung gebeten.
Neustrelitz, 6. Februar 1888.

Der Erste Staatsanwalt.
H. Götze.


Holz=Auction Nr. 21.

Am Montag, den 20. Februar cr., Morgens 9 Uhr sollen beim Gastwirth Freitag zu Schönberg nach stehende Holzsortimente meistbietend aus dem Rupensdorfer Holze verkauft werden:

ca. 50 Rmet. eichen Knüppel,
ca. 210 Rmet. buchen Kluft und Knüppel,
ca. 60 Fuder buchen Durchforstholz u. Reiser,
ca. 20 Rmt. kiefern Kluft und Knüppel.
Das Holz steht am Langberg, im Alten=Schlag , Sülsdorfer Tannen etc. Der Verkauf beginnt mit Nr. 399.
Schönberg, den 8. Februar 1888.

                                                    Der Oberförster
                                                    C. Hottelet.


Holz=Auction.

Am Dienstag, den 14. Februar Morgens 10 Uhr sollen bei Thurower Horst öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden:

80 Faden Buchenkluft= und
Knüppel=Holz sowie 50 Haufen Buchenabfallholz und Buchennutzholzdrümme.
                                                    Die Forstverwaltung.


Die gegen den Knecht Rudolph Arp, zu Schlag=Resdorf wohnhaft, von mir gethanen beleidigenden Aeußerungen nehme ich hiermit zurück.

                                                    Elsa Ollrogge geb. Hecht,
                                                    Schlag=Resdorf.


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[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 4]

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Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 13 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 14. Februar 1888.


