No. 65
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 20. August
1886
sechsundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
<< Ausgabe vorher>> Ausgabe danach
[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 1]

Bekanntmachung.

          Vom Bundesrath ist beschlossen, daß

Arbeiter und Betriebsbeamte, welche Von einem Gewerbetreibenden, dessen Gewerbebetrieb sich auf die Ausführung von Schreiner= (Tischler=), Einsetzer=, Schlosser= oder Anschläger=Arbeiten bei Bauten erstreckt, in diesem Betriebe beschäftigt werden, vom 1. Januar 1887 an versicherungspflichtig sein sollen,
und hat darnach das Reichsverficherungs=Amt bestimmt, daß die Anmeldungen solcher unfallversicherungspflichtiger Baubetriebe bis zum 1. September d. J. zu erfolgen habe.
        Indem solches hiedurch gemeinkundig gemacht wird, fordern wir sämmtliche Inhaber der vorbezeichneten Betriebe im hiesigen Fürstenthum hiedurch auf, ihre Betriebe

bis zum 1. September d. Js.

bei der unterzeichneten Landvogtei anzumelden und für die Anmeldung sich des nachstehend abgedruckten Formulars zu bedienen.

Formular für die Anmeldung.

Kreis (Amt):
Gemeinde=(Guts=)Bezirk:

Anmeldung
auf Grund des §. 11 Unfallversicherungsgesetzes.

Name des Unternehmers (Firma). Gegenstand des Betriebes. Art des Betriebes. Zahl der durchschnittlich beschäftigten versicherungspflichtigen Personen. Bemerkungen.
  
  
Ort,........................, den.............................................1886.
(Unterschrift des zur Anmeldung Verpflichteten.)
        Jeder Betrieb der vorgenannten Art ist anzumelden und versicherungspflichtig, wenn in demselben von dem Betriebsunternehmer auch nur eine Person beschäftigt wird; dabei ist es jedoch nicht erforderlich, daß die Arbeiter ausschließlich bei Bauarbeiten verwendet werden.
        Unternehmer nicht angemeldeter Betriebe können durch Geldstrafe bis zu 100 M. zur Anmeldung angehalten werden.
        Schönberg, den 10. August 1886.

Großherzoglich Mecklenb. Landvogtei des Fürstentums Ratzeburg.
I. V.:
H. Spieckermann.

Koeppen.       


          Durch reichsgesetzliche Bestimmung vom 28. Mai 1885, welche laut Verordnung vom 24. Juni cr. im vollen Umfange am 1. Juli d. J. in Kraft getreten, ist das Gesetz über die Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883 auf nachstehend bezeichnete Betriebe, nämlich:

[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 2]

den Baggereibetrieb;
den gewerbsmäßigen Fuhrwerks=, Binnenschifffahrts=, Flößerei=, Prahm= und Fährbetrieb, sowie den Gewerbebetrieb des Schiffsziehens;
den gewerbsmäßigen Speditions=, Speicher= und Kellereibetrieb;
den Gewerbebetrieb der Güterpacker, Güterlader, Schaffer, Bracker, Wäger, Messer, Schauer und Stauer
ausgedehnt. Die Inhaber von Betrieben gedachter Art werden daher hiedurch aufgefordert, die von ihnen in diesen Betrieben beschäftigten Personen bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 20 M. binnen 3 Tagen zur Krankenkasse anzumelden.
        Bei dieser Gelegenheit wird gleichzeitig darauf hingewiesen, daß nach §. 1 des Reichsgesetzes vom 15. Juni 1883 alle gegen Entgelt bei Bauten beschäftigten Arbeiter, mithin auch die Handlanger, versicherungspflichtig sind. Da solche nach Ausweis des Mitglieder=Verzeichnisses der gemeinsamen Gemeindekrankenversicherung für das Fürstenthum Ratzeburg bisher nicht zur Anmeldung gelangten, so wird den betreffenden Inhabern von Baubetrieben hierdurch aufgegeben, die nachträgliche Anmeldung bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe nunmehr ungesäumt zu beschaffen.
      Schönberg, den 10. August 1886.

Großherzoglich Meckl. Landvogtei des Fürstentums Ratzeburg.
I. V.:
H. Spieckermann.

Koeppen.       


Nr. 11 des Offic. Anzeigers pro 1886 für das Fürstenthum Ratzeburg enthält in der
            II. Abtheilung:
      (1.) Bekanntmachung, betreffend die Uebereinkunft zwischen dem Deutschen Reiche und der Schweiz wegen Fortfalls der Trauerlaubnißscheine.
      (2.) Bekanntmachung, betreffend die Aufstellung von Urlisten für die Schöffen für das Jahr 1887.
      (3.) Bekanntmachung, betreffend die Durchschnittspreise des Monats Juni 1886.


