No. 78
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 05. Oktober
1886
sechsundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1886 Nr. 78 Seite 1]

Getreidezölle und Zinsfuß.

Graf Preyssing ist deutscher Reichstagsabgeordneter und bayrischer Reichsrath, einer der angesehensten Männer in Bayern, strenger Katholik und hat kürzlich erst seine unabhängige und ehrliche Gesinnung bewährt, indem er sich offen von seinen bisherigen Fraktionsgenossen, den gegen die Wahrheit und den Prinzregenten wühlenden sogenannten "Patrioten" lossagte. Dieser Mann hat dieser Tage vor seinen Wählern in Straubing über die Getreidezölle und über den Rückgang des Zinsfußes gesprochen, zwei Dinge, die uns alle nahe berühren. Er erklärte, daß die Hauptwirkung der erhöhten Getreidezölle: Verhinderung des weiteren Sinkens der Fruchtpreise, eingetreten sei und nebenbei dem Staate zur Bestreitung der nun einmal nicht abzuweisenden Militärbedürfnisse eine Einnahmequelle erschlossen habe, welche Bedürfnisse sonst nur auf dem Wege erhöhter Matrikularbeiträge hätten beschafft werden müssen, diese aber würden eine weitere Belastung von Grund und Boden zur Folge gehabt haben, welche dieser einfach nicht verträgt. Die Erhöhung der Getreidezölle habe nur Fürst Bismarck durchsetzen können und er verdiene Dank dafür. Auf das Sinken des Zinsfußes übergehend sagte er: Man hätte vor zwei Jahren noch kaum geglaubt, daß heute von den Banken Geld zu 3 und 3 1/2 % zu haben sei. Die Sache finde ihre Begründung in der allgemeinen Lage: es herrsche Mangel an Vertrauen und daher ein Zurückströmen des Geldes nach den Banken. Grund und Boden, sowie Häuserwerth hätten früher die sicherste Bürgschaft gebildet; nachdem aber Grund und Boden vielfach verschuldet sei, schwinde das Vertrauen. Man habe auf den Anwesen Bankkapitalien mit 5 und 6 Proc. durch Annuitätenabzahlungen, und es liege auf der Hand, daß es von großem Vortheil sein muß, diese in 3 oder 3 1/2 Proc. umzuwandeln. Der Redner warnt sodann vor der Hoffnung, daß diese Verhältnisse lange andauern würden: es liege in der Luft, daß wir schweren Zeiten entgegengehen. "Wollte Gott, der Friede bleibe uns noch lange erhalten." Sollte ein Krieg ausbrechen, an dem auch Deutschland betheiligt wäre, dann würden die günstigen Verhältnisse des niederen Procentsatzes sich sofort ändern. Es könne deshalb nicht dringend genug empfohlen werden, daß Oekonomen, welche seit 60 und 70 Jahren hochprozentige Bankschulden auf ihren Anwesen haben, trachten, Geld zu günstigerem Zinsfuß zu erhalten. Wenn der Augenblick versäumt sei, wäre es zu spät. Mit der ganzen Wärme eines Volksmannes tritt der Graf sodann für den Gedanken ein, daß der Grundbesitz möglichst in den Händen der heutigen Eigner bleibe. Die Parcellirungen nennt der Graf eine große Gefahr für die Landwirthschaft. Wer wirthschaftlich von anderen Leuten abhängig sei, der sei kein freier Mann. Der Bauernstand müsse aber danach trachten, unabhängig zu sein, und das könne er nur erreichen, wenn er sich vor Ueberschuldung schützt. Da, wo die Großwirthschaft auftritt, greift das Tagelöhnerwesen Platz; das wäre aber höchlichst zu bedauern, weil der Taglöhner vom Arbeitgeber nur von einem Tag zum anderen auf Verdienst rechnen könne. In Niederbayern existire gottlob noch ein unabhängiger Bauernstand. Der Bauernhof müsse ganz auf den Sohn übergehen, und es wäre ein Unglück, zu denken, man könne den Sohn mit einer kleineren oder größeren Geldsumme abfinden: das Geld sei beweglich, man unternehme Geschäfte, die nicht glücken. Anders verhält sich die Sache, wenn der Sohn das Anwesen übernimmt, damit pflanze sich u. a. auch die Liebe zur Heimath, zu jedem Baume fort. (Lebhaftes Bravo!) Die Sache sei aber heute um so wichtiger, als in den ärmeren Klassen der Bevölkerung sich ein gefährlicher Feind aller staatlichen Ordnung einstellt: die Sozialdemokratie. Da, wo ein gebundenes Besitzthum vorhanden sei, mache die Sozialdemokratie schlechte Geschäfte. Diese fände nur Anklang, wo zersplitterte Verhältnisse existirten. Redner habe diese Dinge im Norden kennen gelernt und sich vorgenommen, sie hier öffentlich zu besprechen.


