No. 98
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 14. Dezember
1886
sechsundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 1]

Nr. 19 des Offic. Anzeigers pro 1886 für das Fürstenthum Ratzeburg enthält in der
             II. Abtheilung:
      (1.) Bekanntmachung, betreffend die Diphtherie (Rachenbräune).
      (2.) Bekanntmachung, betreffend die Mecklenburgische Lehrerinnen=Feierabend=Stiftung.
      (3.) Bekanntmachung, betreffend die Durchschnittspreise des Monats October 1886.
      (4.) Die Versendung von Postpacketen gegen ermäßigte Taxen nach Gibraltar, Labuan etc.
      (5.) Bekanntmachung, betr. die Versendung von Weihnachtspacketen.


Eine so sorgenvolle, schweren Entscheidungen entgegengehende Weihnachtszeit hat Deutschland vielleicht noch niemals gehabt, wie in diesem Jahr. Der stille Druck der Gegenwart und der kommenden Dinge liegt auf allen, was wir denken und thun. Wie sollte es anders sein, wenn der alte Moltke, der erfahrenste und siegreichste aller Feldherren, in der Verstärkung des deutschen Heeres um 40 000 Soldaten fast das einzige Mittel sieht, um den Frieden zu retten, "wenn er überhaupt gerettet werden kann." "Der Zustand Europas", das in Waffen starrt, drängt mit Naturnothwendigkeit auf baldige Entscheidungen hin. Bald kann eine Zeit kommen, in der Patronen die gangbarsten Papiere sind." Aus seinem Mund klingen die inhaltsschweren Worte wie Prophezeihung, die auf finstere, sturmbewegte Tage deuten. Wir wissen alle von ihm, daß der schweigsame Mann jedes Wort sorgfältig wägt, bevor er es spricht. "Von den Dreien", sagt die "Kreuzzeitung", "ist er einer, die der Geschichte des 19. Jahrhunderts die entscheidende Wendung gegeben und den Stempel ihres Geistes aufgedrückt haben. Und mehr noch. Zu Jahren gelangt, die ihm nichts mehr zu wünschen übrig lassen, mit allem Ruhm der Erde bedeckt, steht er den zukünftigen Dingen leidenschaftslos gegenüber. Ohne Aussicht auf noch mehr Ehre und ohne Besorgniß für sich selbst, sieht er die dem Vaterland drohende Gefahr um so klarer und unerbittlicher vor seinem Geistesauge stehen." Und Bismarcks Schweigen ist vielleicht noch beredter. Er hält wahrscheinlich die Verantwortung des Schweigens dem ungeduldigen Reichstag gegenüber für leicht gegenüber der Verantwortung des Redens und eines entscheidenden Wortes, das den Schneeball auf den eisigen Höhen in Bewegung setzen könnte, der dann als alles zerstörende Lawine zu Thal geht. Wie sehr wir aber auch nur von Tag zu Tag leben, so wollen wir um so weniger in den Tag hineinleben, sondern jeden guten Tag dankbar ausnützen.
Die Aeußerungen aus dem Mund des Grafen Moltke im Reichstage sind kurz folgende! 1) daß das in Waffen starrende Europa die Fortdauer dieser Rüstung so schwer erträgt, daß die Naturnothwendigkeit baldige Entscheidungen fordert; 2) daß die Vorlage eine Erhöhung der Friedenspräsenz gewisser Truppentheile fordert, welche, nahe der deutsch=französischen Grenze, vielleicht berufen sind, gleich im ersten Augenblick des Krieges in Action zu treten; außerdem werde allerdings die Aufstellung neuer Rahmen gefordert, welche eine erhöhte Kriegsstärke nöthig machen, was durch die bloße Erhöhung der Friedenspräsenz innerhalb der bestehenden Rahmen noch nicht herbeigeführt wird.
Prinzregent Luitpold von Bayern hat Berlin am Freitag Mittag wieder verlassen und ist nach Dresden zum Besuch des Königs von Sachsen abgereist. Am Sonntag Morgen ist er wieder in München angelangt.
Am Freitag wurden die 12 Generalsuperintendenten der älteren preußischen Provinzen vom Kaiser, der Kaiserin und dem Kronprinzen empfangen. Die Geistlichen erschienen in ihrem vollen Ornate bei ihrem Ein= und Ausgange präsentierten die Posten das Gewehr.
Der Silberwerth der noch in Berlin vorhandenen Thaler wird auf 200 Millionen Mark berechnet. Hiervon sind für 8 3/4 Millionen Mark an Ägypten veräußert worden, so daß die dadurch bewirkte Abstoßung von Silber etwa ein Neuntel des Umfangs der Silbervorräthe ausmacht.
Der preußische Finanzminister v. Scholz hat in ein Wespennest gestochen, als er im Reichstag ärgerlich das Wort fallen ließ, an dem geringen Ertrag der Börsensteuer seien Defraudationen der Handelsherren schuld. Es regnet von überall her entrüstete Proteste der Börsenherren und Kaufleute, die schon das geflügelte Wort des Ministers Maybach vom "Giftbaum der Börse" übel genommen haben.
Das deutsche Civilgesetzbuch geht bis Mitte 1887 seiner Vollendung, d. h. dem Schluß der ersten Bearbeitung entgegen. Von großem Werth für die deutsche Rechtseinheit wird die für die Gesetzgebungs=Kommission geplante Grundbuchordnung für das deutsche Reich werden. Denn die alte partikulare Zerrissenheit und Rechtsverschiedenheit ist nirgends empfindlicher, als in den Fragen des Hypothekenwesens, des Eigenthums von Grundbesitz, des Eigenthums=Erwerbs und der dinglichen Belastung der Grundstücke, Bergwerke und selbstständigen Gerechtigkeiten. Selbst innerhalb der preußischen Monarchie war es noch nicht möglich, ein einheitliches Grundbuch= und Hypothekenrecht zu schaffen. Die Rheinprovinz, Nassau, Frankfurt a/M. und seine alten Landgemeinden, ebenso wie Hessen=Homburg und die früher bayerischen und hessen=darmstädtischen Landestheile, welche 1866 dem Königreich Preußen einverleibt wurden, besitzen bis heute trotz der eifrigsten Arbeit der preußischen Landesgesetzgebung noch kein Grundbuch, sondern die verschiedenartigen Kontractenbücher, Stockbücher, Hypothekenbücher und die buntesten Formen für Hypothekenbriefe und Erwerbsurkunden. Diese Arbeit soll die Kommission in Berlin Mitte 1887 in Angriff nehmen.
Aha! den Zeitungsredaktionen in Petersburg ist von der Regierung verboten worden, über militärische Vorbereitungen, Ortsveränderungen der Truppenkörper u. s. w. irgend eine Mittheilung zu bringen. Macht nichts, wir erfahrens doch!
Zur Züchtigung von Eingeborenen auf Samoa hatte die Kreuzerkorvette "Bismarck" Befehl erhalten, weil die Eingeborenen daselbst einen Kapitän mit acht seiner Bootsgäste aufgefressen hatten. Weiter wird mitgetheilt, daß Anfang Oktober ein Boot von der "Bismarck" mit Mannschaften im