Zur Gasteiner Zusammenkunft wird jetzt gemeldet daß dort neue bindende Abmachungen zwischen Deutschland und Oesterreich getroffen sind, die sich auf die politische Lage der nächsten Zeit beziehen und die auch die Unterschrift der beiden Monarchen tragen. Das Freundschaftsbündnis der beiden Kaisermächte wird dadurch weit enger, als es bisher gewesen! Näheres ist nicht bekannt.
Wie verschiedene italienische Blätter zu berichten wissen, wird das italienisch=deutsch=österreichische Bündnis bis zum 31. Dezember 1893 verlängert werden.
Kaiser Wilhelm hat gleich die ersten Tage seiner Anwesenheit in Schloß Babelsberg benutzt, um alle Neu=Anlagen im Park des Schlosses in Augenschein zu nehmen, über den er selbst mit größter Sorgfalt wacht. Bei seinen Spaziergängen in Babelsberg bedient sich der Kaiser regelmäßig eines Stockes, den er sich in früheren Jahren selbst im Parke geschnitten.
Der Kronprinz des deutschen Reiches hat dem Kamerunneger Dido eine goldene Medaille in der Größe eines Thalers als Geschenk überreichen lassen. Die Medaille zeigt auf der Schauseite das Brustbild des Kronprinzen mit der Inschrift: "Friedrich Wilhelm Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen", während sich auf der Rückseite die Initialen des Kronprinzen mit der Kaiserkrone befinden. Die Medaille ist an einer Kette um den Hals zu tragen. In dem Begleitschreiben heißt es: "Die Medaille sei für den Häuptling Dido zur Erinnerung an dessen Besuch im neuen Palais zu Potsdam.
Der Bundesrath wird diesmal frühzeitiger als gewöhnlich, nämlich schon in der zweiten Hälfte des Monats September seine T
Thätigkeit wieder aufnehmen. Einer seiner ersten Berathungsgegenstände dürfte die Verlängerung des über Berlin und Hamburg verhängten kleinen Belagerungszustandes sein, dessen Giltigkeitsdauer bekanntlich am 1. Oktober d. J. abläuft.
In Uebereinstimmung mit der preußischen Regierung beabsichtigen auch die sächsische, bayrische und hessische Regierung mit schärferen Maßregeln gegen die Zigeunerplage vorzugehen.
Die diesjährige Uebungsreise des großen Generalstabes wird in Schlesien abgehalten werden und am 18. August in Oels beginnen. Geleitet wird dieselbe durch den General=Quartiermeister Grafen Waldersee.
Der preußische Unterrichtsminister hat auf eine an ihn gerichtete Anfrage unter dem 9. August entschieden, daß auf preußischen Universitäten Frauen weder als Studierende aufgenommen, noch als Hospitanten zugelassen werden dürfen.
Die diesjährigen Kaisermanöver finden am 13., 15., 17. und 18. September in Straßburg statt. Der Kaiser kommt am 10. September an und hat sich große Feste und Feierlichkeiten verbeten. Die Stadt und der Münster werden beleuchtet, auch der Odilienstein wird besucht. Der Kaiser wird auch nach Metz kommen.
Herr Deroulede, der Deutschenfresser und Wanderapostel des Deutschenhasses bei den Völkern, reist gegenwärtig in Rußland umher und hält Reden. Jetzt ist er aber, wie sich die Kölnische Zeitung aus St. Petersburg telegraphiren läßt, auf unmittelbaren Befehl des Kaisers Alexanders benachrichtigt worden, daß er bei der ersten gegen Deutschland aufhetzenden Rede aus Rußland ausgewiesen werden würde.
Die Brüsseler athmen frei auf. Der seit Wochen angesagte und sehr gefürchtete Arbeiterzug durch die Residenz ist in aller Ordnung und ohne jeden Krawall vor sich gegangen. Er war gebildet aus 15-20 000 Arbeitern aus allen Provinzen. Die Arbeiter trugen rothe Banner und an den Hüten weiße Papierstreifen mit den Worten: Allgemeines Stimmrecht, Revision der Verfassung, Amnestie. Die Musik spielte die Marseillaise und die Brabaucone. Die Regierung hatte 30 000 Mann Soldaten, Bürgerwehr und Polizei gesammelt, die Bahnhöfe besetzt, aber die Truppen so untergebracht, daß sie dem Publikum nicht sichtbar waren, was einen sehr guten Eindruck machte.
In Madrid schüttelt alles den Staub von den Füßen und eilt an die Meeresküsten, nicht vor der Cholera, sondern vor der furchtbaren Hitze. 65 000 Personen, von der Polizei gezählt, haben die Residenz verlassen, das Reisegeld haben die meisten im königlichen Pfandhaus entnommen.
Der Aerger hat Rußland nicht, wie manchen andern Mann witzig, sondern plump gemacht. Die Zeitung "Nord" in Brüssel, ein russisches Regierungsorgan, gesteht geradezu: "Rußlands Minister (Giers) konnte nicht in der glänzenden Versammlung in Gastein erscheinen, deren Mittelpunkt Bismarck war, die Größe Rußlands verbiete ihm eine solche Rolle." Rußland ist also eifersüchtig, oder soll es zugleich ein Stich für Oesterreich sein?


Anzeigen.

Diejenigen Deputatisten, welche einen Theil ihres Deputatholzes pro 1887/88 der Forst gegen die Geldentschädigung zu überlassen beabsichtigen, haben dies bis zum 1. October cr. hierher anzuzeigen.
Schönberg, den 11. August 1886.

Großherzogl. Meckl. Domainen=Amt.
I. V.
H. Spieckermann.

Köppen.       


[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 3]

Zur Zwangsversteigerung der in Folge desfallsigen Antrags beschlagnahmten, dem Büdner und Handelsmann Fritz Wilms zu Herrnburg gehörigen, auf der dortigen Feldmark belegenen 4 Grundstücke,
nämlich:

a, der vorderen Wiese am Wittenberge, enthaltend 1 Scheffel 15 []R. Areal,
b, der hinteren Wiese am Wittenberge, enthaltend 3 Scheffel 4 []R. Areal,
c, der Koppel im Düwelsmoor enthaltend 22 []R. Areal,
d, des Moortheils daselbst, enthaltend 1 Scheffel 58 []R. Areal,
steht vor dem unterzeichneten Amtsgerichte an:
1. der Verkaufstermin auf

Donnerstag, den 30. September 1886,
Vormittags 11 Uhr,

2. der Ueberbotstermin auf

Freitag, den 22. October 1886,
Vormittags 11 Uhr.

