No. 40
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 21. Mai
1886
sechsundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 1]

Bekanntmachung.

       Das diesjährige Ober=Ersatzgeschäft zur Aushebung der Militairpflichtigen des hiesigen Aushebungsbezirks findet statt

in Schönberg
im Boye'schen Gasthofe
am
Sonnabend, den 19. Juni d. Js..

       Zu demselben haben sich diejenigen Militairpflichtigen, welche nach Ausweis ihrer Loosungsscheine eine endgültige Entscheidung über ihre Militairpflicht zu gewärtigen haben, und denen besondere Ladungen zugehen werden, Morgens präcise 9 Uhr einzufinden.
       Es steht jedoch jedem Militairpflichtigen, der in den Grundlisten des Aushebungsbezirks verzeichnet ist, frei, im Aushebungstermin zu erscheinen und der Ober=Ersatz=Commission etwaige Anliegen vorzutragen.
       Die bei der Musterung für diensttauglich befundenen Mannschaften gelangen zuerst zur Vorstellung.
       Im Anschluß an das Ober=Ersatzgeschäft findet die Superrevision der Temporair=Invaliden statt.
Militairpflichtige, welche im Termin nicht pünktlich erscheinen, haben, sofern sie nicht dadurch eine härtere Strafe verwirkt haben, auf Grund des §. 24, 7 der Ersatz=Ordnung eine Geldstrafe bis zu 30 M. oder Haft bis zu 3 Tagen zu gewärtigen, auch können denselben die Vortheile der Loosung entzogen werden. Ist dieses Versäumniß in böslicher Absicht oder wiederholt erfolgt, so werden sie dem Befinden nach als unsichere Dienstpflichtige zur sofortigen Einstellung gebracht werden.
       Die Ortsvorsteher haben für die pünktliche Gestellung der betreffenden Militairpflichtigen aus ihrer Ortschaft Sorge zu tragen.
       Schönberg, den 17. Mai 1885.

Der Civilvorsitzende der Ersatz=Commission des Aushebungsbezirkes für das Fürstenthum Ratzeburg.
F. Graf Eyben.

Köppen.       


Die schärfere Tonart in der Handhabung des Socialisten=Gesetzes, mit welcher der Minister des Innern schon bei Berathung der Vorlage im Reichstag gedroht hatte, ist bereits angeschlagen. Das preußische Staatsministerium hat einen Erlaß veröffentlicht, durch welchen für Berlin und Umgegend, d. h. für den Bezirk des sog. kleinen Belagerungszustandes, im Sozialistengesetz ertheilte Vollmachten in Bezug auf politische Versammlungen in Kraft gesetzt werden. Es dürfen fortan Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten verhandelt werden sollen, nur nach vorgängiger schriftlicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde stattfinden. Diese Genehmigung ist mindestens 48 Stunden vor Beginn der Versammlung nachzusuchen. Wahlversammlungen zum Zweck ausgeschriebener Reichstags= oder Landtagswahlen sind hiervon ausgenommen.
Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Ernennung des Unterstaatssekretärs Grafen Herbert Bismarck zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt, die oft gemeldet und oft bestritten wurde. Graf Herbert Bismarck ist 37 Jahre alt, das Gehalt des Staatssekretärs ist ausnahmsweise hoch (50 000 Mk.). Zum Unterstaatssekretär ist der bisherige Direktor Graf Berchem ernannt.
Das erste polnische Rittergut ist im Subhastationstermin vom preußischen Fiskus erstanden. Es heißt Komorowo, umfaßt 300 Hektare und liegt in der Provinz Posen. Der Preis beträgt 166,000 M.
Die Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat einstimmig das Gesetz über die Kommunalbesteuerung der Offiziere nach den Anträgen von Huene angenommen. Es bleibt nur das Heirathsgut der jetzt schon verheiratheten Offiziere von der Kommunalsteuer frei. Diese Vergünstigung fällt aber weg mit dem 1. April 1887. Doch hat die Regierung eine Erhöhung des Heirathsgutes in baldige Aussicht gestellt.
Der polnische Dichter Kraszewski hat seine Freunde um 22 000 M. gebracht. Er erhielt seiner Gesundheit wegen Urlaub, ist aber nach Ablauf desselben nicht zurückgekehrt, um den Rest seiner Festungsstrafe in Magdeburg zu verbüßen. In Folge dessen ist die von seinen Freunden gestellte Kaution verfallen.

[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 2]

Auch die württembergischen Aerzte sollen die Pasteurschen Tollwuthimpfungen kennen lernen. Auf Anordnung des Königs ist ein Arzt nach Paris zu Pasteur zum Studium derselben entsendet worden.
Die Königin von Spanien ist am 17. Mai von einem Sohn entbunden worden.
Der russische Kaiserhof hat am Sonnabend Livadia verlassen und sich nach Sebastopol begeben. Dort soll u. a. ein Festmahl stattfinden, zu welchem die früheren Sebastopolkämpfer außer den Spitzen der Behörden bereits geladen sind.
Johann Most ist wieder frei! Gegen eine Hinterlegung von 1000 Dollars hat die amerikanische Polizei ihn wieder laufen lassen. "Die Freiheit" wüthet in Mord= und Brandartikeln.


