No. 30
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 13. April
1886
sechsundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1886 Nr. 30 Seite 1]

Nr. 6 des Offic. Anzeigers pro 1886 für das Fürstenthum Ratzeburg enthält in der
            II. Abtheilung:
      (1.) Bekanntmachung, betreffend Creditirung des mit Begleitschein II. überwiesenen Gefälle=Betrages bei Fristüberschreitungen.
      (2.) Bekanntmachung, betreffend Abänderungen der Postordnung.
      (3.) Bekanntmachung, die Beschädigung der Telegraphenanlagen betreffend.
      (4.) Bekanntmachung, betreffend die Beförderung von Postpacketen nach Portugal.
      (5.) Bekanntmachung, betreffend den Weltpostverein.
      (6.) Bekanntmachung, betreffend Geldsendungen nach Japan.
      (7.) Bekanntmachung, betreffend die Inkrafttretung der Zusatzbestimmungen zum Weltpostvertrage etc.


Der deutsche Reichstag genehmigte in der Donnerstagssitzung den vom Abg. Grafen Moltke eingebrachten Gesetzentwurf auf Abänderung des Militärpensionsgesetzes (Aufbesserung der Militärpension) in zweiter Lesung. Der Antrag des Abg. Junggreen auf Gleichstellung der dänischen Sprache mit der deutschen als Gerichtssprache in Nordschleswig wurde abgelehnt, eine Petition von Eisenbahnwerkstättenarbeitern auf Abänderung des Krankenkassengesetzes wurde dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen.
Während das Befinden des Kaiser Wilhelm fortgesetzt das allererfreulichste ist, ist nahezu die ganze Familie des Kronprinzen erkrankt. Die Kronprinzessin hat sich soweit von ihrem Leiden erholt, daß sie wieder Spazierfahrten unternehmen kann, dagegen sind die drei jüngsten Töchter des kronprinzlichen Paares, die Prinzessinnen Victoria, Margarethe, Sofie, und ferner der im Harz weilende Prinz Heinrich an den Masern, allerdings nicht gefährlich, erkrankt.
Im Kamerungebiet hat es neuen Lärm gegeben. Nach amtlicher Meldung beschoß das Kanonenboot "Cyklop" unter Kapitän=Lieutenant Stubenrauch den Ort Money Bimbia, landete Truppen und zerstörte die Stadt. Von den deutschen Seeleuten ist Niemand verletzt. Der Gouverneur von Soden war zugegen.
Der Skatkongreß, der gelegentlich der Allgemeinen Landesausstellung in Altenburg vom 8. bis 11. August stattfinden wird, erregt nicht blos in ganz Deutschland, sondern auch in den Nachbarländern und in fernen Welttheilen das erfreulichste Interesse. Außer unzähligen Anfragen aus dem ganzen deutschen Vaterlande, sind jetzt schon Anmeldungen eingelaufen aus den Städten Chicago und San Francisco; auch Spanier, die doch dermalen nicht besonders günstig auf Deutschland zu sprechen sind, und Italiener haben ihre Betheiligung in Aussicht gestellt.
Aus Kassel schreibt man: In unserer Gegend soll ein Goldlager entdeckt worden sein. Es sind nämlich kürzlich in der Nähe der Schieberler'schen Sandgrube auf der neuen Drusel Stücke golddurchsetzten Quarzes gefunden worden, in welcher Form das Gold fast in allen europäischen Goldgruben vorkommt, während zu gleicher Zeit in den benachbarten Flüssen das Gold in Form von Goldstaub erscheint.
Die Fürstliche Brauerei in Köstritz übersandte dem Fürsten Bismarck zu seinem Geburtstage ein Gebinde "Blume des Elsterthales."
Im Wiener Abgeordnetenhause hielt der Abg. Roser eine heftige Rede gegen das Lottospiel, das in Oesterreich ungemein verbreitet ist und dem Staate schöne Ueberschüsse liefert. Er nannte es die Hochschule für Verdummung und Aberglaube und wies darauf hin, daß die meisten Defraudanten durch das Lottospiel zu Betrügern gemacht worden seien. Trotz dieser Rede genehmigte die Kammermehrheit den Lotto=Etat.
In Pesth hat sich ein Konsortium gebildet zu dem Zweck, Militärpflichtige vom Dienste zu befreien. Die Sache ist jetzt an den Tag gekommen. Das Minimum der Taxe, welche von den Militärpflichtigen gezahlt wurde, betrug 450 Gulden. Der Schwindel wurde so betrieben, daß Militärpflichtige aus der Provinz zeitweise ihren Wohnsitz nach Pesth verlegten, wo dann an ihrer Stelle eins der untauglichen Individuen, die das Konsortium stets auf Lager hatte, der Ersatzcommission vorgeführt wurde.
Im englischen Unterhaus hat der Premier Gladstone am Donnerstag seine irischen Reformpläne entwickelt. Das Haus war dicht besetzt, die Leute waren schon um 5 Uhr früh gekommen, um sich Plätze zu sichern. Gladstone begann damit, daß er darlegte, die Zwangsmaßregeln nützten in Irland nichts mehr, es müsse eine andere Politik getrieben werden. Er schlage für Irland ein eigenes Parlament vor, das die Geschäfte der Gesetzgebung und der Verwaltung zu besorgen habe. In Sachen der Armee und Marine, der Kolonieen und auswärtigen Angelegenheiten solle das irische Parlament kein Einspruchsrecht haben. Es soll eine Doppelkörperschaft sein, die aus 2 Vertretungen bestände. Der Vizekönig würde beibehalten und sein Amt mit der neuen Regierung nicht aufgegeben werden. Die irische Polizei solle unter ihrer jetzigen Behörde bleiben, Einkommen, Zölle und Accisen sollen zu Gunsten Irlands zur Ablösung der irischen Verbindlichkeiten dienen und der Ueberschuß an die irische Schatzkammer gehen; endlich solle das irische Parlament das Recht haben, Steuern aufzuerlegen.
"Avant la bataille", das ist der Titel eines soeben in Paris erschienenen Buches, zu dem kein geringerer als Herr Dérouléde eine Revanche=Vorrede geschrieben hat. Es behandelt die französische Armee, um zu zeigen, das Frankreich nichts mehr zu fürchten brauche und daß die Deutschen kommen könnten. Der Verfasser soll ein höherer Offizier sein.
Die Kammerdebatte in Paris über die 900 Millionen=Anleihe wird wohl die ganze Woche dauern, die Annahme ist aber nach wie vor sicher. - Die Steuereinnahmen im Monat März sind um 5 Millionen geringer als im Vorjahr.
Professor Pasteur hat einen Nebenbuhler erhalten. Der italienische Kavalier de Serafini in Pisa behauptet nämlich, er heile schon seit 20 Jahren mit bestem Erfolge Wuthanfälle. Von seinen Pa=