Ferner ist ein Termin zur Anmeldung aller dinglichen Ansprüche an das Grundstück, an die zur Immobiliarmasse desselben gehörenden Gegenstände (Zubehör) soweit sie nicht gesetzlich von der Anmeldungspflicht ausgenommen sind, zur Vorlegung der Originalien und sonstigen schriftlichen Beweismittel, sowie zur etwaigen Prioritätsausführung unter dem Nachtheile der Abweisung und des Ausschlusses auf

Donnerstag, den 30. September 1886,
Vormittags 11 Uhr,

angesetzt.
Dem Schuldner und den bei der Zwangsversteigerung betheiligten Gläubigern wird hiermit freigelassen, zu dem Zwecke einer endlichen Regulirung der Verkaufsbedingungen, deren Entwurf zwei Wochen vor dem Verkaufstermin auf der Gerichtsschreiberei I hieselbst zur Einsicht der Betheiligten ausliegen wird, in dem letztgenannten Termine zu erscheinen, sowie innerhalb acht Tagen vor diesem Termine Vorschläge für die Verkaufsbedingungen einzureichen.
Schönberg, den 19. Juli 1886.

Großherzogl. Amtsgericht.
Dr. jur. E. Hahn.

W. Wetzel.       


Diedrich Teschau
Reparatur-, Schleif- und Polir-Werk,
Breitestrasse 24.           Lübeck.           Breitestrasse 24.
empfiehlt
in großartigster Auswahl
und altbewährter Güte
Tischmesser.
Taschenmesser.
Rasirmesser.
Scheeren.
Gärtner- und Schlachter-Artikel.
Waffen und Munition
zu außerordentlich billigen Preisen.


Schutzmarke Mack's Doppelstärke

MACK's DOPPEL-STÄRKE
à 25 pf. per 1/2 Pfund Cart.
Gibt die schönste Wäsche.
Alleiniger Fabrikant H. MACK in Ulm.


Habe noch                                                    
20 Bienenstöcke
zu verkaufen.                                                     A. Richter, Lehrer.


Lehrlings=Gesuch.

Ein Sohn rechtlicher Eltern, welcher Lust hat Schneider zu werden, kann sofort oder Michaelis in die Lehre treten bei

E. Erfurth, Schneidermeister.
Ratzeburg.


Zu dem am 29. und 30. August bei mir stattfindenden

Scheibenschiessen

nach guten Gewinnen beehrt sich alle Freunde und Gönner ergebenst einzuladen.

                                                    Gastwirth Oldenburg,
                                                    Palingen.


Restaurant
zum Deutschen Kaiser
Lübeck     gänzlich renovirt     Lübeck.
Mitte der Stadt.
Gute Küche.             Münchener Spaten.
Den geehrten Besuchern Lübecks
bestens empfohlen.


Zum Anstrich von Pappdächern empfiehlt
prima Steinkohlentheer
Asphalt-Mastic
Asphalt-Dachlack
sowie zur Conservirung von Pappdächern                                                    
präparirte Anstrichmasse
- Faserkitt -
in ausgezeichneter Qualität zu Fabrikpreisen die Dachpappenfabrik von                                                    
Gribbohm & Co.
1. Wallstr. 15.     Lübeck     1. Wallstr. 15


Zahnschmerzen aller Art werden, selbst wenn die Zähne angestockt sind, augenblicklich durch den berühmten Indischen Extract beseitigt. Dieses Mittel hat sich seiner Unübertrefflichkeit wegen einen Weltruf erworben und sollte daher in keiner Familie fehlen. Echt in Fl. à 5 Sgr. im Alleindepot für Schönberg bei      Emil Jannicke, Bandagist.


Pianinos billig baar oder Raten. Fabrik Weidenslaufer, Berlin NW.


Zu verpachten: Ein schönes

Windmühlen=Gewese

Reflectanten, erfahren Näheres sub Ho 2981b an Haasenstein & Vogler, Lübeck.


Wegen anderer Acquisition wünsche ich                                                    
meine Halbchaise
billig zu verkaufen.                                                                C. Hottelet.              
Schönberg, den 12. August 1886.                                                    


Ein gebrauchter Kochherd
ist billig zu erkaufen von                                                    
                                                    L. Spehr.


Ein gewandtes Mädchen
sucht zu Michaelis d. J.                                                    
                                                    Frau Lehrer Schär.


Suche zu Michaelis ein Stubenmädchen Frau D. Kröger-Lockwisch.


Zu Michaelis finden ein gewandtes Stubenmädchen und eine Köchin, am liebsten vom Lande, Dienst auf

Bauhof=Schönberg.       