[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 2]

Sturm ans Land geworfen worden war. Erst am dritten Tage wurden die Mannschaften auf einem nackten Felsen dem Verschmachten nahe gefunden.
Die ostindische Weizenausfuhr nach Europa nimmt fortwährend zu: Dieselbe geht weniger nach dem Mutterland, nach England, als nach Belgien, Frankreich, Italien, Holland, welche größere Mengen an ostindischem Weizen bezogen haben wie bisher. Im Monat August 1886 wurden beiläufig 200 000 englische Centner mehr exportirt als in dem gleichen Vorjahrsmonat, in den 5 Monaten April bis incl. August wurden jedoch 3,2 Mill. Centner mehr ausgeführt gegen 1885, und 5 Mill. Centner mehr gegen 1884.
Glückliche Vereinigte Staaten! Der Präsident verkündigte in seiner Botschaft vom 6. Dezember, mit welcher er den Kongreß eröffnete, daß das Staatseinkommen mehr als jemals die öffentlichen Bedürfnisse übersteige und daß bei Fortdauer der gegenwärtigen Verhältnisse die ganze Staatsschuld in Jahresfrist bezahlt sein werde. Die Einnahmen des mit Juni abgeschlossenen Jahres beliefen sich auf 336 Millionen Dollars, die Ausgaben auf 242 Millionen Dollars. Die Haupteinkünfte fließen aus den Einfuhrzöllen.


Anzeigen.

Holz=Auction Nr. 3.

Am Montag den 20. December Morgens 10 Uhr sollen beim Gastwirt Wienck zu Sülsdorf nachstehende Holzsortimente meistbietend bei freier Concurrenz verkauft werden.

Aus dem Schwanbecker Zuschlage:

          23 Stck. Eichen=Blöcke mit 11,12 Festm.
          10 Stck. eichen Wagendeichseln,
            4 Rmet. eichen Kluft I. Cl.
          35 Rmet. eichen Knüppel,
          32 Fuder starkes eichen Durchforstholz,
            1 Fuder starkes eichen Pollholz,
  340 Rmet. buchen Kluft und Knüppel,
ca. 50 Fuder buchen Pollholz.
Schönberg, den 12. December 1886.