[ => Original lesen: 1886 Nr. 30 Seite 2]

tienten sei ihm bis jetzt nur ein Kind gestorben. Aus allen Theilen Italiens kamen Gebissene zu ihm. Serafini erbietet sich den Beweis der Wahrheit anzutreten und Tausende von seinen geheilten Klienten namhaft zu machen. Sein System gedenkt er nächstens in der Kammer zur Sprache bringen zu lassen.
Sehr ungelegen kommt dem Vatikan die testamentarische Bestimmung eines Edelmanns Namens Mertini, der bei der päpstlichen Nobelgarde stand, daß seine Leichnam verbrannt werden soll. Trotz des päpstlichen Verbots hat die Feuerbestattung bereits in Florenz stattgefunden.
Nach der Meldung der radikalen "Reform" ist General van der Smissen, dessen Ankunft in Brüssel gemeldet wird, formell abberufen worden, weil er seine Vollmachten überschritt. Nach Zurückziehung des Militärs wird allgemein der Ausbruch neuer Unruhen befürchtet.
Die Sozialisten in Belgien fordern, der Staat solle alle Kohlengruben an sich nehmen und dann den Arbeitern bessere Löhne zahlen. Als bemerkenswerthes Zeichen der Zeit muß hervorgehoben werden, daß die Eigenthümer der Kohlengruben ihre Werke hergeben wollen, falls der Staat nur die Maschinen bezahlen und die aufgewendeten Kapitalien zurückerstatten will.
Da zu befürchten steht, daß viele der in Folge der anarchistischen Vorgänge in Belgien brodlos gewordenen Glas= und Grubenarbeiter sich nach der Schweiz wenden werden, hat der Bundesrath in seiner letzten Sitzung beschlossen, den schweizerischen Generalkonsul in Brüssel mit dem Erlaß einer Bekanntmachung zu beauftragen, welche jene Leute vor einem solchen Schritte warnt. Statt das gehoffte tägliche Brod zu finden, würden sich dieselben damit in das größte Elend stürzen, da die Schweiz von Arbeitern dieser Sorte noch an das Ausland abgeben könnte.
In der rumelischen Frage zeigt sich ein Lichtstrahl. Fürst Alexander von Bulgarien ist, wie aus Sofia gemeldet wird, bereit, die fünfjährige Ernennung zum Generalgouverneur von Rumelien, welche die Botschafterconferenz in Constantinopel beschlossen hat, anzunehmen und sich stillschweigend zu fügen. Damit wird den Russen jede Gelegenheit zu Okkupationsgelüsten genommen. Wahrscheinlich wird aber der Konferenzbeschluß der bulgarischen Nationalvertretung zur Kenntniß unterbreitet werden. Fürst Alexander thut das Klügste, was geschehen kann. Die fünf Jahre sind bald herum, und dann kann er fordern. Diese Aussicht wird ihm über den Aerger, welchen die nächste Zukunft bringt, hinweghelfen.