Ein ordentliches Mädchen
sucht zu Michaelis                                                    
Frau Wilh. Oldenburg.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 4]

Sedanfeier in Ratzeburg.
Zu der am                                                    
Donnerstag, den 2. September
stattfindenden
16. nationalen Erinnerungsfeier
ladet das unterzeichnete Festkomitee alle Vaterlandsfreunde ganz ergebenst ein.                          
Die Hauptfestlichkeiten sind:

Festzug vom Palmberge aus in die Kirche 10 1/2 Uhr, Festgottesdienst, Gesang und Festrede auf dem Markt, Festzug zum Schützenhof (1 Uhr), Koncert auf dem Schützenhof 3 1/2 Uhr, Schießen um größere Silbergewinne, Anfang 8 Uhr Morgens, Belustigungen, Scherztombola, gemeinsamer Gesang 6 Uhr, glänzende Illumination, Fackelzug von der Demolirung aus (8 Uhr), Freudenfeuer, großartiges Feuerwerk.

Feie Tanzmusik an 4 Stellen bis 2 Uhr Nacht.
Entree 50 Pfennig (Mecklenburg).

Das hierfür verabfolgte Festzeichen muß deutlich sichtbar getragen werden. Die Kriegsdenkmünze von 1870/71 berechtigt zum unentgeltlichen Eintritt.

Das Ratzeburger Sedan-Komitee.       


Unter Allerhöchstem Protektorate Sr. M. des Kaisers u. Königs

und unter dem Ehrenpräsidium
Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen
Jubiläums-Ausstellungs-
Lotterie.

Ziehung am 15. September 1886 und folgenden Tagen
Original-Loose à 1 Mark - auf 10 Loose ein Freiloos
- (auch gegen Coupons oder Briefmarken) empfiehlt
und versendet

Carl Heintze
Alleiniges General-Debit und Haupt-Collection
HAMBURG, Grosse Johannisstrasse 4.
Zahlstelle: Berlin W., Unter den Linden 3.

   G
   e
   w
   i
   n
   n
   e
          1 à 30 000 = 30 000 M.
          1 à 20 000 = 20 000 M.
          1 à 15 000 = 15 000 M.
          1 à 10 000 = 10 000 M.
          3 à   5 000 = 15 000 M.
        10 à   2 000 = 20 000 M.
        20 à   1 000 = 20 000 M.
        20 à      600 = 12 000 M.
        30 à      400 = 12 000 M.
        35 à      300 = 10 500 M.
        50 à      200 = 10 000 M.
        90 à      150 = 13 500 M.
      100 à      120 = 12 000 M.
      100 à      100 = 10 000 M.
      200 à        40 =   8 000 M.
      800 à        20 = 16 000 M.
    1 000 à       10 = 10 000 M
    1 200 à         5 =   6 000 M.
  25 000 Gew.      = 50 000 M.
------------------------------------
28 662 Gw. i. W. v. 300 000 M.


Theater in Schönberg.
Im Saale des Herrn Boye.
Sonntag, den 22. August 1886.
Letzte Kinder=Vorstellung.
Dornröschen.
Abends 8 Uhr.
Unwiderruflich Letzte=Vorstellung.
Das lachende Schönberg
Heiteres aus der Theatergeschichte.
1. Recept gegen Schwiegermütter.
2. Guten Morgen Herr Fischer.
3. Gesangsvorträge und Lebende=Bilder.
4. Die schöne Galathé.
Unter Mitwirkung der hiesigen Stadtkapelle.
Preise der Plätze.
Im Vorverkauf Nummer. Platz 1 Mk. 50 Pf.
1. Platz 80 Pf. 2. Platz 50 Pf.
Abends an der Kasse: Numm. Platz 1 Mk. 75 Pf.
1. Platz 1 Mk., 2. Platz 75 Pf.
Schüllerbillets zum 1. Platz 50 Pf.
Kasse=Oeffnung 1/2 8 Uhr.            Anfang 8 Uhr.

Den verehrlichen Abonnenten werden die Plätze am Tage einer jeden Vorstellung bis spätestens 12 Uhr Mittags reservirt.

Die Direction.       


Eintragung in das Standes=Register des Standesamts=Bezirks Falkenhagen. (Nachdruck verboten.)

Geboren:

D. 5. Juli dem Knecht Joachim Heinrich Rieckhoff zu Falkenhagen ein Sohn.
D. 13. dem Büdner Johann Heinrich Ludwig Stoltenberg zu Falkenhagen ein Sohn.
D. 20. dem Arbeitsmann Johann Joachim Heinrich Eickmann zu Falkenhagen eine Tochter.

Gestorben:

D. 13. August die Arbeitmannswittwe Anna Katharine Scharbow geb. Wieger aus Falkenhagen, 79 Jahre 5 Mon. alt.


Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, den 22. August.

        Frühkirche: fällt aus.
        Vormittagskirche: Pastor Kaempffer.
        Amtswoche: Pastor Kaempffer.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 65 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 20. August 1886.