                                                    Der Oberförster
                                                    C. Hottelet.


Auction.

Am Montag, den 20. December d. J. werde auf meiner Hofstelle bei baarer Bezahlung in Auction verkaufen lassen:

3 eisenachsige Wagen, 1 einspänniger Wagen, 1 Walze, 3 Pflüge, 1 Wasserfurchenpflug, 1 Pr. schottische Eggen, 1 Kornrummel, 2 Milchtransportkannen, verzinnte Milchsatten, 1 Butterfaß, 3 Eimer, 1 Spiegel, Eckschrank und verschiedene andere Sachen.

F. Lundwall.       


Statt besonderer Anzeige.
Johanna Nickelsburg
Albert Gimpel
Verlobte.
Gnoien.                                                     Schönberg.


Statt besonderer Meldung.

Gestern Abend 7 3/4 Uhr starb nach schwerem Kampfe unser inniggeliebter Karl im 13. Lebensjahre, tief betrauert und schmerzlich vermißt von Allen, welche ihm nahe standen.

                                                    Die tiefbetrübten Hinterbliebenen
                                                    Ernst Rindfleisch und Frau,
                                                                              geb. Kiel.

Schönberg, den 13. December 1886.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. ds. Mts., Nachmittags 2 1/2 Uhr statt.


Danksagung

Allen Denen, welche unserem lieben Kinde die letzte Ehre erwiesen, sowie Allen Denen, welche ihren Sarg so reich mit Kränzen schmückten, unsern tief gefühlten Dank.

                                                    H. Fahrenkrug und Frau.


Zu einer Weihnachtsbescheerung für arme Kinder erbitten wir freundliche Gaben aus der Gemeinde und ersuchen solche gütigst bis zum 22. d. Mts. uns zukommen zu lassen.
Schönberg, 6. December 1886.

Kämpffer.                           Langbein.          


Engl. Salz
empfiehlt                                                     W. Creutzfeldt,
                                                                      Carlow i/M.


Empfehle mein Lager von

Nähmaschinen

versehen mit den neuesten Verbesserungen unter mehrjähriger Garantie, sowie Nadeln, Schiffchen und Oele, auch Theile zu sämmtlichen Maschinen. Alte Maschinen nehme in Tausch an, Reparaturen schnell und billig.

                                                    Ergebenst
                                                    Rud. Schrep,
                                                    Schönberg.


Zu meiner diesjährigen

Weihnachts-Ausstellung,

welche ich am 15. d. M. eröffne, empfehle einem hochgeehrten Publikum von Schönberg und Umgegend eine große Auswahl von

selbstgearbeitetem Confect,

sowie verschiedene Sorten Pfeffernüsse, Kuchen und sonstiges feines Backwerk.
Um geneigten Zuspruch bittet ergebenst

                                                    L. Jähnig, Conditor.


Weihnachts-Ausstellung

und ersuche alle geehrten Bewohner von Stadt und Land sich dieselbe gefälligst ansehen zu wollen.

                                                    H. Wolgast, Bäckermeister.


Morgen Mittwoch:
Prima Fett=Bücklinge
empfiehlt                                                    
                                                    H. Mette.


Weihnachts-Ausstellung.

Den hochgeehrten Bewohnern von Schönberg und der Umgegend erlaube ich mir hierdurch ganz ergebenst anzuzeigen, daß ich am 15. d. M. meine diesjährige Weihnachts=Ausstellung mit einer großen Auswahl von besten und

wohlfeilsten Confituren

eröffne. Außerdem empfehle zur geneigten Abnahme alle möglichen feine Backwerke, braune Kuchen und verschiedene Sorten Pfeffernüsse, auch werden gefällige Bestellungen auf

Marzipan-Torten

bestens prompt ausgeführt. Um geneigten Zuspruch bittet

                                                    Hochachtungsvoll
                                                    Heinrich Freitag,
                                                    Conditor und Bäcker.


Verschiedene Sorten gut                                                    
ausgesuchte Aepfel,
sowie gutes                                                    
Backobst u. Wallnüsse
empfiehlt zu billigen Preisen                                                    
                                                    J. Koopmann.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 3]

Theater in Schönberg.
Im Saale des Herrn Freitag.
Dienstag, den 14. December.
Eröffnungs=Vorstellung:
Papageno.
Schwank in 4 Akten von Rudolf Kneisel.
Alles Uebrige durch die Tageszettel.