Anzeigen.

In Sachen betreffend die Niederlegung eines Hypothekenbuchs über das zu Schönberg an der Neuen Wallstraße sub Nr. 124 belegene Wohnhaus c. p. der Geschwister Burmeister allhier, wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß auf das am heutigen Tage abgehaltene Liquidations=Protocoll sofort im Termin der Präclusiv=Bescheid erlassen und publicirt worden ist.
Schönberg, den 15. Mai 1886.

Großherzogl. Amtsgericht.
G. Horn.

Schnell.       


Antragsmäßig soll über die zu Schaddingsdorf sub. No. 6 belegene Büdnerstelle c. p. des Müllers Friedrich Ahrendt von dort ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle Diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstück zu haben vermeinen und deren Eintragung in das niederzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf

Sonnabend, den 3. Juli d. J.,
Vormittags 10 Uhr

peremtorisch und unter dem Nachtheil hiemit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht gesetzlich nicht ausgenommenen Realrechte an dem proclamirten Grundstücke sowohl gegen den jetzigen als auch die zukünftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Meldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubiger, welche ihre Forderungen auf einem, mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidations=Termin ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichnenden Postenzettel vollständig und richtig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 6. April 1886.

Großherzoglich Amtsgericht.
G. Horn.

A. Dufft.       


Zu dem Zwangsversteigerungsverfahren der früher dem Drechsler J. Holst zu Schönberg gehörigen, daselbst sub Nris 129 a und 130 belegenen Grundstücke c. p. ist zur Erklärung über den Theilungsplan, sowie zur Vertheilung der Masse, vor dem unterzeichneten Gerichte ein Termin auf

Sonnabend, den 22. Mai d. J.
Vormittags 11 Uhr

angesetzt, zu welchem die Betheiligten mit dem Bemerken geladen werden, daß der Theilungsplan auf der Gerichtsschreiberei I zur Einsicht ausgelegt ist und daß gegen einen im Termin nicht erschienenen Gläubiger angenommen werden wird, daß er mit der Ausführung des Planes einverstanden ist.
Schönberg, den 7. Mai 1886.

Großherzogliches Amtsgericht.
Dr. jur. E. Hahn.

H. Diederich.       


Proklam.

Alle und Jede, welche an den von den Erben nur unter der Rechtswohlthat des Inventars angetretenen Nachlaß des am 29. Mai 1880 zu Bimöhlen verstorbenen Käthners Christian Heinrich Burmeister daher und dessen zu Jersey City am 25. October 1883 verstorbenen Wittwe Catharina Juliane Sophie Burmeister geb. Schleuß zuletzt wohnhaft gewesen zu Bimöhlen, insbesondere an die zum Nachlaß des ersteren gehörigen, zu Schönberg in Mecklenburg belegenen Grundstücke, nämlich:

1. das am Markt unter Nr. 35 belegene Wohnhaus,
2. das an der Marienstraße unter Nr. 36 und 37 belegene Wohnhaus und
3. das an der Marienstraße unter Nr. 38 belegene Wohnhaus für welche nach Mittheilung des Großherzoglichen Amtsgerichts zu Schönberg i/M. Hypothekenbücher bisher nicht errichtet sind, Ansprüche und Forderungen irgend welcher Art zu haben vermeinen, werden hierdurch aufgefordert, solche Ansprüche und Forderungen binnen 12 Wochen, von der dritten Bekanntmachung dieses Proklams im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Schleswig angerechnet, bei Vermeidung des Ausschlusses von der Masse rechtsbehörig hieselbst anzumelden, und zwar Auswärtige unter Bestellung eines hiesigen Aktenprokurators.
Bramstedt, den 11. Mai 1886.

Königliches Amtsgericht.


Holz=Auction
im Vitenser Forste,
Revier: Törber Holz,
am Montag, den 24. Mai 1886

unter den an Ort und Stelle zu verlesenden Verkaufsbedingungen, über:
          Loheichen Knüppelholz,
          Loheichen Zweigholz.
Versammlung Morgens 8 Uhr auf dem Landwege am Eingang des Törber Holzes.
Rehna, den 18. Mai 1886.

Großherzogliche Forstinspection.


Bekanntmachung.

Die nochmalige Hebung einer Armensteuer zum vollen Beitrag ist erforderlich, es werden demnach alle Zahlungspflichtigen des Schönberger Armendistricts hiermit aufgefordert ihre Beiträge fördersamst einzuzahlen.
Schönberg, den 13. Mai 1886.

Die Armenbehörde.


Am Sonntag, den 30. Mai:
Gr. Militair-Concert

in Boye's=Garten. Ausgeführt von der Möllner=Art.=Capelle unter Leitung des Dirigenten Herrn Eiserbeiss.

Anfang 4 1/2 Uhr.
Entree à Person 50 Pfennig (Mecklenburg).
Nach dem Concert Ball.
Hierzu ladet ergebenst ein                                                    
                                                                              J. Boye.