- Schönberg. Die hier seit 14 Tagen sich aufhaltende Schauspiel=Gesellschaft der Frau Knapp=Girard hat sich in dieser Zeit wegen ihrer Leistungen das Interesse und die Theilnahme des ganzen Publikums erworben. Fleißig einstudirt und geschickt inscenirt kommen die Operetten in überaus ansprechender und gelungener Weise zur Aufführung. Unverkennbar entledigen sich die mitwirkenden Kräfte ihrer Aufgabe mit Lust und Liebe und durch die gemeinsamen Anstrengungen aller Mitglieder wurde allemal ein vortreffliches Ganzes erreicht, denn namentlich auch da, wo eine größere Anzahl von Personen auftrat, kam die musterhafte Gruppirung sehr zur Geltung. Fräulein Dähn erzielte durch ihre sympathische Stimme und die empfindungsvolle Innigkeit, die sie in ihr Spiel zu legen weiß, ungetheilten Beifall. Auch Frau Jacobi trat mit ansprechender Frische und gewinnender Herzlichkeit in ihren Rollen auf, für die ihr volles Lob gebührt. Frau Knapp=Girard, die sich durch sein poentirtes Spiel auszeichnet, fand in ihren Rollen genügend Gelegenheit, ihr hervorragendes Talent zur Geltung zu bringen. Unter den Herren ist namentlich Herr Lange zu nennen, dem, gleich sicher im Gesang wie gewandt im Spiel, die ehrendste Anerkennung gebührt. Die Hrn. Knapp, Wassermann und Kine wußten ihren Rollen mit Erfolg gerecht zu werden und Herr Haneld die Lachlust des Publikums in ausgiebigem Maße zu befriedigen. Dabei dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß der außerordentlich günstige Totaleindruck wesentlich und nicht zuletzt dem Herrn Kapellmeister Jacobi mit anzurechnen ist. - Wir hoffen diese strebsame Bühnengesellschaft jetzt nicht zuletzt in unsern Mauern zu sehen, möchten ihr viel mehr empfehlen, uns einmal in den Wintermonaten mit ihren Vorstellungen aufzusuchen, wo der Kassenerfolg gewiß ein noch erfreulicherer sein wird, wie jetzt in der Erntezeit.
- In Altona dauert die Untersuchung in Sachen der verhafteten Sozialdemokraten noch immer fort und erstreckt sich weit über die Grenzen von Hamburg=Altona hinaus. Nach dem vorliegenden Material ist jeder Zweifel daran, daß wirklich eine sozialdemokratische Zentralverbindung besteht, gehoben. Es waren Rundschreiben vorhanden, welche zu Versammlungen einladen. Die Sammellisten weisen ganz genau den Verbleib des Geldes nach. Es sind namentlich zwei der in Freiberg verurtheilten Führer an der Sache betheiligt. Auch über den Betrieb des "Sozialdemokraten" liegen sorgfältig geführte Listen vor. Die Untersuchungshaft dürfte bei dem großen Material eine recht lange dauernde werden. Die Verhandlung wird auf Grund des Abkommens, welches Hamburg mit Preußen beim Erlaß des Sozialistengesetzes schloß, in A. geführt werden.
- In Altona sind abermals drei Sozialdemokraten, Cigarrenarbeiter, verhaftet worden.
- Der dritte Reichs=Postdampfer für die Linie Japan=Australien lief Sonnabend Mittag in Stettin glücklich vom Stapel. Das Schiff erhielt in der Taufe den Namen "Danzig.
- Auf dem am Mittwoch von Bremen nach Australien abgegangenen Reichspostdampfer "Hohenzollern" des Norddeutschen Lloyd befinden sich 11 Cajütenpassagiere und über 150 Zwischendeckspassagiere.
- Zum Empfange des Kaisers in Metz sind die Vorbereitungen im vollen Gange. Die Kaisersäle im Bezirkspräsidium werden prächtig hergestellt, im Gebäude des Hauptbahnhofs drei Empfangsräume neu hergerichtet. Eine aus acht Mitgliedern des Gemeinderaths bestehende Kommission ist zusammengetreten, um über die glanzvolle Ausschmückung der Stadt und die Empfangsfeierlichkeiten Berathungen zu pflegen. Um zur Ausschmückung der Bahnhöfe, welche der kaiserliche Zug durchfährt, das erforderliche Fahnenmaterial zu erlangen, ist die Generaldirektion der Reichs=Eisenbahnen angewiesen worden, sich mit der Marineverwaltung in Verbindung zu setzen. Reichliche Aufträge gehen ferner an die Bonner Fahnenfabrik. Sämmtliche Vereine der Stadt werden sich an dem beabsichtigten Fest= und Fackelzuge betheiligen, die Gesangvereine üben schon jetzt drei Männerchöre ein, welche sie zum Vortrag bringen werden.
- Professor Friedrich August von Kaulbach wurde vom Prinzregenten zum Direktor der Kunstakademie in München ernannt. Er ist ein Sohn des Portraitmalers Fritz Kaulbach in Hannover und Neffe Wilhelm's von Kaulbach, des Vorgängers von Piloty.
- Das Gemeindekollegium zu München hat eine Einladung des Pesther Magistrat's zur Theilnahme an der 200jährigen Jubelfeier der Befreiung der Stadt Pesth von den Türken unter Hinweis auf die Behandlung der Deutschen in Ungarn, ins besondere in Siebenbürgen, abgelehnt, rundweg ohne Beschönigung abgelehnt. Der Beschluß wird großes Aufsehen machen, aber er ist gerecht. Die Behandlung der Siebenbürger Deutschen ist eine niederträchtige und es ist sehr angemessen, gerade jetzt den Ungarn das in's Gesicht zu sagen. Die Ungarn feiern sich bei dem jetzigen Erinnerungsfest! Wem verdanken sie aber die Erstürmung von Ofen=Pesth, wer hat aus dem geknechteten Magyarenlande wieder ein christliches Land gemacht? Die Ungarn in der That nicht, sondern die Deutschen. Solche Thatsachen passen freilich nicht in den Traum von der weltgeschichtlichen Bedeutung Ungarns, sie bilden einen schlechten Hintergrund für den nationalen Hochmuth, der die Deutschen und das Deutschthum so oft in verletzender Weise verfolgt und gekränkt hat.
- Das gesammte Grundstück der Borsig'schen Fabrik vor dem Oranienthor in Berlin ist von dem Kuratorium der Borsig'schen Erben an eine Gesellschaft Bauunternehmer für den Preis von 5 4000 000 Mk. verkauft worden. Selbstverständlich sind in diesen Kauf die Maschinen nicht mit inbegriffen, doch wird der Abbruch der Gebäude von den Käufern mit übernommen. Mit der Bebauung soll spätestens im n. J. der Anfang gemacht werden.
In Berlin steht zur Zeit das Pelzwarengeschäft in voller Blüthe. Eine einzige Firma versendet wöchentlich nach England für 25 000 Mk Boas und nach England und Amerika 500 Pelz=Radmäntel für Damen.
- Auf dem Schießhause in Wildenfels im sächsischen Erzgebirge gab es kürzlich eines Abends ein überraschendes Tanzhindernis. Die paare schwebten eben sanft im Walzer dahin und die Musiker spielten ihre schönsten Weisen gefühlvoll wie noch nie - da - ein fürchterliches Geprassel und Gekrache und schrilles Abreißen aller harmonischen Töne. Es hatte sich nämlich das Orchester mit, allen Musikern von der Wand abgelöst und stürzte nieder. Ganz wunderbarer Weise ist beim Sturz niemand verletzt worden; nur einige Uniformröcke und einige Instrumente trugen kleine Schäden davon.
- An dem nach Koblenz gefallenen Lotteriegewinn von 300 000 Mk. partizipieren 26 Musiker des 28. Infanterie=Regiments. Das ist Musik!
- Die Einrichtung der Rundreise=Billets wird ungemein viel benutzt. In 3 Monaten haben 70 000 Personen davon Gebrauch gemacht.
- Eine ungenannt bleiben wollende Dame hat zur Errichtung eines Kinder=Seehospizes bei Cuxhaven 300 000 Mk. geschenkt.
- Schlecht gerettet. Oberhalb der Obermainbrücke in Frankfurt kippte gestern während der Regatta dadurch ein ziemlich besetzter Nachen um, daß sich die Insassen heftig schaukelten. Sämmtliche Verunglückte kamen mit dem Schrecken und einer ziemlich heftigen Durchfeuchtung der Garderobe davon. Die Besatzung mehrerer Nachen fischte die Leute auf. Um die Rettung einer hübschen blonden Dame kam es zwischen den Parteien zweier Nachen