                                                    Oscar Pfundt,
                                                    Theater=Director.


Personal-Verzeichniß
der
Theater=Gesellschaft: Oscar Pfundt. Regisseur: Friedrich Hopkins.
Kapellmeister: Max Marthieu.
Darstellende Mitglieder:
(alphabetisch.)

        Franz Himmler, Held und Liebhaber.
        Friedrich Hopkins, Gesangskomiker.
        Julius Jung, Charakterspieler.
        Oscar Pfundt, Charakterkomiker.
        Oscar Pietschel, jugendlicher Liebhaber.
        Gustav Steinmüller, pères nobles.
        Fritz Töpfert, Chargen.
                -------------
Auguste Fischer, singende und erste Liebhaberinnen.
Martha Gude, Gesangsrollen=Kammermädchen.
Agnes Hardt, jugendliche Anstandsdame.
Marie Hopkins=Martorel, Anstandsdame und komische Alte.
Louise Musäus, erste Liebhaberinnen.
Franziska Rieger, muntere Liebhaberinnen.

Oscar Pfundt, Director.               


Lactina Bowick.

Ist ein vegetabilisches Futtermittel und Ersatz der Muttermilch für Kälber, 1 Kilo Lactina Bowick ergiebt durch Zusatz von Wasser, 18 Liter Lactina Milch und empfehle dasselbe, gestützt auf Zeugnisse von Autoritäten, bestens.

                                                    F. Heitmann.
                                                    Schönberg i/M.


Engl. Sirup,

feinstes Weizendampfmehl, sowie sämmtliche Artikel zur bevorstehenden Festbäckerei empfiehlt in bester Waare billigst

A. Zander.       


Weihnachts-Ausstellung.
bei
                                                    W. Heitmann,
                                                    Buchbinder.
Schönberg i/M.                                                    


Feinsten engl. Syrup,
Succade, Orangeat,
süße und bittere Mandeln,
Rosinen und Corinthen, Cardemom,
empfiehlt billigstens                                                    
                                                    Aug. Spehr.


Passend als Weihnachtsgeschenke empfehle ich mein Lager von

Korbwaaren

als Lehnstühle, Kinderstühle, Blumentische, Papierkörbe, Kinderwagen, Puppenwagen sowie sämmtliche Korbarbeiten in allen Sorten zu billigen Preisen

                                                    Achtungsvoll
                                                    H. Specht,
                                                    Korbmacher.


Die Eröffnung meiner
Weihnachts=Ausstellung
von
Spielwaaren
erlaube mir einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum ergebenst anzuzeigen.
Carlow i/M.                                                    
                                                    W. Creutzfeldt.


Pelzwaaren
jeglicher Art empfiehlt billigst                                                    
Heinrich Schäding.


Größtes Lager
von
Filzschuhen u. Filzpantoffeln
von den Geringsten bis zu den Hochfeinsten bei
                                                    Heinrich Schäding.


Filzhüte und Mützen

in größter Auswahl und neuester Form zu billigen Preisen. Zurückgesetzte

Sommer- und Wintermützen

um damit zu räumen, enorm billig.

                                                    Heinrich Schäding.


Prima Engl. Syrup,
gem. Raffinade,
frische Succade und
Pommeranzen=Schaalen,
sowie sämmtliche Gewürze
empfiehlt                                                     A. Wigger Nachfl.


Citronen
zum Wiederverkauf besonders billig                                                    
                                                    A. Wigger Nachfl.


Frische Franz. Wallnüsse
Sicil. Haselnüsse
empfiehlt                                                     A. Wigger Nachfl.


Lübeck
Spethmann's Hotel & Restaurant
vis à vis der Post
empfiehlt sich dem geehrten Publikum angelegentlichst.


Bradt,
empfiehlt                                                    C. Brunnenberg,
                                                                      Färber.
Ratzeburg, den 14. November 1886.                          


Pianinos billig baar oder Raten. Fabrik Weidenslaufer, Berlin NW.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 4]

Die denkbar günstigste Gelegenheit
zur Beschaffung praktischer und nützlicher
Weihnachtsgeschenke
bietet die                                                                              
Alleinige Verkaufsstelle
der leicht beschädigten emaillirten
Hausstandsgegenstände
Lübeck 27 Holstenstrasse 27 Lübeck.
Durch Übernahme des Lagers einer in Liquidation befinlichen Fabrik, ist die Verkaufsstelle in den Stand gesetzt,
durchaus fehlerlose Waaren
soweit der Vorrath reicht
zum Preise der leicht beschädigten emaillirten
Eisenblechwaaren
nämlich zu                                                                              
1/3 des Fabrikpreises
Emaillirte Kochgeschirre für Kinder à St. 10 Pfg.
abzugeben.                                                                              
Die Verkaufsstelle befindet sich nur allein Holstenstrasse 27 Lübeck Holstenstrasse 27.
NB. Wiederverkaufer erhalten angemessenen Rabatt.
Umtausch auch nach dem Feste noch gern gestattet.