Durch das Ansiedelungsgesetz für Posen und Westpreußen sollen auch die öffentlich=rechtlichen Verhältnisse, also die Gemeinde=Schul= und Kirchenangelegenheiten geregelt werden. Man will neue Gemeinden gründen, um einen der schwersten Mißstände dieser östlichen Landgemeinden, den Mangel jeglichen Gemeindebesitzes, zu beseitigen. Die neuen Gemeinden sollen durch Zuleitung von Gemeindeareal gleich von Anfang an in eine verhältnißmäßig günstige Lage gebracht werden.
Der preußische Kultusminister v. Goßler hat eine Verfügung über die Unzulässigkeit der Verpachtung von Apotheken erlassen.
Das Repetiergewehr. Die Vorbereitungen zu der Ausrüstung zunächst unseres stehenden Heeres mit einem Repetiergewehr sind nach dem amtlichen Zugeständniß bereits weit vorgeschritten. Es würden für die Feldarmee einschließlich der erforderlichen Reservebestände etwa 600 000 Repetiergewehre und, wenn sie nach der allgemeinen Annahme und früheren Mittheilungen bei einem Kriegsfall zu errichtenden 4. Feld= und die Ersatzbataillone ebenfalls mit dem neuen Gewehr ausgerüstet werden sollen, 900 000 bis 1 000 000 dieser neuen Feuerwaffen erforderlich sein. Mit dieser Neubewaffnung würde die deutsche Armee gegenüber den Armeen aller anderen Großstaaten, mit einziger Ausnahme der französischen Armee, für mehrere Jahre erneut, den Standpunkt von 1864 bis 1867 einnehmen, wo die preußische Armee sich allein mit einem Hinterladungsgewehre ausgerüstet befand; denn in keiner fremden Armee sind die Vorversuche mit einem der neuen Repetiergewehre schon so weit vorgeschritten, daß bereits jetzt in eine Massenfabrikation der gewählten neuen Feuerwaffe eingetreten werden könnte.
Neue militärische Verordnungen, welche in den eben beendeten Manövern zum ersten Male in der Praxis verwerthet sind, und welche sich hauptsächlich auf den Vorpostendienst beziehen, haben sich durchaus bewährt. Eine der wichtigsten Neuerungen ist der Fortfall von Losung und Feldgeschrei, deren