Die offiziöse "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt von der Rede des Fürsten Bismarck: Der Eindruck, den diese Rede auf ihre Hörer gemacht hat, prägt sich formell vor allem in der Einmüthigkeit aus, mit welcher der Reichstag sich durch den Mund der Führer aller Parteien des Hauses zu den beiden in Rede stehenden Gesetzentwürfen bekannt hat. Diese Kundgebung, welche unsere nationale Geschichte fortan um eines ihrer schönsten Blätter bereichert, hat ebenso die ungetheilte Uebereinstimmung des ganzen deutschen Volkes mit der durch den Reichskanzler dargelegten Politik zum Ausdruck gebracht, wie Sie nicht verfehlen kann, vor der ganzen Welt beredtes Zeugniß abzulegen von der Einigkeit und Kraft, mit der das deutsche Volk die ihm von seinem ehrwürdigen Monarchen und dessen Räthen als Weihegeschenk in die Wiege seiner Wiedergeburt gelegte Aufgabe, ein Hort des Friedens zu sein, nach jeder Richtung hin zu erfüllen bereit ist.
Erwähnt hat's Fürst Bismarck in seiner großen Rede nicht, aber gewußt hat er's genau, daß namentlich die Provinz Ostpreußen von den Russen außerordentlich bedroht ist. Die russischen Grenztruppen sind 70 Bataillone, 42 Eskadrons und 36 Feldgeschütze, zusammen 42 000 Mann, nahezu 10 000 Reiter und 36 Geschütze stärker als die preußischen Truppen. Dazu kommt, daß die russische Kavallerie dicht an der Grenze liegt und immer auf dem Kriegsfuß steht und für einen Einfall die geographischen und künstlichen Hindernisse sehr günstig sind. Nach den genauesten militärischen Berechnungen hat Rußland an den österreichischen und preußischen Grenzen 315 000 Mann mit 698 Feldgeschützen stehen, denen 136 000 Verbündete mit 498 Feldgeschützen gegenüberstehen.
Die Fluth des Materials über die Rede des Fürsten Bismarck ist kaum zu bewältigen. Aus Paris, Wien, London St. Petersburg, Brüssel, aus New=York und Philadelphia, mit einem Wort aus der ganzen Welt liegen jetzt die Urtheile der Presse über die Rede und deren Werth für den europäischen Frieden vor, so daß der Raum nicht ausreicht, sie auch nur im Auszug wiederzugeben. Wir ziehen deshalb nur die wichtigsten heran. In Paris ist die Stimmung eine getheilte, man steht mit Bewunderung vor dem staatsmännischen Genie Bismarcks, ärgert sich aber nicht wenig, daß Frankreich in der Rede als ziemlich ungefährlich behandelt worden ist. Natürlich werden, um das zu ändern, alle möglichen Vorschläge gemacht, vor allem ein Bündniß mit Rußland. In Rußland selbst aber scheint man dazu weniger Lust denn je zu haben. Die russische Presse ist fast ausnahmslos mit der Rede Bismarcks zufrieden.
Als Fürst Bismarck nach seiner Rede den Reichstag zu Fuß verließ, wurde er der Gegenstand einer politischen Huldigung ohne Gleichen. In förmlichem Triumphzug und hellem Jubel geleiteten ihn all' die Tausende, welche stundenlang auf ihn gewartet hatten, aus der Sitzung nach seiner Wohnung. Pferdebahnwagen und Omnibusse entleerten sich im Nu, um ihre Insitzer an die lawinenartig anschwellende Prozession abzugeben, welche den Reichskanzler umschlossen hielt. Der Kanzler, welcher die Kürassieruniform mit der weißgelben Mütze trug, war anfangs etwas betroffen und eilte auf die andere Seite der Straße als er sich jedoch auf allen Seiten von der tosenden Woge hurrahrufender, hüteschwenkende Menschen umbrandet sah, ergab er sich in sein Schicksal und folgte mit vergnügtem Lächeln und unablässig in militärischer Weise grüßend den beiden Schutzleuten, welche Schritt für Schritt eine Bahn durch die Menge brachen. Am Palast in der Wilhelmsstraße wurde der Zug, den auf dem ganzen Weg das Tücherschwenken der an den Fenstern erscheinenden Damen begleitete, von neuen Schaaren erwartet, unter deren Zurufen der Fürst durch's Thor verschwand. Der Umstand, daß er den Weg zu Fuß machte, obgleich auf den Straßen hoher Schnee lag, spricht für sein körperliches Wohlbefinden. Auch der alte Moltke wurde mit Jubel begrüßt, als er in seinem Einspänner bei dem Reichstag vorfuhr. Um dieses Dreigestirn, den Kaiser Wilhelm, Bismarck und Moltke, beneidet uns wieder einmal die ganze Welt.
Täglich noch liefert die große Rede Bismarcks dem Aehrenleser Ausbeute. Meisterlich hat er dem Zaren eine goldene Brücke zu schlagen gesucht. Man denke nur an seine Worte: "Der Presse glaube ich nicht, der Friedensversicherung des Zaren aber vertraue ich unbedingt." Er lieferte ihm sogar eine staatsmännische Ausrede für die russischen Truppenbewegungen und drückte ihm sein Vertrauen aus, daß er selbst dann nicht Deutschland angreifen werde, wenn die Franzosen vorgingen. Freilich erklärte er auch rund heraus, "der alte Saldo Rußlands in der preußischen Rechnung sei in Olmütz getilgt worden." Die Oesterreicher, denen der Zerfall ihres Reiches so oft prophezeit wird, vergessen Bismarck das Wort nicht: "Ein Staat wie Oesterreich verschwindet nicht."
Im deutschen Reichstage wurde in der Freitagssitzung die Anleihevorlage zum neuen Wehrgesetz definitiv in dritter Lesung ohne Debatte angenommen. Dagegen stimmten nur die anwesenden Sozialdemokraten Bebel, Singer, Kräker.
Eugen Richters Wahl in Hagen für den Reichstag ist von der Wahlkommission für ungültig erklärt worden; seine Fraktionsgenossen stimmten selbst dafür, und mehrere Konservative enthielten sich der Abstimmung.
Aus dem preußischen Kreise Oletzko wird mitgetheilt, daß die Bataillone der an die Grenze herangeschobenen Schützenbrigade fast auf Kriegsstärke erhöht wurde. Es habe das große Aufregung bei den Bewohnern der Grenze hervorgerufen.
Der Generalquartiermeister Graf Waldersee (Graf Waldersee, der als die rechte Hand Moltkes bezeichnet werden kann, befindet sich seit sechs Jahren in seiner jetzigen Stellung im Generalstabe, dem er seit 1866 angehört. Er ist geboren am 8. April 1832) wird in den letzten Tagen von einigen Blättern als berufen bezeichnet, unter dem Oberbefehl des Erzherzogs Albrecht an die Spitze des österreichischen Generalstabes gestellt zu werden. Diese Nachricht beruht ganz entschieden auf einem Irrthum. Sollte wirklich ein Krieg zwischen Deutschland und Oesterreich mit Rußland ausbrechen, so bleibt die Leitung des österreichischen Generalstabes ganz entschieden dem militärisch hochbegabten Erzherzog Albrecht anvertraut, der jedoch Winke und Rathschläge des Grafen Moltke nicht unbeachtet lassen würde. Thatsache ist, daß General Graf Waldersee an Berathungen des österreichischen Generalstabes unter dem Vorsitz des Erzherzogs theilgenommen und demselbst auch einen vom Chef des deutschen Generalstabes ausgearbeiteten Feldzugsplan vorgelegt hat. Auch sollen beide Mächte dahin übereingekommen sein, daß im Kriegsfalle höhere österreichische Offiziere dem Hauptquartiere der deutschen Armee und umgekehrt deutsche Offiziere dem Hauptquartier der österreichischen Armee beigegeben werden.
König Humbert von Italien wird für Mai in Berlin erwartet.
Ist's ein gutes Zeichen? Rußland, das schon lange Geld sucht, hat die Bedingungen, unter welchen eine belgisch=holländische Gesellschaft eine Anleihe abschließen wollte, abgelehnt.
Die Staatsausgaben Frankreichs betragen jetzt drei Milliarden (3000 Millionen) Frank jährlich gegen 1500 Millionen unter dem Kaiserreich. Davon entfallen 1365 Min. für die Verzinsung der unge=