[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 6]

zum Streit. Jede wollte das hübsche Mädchen in seinen Nachen nehmen. Die Einen hatten sie an den Armen erfaßt und die Andern an den Beinen. Sie zogen schließlich so lange hin und her, bis der, der am Kopf festhielt, ins Wasser stürzte und seine hübsche Last mit hineinriß. Die andere Partei zog alsdann sofort das Mädchen an den Beinen in ihren Nachen hinein. Im Ganzen waren bei dem Unfall neunzehn Personen ins Wasser gefallen.
- Ein riesiger Wallnußbaum des Schulzen Herzberg zu Feldberg bei Fehrbellin trägt nach ungefährer Schätzung diesmal nicht weniger als 600 Schock Nüsse, die, wenn das Schock 25 Pfennig (Mecklenburg) kosten würde, dem Besitzer rund 150 M. einbringen werden.
- In Lindau ist es zwei Radfahrern gelungen, den ganzen Bodensee in einem Tage zu umfahren. Die Strecke beträgt 200 Kilm. und wurde auf folgender Ortsreihenfolge zurückgelegt: Lindau, St. Margarethen, Arbon, Constanz, Radolfzell, Marktfingen, Espafingen, Ueberlingen, Friedrichshafen, Lindau.
- Deutschland Kohlenreichthum. Es wird angenommen, daß das oberschlesische Kohlenbecken, welches die Salonkohle, die eine so reiche Asche wie Buchenholz zurückläßt, produzirt, sich noch weit hinaus nach Rußland fortsetzt. Da aber der Bergbau in letzterem Reiche nur auf Gold und Naphtha eifrig betrieben, bezüglich der Steinkohlen aber vernachlässigt wird, so ist das schlesische Kohlenbecken für die nächsten Jahrhunderte als das ausgiebigste in Europa zu betrachten, und es wird die Zeit kommen, wo Kohlen aus Schlesien selbst nach England befördert werden, wenn nicht Nordamerika zuvorkommt. Wir werden zu diesen Betrachtungen, durch einen Aufsatz Von L. Simmersbach in den "Annalen für Gewerbe und Bauwesen" veranlaßt, dem wir folgendes entnehmen: Was zunächst England anbetrifft, dessen ganze Existenz in einem noch höheren Grad auf Kohle beruht, als die der Staaten des Festlandes, so verweist der Verfasser die Aufnahme Luptons in das Reich der Fabel, als würden die Kohlenvorräthe Albions bereits in 105 Jahren zu Ende gehen, weil die Förderung ungeheuer rasch zunimmt. Simmersbach ist vielmehr der Ansicht, daß sich auf dem internationalen Kampfplatz der Industrie zur Zeit eine Verschiebung zu ungunsten Englands vollziehe, die mit Schluß dieses Jahrhunderts wohl Tatsache sein wird. Die englische Kohlenausfuhr (jährlich 22 bis 23 Millionen Tonnen) werde alsdann ganz aufhören, und der inländische Verbrauch gleichzeitig etwa auf dem jetzigen Standpunkte (141 Tonnen) stehen bleiben, so daß Großbritanien noch auf 6 bis 800 Jahre mit Brennmaterial versorgt sei, zumal es vielleicht noch kommt, daß es den einen Theil seiner Kohle aus Deutschland bezieht. Nicht nur werde Deutschland den Spieß umdrehen und Kohle nach England ausführen, sobald, wozu der Grund soeben gelegt, die Frachten nach der Küste wohlfeiler werden, sondern mit der Zeit ganz Süd=Europa, Oesterreich=Ungarn und zum Theile Rußland mit Brennmaterial versorgen, wenn erst die Verkehrswege nach dem Süden und Osten verbessert sind. Die Rolle könne Deutschland sehr wohl übernehmen, weil es das kohlenreichste Land Europas sei und hierin sogar Großbritanien unbedingt übertreffe. Dagegen kommen, meint er, die übrigen Staaten des Festlandes, mit Ausnahme Rußlands, dessen Lager noch wenig bekannt sind, kaum in Betracht. Unser Bestand an Kohlen beziffert sich nach derselben Autorität, etwa wie folgt: Das Ruhrbecken allein birgt, soweit es bekannt, weit mehr als 15,000 Millionen Tonnen Kohle, die, für sich berechnet, Westfalen die jetzige Industrie länger als tausend Jahre erhalten und allein ein Drittel des Gesammtvorraths Englands bilden. Ein großer Theil des westfälischen Kohlenbeckens ist aber noch ungenügend bekannt. So viel scheine aber festzustehen, daß selbst wenn Westfalen später 100 Millionen Tonnen fördern sollte, dessen Lager länger, als 1000 Jahre aushalten würden. Schlesien birgt bis 600 Meter Tiefe 50,000 Millionen und in größerer Tiefe etwa weitere 200,000 Millionen Tonnen, das Saargebiet endlich etwa 50,000 Millionen Tonnen. Hierzu kommen die mächtigen Braunkohlenlager Brandenburgs, Sachsens, Schlesiens und anderer Orte.