NB. Bei ungünstiger Witterung findet das Concert im Saale statt.


Zahnschmerzen aller Art werden, selbst wenn die Zähne angestockt sind, augenblicklich durch den berühmten Indischen Extract beseitigt. Dieses Mittel hat sich seiner Unübertrefflichkeit wegen einen Weltruf erworben und sollte daher in keiner Familie fehlen. Echt in Fl. à 5 Sgr. im Alleindepot für Schönberg bei      Emil Jannicke, Bandagist.


Harmonikas
in großer Auswahl zu billigen Preisen empfiehlt
                                                    H. Brüchmann.


Schmuckwaaren
für Herren und Damen in reichhaltiger Auswahl
empfiehlt billigst                                                    
                                                    H. Brüchmann.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 3]

Zwangs=Verkauf.

Vor dem Zimmermeister Egert'schen Hause vor der Sabower=Straße hieselbst werde ich am Montag, den 24. d. Mts. Mittags 12 1/2 Uhr, einen noch gut erhaltenen

Schreibtisch öffentlich meistbietend gegen gleich baare Bezahlung verkaufen.
Schönberg, den 20. Mai 1886.

                                                    Wienck.
                                                    Landvogtei=Pedell.


Heute Morgen 6 Uhr wurden wir durch die glückliche Geburt einer gesunden Tochter hocherfreut.
Langsdorf bei Sülze i/M., den 17. Mai 1886.

                                                    B. Reepen und Frau
                                                    geb. Boye.


Am 7. Juni d. Js. findet in                          
Ratzeburg

für den Kreis Herzogthum Lauenburg nebst Enklaven und das Fürstenthum Ratzeburg eine

Thierschau,

verbunden mit Rennen und Ausstellung von Industrie-Gegenständen und landwirthschaftlichen Geräthen statt.

                                                    Das Thierschau-Comité.


Stadt Lübeck.

Am Jahrmarkt GROSSE TANZMUSIK. Tanzabonnement für die Dauer der Tanzmusik M. 1,50.

Restauration á la Carte.
Warme und kalte Küche.
                                                    J. H. Freitag.

NB. Meinen Garten und Kegelbahn empfehle zur Benutzung bestens.


Montag, den 24. Mai und während der Markttage:

Musikalische Vorträge

der Singspielgesellschaft Kamm aus Altona, wozu ergebenst einladet

                                                    Johs. Krüger.


Zu verkaufen eine gut milchende                          
3jährige Ziege
beim Maschinenarbeiter                                                    
                                                    Dobberstein,
                                                    Siemzerstraße Nr. 164.


10 Mark Belohnung.

Es hat Jemand vor einiger Zeit Schutt von Austernschaalen, Glas= u. Porzellanscherben, Steinkohlenschlacken u. dergleichen mehr auf meinen Iserberg abgeladen; wer mir den Thäter so nahmhaft macht, daß ich ihn zur gerichtlichen Bestrafung ziehen kann, erhält obige Belohnung. Zugleich verbiete ich alles unbefugte Betreten meines Moores, namentlich das Spielen und Umherlaufen von Kindern auf demselben, bei Strafe gerichtlicher Ahndung.
Schönberg, den 20. Mai 1886.

G. Breuel.       


Scheibenschießen Scheibenschießen

Am Sonntag, den 23. und Montag, den 24. d. M. findet bei mir ein Scheibenschießen nach guten Gewinnen statt wozu ergebenst einladet

Carlow.                                                    J. Krellenberg.

NB. Büchsen und Blei werden von mir geliefert.


Diedrich Teschau
Reparatur-, Schleif- und Polir-Werk,
Breitestrasse 24.           Lübeck.           Breitestrasse 24.
empfiehlt
in großartigster Auswahl
und altbewährter Güte
Tischmesser.
Taschenmesser.
Rasirmesser.
Scheeren.
Gärtner- und Schlachter-Artikel.
Waffen und Munition
zu außerordentlich billigen Preisen.


Einem geehrten Publikum die ergebene Anzeige daß ich den Schönberger Markt mit einer sehr großen Auswahl

Schuhwaaren
für Herren, Damen und Kinder

besuchen werde.

Mein Stand ist vor der Apotheke.
                                                    Hochachtungsvoll
                                                    J. Schleuß, Lübeck.


Das Braunbier=Lager von Herrn Langloh Schlutup ist von jetzt bei Handelsmann

A. Wieschendorff,
Siemzerthor Nr. 157 Schönberg.


Fuchs=, Iltis= und Maulwurffallen
empfiehlt                                                    
                                                    J. Ludw. D. Petersen.


Tisch= und Bankfüße
empfiehlt                                                                              
                                                    J. Ludw. D. Petersen.


Sägen
für Forst=Arbeiter mit Patentarmen, sowie auch
Brett=, Karb= u. Gruben=Sägen
hält billigst empfohlen                                                                              
                                                    J. Ludw. D. Petersen.


Restaurant
zum Deutschen Kaiser
Lübeck     gänzlich renovirt     Lübeck.
Mitte der Stadt.
Gute Küche.             Münchener Spaten.
Den geehrten Besuchern Lübecks
bestens empfohlen.