[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 6]

heuern Staatsschuld und 335 Mill. für Einziehung etc. der Steuern. Von den noch verbleibenden 1300 Min. erfordern 700 Mill. Heer und Flotte und 300 Mill. das Unterrichtswesen. - Seit 1871 sind außer dem jährlichen Kriegsbudget 2300 Mill. vom Heere verschlungen worden, ungerechnet einen Extrakredit von 800 Mill. Frankreich hat schon seit Jahren nur mehr mit einem verstecken Defizit gehaust, das durch "Rentenkonversion", Schuldenmachen und allerlei Finanzkünste mühsam gedeckt wurde.


- Schönberg. Nach dem für unser Fürstenthum maßgebenden Steueredicte aus dem Jahre 1853 haben die Handwerker im allgemeinen, je nachdem sie allein oder mit einer größeren oder geringeren Zahl Gesellen und Burschen arbeiten, verschiedene Steuersätze von 2 M. 50 Pfennig (Mecklenburg). bis 25 M. zu entrichten. Einzelne besonders namhaft gemachte Gewerbebetriebe werden höher besteuert, insbesondere die Schönfärberei, von welcher ohne Rücksicht auf die Zahl der Betriebsgehülfen der Höchstbetrag der Handwerkssteuer erlegt werden muß. In einem Specialfalle war es zweifelhaft geworden, ob der Gewerbebetrieb eines Färbers als Schönfärberei anzusprechen sei oder nicht, wodurch es sich vernothwendigte, über die maßgebenden Unterscheidungsmerkmale gutachtliche Aeußerungen Sachverständiger einzuholen. In dieser Hinsicht hat sich ergeben, daß früher die Schönfärber, auch Roth=, Kunst=, Tuch= oder Rheinischfärber genannt, scharf von den Schwarzfärbern auch als Schlecht= oder Lappenfärber vulgo Leinwandreißer bezeichnet, unterschieden wurden. Während letztere sich beim Färben der gewöhnlicheren Farbstoffe bediente, benutzten die Schönfärber die sog. schönen oder echten Farben, als Indigo, Cochenille, brasilianische Rothhölzer u. dgl. Das Gewerbe der Schönfärberei wurde früher im Gegensatz zu dem gewöhnlichen Färberhandwerk auch häufig als eine freie Kunst angesehen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der beiden Gewerbebetriebsarten bestand darin, daß die Schönfärber Flanelle und Wollen in großen Quantitäten, Tuche in ganzen Stücken im Auftrage der Fabrikanten oder Seidenstoffe, Zephyrwollen und dergleichen färbten, wohingegen die Schwarzfärber nur von den sogenannten kleinen Leuten beschäftigt wurden, welche alte Kleidungsstücke, Wolle in geringen Mengen oder Leinewand zum Färben brachten. Im Laufe der Zeit haben sich die Verhältnisse in dem Gewerbebetrieb der Färber dergestalt geändert und ausgeglichen, daß sich die frühere Strenge Unterscheidung in Schön= und Schwarzfärberei jetzt überhaupt nicht mehr aufrecht erhalten läßt.
- Schönberg. Am Sonntag Nachmittag bewegte sich ein langer Leichenzug vom Bahnhofe durch die Stadt nach dem alten Kirchhofe. Es war der am Donnerstag zu Neustrelitz verstorbene Landgerichtsrath Wohlfahrt, der auf dem hiesigen Gottesacker an der Seite seiner im Jahre 1873 verstorbenen Ehefrau beigesetzt wurde. Der Verstorbene war in den Jahren von 1872 bis 1879 Mitglied der Großh. Landvogtei und Vorsitzender des Großh. Justizamts zu Schönberg und wurde im Jahre 1879 bei Einführung der neuen Gerichtsorganisation als Landgerichtsrath an das Landgericht in Neustrelitz berufen.
- Graf Bothmer=Bothmer hat seine festangestellten Lehrer, die das 30. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, versichert und beabsichtigt, der "M. Z." zufolge, dies bei allen seinen neu anzustellenden Beamten und Lehren zu thun, die noch vor dem 30. Lebensjahre stehen. Das Institut, mit dem die Versicherung abschlossen wird, ist die "Allgemeine Versorgungsanstalt des Großherzogthums Baden zu Karlsruhe." Die Versicherungssumme beträgt in jedem Falle 5000 M., die nach folgendem Modus dem Versicherten zugewendet wird: Mit dem 60. Lebensjahre des Versicherten wird das Kapital zahlbar und zwar an den Antragsteller Graf Bothmer. Dieser zahlt alsdann dem zu Versichernden die dreiprocentigen Zinsen von 3000 M., sowie die Leibrenten von 2000 M., so daß die Alterszulage für den Versicherten mit dem 60. Lebensjahre sich auf etwa 300 M. beläuft. Wenn jedoch früher oder später die Pensionirung des Lehrers eintritt, so wird das Kapital mit 4 pCt. verzinst. Stirbt der Lehrer, so verbleibt der Wittwe der volle Genuß der ganzen Einnahme (der Versicherung). Nach dem Ableben beider Eltern kommen 3000 M. zur Auszahlung an die Kinder resp. Erben. Die Versicherten werden zu der theilweisen Prämienzahlung herangezogen und zwar in der Weise, daß sie zu den Prämien von 3000 M. den vierten Theil beisteuern müssen. Hierdurch erhalten die Interessenten einen gesetzlichen Anspruch auf Pension. Sollte der Versicherte die Dienste des Grafen verlassen, so werden die eingezahlten Prämiengelder zurückerstattet.