Weihnachts=Ausstellung.

Einem geehrten Publikum empfehle meine diesjährige ganz besonders reichhaltige Weihnachts=Ausstellung aufs beste.
Besonders aufmerksam mache auf eine bedeutende Auswahl

Album, Schreibmappen, Damentaschen, Cigarrentaschen mit und ohne Stickerei, Portemonnais, Visites, Schmuckgegenstände aller Art, Damenscheeren, Messer, sowie auch echte Meerschaum=Cigarrenspitzen u. s. w. u. s. w.
Ferner Kinderspiele, Bilderbücher und Jugendschriften.

Um recht zahlreichen Besuch bittet

                                                    ergebenst
                                                    Emil Hempel,
                                                    Buchbinder.

Schönberg i./M., 1886.


Hierzu zwei Beilagen.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 5]

Erste Beilage
zu Nr. 97 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 14. December 1886.


 

 

[Die Beilage ist im Original nicht vorhanden.]

 

 

 

 

 

[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 6]

 

 

[Die Beilage ist im Original nicht vorhanden.]

 

 

 

 

 


[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 7]

Zweite Beilage
zu Nr. 97 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 14. December 1886.


- Das lübeckische Dorf Dissau ist in der Nacht zum 10. d. bis auf wenige Gebäude ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer ist beim Gastwirth und Hufner H. Meier aufgegangen und verbreitete sich bei dem herrschenden Winde so schnell, daß die alsbald herbeigeeilten Spritzen wenig retten konnten. Menschenleben sind nicht zu beklagen, auch ein Verlust an Vieh ist nicht eingetreten, aber der Schade ist demnach ein bedeutender, indem 12 Häuser und 16 Scheunen abbrannten, 20 Familien sind obdachlos geworden. Man vermuthet Brandstiftung.
- In Wilster (Schleswig=Holstein) ermordete eine kürzlich zum zweiten Male verheirathete Frau ihre drei Stiefkinder und erhängte sich dann selbst.
- Man wird sich vielleicht noch des frechen Diebstahls erinnern, durch welchen die Reichsbank in Hamburg im Juni 1885 um 200 000 Mark gebracht wurde und es dürfte deshalb die Nachricht von Interesse sein, daß die Diebe, zwei Engländer, Namens Anderson und Barton jetzt von der französischen Polizei der deutschen Behörde in Novéant bei Metz überliefert wurden. Die Diebe waren seiner Zeit nach Frankreich geflüchtet, hatten dort neue Gaunereien ausgeführt und wurden jetzt, nach verbüßter Strafe, auf Verlangen an Deutschland ausgeliefert, um in Hamburg neuerdings vor Gericht gestellt zu werden.
- Die Zahl der gegenwärtig noch in der preußischen Armee vorhandenen Ritter des Eisernen Kreuzes I. Klasse beträgt 390. Unter ihnen sind 42 Generale der Infanterie oder Kavallerie 47 Generallieutenants, 54 Generalmajors, 109 Obersten, 48 Oberstlieutenants, 72 Majors, 21 Hauptleute, 3 Premierlieutenants und 4 Generalärzte.
- Zur Bestreitung der Schulden des verstorbenen Königs von Bayern sind jährlich 1 080 000 Mk. aus Ersparnissen bei der k. Civilliste verfügbar.
- Von der Kolocsaer Sternwarte bei Pest ist am 28. Nov. d. J. ein Phänomen beobachtet worden. Auf der südöstlichen Seite der Sonnenscheibe war nämlich eine seltene Protuberanz (Ausströmung von Wasserstoffgas) sichtbar. Die ausgebrochene Flamme erhob sich bis zu einer Höhe von 22 000 Meilen. Gegenwärtig hat sich die Flamme vom Sonnenkörper bereits abgelöst und schwebt nun in Wolkengestalt oberhalb der Sonnenscheibe.
- In London spricht man viel von der Hochzeit der Prinzessin Louise, ältesten Tochter des Prinzen Wales, mit dem Herzog von Augustenburg, Schwager des Prinzen Wilhelm von Preußen, des Enkels des deutschen Kaisers. Die Mutter des Herzogs ist eine Prinzessin von Hohenlohe=Langenburg, Nichte der Königin Viktoria, deren Hand Napoleon III. zweimal vergeblich erbat.
- Das Gedächtniß der 300jähr. Einführung der Kartoffeln in England hat das londoner Aquarium durch eine Kartoffel=Ausstellung verherrlicht. Sie besteht aus vier Abtheilungen, deren erste alle Bücher enthält, welche seit 300 Jahren der Kartoffel gedenken; die zweite behandelt die Kartoffelkrankheiten nach einschlägigen Werken; die dritte erläuterte die beste Speicherungs= und Aufbewahrungsart der Kartoffeln in krankem und gesundem Zustande; die vierte endlich zeigt die Knollen von ungefähr 500 verschiedenen Kartoffelsorten.