- Wie verlautet, werden die diesjährigen Detachements= und Brigade=Uebungen der 33. Brigade (75. und 76. Infanterie=Regiment, Wandsbekr Husaren, 2. Abtheilung Holsteinischen Feld=Artillerie=Regiments Nr. 24) voraussichtlich zwischen Mölln und Breitenfelde abgehalten werden.
- Die mecklenburgische Regierung hat in dankenswerther Förderung wissenschaftlicher Bestrebungen dem Prof. Tr. Uffelmann den Auftrag gegeben, sich über die Pasteur'schen Schutz=Impfungen gegen die Hundswuth an Ort und Stelle zu informiren, und hat zu diesem Zwecke 600 M. bewilligt. Der genannte Gelehrte benutzt die gegenwärtigen Universitätsferien zur Erfüllung seines Mandates.
- Der Post muß ausgewichen werden. Häufig wird Zweifel darüber erhoben, ob Fuhrwerke verpflichtet sind, der Kaiserlichen Post auszuweichen. Die Frage ist zu bejahen, denn im §. 19 des Reichspostgesetzes vom Jahre 1871 heißt es: "Jedes Fuhrwerk muß den ordentlichen Posten, Extraposten, Kurieren und Estafetten auf das übliche Signal ausweichen. Bei Zuwiderhandlungen ist eine Strafe von 10 Sgr. bis zu 10 Thalern verwirkt."
- Der Senior der Ritter des eisernen Kreuzes aus den Jahren 1813/15, der Generalmajor Perle, ist am Montag früh in Berlin im 90. Lebensjahr gestorben. Es werden nach ihm nicht mehr viele Veteranen aus jener Zeit in gleich hohem Alter am Leben sein.
- Mit unerhörter Ruchlosigkeit ist in einer der letzten Nächte in Chemnitz auf dem alten Friedhofe eine Familiengruft geschändet worden, und zwar höchst wahrscheinlich zu dem Zwecke, die dort beigesetzten Leichen zu berauben, oder einen Racheakt niedrigster Art gegen die noch lebenden Verwandten der Beigesetzten auszuüben. Der Friedhofsaufseher fand die Gruft erbrochen, den Sarg eines vor drei Jahren verstorbenen Kindes zertrümmert, die Leiche herausgenommen und gegen die Kirchhofsmauer gestellt, der Kopf war abgefallen und lag daneben. Die ruchlose That macht um so mehr Aufsehen, da erst am Nachmittage zuvor ein gleichfalls von frevler Hand verübter Grasbrand auf dem Friedhofe stattfand.
- In Mödlareuth Bayer. Antheils (1/2 Stunde von Gefell entfernt) schoß der Gutsbesitzer Glück am Sonnabend seine junge Frau, als ihm dieselbe wegen schlechter Behandlung eines Zugthieres Vorwürfe machte, mit einem Terzerol in den Unterleib und versuchte sodann sich durch einen Schuß in die Brust zu tödten. An dem Aufkommen der Frau wird gezweifelt. Um so roher erscheint die teuflische That des Menschen in Hinsicht des Umstandes, als das erst 14 Tage alte Kindchen Tags darauf getauft werden sollte.
- Der Congreß sämmtlicher Kegler Deutschlands, der, wie schon früher gemeldet, in diesem Sommer zu Berlin stattfinden soll, wird am 19. Juni abgehalten. Ein Preiskegelfest soll den Glanzpunkt bilden.
- In Folge der belgischen Unruhen haben viele Eltern in der Rheinprovinz, welche ihre Töchter in belgischen Klosteranstalten erziehen ließen, dieselben zurückberufen.
- Wie man aus Triest vom 6. April meldet, ist der englische Dampfer "Marsfield" circa 40 Meilen vom Cap Perpetuo leck geworden und versunken. Bis auf zwei Matrosen sind alle an Bord gewesenen Personen ertrunken.
- Ueber eine Theater=Panik wird aus Rom vom 4. d. gemeldet: Während der gestrigen Vorstellung im Teatro Quirino, wo gegenwärtig die Operetten=Gesellschaft Tanti gastirt, schlugen während des Zwischenaktes nach dem dritten Akte der Operette "Kakadu" bei herabgelassenem Vorhange aus den geöffneten Versenkungen auf der Bühne plötzlich Flammen hervor. Auf der von vielen Personen besetzten Bühne entstand nun eine fürchterliche Panik, die Theaterbesucher Stürzten nach den Ausgängen, wo ein gefährliches Gedränge entstand. Unterdessen hatten Feuerwehrmänner das Feuer auf der Bühne schon gelöscht und es gelang denn auch, das Publikum allmählig zu beruhigen. Ernstere Verletzungen sind nicht zu beklagen. Einige Besucher erlitten Quetschungen und leichtere Verwundungen während des Gedränges bei den Ausgängen. Das Feuer entstand durch das Platzen eines Gasrohres unterhalb der Bühne.
- Ein reicher Pfarrer ist am 31. März in London gestorben. Er hieß Graystone und hat an der Stätte seiner Wirksamkeit, in Tankorton Castle Besitzungen im Werth von 4 Millionen Pfund Sterling, also 80 Millionen M. hinterlassen. Wie viele von unseren deutschen Pfarrern würden auf diesen einen englischen gehen?
- Ein Ochsenriese. Der berühmte Preisochse vom Innsbrucker Festschießen wird noch immer gemästet und nimmt, wie der Tiroler Grenzbote schreibt, noch immer an Umfang und Gewicht zu. Derselbe steht gegenwärtig im Stall des Herrn Gaisreuther in Holzkirchen und zieht wegen seines riesigen Gewichtes viele Beschauer an. Zu Ostern kommt der Koloß ins Schlachthaus nach München.