Die Verdeutschung der Speisezettel, welcher der "Gastwirthstag" in Anregung gebracht hat, macht entschiedene Fortschritte. Der hannoversche Zweigverein des "Allgemeinen deutschen Sprachvereins," dessen Vorsitzender Rudolf v. Bennigsen ist, ist jetzt mit der Aufforderung au die Gasthalter vorangegangen, die fremden Bezeichnungen der Speisen und Getränke von den Speisezetteln zu verbannen, und hat vielfach seine Bestrebungen von Erfolg begleitet gesehen.
- Seit Jahren hat sich Frau Moses Mendelssohn in Stargard darauf gefreut, einen Gewinn in der preußischen Staatslotterie zu machen. Als dieser Tage wirklich ein Gewinn, ein Antheil an 32 000 Thalern, eintraf und ihr unvorbereitet angekündigt wurde, fiel sie vom Schlag getroffen todt zu Boden.
- In einem Garten in Schieferstein bei Frankfurt a. Main befinden sich seit acht Tagen reife, sehr gute schwarze Weintrauben.
- Aus Kiew in Rußland wurden von der Behörde mehr als 100 jüdische Familien ausgewiesen mit dem Angeben, sie besäßen kein Recht zur Niederlassung. Das Elend ist groß.
- In Kiew (Rußland) hat sich ein Verein zur Vorbereitung der tausendjährigen Jubelfeier der Einführung des Christenthumes in Rußland gebildet.
Im Odessaer Volks garten kam es zwischen einer deutschen Tischgesellschaft, in der sich ein preußischer Offizier befand, und einer Tischgesellschaft russischer Offiziere zu einem argen öffentlichen Skandal. Die russischen Offiziere behaupteten, sie wären von den Deutschen verspottet worden. Letztere wurden auf die Polizei escortiert und nach Aufnahme des Protokolls wieder frei gegeben.
- Die Waldbrände in Wikonsin lassen nach. 12 Personen sind in den Flammen umgekommen. Man fürchtet, daß viele Holzhauer dasselbe Loos ereilt hat. Der Verlust an Vieh ist furchtbar. In Calumet, Clark, Marathon und den angrenzenden Counties sollen 500 Personen obdachslos sein.
- Die besten Mittel, um ein gesundes und hohes Alter zu erreichen, sind Mäßigkeit und Mäßigung, Thätigkeit, Bewegung im Freien und Reinlichkeit. Die biographischen Nachrichten über langlebige Menschen zeigen, daß es nicht allzuschwer ist, diesen Lebensregeln zu genügen, wenn auch Energie und Konsequenz dazu gehört. Der venetianische Edelmann Cornaro, vor dem 35. Jahr durch unvernünftiges sogenanntes Genußleben erkrankt, war im 40. Jahr durch falsche Heilversuche dem Tod nahe gekommen, änderte mit einemmal sein Leben und brachte es trotz seines schwächlichen Körpers bis zu 104 Jahren. Die Ansicht des Kaisers Tiberius, der sei ein Thor, welcher nach seinem 30. Jahr einen anderen Arzt als sich selbst brauche, werden nur wenige theilen. Und wenn man die Mehrzahl der alten gesunden Männer und Frauen fragt, wie sie gelebt haben, so stimmen die Antworten nicht immer überein mit den üblichen Verhaltungsmaßregeln. Der eine sagt, er habe stets gegessen, ehe ihn hungerte, und getrunken, ehe ihn dürstete, was freilich noch nicht unmäßig wäre; der andere, er habe sich niemals satt gegessen. Ein dritter hat sich überhaupt keine Lebensregeln angeeignet, wie der 112jährige Mittelstädt; der 110jährige Baron Longueville verheirathete sich 10mal und wurde in seinem l00. Jahre noch Vater. Es fehlt auch nicht an Fällen, in denen das höchste Alter erreicht wurde nach ziemlich gleichmäßigem Lebenslauf in ärmlichen Verhältnissen. So der englische Bauer Thomas Parre. Dieser von seiner Hände Arbeit lebende Mann erreichte das erstaunliche Alter von 152 Jahren und 9 Monaten. König Karl I. wünschte ihn 1635 kennen zu lernen, und als er nach London kam, wurde er königlich bewirthet. Er starb bald darauf an verdorbenem Magen. Harvey, der Leibarzt des Königs, fand an der Leiche keine der Veränderungen, welche man sonst bei Greisen zu finden pflegte. Dieser Mann heirathete im 121. Jahr zum drittenmal und erlebte 9 Könige. Gesundheitslehre hatte er nie studirt, er hatte dazu nicht die Bildung. Ebenso einige 130-140 jährige Fischer und der 157jährige Perkins. Der 146jährige Drakenberg hatte ein ziemlich heftiges Temperament, was sonst nicht zu hohen Jahren kommen läßt. Der 103jährige Streder liebte den Tabak, der 104jährige Baron de Capellis den Thee, aber Fleisch nahm er nur wenig zu sich. Er heirathete