- Der deutsche Turnverein in London feierte am 27. November auf Anregung einiger Frankfurter Mitglieder sein Stiftungsfest mit einem echt deutschen Essen. Es wurden nämlich 540 Stück heimathliche Bratwürste, eine Anzahl Schweinsknöchel, Sauerkraut, Erbsen= und Kartoffelbrei verzehrt und hierzu 350 Liter deutsches Exportbier getrunken. Zur Hebung der Stimmung wurde ein von einem Frankfurter verfaßtes Festspiel, das die Bratwurst verherrlichte, aufgeführt.
- In London brach am Sonnabend inmitten der City ein Brand aus, der alsbald riesige Dimensionen annahm. Binnen Kurzem standen nicht weniger als vier große Waarenhäuser in Flammen, welche, trotzdem sämmtliche verfügbaren Feuerwehren zur Hilfeleistung herbeieilten, vollständig niederbrannten. Auch die benachbarte erst kürzlich wieder hergestellt St. Mary=Magdalenen Kirche wurde von den Flammen ergriffen und total eingeäschert. Der Schaden beträgt über hunderttausend Pfund Sterling.
- Der Umstand, daß neulich in Vionville bei Metz eine als Erinnerung an 1870 aufbewahrte Granate platzte und einen spielenden Knaben tödlich verletze, hat der dortigen Behörde Anlaß gegeben, nachzuforschen, ob nicht noch weitere Personen im Besitze geladener Granaten seien. Die angestellten Nachforschungen haben nun das Vorhandensein von über Hundert derartiger Geschosse ergeben, deren Besitzer keine Ahnung hatten, daß die Granaten noch geladen seien.
- Die Memoiren des Grafen Beust werden unter dem Titel "Aus drei Viertel=Jahrhunderten" in der ersten Woche des neuen Jahres bei Cotta in Stuttgart erscheinen. Wie die Verlagshandlung mittheilt, wurde ihr das Manuskript schon im Frühjahr 1886 vom Verfasser selbst zum Druck übergeben.
Tragisch ist der Selbstmord des Freiherrn v. Seckendorff in Wien, eines ausgezeichneten Lehrers und Mathematikers an der Hochschule der Bodenkultur. Aus Uebermüdung und Ueberreizung der Nerven war es ihm einige Male nicht mehr möglich, seinen Schülern die mathematische Beweisführung einzelner besonders schwieriger Sätze zu geben und darüber war er außer sich. Mittags sagte er zu seiner Frau: "In 4 Stunden bin ich vielleicht schon eine gefallene Größe." Wenige Stunden nachher erschoß er sich; auf seinem Schreibtisch lagen zwei mathematische Werke aufgeschlagen, welche er soeben noch studirt hatte. Die Sektion hat Gehirnschwund ergeben. Ein Bruder von ihm ist vor 2 Jahren bei dem englischen Feldzug in Sudan gefallen.
- Anhaltende Schneestürme tobten, wie aus Hirschberg gemeldet wird, Sonntag und Montag längs der Sudeten. Auf verschiedenen Bahnen war der Verkehr gestört, die Züge mußten von mehreren Maschinen geschleppt werden und hatten trotzdem bedeutende Verspätung. Der Güterverkehr war ganz aufgehoben, da mehrere Frachtzüge im Schnee stecken blieben. Der Verkehr ist jetzt noch immer verschiedentlich völlig unterbrochen. Der Schnee hat an manchen Stellen eine Höhe von 2 Metern.
- Auf den Jagden des Herzogs von Cumberland bei Gmunden wurden vor Kurzem vier schneeweiße Gemsböcke mit schwarzen Köpfen und weißen Schalen zur Strecke gebracht. Als Ursache dieser seltenen Erscheinung dürften, Jagdkennern zufolge, die Temperaturverhältnisse des vorigen Winters angesehen werden.
- Das Häuschen Peter des Großen, in welchem dieser wohnte, als er 1697 auf den Schiffswerften in Saardam arbeitete, ist aus den Besitz des Königs von Holland in den des Kaisers von Rußland übergegangen.
- Der ehemalige Beichtvater Pius IX., des Augustiner Mönch Marinelli in Rom, ist schwer erkrankt. Marinelli hat seiner Zeit den ihn von Pius IX., angebotenen Kardinalshut abgelehnt und gebeten, denselben seinen Klostergenoßen Martinelli zu verleihen, der ihn auch erhielt und heute noch trägt.
- Eine Jagd auf Eichhörnchen ist dieser Tage in dem luxemburgischem Jagdschlosse Soestdyk abgehalten worden. Binnen 3 Tagen wurden ca. 60 Stück erlegt. Die haben in den Tannen und Cedern großen Schaden angerichtet.