Pianinos billig baar oder Raten. Fabrik Weidenslaufer, Berlin NW.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 4]

Vom 2. Januar d. J. bis heute sind nachstehende Verluste bei unserem Verein angemeldet:
  1. Vom Hauswirth Beckmann=Cronscamp 1 Pferd M. 400.
  2. vom Hauswirth Creutzfeldt Wwe.=Niendorf 1 Kuh M. 135.
  3. vom Schmiedemeister Wendland=Selmsdorf 1 Kuh M. 100.
  4. vom Hauswirth H. Mette=Pahlingen 1 Pferd M. 150.
  5. vom Ackerbürger H. Spehr hier 1 Kuh M. 135.
  6. vom Hauswirth Törber=Vitense 1 Kuh M. 100.
  7. vom Arbeitsmann Böckel=Mechow 1 Kuh M. 135.
  8. vom Schulzen Ollmann=Schlag=Resdorf 1 Pferd M. 500.
  9. vom Arbeitsmann Robrahn=Toriesdorf 1 Kuh M. 135.
10. vom Gastwirth Michelsen=Selmsdorf 1 Kuh M. 135.
11. vom Schulzen Lühr=Lüdersdorf 1 Pferd M. 250.
12.vom Hauswirth Bade=Ollndorf 1 Kuh M. 135.
13.vom Hauswirth Lohse=Selmsdorf. 1 Pferd M. 100.
14.vom Hauswirth Fick Wwe.=Lüdersdorf 1 Pferd M. 500.
und werden unsere Jnteressenten ersucht, zur Deckung dieser Schäden einen Beitrag von 80 Pfennigen pro 100 M. Versicherungssumme am

Sonnabend, den 22. Mai Morgens 10 Uhr

im Boye'schen Gasthause hieselbst einzuzahlen.
Schönberg, den 10. Mai 1886.

Direction des Viehversicherungs=Vereins im Fürstenthum Ratzeburg.
As. Ahrendt.              Wilh. Heincke.


Frühjahrs-Saison 1886.
Wir empfehlen unser reichhaltiges Lager neuer geschmackvoller                          
Kleiderstoffe
sowie schwarzer Cachemirs, ferner:                          
Regenmäntel, Jaquetts, Umhänge
neuester Facons, dem geehrten Publikum Schönbergs und Umgegend zu bekannten billigen Preisen.
                                                    Hochachtungsvoll
                                                    Rehtwisch & Borchert.


Von hoher Regierung genehmigt!
Grosse Weimar-Lotterie.
15,000 Gewinne i. W. von
750,000 Mark.

Speziell-Gewinne i. W. von M. 60,000, 30,000, 20,000, 3 à 10,000, 4 à 5000, 7 à 3000, 8 à 2000, 27 à 1000 u. s. w.
Gegen Einsendung von 5 Mark à Loos und 30 Pf. für Porto und Liste versende Original-Voll-Loose gültig für sämmtliche Ziehungen u. s. Zt. Ziehungslisten. Geehrte Aufträge erbitte

schleunigst
A. Goldfarb. Haupt-Debit HAMBURG.
Coupons und Briefmarken nehme in Zahlung.


Böhmische
Salon= Stückkohlen

aus der bestrenommirten Zeche "Saxonia" empfiehlt für den Winterbedarf im Laufe dieses Monats ab Bahnhof zu liefern zu äußerst billigen Preisen

                                                    Aug. Spehr.


Einem geehrten Publikum von Schönberg und Umgegend die Anzeige, daß ich zum bevorstehenden Markte mit einer großen Auswahl von selbstverfertigtem

Fußzeug

kommen werde. Stand vor der Thür des Herrn Gastwirth Wieschendorf.

                                                    Achtungsvoll
                                                    Johannes Rohwedder,
                                                    aus Preetz.


Dem geehrten Publikum von Schönberg und Umgend die ergebene Anzeige, daß ich mich hier als

Schuhmacher

etablirt habe. Gut und dauerhaft gearbeitetes Fußzeug versprechend, bitte ich ein geehrtes Publikum um geneigte Aufträge.

                                                    Achtungsvoll
                                                    Wittkamp, Schuhmacher.
                                                    Siemzerstraße No. 101.


Mit meiner Wollspinnerei empfehle ich mich wiederum zum Wolle kratzen, Spinnen und Wollenzeug zu machen. Annahme für Carlow und Umgegend bei Herrn Schneidermeister Ahrend, für Selmsdorf bei Herrn Handelsmann Schlichting und können die fertigen Sachen daselbst wieder in Empfang genommen werden. Um gütigen Zuspruch bittet

                                                    H. Kollmorgen,
                                                    Wollspinnereibesitzer.

Rehna, den 10. Mai 1886.


Kirchliche Nachrichten.
Sonntag, den 23. Mai.

        Vormittagskirche: Pastor Langbein.
        Abendkirche (6 Uhr): Rector Woisin.
        Amtswoche: Pastor Langbein.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 40 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 21. Mai 1886.