- Der Küraß wird im preußischen Heer bald abgeschafft werden und nur noch bei Paraden getragen werden. Eine militärische Prüfungskommission hat sich für die Abschaffung ausgesprochen.
- Den preußischen Schusterinnungen wurde von der Militärverwaltung eine Bestellung von einer halben Million Stiefel für die nach der neuen Wehrordnung erforderlichen Truppenkörper gemacht.
- Die deutsche Reichsbevölkerung ist im Jahr 1886 um rund 438 000 Köpfe gewachsen und die Vermehrung im Jahr 1887 ist annähend dieselbe. So stellt sich die Bevölkerung am Anfang 1888 auf 47 700 000 Köpfe.
- Auch der zweite Hauptgewinn der preußischen Klassenlotterie von 300 000 Mk. ist nach Berlin gekommen. Die Glücksnummer 138219 ist nur von sogenannten kleinen Leuten gespielt worden. Gewinner sind u. A. ein Buchhalter, dem der Gewinn gerade zur rechten Zeit kommt, da er ohne Stellung ist, eine Näherin, ein Hausdiener und ein Arbeiter, von denen jeder ein sechszehntel gespielt hat, worauf 15 787 Mk. entfallen.
- Mit Rücksicht auf das nahende Ostern erscheint es gegenwärtig geboten, auf die Geringschätzung hinzuweisen, mit welcher man leider in weiten Kreisen noch immer auf das Handwerk blickt. Es ist gerade diese ungerechtfertigte Geringschätzung, welche die Lust zum Erlernen eines Handwerks außerordentlich vermindert und welche die in das praktische Leben hinaustretenden jungen Leute abhält, Schuhmacher, Tischler, Schneider etc. zu werden. Man hat behauptet, das Handwerk habe den goldenen Boden der früheren Zeiten verloren. Nichts kann von größerer Kurzsichtigkeit diktirt worden sein, als diese Behauptung. Denn ziehen wir den Nothstand in Betracht, der wie in allen Berufsarten so beispielsweise und ganz besonders im Handelsleben sich zeigt, dann müssen wir und mit uns alle anderen Freunde des Handwerks gestehen, das alte Wort vom goldenen Boden des Handwerks hat auch heute noch seine volle Geltung. Ein Handwerker, der seine Sache versteht, d. h. etwas Tüchtiges gelernt hat, findet heute, sowie früher, sein gutes Fortkommen und eine geachtete Stellung in der Welt.
- Von einem seltenen Zartgefühl zeugt eine Bekanntmachung eines Brauers in Pausa in Sachsen. Es war berichtet worden, daß in den mit kochendem Wasser gefülltem Maischbottich des betr. Brauers kürzlich ein Lehrling gefallen sei, wodurch der Tod des jungen Mannes herbeigeführt wurde. Jetzt macht der Brauer im dortigen Lokalblatt, "um weiteren Verdächtigungen vorzubeugen", bekannt, daß das Gebräude Bier, bei welchem sich das Unglück ereignete, nur im Haushalte verwendet werde und kein Liter davon an seine werthen Kunden zum Verkauf bezw. Ausschank gelange.
- Ein Kantorlied wurde bei einem 50jährigen Kantor=Jubiläum als Taffellied unter großem Jubel gesungen, von welchem zwei hübsche Strophen lauten:
              Kantor sein ist ein gar schweres Ringen
              Mit der Alt= und Sopranisten=Schar;
              Geigen muß er, zählen, stampfen, singen,
              Bis der Sang ertönet rein und klar.
                            Von der Stirne heiß
                            Rinnen muß der Schweiß,
              Soll gelingen Arbeit, Müh' und Fleiß.
              Das Kantorenamt ist hoch zu preisen,
              Denn es halt den Geist und Leib gesund.
              Die Kantors, die schwarzen und die weißen,
              Alle wohlgenährt und kugelrund
                            Alle überein
                            Zeigen gut Gedeihn,
              Höchstens plagt sie das Zipp=Zipperlein.