[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 7]

im 14. Jahr zum erstenmal, im 84. Jahr zum viertenmal.
- Bekanntlich leiden die hellen Sommerkleider von der Sonne sehr. Durch Waschen mit Veilchenseife werden die Kleider zwar gereinigt, aber die Farbe nicht wieder hergestellt. Wird aber das Kleid, nachdem es ausgewaschen und von der Seife befreit ist, in eine Mischung von gleichen Theilen Wasser und Salmiakgeist eingetaucht, so wird die ursprüngliche Farbe in voller Schönheit wieder zum Vorschein kommen.
- Ein gutes Mittel, um Gardinen zu färben in der jetzt so beliebten Cremefarbe, ist eine Messerspitze Gelbocker unter Macks Stärke gemischt. Die Gardinen eines Zimmers müssen, damit die Färbung gleichmäßig wird, auf einmal eingetaucht werden.
- Die Entfernung kleiner Körper aus den Augen, deren Anwesenheit selbst ruhige Menschen rasend machen kann, gelingt sehr leicht mit den Körnern des Leines. Eins bis zwei Leinsamenkörner werden zwischen die Augenlider gebracht, wo sie sofort Schleim bilden, die Fremdkörper einhüllt und nach kleiner Weile entfernt.
- Um Topfflanzen von Blattläusen zu reinigen, wird der neuen "Fundgr." ein altes, sehr einfaches Mittel angegeben, welches sich gut bewähren soll. Man legt die Pflanzen einfach während der Nacht ins Gras, (auf den Rasen), so, daß die Blätter den Boden berühren. Um dem Tau zu entgehen, kriechen die Blattläuse in den Rasen. Dieses einfache Mittel soll sich selbst gegen Schildläuse bewährt haben.
- Den höchsten Skat hat Professor Goering aus Leipzig gespielt. "Es war," so erzählte er neulich in Altenburg, "vor etwa 16 Jahren in Argentinien in Südamerika; wir, drei Deutsche, bestiegen die Anden und hatten uns eben bei großer Kälte in einer Indianerhütte oben 9000 Fuß über dem Meeresspiegel niedergelassen, ein lustiges Feuer brannte bald zwischen uns, aber angespannt, wie wir waren, hatten wir keinen Schlaf. Da brachte einer von uns eine eben nicht saubere Karte hervor und mit einem Schlag wußten wir, was wir zu thun hatten, wir skateten bis zum Sonnenaufgang. Hat einer von Ihnen je höher geskatet?" Mit einem kräftigen "Nein" wurde von allen die Frage beantwortet und Professor Goering als höchster Skater allgemein und bereitwillig anerkannt.
- Beim Arzt. Arzt: Und wie lange leiden Sie an dem Uebel? - Patient: Seit einem halben Jahre. Arzt: haben Sie Appetit? - Patient: Nun, wenn Sie gerade etwas da haben.
                    Interessante Grabschriften.
           Hier ruht ein Arzt, der Dr. Grimm,
           Und die er heilte, neben ihm.
    Hier ruht mein Weib, Gott sei's gedankt!
    So lang Sie lebte, war nur Zank,
    Geh', Wand'rer, gehe flugs von hier,
    Sonst steigt sie auf und zankt mit Dir.
         Steh' Wanderer und weine,
         Hier ruhen meine Gebeine,
         Ich wollt' es wären Deine.
- Der nachstehende schöne Vers steht auf einem kleinen Grabstein im Schwabenlande und ist von Uhland geschrieben, der ihn dem Andenken des früh verstorbenen Kindes eines Freundes widmete.
      Du kamst und gingst mit leiser Spur,
      Ein flücht'ger Gast im Erdenland.
      Wohin ? Woher? Wir wissen nur
      Aus Gottes Hand in Gottes Hand.


Der Ring.
Novelle von E. Hartner.
(Nachdruck verboten.)
Fortsetzung.

[ => Original lesen: 1886 Nr. 65 Seite 8]

Der Ring.
Novelle von E. Hartner.
(Nachdruck verboten.)
[Fortsetzung.]


<< Ausgabe vorher>> Ausgabe danach
ZVDD