- Schönberg. Nach dem uns von der Direction der Fr. Fr.=Eisenbahn übersandten, vom 1. Juni c. an gültigen Fahrplan werden alle Züge dieser Bahn hier in Schönberg halten, also auch beide Schnellzüge. Nach Mecklenburg werden die Züge nach dem neuen Fahrplane um 5,13 und 10,13 Vorm., 12,51 und 7,54 Nachm., nach Lübeck um 9,48 Vorm., 2,57, 5,35 Nachm. und 12,03 Nachts abgehen. Mit den Schnellzügen der Fr.=Fr.=Eisenbahn stehen wir in raschester Verbindung mit allen Städten Deutschlands, so z. B. sind wir mit dem Zuge 10,13 Vorm. um 11,27 in Schwerin, um 12,28 in Rostock, um 2,34 Nachm. in Neustrelitz, um 5,08 in Berlin, um 4,38 in Stettin; mit dem Nachmittags=Schnellzuge, der von hier künftig um 5,35 abgeht um 5,54 in Lübeck, 7,19 in Hamburg, 11,23 in Bremen, 7,30 Morgs. in Cöln. Wir können der Direction für diese Rücksichtnahme nur dankbar sein!
- Schönberg. Die scherzhafte Prophezeiung eines hiesigen Herrn, der wegen Einbruchs in der Postagentur zu Carlow verhaftete und im hiesigen Amtsgerichtsgefängnisse eingelieferte Pole Wladislaus Barcelowsky, werde bis Mittwoch das Weite gesucht haben, hat sich nur zu bald bestätigt. Bereits am Dienstag Mittags 12 Uhr, also 3 Tage nach seiner Einlieferung, verbreitete sich in der Stadt die Nachricht, daß dieser gefährliche Mensch aus seiner Zelle entwichen sei; er habe eine Oeffnung, durch welche der Eimer aus der Zelle nach außen befördert wird, benutzt, aus der Zelle zu kommen, sich dann hinter der Thür einer unbesetzten Zelle so lange verborgen, bis der Gefangenwärter die anderen Zellen revidirte und sich nun auf Strümpfen hinausgeschlichen. Aus der Parteienstube nahm er den Hut eines Hauswirths aus Carlow, der eben Termin hatte, und einen Stock mit; so ausgerüstet entwich er nach der Mühle zu. Die alsbald durch die Organe der Polizei angestellten Nachsuchungen hatten keinen Erfolg; aber der beherzte Bürger, von dem wir in unserer vorigen Nummer berichteten, daß er dem Gendarmen Fischer bei der ersten Festnahme dieses Verbrechers so thätigen Beistand geleistet, war während des ganzen Nachmittags in Begleitung eines Beamten thätig, in der ganzen Umgebung der Stadt alle Hecken und Büsche abzusuchen, bis beide Herren denn ihre mühevolle und strapaziöse Arbeit, die mehrere Stunden dauerte, endlich Nachmittags 4 Uhr gekrönt sahen. Sie fanden den Entwichenen in einem Weidengebüsch bei der Brücke in der Marienstraße, überwältigten ihn und führten ihn zurück in das Gefängniß. Hunderte von Menschen hatten Sich angesammelt, wie der Verbrecher gefesselt durch die Stadt geführt wurde, und diesen rief er die Drohung zu, "er werde Schönberg das gedenken", aber hoffentlich werden jetzt Vorkehrungen getroffen, daß er bis zu seiner Aburtheilung in der nächsten Strafkammersitzung des hiesigen Amtsgerichts nicht wieder entweichen kann. Dem beherzten Bürger aber, der diesen Menschen zum zweiten Male dingfest machte, und so der ganzen Stadt einen bedeutenden Dienst geleistet, haben alle Bewohner Ursache dankbar zu sein, denn noch in der Nacht wäre hier sicher irgend ein Verbrechen von ihm ausgeführt, zumal er sich in der Nähe der Stadt versteckt hatte. - Bei dem schönen Wetter scheint's den Sträflingen überall zu eng in ihren Zellen zu werden, auch aus dem Zuchthause zu Lübeck sind am 18. Abends 4 Sträflinge entwichen, von denen 2 jedoch wieder eingefangen sind. Es war eine wilde Jagd, bei der diese beiden mit einem Knittel von einem Arbeiter niedergeschlagen wurden, daß sie besinnungslos liegen blieben und so ihre Festnahme bewirkt wurde. Die beiden anderen entkamen, und ist von ihrer Thätigkeit bereits am folgenden Morgen Nachricht eingegangen, indem bei einem Hauswirthe in Hamberge in der Nacht ein Einbruch verübt wurde, wo sie Kleidungsstücke raubten und ihre Sträflingskleider zurückließen.
- Wie sich jetzt herausgestellt, ist das große Feuer in Neu=Schlagsdorf bei Schwerin, bei welchem ein Knecht sein Leben verlor, angelegt, um den Diebstahl von 2 Pferden zu verdecken. Das eine Pferd ist ein dunkelbrauner Wallach, 12-14 Jahre alt, mit kleinem Stern, das andere eine hellbraune Stute, 15-17 Jahr alt, welche mit dem linken Hinterfuß übertrat. - Auch in Dummerstorf bei Lübeck wurde ein Pferdediebstahl ausgeführt, den ein Arbeiter Walter aus Crivitz beging, der in Lübeck verhaftet wurde. Man vermuthet nun, daß dieser Arbeiter auch den Brand in Neuschlagsdorf angelegt hat, um den Pferdediebstahl zu verdecken.
- Mit einem originellen Kaufabschluß hat sich das Gericht in Hirschberg i. Schlesien nächstens zu beschäftigen. Ein Schweinehändler hatte einem Bauer 20 Schweine unter der Bedingung verkauft, daß für das erste ein Pfennig, für das zweite zwei Pfennige und für jedes nächstfolgende der doppelte Preis des vorigen gezahlt wird. Da sich der Gesammtpreis auf 10 485 Mk. 75 Pfg. stellt, weigert sich der Bauer zu zahlen.
- Für die nächsten Herbstmanöver ist Anweisung ergangen, auch in der Verpflegung den Ernstfall zu üben und die Mannschaften mehrere Tage hindurch nur mit Mehl und Konserven auszustatten. Die Verpflegung in den Ortschaften ist für diese Zeit ausgeschlossen, um die Selbstbereitung der Speisen durch die Truppen einzuüben. Bemerkenswerth ist die besondere Verfügung, die Israeliten als Lieferanten nicht anzunehmen.
- Bei der baierischen Kavallerie soll an die Stelle des bisherigen Brotbeutels ein Tränkeimer aus baumwollenem Bramtuch, welcher auch als Brotbeutel zu dienen hat, treten.
- Scheffel=Archiv. Behufs der Errichtung eines Scheffel=Archives läßt die Familie des verstorbenen Dichters auf diesem Weg an alle, welche im Besitz von Aufsätzen, Anekdoten, Gedichten etc. älteren und neueren Datums über J. V. v. Scheffel sind, die freundliche Bitte ergehen, solche gütigst der Frau v. Scheffel in Karlsruhe Baden, Stefanienstr. 16, zur Verfügung zu stellen.
- Ein Schlechtes Resultat hat die Musterung in Suhl ergeben. Von 333 Militairpflichtigen der Stadt waren nur 23 und von 250 der umliegenden Dörfer nur 40 diensttauglich.
- Die Bevölkerung der Großherzogthums Sachsen=Weimar beträgt nach der Zählung vom 1. Dezember 1885: 313,668 ortsanwesende Personen.
- Der Heidelberger Stadtrath hat das große Faß durch einen Mathematiker neu ausmessen lassen. Es hält 283,229 Flaschen.
- Johann Strauß, der Walzerkönig, ist Protestant und deutscher Staatsbürger geworden, um eine Jüdin zu heirathen. Seine Gattin, mit welcher er getraut ist, ging ihm mit einem jetzt in Berlin wirkenden Theaterdirektor durch. Strauß schloß dann einen Herzensbund mit einer Dame, die ebenfalls Strauß heißt, aber Jüdin ist, und um diese zu seinem Eheweib zu machen, hat er sich jetzt entschlossen, seinen Personalstand nach dem Kontrapunkt gründlichst zu ändern.
- Der entsetzliche Selbstmord eines Studenten erregt in Würzburg großes Aufsehen. Der Student wurde mit aufgeschlitztem Leib und schrecklich zerschnittenem Hals und Gesicht in seiner Wohnung todt aufgefunden. Man vermuthet, daß Geistesstörung die Veranlassung zu dieser schrecklichen That gewesen ist.
- Eine Liebes=Tragödie. Bei Mannheim im Sandhafener Wald hat sich am vergangenen Sonntag ein Liebespaar, guter Leute Kinder, umgebracht. Er, Gustav Peter geheißen, war 19 Jahre alt und Handlungsgehülfe, das Mädchen zählte erst 17 Jahre, war wunderschön von Gestalt und Ge=