[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 8]

- Wieder einmal wird die sprichwörtliche englische Prüderei oder Heuchelei, nach welcher kaum von einem Tischbein gesprochen werden darf, gründlich zu Schanden. Fast alle Londoner Zeitungen theilen aus dem Ehescheidungsprozeß des Lord Campbel und seiner Frau Dinge mit, die ein keinem Land der Erde veröffentlicht werden würden, sie aber füllen täglich 3 - 10 Spalten damit und verkaufen Hunderttausende von Extrablättern. Man muß annehmen, daß die Engländer durch eine ganze Reihe unerhörter Skandale in den letzten Jahren abgehärtet worden sind.
- Das berühmte Violoncell von Stradivarius, das einzige, welches noch von dem großen Instrumentenbauer existiert, und das nach dem Tode seines letzten Besitzers, des Herrn Joseph Servais in Brüssel, öffentlich zum Verkaufe ausgeboten war, ist von einem reichen Brüsseler Industriellen um 50 000 Lire erstanden worden. Die Familie des Erblassers gab das herrliche Instrument für diesen verhältnißmäßig billigen Preis hin, nur um zu verhindern, daß dasselbe ins Ausland komme.
Keiner weiß, wie und wo er enden wird. Der berühmte Bassist und Opernsänger Collier dachte auch nicht daran, daß er in einem Trapistenkloster sterben würde; denn er war ein äußerst lebenslustiger Mann und noch ein bischen mehr. Am Ende seines Lebens trat er in Amerika in das Trapistenkloster Gethsemane, dessen Mitglieder zu ewigem Schweigen verpflichtet sind, die sich selbst ihr Grab graben und in einem Sarg schlafen müssen. Es ist mir nur um Ruhe und Frieden zu thun, sagte er.
- Von einem für die Landwirthschaft wichtigen Vorgang aus Baden wird berichtet. In der Nähe von Waghäusel wurde am Sonnabend in Gegenwart des Großherzogs und mehrerer Sachverständiger der Proctor'sche Dampfspatenpflug geprüft. Der Pflug fand großen Beifall, man war darüber einig, daß er für die Landwirthschaft von hoher Bedeutung sei. Wer liefert eine allgemein verständliche Beschreibung dieses Pfluges?
- Die Bauern lassen sich ihre alten Wetterregeln nicht nehmen. Diese lauten für den Dezember: Dezember kalt mit Schnee giebt Korn auf jeder Höh'. - Zieht die wilde Gans nach Süden, ist strenge Kälte uns beschieden. - Rauchfrost in Feld und Garten läßt mildes Wetter erwarten. - Grüne Weihnachtsfeier, Schnee in die Ostereier. - Dezember veränderlich und lind, der ganze Winter ein Kind. - Hängt zu Weihnachten Eis an den Weiden, kannst Du zu Ostern Palmen schneiden. - Wenn es um Weihnachten feucht ist und naß, so giebt es leere Speicher und Faß. - Sylvester Wind und warme Sonn', verdirbt die Hoffnung auf Wein und Korn. - Sind die Zippen noch da, ist der Winter nicht so nah. - Vom Eis eine Brücke muß zu Weihnachten haben Bach und Fluß.
- Das hohe C. Dem Madrider Tenoristen Gayarre kassierte kürzlich folgendes drollige Abenteuer: Der Marquis Santiago, ein kunstsinniger Millionär, beschied ihn zu sich und sagte: "Ich habe schon viel von Ihrem Gesange gehört; bitte, lassen Sie mich ein hohes C hören. Ich biete Ihnen hierfür dasselbe Honorar, wie Sie es in der Oper empfangen, nämlich zweitausend Francs". Der Sänger setzte sich ans Klavier und brachte eine Skala, die ein glänzendes C krönte; der Marquis applaudierte wie rasend und Gayarre wiederholte das Kunststückchen. Dann nahm er aus den Händen des Marquis eine Brieftasche mit viertausend Francs für zwei hohe C in Empfang, ging vergnügt heim und schrieb dem Marquis, daß er "unter den gieren Bedingungen" gerne bereit sei, ein Jahres=Engagement oder ein größeres Gastspiel abzuschließen.
- Der Mann mit dem Koaks ist avancirt, er ist Referendar geworden. Den Sprung vom Kohlenplatz in die Justizhallen hat er in kaum sechs Monaten gemacht, an der Thatsache selbst ist nicht zu zweifeln. Die "Rheinisch=Westfälische Zeitung" berichtet über ihn, indem sie folgende rührsame Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter registrirt:
      "Mutter, der Referendar ist da -
      "Sag' ich nu "nein" oder sag' ich "ja":
      "Ich hab kein Geld -"
      "Er hat kein Geld -"
      - ""Wenn er nun durch das Examen fällt""
Wir wollen dem Herrn Referendar aufrichtig wünschen, daß er recht, recht bald das Examen bestehe, damit er nicht so unerträglich lange wie sein schwarzer Vorgänger in aller Leute ;Munde bleibe. Wir gratuliren im Voraus zum Assessor.
- Falsche Auffassung. "Was studierst Du, Karl?" - "Ich zerbreche mir den Kopf darüber, ob die Prügelstrafe bei uns doch angeführt werden wird oder nicht!" - "Unsinn! Das ist eine Sache, mit welcher der Kopf gar nichts zu thun hat."