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Abfrage nach den Erfahrungen der letzten Feldzüge als bedeutungslos erkannt ist. Statt Losung und Feldgeschrei kommt nur im Festungskriege, und auch nur für den Nachtverkehr, eine "Parole" zur Anwendung. Auch eine neue Marschordnung ist bei den Manövern mit Erfolg in Anwendung gebracht, indem die Sektionen stets in Vierreihen eingetheilt werden und die Unteroffiziere nicht neben der Sektion marschiren, sondern hinter ihr eintreten.
Wochenlang haben die deutschen Kriegsschiffe, 5 große Panzerschiffe, 3 große Korvetten, 4 Aviso=Dampfer und Torpedo=Begleitschiffe sammt 2 Divisionen Torpedobooten in der Ostsee manöverirt, nicht nur bei Tage, sondern auch bei Nacht unter Anwendung des elektrischen Lichtes und es wurden dazu die dunkelsten Sturmnächte ausgesucht, um die schwierigsten und gefährlichsten Manöver auszuführen. Es kam kein Unfall vor und Offiziere und Mannschaft haben große Ehre eingelegt. Wenn einmal das Vaterland ruft, dann wird die Flotte unseren Küsten ein starker Schutz sein.
So lange Kaiser Wilhelm lebt, läßt sich die Kreuzztg. aus Paris aus dem Munde eines russischen Diplomaten schreiben, "halte Rußland still; später würden alle Beziehungen der europäischen Staaten sich ändern, die Orientfrage werde in Wien entschieden werden, über Wien führe der Weg Rußland's nach Konstantinopel."
Das Stabsquartier der deutschen Marineartillerie verlegte vom 1. Oktober ab seinen Sitz von Kiel nach Wilhelmshaven.
Aus militärischen Kreisen verlautet mit Bestimmtheit, daß weit über 100 französische Offiziere in bürgerlicher Kleidung den Manövern in den Reichslanden beigewohnt hätten. Dem Kriegsminister Bronsart von Schellendorf sei das nicht unbekannt geblieben, doch hätte derselbe nicht gewünscht, daß den Herren Hindernisse in den Weg gelegt würden. Was hätten in solchem Falle die Franzosen gesagt?
Der preußische Gesandte beim Vatican, von Schlözer, verhandelt gegenwärtig wieder eifrig mit dem Papst. Fürst Bismarck, sagt die Berliner "Germania", habe Schlözer die Notwendigkeit eines vollständigen Einverständnisses mit der Kurie betont, volles Vertrauen in die Friedensliebe des Papstes geäußert und Entgegenkommen für dessen Wünsche anempfohlen. Schon die nächste Session werde eine weitere Revision der Mai=Gesetze bringen, doch betreffe dieselbe nur die genaue Präcisirung der Anzeigepflicht und andere Punkte der Mai=Gesetze, aber noch nicht die Ordensfrage. Fürst Bismarck, heißt es weiter, trachte nach einer Stellung wie die Oesterreichs und Frankreichs beim Vatican, und zwar mit Rücksicht auf die Bedeutung des Vaticans bei der heutigen Lage der auswärtigen Politik. Der Staatssekretär Kardinal Jacobini ist noch krank und wird wahrscheinlich auf Jahresfrist sich jeder Theilnahme an den Geschäften enthalten müssen. Als sein Stellvertreter ist der Nuntius Vanutelli in Lissabon in Aussicht genommen. Als der kräftigste Mann im Vatican wird der Papst selbst geschildert, der täglich 12 bis 14 Stunden arbeite und dabei stets klar und entschieden in seinen Anordnungen sei.
König Milan von Serbien wird schon wieder zu mehrtägigem Aufenthalt in Wien erwartet.
In Frankreich haben mit dem neuen Mörsergeschoß und dem neu erfundenen Sprengstoff abermals Versuche stattgefunden, denen auch 10 Mitglieder der Budgetkommission, darunter Clemencean und Andrieux, beigewohnt haben. Sie versprachen dem Kriegsminister Boulanger, für die Einführung der neuen Waffe einen Kredit von 120 Millionen Francs befürworten zu wollen.
In deutschen und österreichischen diplomatischen Kreisen, so läßt sich das pariser "Journal des Debats" aus Berlin telegraphiren, sei die Meinung vorherrschend, England wolle Rußland Bulgarien überlassen, wenn Rußland darein willige, daß England von Egypten Besitz ergreife.