[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 6]

sicht und trug den Namen Rosa Kögel. Die Eltern hatten in Anbetracht der Jugend der beiden ihnen verboten, mit einander zu verkehren. Doch die Liebe war mächtiger und führte beide in den Tod. Sie nahmen Gift und überdies brachte der Jüngling sowohl dem Mädchen wie sich selbst noch Schußwunden bei.
- Ein Distanze=Ritt. Zwei Offiziere vom 2. Pommerschen Ulanen=Regiment Nr. 9, der Premier=Lieutenant v. Bernstorff und der Seconde=Lieutenant v. Meerheimb, sind am 15. Mai aus ihrer Garnison Demmin in Vorpommern abgeritten und wollen die 37 Meilen lange Strecke bis Schleswig in drei Tagen zurücklegen.
- Unsinnige Wetten werden oft mit dem Tod bezahlt. Kürzlich hatte ein Arbeiter aus der Umgegend von Insterburg gewettet, zwei gesalzene Heringe ungetheilt verschlucken zu können. Mit dem ersten gelang der Versuch, der zweite Hering aber blieb stecken, führte eine Darmverschlingung und so den Tod des Arbeiters herbei.
- Ein edelsteinkundiger Kavalier, welcher den kürzlich im Palais des Fürsten Joh. Adolf Schwarzenberg in Wien stattgehabten theatralischen Wohlthätigkeitsvorstellungen beiwohnte, hat es sich bei einer derselben zur Aufgabe gemacht, eine annähernde Schätzung des Geldwerthes anzustellen, den die Damen der hohen Aristokratie mit Einschluß der Mitglieder der kaiserl. Familie an kostbarem Geschmeide an sich trugen. Er schlägt diesen Werth auf dreißig bis vierzig Millionen Gulden an.
- Ein singender Pudel, das ist die neueste Sehenswürdigkeit während der Meßzeit in Leipzig. Derselbe läßt sich im Krystallpalast hören. Was Herr Tholen, ein Ofenrohr=Euphonium=Virtuos, seinem vierbeinigen musikalischen Schüler auf der Klarinette vorträgt, singt dieser mit Geschick nach; es sind wehmutsvolle, sentimentale Triller einer Hundeseele, langgezogene musikalische Seufzer einer harmonisch austönenden Hundestimme.
- Auf den Säntis in der Schweiz soll eine elektrische Bahn von St. Gallen über Hagen, Stein und Appenzell angelegt werden. Das Baugesuch liegt bereits dem eidgenössischen Eisenbahnamt in Bern vor.
- Die Staatseinnahmen Frankreichs weisen auch im April einen Ausfall auf und zwar von 7 557 875 Fr. gegen den Voranschlag und 4 934 300 Fr. gegen 1885. In den ersten 4 Monaten ergaben die Einnahmen ein Minus von 32 950 450 Fr. gegen den Voranschlag und ein Minus von 25 286 800 Fr. gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres.
- Auch die Pariser Akademie der Wissenschaften wird einer Einladung folgen zu dem fünfhundertjährigen Jubiläum der Universität Heidelberg im August, und zwar wird sie durch den Mathematiker Charles Hermitt vertreten sein.
- Ueber die Diamanten=Erträge in Afrika schreibt der "Kimberley Daily Independent": Durch das Postamt in Kimberley sind von 1870 bis zum Ende des Jahres 1885 dem Gewicht nach 16 642 Pfund oder nahezu 7 1/2 Tonnen Diamanten befördert worden, Was eine Zahl von 28 704 000 Karats ergiebt. Rechnet man den durchschnittlichen Werth der Karat zu 30 Schillingen, so erhält man einen Gesammt=Geldwerth von 43 056 000 Pf. St. Wenn man ferner den nicht geschätzten Werth der Diamanten berücksichtigt, die nicht durch das Postamt gegangen sind, dann kann man sich eine ziemlich annähernde Vorstellung von dem Werth der "Milchkuh" machen, wie Kimberley genannt worden ist.
- In Kansas City, im Staat Missouri, hat am vergangenen Dienstag ein schrecklicher Gewittersturm gehaust. Vier Häuser und eine Schule wurden in Trümmer gelegt, wobei 20 Personen, darunter 11 Schulkinder, ihr Leben einbüßten.
- Das kommt davon! Bei den Plünderungen in Chicago machten sich die Herren Anarchisten auch über einen Droguenladen. Die Flaschen wurden herabgerissen und in der Ueberzeugung, daß es Spirituosen seien, ausgetrunken. Wie sich nun herausstellt, hat sich eine große Anzahl der nichtsnutzigen Gesellen vergiftet, denn in verschiedenen ausgetrunkenen Flaschen befanden sich Extracte der Herbstzeitlose und andere giftige Tinkturen; 8 Anarchisten sind bereits gestorben und verschiedene andere sind so schwer krank, daß sie kaum aufkommen dürften.