Nach sieben Jahren.
Eine Weihnachtsgeschichte von B. Renz.
(Nachdruck verboten.)

[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 9]

Nach sieben Jahren.
Eine Weihnachtsgeschichte von B. Renz.
(Nachdruck verboten.)
[Fortsetzung.]


[ => Original lesen: 1886 Nr. 98 Seite 10]

Gebrüder Barg,
Kohlmarkt 5 Lübeck Kohlmarkt 5,
(ein Haus oberhalb Wilkens Gasthof)
empfehlen zum bevorstehenden Weihnachtsfeste ihr reichhaltig sortirtes Lager in:

Kleiderstoffen,
Bettzeugen,
Leinen-Waaren
Tischzeugen,
Gardinen,
Tischdecken,
Vorlagen,
Bettdecken,
      Buckskin,
Reisedecken,
Pferdedecken,
Schlafdecken,
Unterzeugen,
Jagdwesten,
Taillentüchern etc.,
Kopftüchern etc.,
Tricottaillen

sämmtliche Wintermäntel
zu bedeutend ermäßigten Preisen.

Ferner:
eine Parthie farb. Kleiderstoffe p. Metr. 50 Pfennig (Mecklenburg).
eine Parthie Regenmantelstoff, 130 cm. brt., passend f. Morgenkleider, Preis pr. Mtr. M. 1,20-1,60.
eine Parthie Seidenzeug, Satin Merveilleux, pro Meter M. 3,50.
eine Parthie hellfarb. Spitzenstoffe f. Ballkleider, 105 cmtr. breit, Meter 90 Pfennig (Mecklenburg).


        Hiermit erlaube mir die ergebene Anzeige zu machen, daß ich neben meiner

Bonbon- und Zuckerwaaren-Fabrik
eine                                                                              
Marzipan-Fabrik
errichtet und die                                                                              
Ausstellung meiner Fabrikate
eröffnet habe.                                                                              

Langjährige Erfahrung in dieser Branche, sowie Anschaffung der neuesten Maschinen mit Dampfbetrieb, setzen mich in den Stand, eine extrafeine geschmackvolle Waare liefern zu können, wofür vollste Garantie übernehme und bitte ich, mich bei den bevorstehenden Weihnachtseinkäufen gütigst berücksichtigen zu wollen, indem mit Preislisten und näheren Angaben stets mit Vergnügen zu Diensten stehe.

                                                    Hochachtungsvoll
                                                    Franz Schwedt, Lübeck.


Viehwaschpulver
von anerkannt vorzüglicher Wirksamkeit empfiehlt
die Apotheke zu Schönberg.


Pra grüne Brecherbsen
empfiehlt                                                     W. Creutzfeldt,
                                                                      Carlow i/M.


Vaseline=Lederfett
empfiehlt                                                    
                                                    Aug. Spehr.


Kirchliche Nachrichten.
Bußtag, den 15. Dezember.

        Vormittagskirche: Pastor Langbein.
        Abendkirche (6 Uhr): Pastor Kaempffer.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


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ZVDD