Am Sonntag wurde in Luc=en=Diois der Beginn der Arbeiten für die Durchstechung des Col de Cabre, der Grenze der Departements Drome und Oberalpen festlich begangen. Dieser neue Alpen=Tunnel, dessen Länge auf 3800 m. berechnet ist, hat insofern eine hervorragend strategische Bedeutung, als er Mittelfrankreich über Gab und Briançon mit der italienischen Grenze verbindet. Beim Festessen gab der Hauptredner, Faure, mit einer Anspielung auf das italienisch=deutsche Bündniß, dem heißen Wunsche Ausdruck, daß die romanischen Rassen sich zu einem Bund zusammenschließen möchten. In dieser Hoffnung möge der neue Weg nach Italien hauptsächlich der friedlichen Beförderung der Erzeugnisse der Industrie gewidmet sein.
In Italien nimmt die Bewegung gegen die geistlichen Orden, namentlich die Jesuiten, so überhand, daß der päpstliche Moniteur die weltliche Regierung aufgefordert hat, die kirchenfeindlichen Demonstrationen zu verbieten, um so mehr als die Kirche die beste Stütze der Monarchie sei, was man auch in Deutschland erkannt habe.
Papst Leo XIII. trägt sich mit der Absicht, seinen Namen und seine Liebe zur Wissenschaft durch die Gründung einer neuen katholischen Universität in Rom zu verewigen, welche nach ihrem Gründer "Universita Leonina" heißen und im Lateran untergebracht werden soll. Ein Jesuit, der Kardinal Mazella, soll an die Spitze der Hochschule treten, die möglicherweise zu einem neuen Zankapfel zwischen dem päpstlichen und dem monarchischen Rom werden wird.
Rußland hat's eilig mit seinen Werbungen in Konstantinopel. Schakir Pascha ist für die weitere Befestigung der russisch=türkischen Beziehungen thätig, auch ist der Besuch des russischen Thronfolgers in Konstantinopel für Mitte Oktober bestimmt in Aussicht genommen.
In den handelspolitischen Beziehungen Rußlands zu Deutschland soll eine Besserung eintreten. Schon während der letzten Berathung des spanischen Handelsvertrages im Reichstag ging das Gerücht, das wahrscheinlich ein Handelsvertrag mit Rußland zustande kommen werde. Es wäre Zeit!
Am theuersten sind in Rußland die Nihilisten. Auf den entsprungenen Nihilisten Degajeff hat die Regierung für seine Wiederergreifung eine Belohnung von 40 000 Rubel ausgesetzt.
Die Einführung des Tabakmonopols in Rußland soll nach dem "Russischen Courier" auf Grund des französischen und österreich=ungarischen Systems beabsichtigt sein.
In Spanien soll, wenn die Berliner Kreuzzeitung gut unterrichtet ist, eine Verschwörung bestehen, an der nicht weniger als 7 bis 8000 Offiziere betheiligt seien. Doch hat diese Verschwörung mit der letzten Meuterei nichts gemein, die Ziele sollen aber die gleichen sein: Verjagung der Königin und Einführung der Republik.
Zwischen Portugal und Deutschland wird jetzt über die Absteckung der Grenzen in Südafrika, zwischen Mossamedes und Ovampv, unterhandelt. Den Hauptpunkt der Unterhandlungen bilden die Flußgebiete des Cunene und Cubango, die Portugal für sich beansprucht.
Der Sklavenhandel in Sansibar steht wieder in voller Blüthe. Der Grund liegt darin, daß die zwei englischen Kriegsschiffe, die hauptsächlich zur Unterdrückung des Sklavenhandels daselbst stationirt sind, seit einiger Zeit Sansibar verlassen und nur zwei kleine Kutter dort zurückgelassen haben. Man erblickt in diesem Umstand eine dem Sultan von Sansibar seitens der englischen Regierung erwiesene Gefälligkeit zum Dank dafür, daß der Sultan seinerzeit den Bestrebungen der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft gegenüber sich ablehnend verhalten hat.
- Eine blutige Affaire, welcher der Rittergutsbesitzer Magnus Hottelet in Friedrichshof zum Opfer gefallen, hat sich unweit Tessin zugetragen. Die That ereignete sich am Ufer eines kleinen, zwischen den beiden Gütern Walkendorf und Friedrichshof belegenen Sees, auf welchem H. Nachmittags nach Enten jagte. Er glaubte allerdings Jagdrecht auf diesem See zu haben, was ihm von Walkendorfer Seite nicht zugestanden zu sein scheint. Darüber scheint es, wie früher schon, an dem genannten See auf's Neue zu einem Streite zwischen Hottelet und dem Walkendorfer Gutsjäger Senske gekommen zu sein. Es wurden gleich nach einander 3 Schüsse gehört. Bald darauf hat Senske dem Administrator Asmus in Walkendorf die Meldung erstattet, daß er soeben den Herrn H. erschossen habe. Auf die Veranlassung des Asmus wurde Senske am an=