- In New=York wurde diese Woche unter anderen Anarchisten auch Karl Willmund, ein deutscher Sozialist, verhaftet, weil er "einen geladenen Stock und zwei Dolche trug, um sie während des Strikes zu gebrauchen. Die Polizei bezeugte, daß Willmund von Deutschland vor 5 Jahren mit Frau und 3 Kindern eingewandert sei. Kurz nach seiner Ankunft habe er seine Familie verlassen und mit einer anderen Person in New=York und Norfolk Virginia gelebt. Er ist Mitglied der Most=Partei, gegen welche der Staat Beweise sucht. Richter Smythe verdonnerte den Gefangenen mit folgenden Worten: "Vor mehreren Nächten haben Menschen von Deiner Klasse in einer Versammlung beschlossen, sich gegen die gesetzliche Autorität zu bewaffnen. Ich gebe diesem Volk durch Dich die Warnung, daß wenn einer von euch in diesem Gerichtshof für schuldig erklärt wird, er von mir keine Gnade zu erwarten hat. Ich bin verpflichtet, die Ueberschreitung unserer Gesetze streng zu bestrafen und diese Menschen zu lehren, daß unsere Kriminal=Gesetze stärker als sie sind. Sollten Deine Genossen diese Gesetze verletzen und in die Rechte der Bürger eingreifen, so werden sie sich die schärfste Strafe zuziehen. In gegenwärtigem Fall hat der Gerichtshof schuldig mit Gnade als seinen Wahrspruch ausgesprochen; ich halte das für einen Irrthum, sonst würde ich noch eine größere Strafe erkennen. Nach dem Spruch des Gerichts verurtheile ich Dich für die Zeit von 3 1/2 Jahren zu schwerer Arbeit im Staatsgefängniß." In New=York bestehen noch Strikes bei den Straßenbahnlinien. Die Eisenbahnen werden über die Strikenden siegen. Es verbinden sich jetzt viele Fabrikanten gegen die "Ritter der Arbeit", die Knights of Labor.
- Die Kur. Man sollte kaum glauben, wie besorgt mancher für seine Gesundheit ist. In einem Münchener Bierhause saßen ein paar gute ehrliche Philister bei ihren Bierkrügen. "Ja schaun's, Herr Schulze," begann der eine, "ich bin ihnen um nichts so neidig, als um ihre Gesundheit." - "Jetzt lassens mich aus mit meiner Gesundheit, Herr Müller", erwiderte ärgerlich der andere. "Wie können's mich um meine Gesundheit beneiden, an der ich das ganze Jahr herumkurieren muß? Schaun's im Frühjahr fang' ich schon gleich mit dem Salvatorbier an, alle Tage ein paar Maß, das dringt in's Blut. Nachher kommt das Bockbier, da brauch' ich die Bockkur, alle Tage 4 Seidel, aber nur in der Frühe. Darauf kommt der Brunnkreßsalat, das ist das Gesundeste für die Brust. Natürlich darf ich ihn nicht allein essen, sonst wäre er mir zu stark, ein Stück Nierenbratel und ein delikat Würstel muß ich jedesmal dazu haben. Nachher kommen die Rettige. Ich sag' Ihnen, Besseres für einen schlechten Magen giebt's gar nicht, als ein guter Rettig und ein paar Maß Bier im nüchtern Magen. Na und hernach, wenn's gar nichts solches mehr giebt, im Winter, da geh' ich halt fleißig in das Hofbräuhaus, da ist die beste Apotheke, das dürfen's glauben."
- Ein lustiges Skatgedicht mit der Ueberschrift "Ueberall Skat" bringt die "Hall. Ztg.:
        Als an das Kaspische Meer ich trat,
      Da standen drei Männer darinnen,
      Die spielten während des Badens Skat
      Und einer schien zu gewinnen.
      Der Skat dabei auf dem Wasser schwamm,
      Mir aber dünkte das wundersam.
        Und als ich kam in die Baumannshöhl'
      Da fand ich wider Erwarten
      Drei Männer unten, bei meiner Seel',
      Dasitzen über den Karten.
      Die reizten einander beim Grubenlicht;
      Ich ging davon, mir gefiel das nicht.
        Und als ich kam auf des Faulhorns Höh'
      Wohl über Klippen und Grate,
      Da fand ich drei Männer im ewigen Schnee,
      Die saßen schon lange beim Skate.
      Der Eine gab eben zum hundertsten Mal
      Da floh ich schaudernd hinab in's Thal.
        Es sitzen da im geheimen Rath
      Drei strenge Richter der Todten;
      Sie sollen's sein, doch sie spielen Skat,
      Obgleich es Pluto verboten.
      O sagt, wohin kann der Mensch noch gehn,
      Um nicht drei Männer beim Skat zu sehn?