[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 7]

Raubmord bei Schwerin.

Ein grauenvoller Raubmord ist am 9. d. M. in der Frühe auf der Schwerin=Crivitzer=Chaussee an den Kolli=Fuhrmann Bohnhoff aus Crivitz begangen. Der Omnibusfuhrmann H. Voß, welcher den ersten Omnibus Morgens 5 1/2 Uhr von Crivitz nach Schwerin fährt, hat das Fuhrwerk des Bohnhoff am Stahlberge auf der Schwerin=Crivitzer=Chaussee stehend und den Bohnhoff selbst todt neben dem Wagen liegend angetroffen. Ein schrecklicher Kampf scheint zwischen dem Mörder und Bohnhoff stattgefunden zu haben, was die großen Blutlachen vermuthen lassen. Bohnhoff hat eine Schußwunde und Stich= und Hiebwunden am Kopfe. Alles zeugt von einem geplanten Morde. Der Mörder scheint, den Spuren nach zu urtheilen, ebenfalls Verwundungen erhalten zu haben. Die Behörden entfalten die regste Thätigkeit, um die Entdeckung des Mörders herbeizuführen. Die Abends etwas nach 11 Uhr von Schwerin nach Crivitz fahrende Post ist dem Ermordeten am Stahlberge nicht weit von dem Thatorte vorbeigefahren. Der Postillon hat im Vorbeifahren noch den Bohnhoff gefragt, weshalb er denn neben seinem Fuhrwerk hergehe, und hat dieser darauf geantwortet, daß dasselbe sehr schwer beladen sei. Bald nach dieser Begegnung muß der Mord ausgeführt worden sein. Wie man sagt, soll der Ermordete über 400 M. an baarem Gelde bei sich geführt haben, und dieses nebst einer Taschenuhr demselben geraubt sein. Das eine Rad soll neben dem Wagen gelegen haben und allem Anscheine nach nicht abgelaufen, sondern abgezogen sein. Der Ermordete ist Familienvater. - Wir müssen noch hinzufügen, daß am 11. d. in Lübeck ein Mensch aus Crivitz festgenommen worden ist, welcher, im dringenden Verdachte steht, die Unthat begangen zu haben. Derselbe, ein Arbeiter, stimmt seinem Aeußern nach mit der Beschreibung, welche der oben erwähnte Postkutscher von einem Manne gegeben, den er auf der fraglichen Chaussee angetroffen. Er ist nicht im Stande, sein Alibi während der Donnerstag=Nacht nachzuweisen, außerdem liegen noch andere Verdachtsmomente vor. Nach einem eingehenden Verhör ist der Beschuldigte nach Schwerin transportirt worden.



Originalroman von Marie Romany.
(Fortsetzung.)

[ => Original lesen: 1888 Nr. 13 Seite 8]

Marion.
Originalroman von Marie Romany.
[Fortsetzung.]


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