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dem Morgen in's dortige Gefängniß gebracht. Wie S. vor seiner Ueberführung in das Gefängniß geäußert, ist er gegen fünf Uhr vom Hause fortgegangen und hat am Ufer des Grenzsees den Gutspächter H. auf Walkendorfer Gebiet mit einer Flinte betroffen. Auf die Aufforderung, das Gewehr abzugeben, soll H. solches verweigert haben, und S. habe darauf nach der Schußwaffe gegriffen, sei indeß an der Fortnahme von H., einem großen und äußerst kräftigen Manne, dadurch verhindert worden, daß dieser ihn an die Brust gefaßt und hochgehoben habe. Ob alsdann ein Kampf stattgefunden, kann man hier nicht in Erfahrung bringen, da hierüber die widersprechendsten Gerüchte kursiren. Es soll indeß H. später zuerst geschossen haben, worauf S. beide Hähne seiner Doppelflinte fast gleichzeitig abgedrückt hat und der Gegner tödtlich getroffen zu Boden gestürzt ist. An der Flinte des S. sollen im Holz sich noch Schrotkörner von der Ladung der H.'schen Flinte befinden. Nach einem Gerücht soll nur eine Kugel an der Seite des Halses getroffen haben, während nach anderer Verlautbarung beide Schüsse im Genick getroffen haben.
- In Hamburg soll demnächst eine Markthalle mit einem Kostenaufwande von etwa 1 1/4 Millionen Mark errichtet werden. Ebendaselbst geht man auch mit der Absicht um, eine Privatbriefpostanstalt zu errichten. In dem benachbarten Altona sind die Verhandlungen bereits im Gange.
- Der Stationsassistent, welchem das Eisenbahnunglück auf dem Potsdamer Bahnhof zur Last fällt, ist insofern zu bedauern, als er in der betr. Nacht nur für einen Kollegen den Dienst übernommen hatte und er eigentlich Dienstfrei war. Die Untersuchung dauert an.
- Auf dem Riesengebirge hat der Winter seinen Einzug gehalten. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gabs bei einem heftigen Sturm ununterbrochenen Schneefall, durch welchen der Kamm und namentlich die Schneekoppe vollständig von dem Winterkleid bedeckt wurden.
- Großen Herren soll man sich nicht zu dreist nähern. Das vergaß ein freier Schweizer in Freiburg. Er trat in einer Menagerie einem Elephanten zu nah, dieser streckte seinen Rüssel aus, annektirte das Portemonnaie und verschlang es. Des Portemonnaies wurde man zwar wieder habhaft, aber zwei 50 Franksscheine blieben verschwunden.
- Der bekannte Wiener Pistolenschütze Schulhof hat ein Repetiergewehr hergestellt, daß nicht nur alle anderen Gewehre übertrifft, sondern auch das scheinbar Unmögliche leistet. Bei dem Probeschießen machte er bei abgeschlossen=geladenem Magazin 24 Schüsse in der Minute und erprobte alsdann das Gewehr auf seinen durch einen leichten Druck im Nu zu öffnenden Repetir=Mechanismus, wobei er einschließlich des Ladens in der Minute 52 Schüsse erzielte. Die militärischen Sachverständigen erklärten das Gewehr für unübertrefflich.
- Die letzte Skat=Runde. Das Werkchen des Dr. Schubert: "Das Skatspiel im Lichte der Wahrscheinlichkeit" behandelt in seinem dritten Kapitel die Gesammtzahl aller möglichen Skatspiele in einer so fesselnden Weise, daß dieselbe nicht blos die Skatspieler, sondern auch solche Leser, welche dem edlen Spiele nicht huldigen, in hohem Grade interessiren dürfte, weshalb wir von der betreffenden Berechnung hier Notiz nehmen wollen: Die in Zeitungen und Unterhaltungs=Journalen häufig mitgetheilte Anzahl aller denkbaren Skatspiele, oder, wie man genauer sagen müßte, die Anzahl aller möglichen Vertheilungsarten der 32 Karten des Skatspiels unter die drei Spieler und den Skat ergiebt sich nach der im §. 2 besprochenen Methode der Berechnung der Kombinationszahlen aus 3210 • 2210 • 1210, oder, was dasselbe ist, aus