[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 7]

- Keine Vogelbälge werden die modernen Damenhüte in der kommenden Saison zieren, sondern Blumen und Früchte. So Veilchen, Himmelschlüssel, Flieder, Rosen, Feldblumen, schwarze und rothe Johannisbeeren, Maulbeeren, rothe Kirschen etc. Das ist doch wenigstens einmal eine vernünftige neue Mode.
- Immer 'ran meine Herrschaften! Das Neueste in Damenbrochen sind lebende Käfer. Die Pariser Soubrette, mit der Zeit etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch "chic", Fräulein Anna Judic, welche eben aus Amerika nach Paris zurückgekehrt ist, hat aus dem Land der Yankees eine seltsame Damenmode mitgebracht. Unter den zahlreichen Geschenken, welche die Künstlerin von Kunstfreunden erhielt, befand sich nämlich auch ein lebendes Goldkäferchen, welches in prachtvollen Farben erglänzt und das mittelst einer besonderen Vorrichtung als Broche benützt werden kann. Das Thierchen nährt sich durch Zuckerwasser und kann mehrere Tage ohne Nahrung bleiben. Da diese mexikanische Damenmode bei den Freundinnen der Judic lebhaften Anklang gefunden hat, so wird gewiß bald ein bedeutender Käferhandel zwischen Mexico und Frankreich aufblühen.


Besondere Kennzeichen.
Kriminal=Novelle von Ludwig Habicht.
Fortsetzung.

[ => Original lesen: 1886 Nr. 40 Seite 8]

Besondere Kennzeichen.
Kriminal=Novelle von Ludwig Habicht.
[Fortsetzung.]


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