32!
----------------
10! 10! 10! 2!

und man findet genau 2,753,294,408,504,540, also über 2753 Millionen mal Millionen für die gesuchte Anzahl. Da der Mensch an die Vorstellung einer derartig großen Zahl nicht gewöhnt ist, so muß er versuchen, durch Beispiele sich eine Vorstellung von ihr zu verschaffen. Nehmen wir an, daß drei Menschen auf Speise und Trank, auf Erholung und Schlaf verzichten könnten, um sich der edlen Aufgabe zu unterziehen, alle möglichen Skatspiele durchzuspielen, und daß dieselben dabei durchschnittlich nur drei Minuten für ein Spiel brauchten, so würden sie doch über 15,733 Millionen Jahre spielen müssen, ehe sie die letzte Runde ansagen dürften. Da also drei menschliche Leben leider nicht ausreichen, um alle Vertheilungsarten beim Skatspiel durchzuspielen, so wollen wir, dem Grundsatze unitis viribus huldigend, annehmen, daß alle Einwohner des Landes Sachsen=Altenburg sich zu Dreien vereinigten, um die gewaltige Aufgabe zu erledigen. Vergebliches Mühn! Auch diese wackern Skatspieler würden, selbst wenn sie so rasend schnell spielten, daß sie in jeder Minute ein Spiel machten, über hunderttausend Jahre daran arbeiten müssen. Nun, so lassen wir denn die ganze jetzt lebende Menschheit, Jung und Alt, Mann und Weib, im Ganzen wie man annimmt, 1500 Millionen Individuen, in Gruppen von je Dreien, zum fröhlichen Skatspiel sich zusammensetzen. Wenn wir ihnen dann zwölf Stunden Erholungszeit täglich gönnten, so daß sie nur zwölf Stunden täglich zu spielen hätten, und wenn wir sie in der Stunde 20 Spiele erledigen ließen, so würde die Menschheit ihre große Kultur=Aufgabe, alle denkbaren Vertheilungsarten des Skatspiels durchgespielt zu haben, in 62 bis 63 Jahren gelöst haben. Oder, nehmen wir an, daß jetzt beim ersten deutschen Skatkongreß das ganze Land Sachsen=Altenburg abgeholzt und planirt würde, um mit Skattischen so eng besetzt zu werden, daß auf je zwei Quadratmeter ein Skattisch käme, und daß an jedem solchen Tisch täglich 240 Spiele gespielt würden, so würde es vom Sommer 1886 an bis ins Jahr 1934 hinein dauern, ehe das Geburtsland des Skats mit Stolz ausrufen dürfte: "Jede mögliche Karten=Vertheilung ist hier durchgespielt."


Farbige Seidenstoffe v. Mk. 1,55 bis 12,55 p. Met. (ca. 2000 versch. Farb. u. Dess.) - Atlasse, Faille, Française, "Monopol", Foulards, Grenadines, Surah, Sat. merv., Damaste, Brocatelle, Steppdecken- u. Fahnenstoffe, Ripse, Taffete etc. - vers. roben= und stückweise zollfrei in's Haus das Seidenf.=Dépôt G. Henneberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend, Briefe kosten 20 Pf. Porto.


Anzeigen.

Die Ausschußkühe

von den Gütern: Demern, Kl. Rünz, Löwitz, Bülow, Strohkirchen, Othensdorf und Hof Nesow sollen am

Donnerstag, 7. October d. J.,
Mittags 12 Uhr,

in Rehna vor dem Schützenhause öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.


Versammlung des                                                    
Imkervereins
Sonntag, den 10. Oktober.


Agenten
f. Trichinen- u. Vieh-Versicherung,

gut eingeführt, gesucht. Hohe Provision. Off. u. R. 870 an die Ann.=Exped. von Haasenstein & Vogler, Cassel.


Das Viehtreiben über meinen Acker im Kamp an der Rottensdorfer Chaussee verbiete ich hiermit bei Strafe gerichtlicher Ahndung.

Schneider W. Maass.       


Bitte mich mit anonymen Schreiben zu verschonen, da die "undenkbar schönen Briefe" nicht von meiner Hand herrühren.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 78 Seite 4]

Herbst- und Winter-Saison 1886.

Wir halten unser neu assortirtes Lager von geschmackvollen

Kleiderstoffen, Regen-, Herbst- und Winter -Mänteln

den geehrten Bewohnern Schönbergs zu den bekannten billigen Preisen bestens empfohlen.

                                                    Rehtwisch & Borchert.
Lübeck, den 23. September 1886.                                                    


Vielfach prämiirt.
Pulverfabrik Rottweil-Hamburg in Hamburg

offerirt als Spezialität den Herren Interessenten ihre unter Verwendung der vorzüglichsten Materialien; sowie auf Grund eingehender Versuche selbst hergestellten

geladenen Jagdpatronen "Waidmannsheil."

Vorzüge im Gebrauch sind: Kernschuß, vorzügliche Deckung, Schonung und Reinhaltung der Waffe, absolute Zuverlässigkeit, civiler Preis.
Die Patronen sind bei unseren sämmtlichen Verkaufsstellen assortirt in System, Caliber, sowie Schrot=Nummer und überall zu Original=Fabrikpreisen erhältlich.                  Depositäre:

Grevsmühl & Riesland in Lübeck.
C. A. Fischer in Lübeck.
C. Schwedt in Schönberg.
Gebr. Frahm Nachfl. in Wismar.
L. F. Hagen in Rostock.
L. Böteführ in Schwerin.
Heinrich Pöhls in Boiztenburg.
L. Pleßmann in Ludwigslust.
W. Dankert in Plau.
H. Greve in Neubrandenburg.
A. Dettmann Nachfl. in Güstrow.
    A. Schmidt in Malchin.
J. H. Seemann in Stavenhagen.
Aug. Schmidt in Bützow.
A. Wilken in Waren.
A. Thiemann in Röbel.
Herm. Bringe in Tessin.
A. Pelzer in Grevesmühlen.
F. C. Langen in Malchow.
B. Spenling in Gnoyen.
Fr. Schütt in Penzlin.


Hotel Stadt Lübeck.
Dienstag den 5. Oktober 1886,
von Nachmittags 3 Uhr an:
Concert

der beliebten Singspielgesellschaft des Herrn G. Lewertoff aus Hamburg bestehend aus 4 Damen und 2 Herren. U. A. Auftreten der Contra=Altistin Frl. Julie Kaufmann.


Scilitin=Latwerge
gegen Ratten und Mäuse, unschädlich für Hausthiere, sowie                                                    
Phosphor=Pillen
gegen Feldmäuse empfiehlt                                                                              
                                                    die Apotheke zu Schönberg.


Wohnungsveränderung.

Einem geehrten Publicum von Stadt und Land zeige hiemit ergebenst an, daß ich jetzt Siemzerstraße No. 192 wohne. Indem ich mein

Tapisserie=Geschäft

bestens empfohlen halte, bitte ich das mir bisher geschenkte Vertrauen und Wohlwollen auch ferner zu erhalten.

                                                    Hochachtungsvoll
                                                    Helene Abels.


Hierdurch zur Anzeige, daß ich meine Wohnung nach der Hinterstraße beim Tuchmachermeister Herrn Voss verlegt habe.

                                                    P. Heidtmann,
                                                    Schneidermeister.


Wohnungsveränderung.

Ich wohne jetzt bei Fräulein Mussfeld, neben Pferdehändler Herrn Kniep.

                                                    Marie Eckmann,
                                                    Hebamme.


Allen Denen, die an unserer goldenen Hochzeit theilgenommen und uns so reich beschenkt haben; besonders Herrn Pastor Horn für seine Bemühung sagen wir unsern herzlichsten Dank.
Selmsdorf, den 30. September 1886.

J. Bade und Frau,
geb. Wigger.


Allen Denen, die unseren lieben Mann und Vater zur letzten Ruhe geleitet, und seinen Sarg so reich mit Kränzen schmückten unseren tiefgefühlten Dank.

                                                    Familie Wigger.


Heute Morgen 7 Uhr entschlief sanft und ruhig unsere liebe Mutter und Großmutter Frau Marie Hauschild geb. Heick im fast vollendeten 79. Lebensjahre, tief betrauert von den Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 3 Uhr statt.
Schönberg, den 4. October 1886.

                                                    Die Familie Hauschild.


Nach Gottes unerforschlichem Rathschlusse starb am 25. September in Folge eines Unglücksfalles bei Stettin unser innigst geliebter Sohn und Bruder der Postsecretair

Georg Stüve

im 32. Lebensjahre, was wir allen Theilnehmenden tief betrübten Herzens hiedurch anzeigen.

                                                    Senator F. Stüve,
                                                    nebst Frau und Kindern.

Schönberg, den 4. October 1886.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 78 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 78 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 5. October 1886.


Die Hexe von Rainal.
Von B. Schwarz.
(Nachdruck verboten.)
Fortsetzung.

[ => Original lesen: 1886 Nr. 78 Seite 6]

Die Hexe von Rainal.
Von B. Schwarz.
(Nachdruck verboten.)
[Fortsetzung.]


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