Anzeigen.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Konkursverfahren über das Vermögen des Oelmüllers A. Capell zum Hammer nach geschehener Vertheilung der Masse nunmehr beendigt ist.
Schönberg, den 7. April 1886.

Großherzogl. Amtsgericht.
G. Horn.

A. Dufft.       


Antragsmäßig soll über die zu Schaddingsdorf sub. No. 6 belegene Büdnerstelle c. p. des Müllers

[ => Original lesen: 1886 Nr. 30 Seite 3]

Friedrich Ahrendt von dort ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle Diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstück zu haben vermeinen und deren Eintragung in das niederzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf

Sonnabend, den 3. Juli d. J.,
Vormittags 10 Uhr

peremtorisch und unter dem Nachtheil hiemit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht gesetzlich nicht ausgenommenen Realrechte an dem proclamirten Grundstücke sowohl gegen den jetzigen als auch die zukünftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Meldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubiger, welche ihre Forderungen auf einem, mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidations=Termin ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichnenden Postenzettel vollständig und richtig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 6. April 1886.

Großherzoglich Amtsgericht.
G. Horn.

A. Dufft.       


Eichen=Lohrinden=Auction.

Am Mittwoch, den 21. April, Morgens 10 Uhr, sollen in Kösters Hotel hieselbst die Eichen=Lohrinden in nachbenannten Hölzungen der Oberförsterei Schönberg zur Selbstgewinnung meistbietend verkauft werden.

1. Im Rupensdorfer Holze:

Die Rinden von 60 Stück älteren, mitteljährigen Eichen und Stangenhölzern.

2. Im Kleinfelder Zuschlage:

Desgl. von 80 Stück mitteljährigen Eichen.

3. Im Sülsdorfer Zuschlage:

Desgl. von 50 Stück älteren Eichen.

4. Im Pellmoor:

Desgl. von 77 Stück älteren und mitteljährigen Eichen.

5. Im Cronscamper Zuschlage:

Desgl. von 35 alten Eichen.

6. Im Mannhäger Zuschlage:

Desgl. von 117 Stück älteren und mitteljährigen Eichen.
      Die Reflectanten erhalten nähere Auskunft über
sub 1 vom Oberförster Hottelet-Schönberg.
sub 2 u. 3 vom Förster Polle zu Hohemeile.
sub 4 vom Forstaufseher Radloff zu Lüdersdorf.
sub 5 vom Förster v. Wenckstern zu Carlow.
sub 6 vom Förster Solvie zu Mannhagen b. Mölln i/L.
Schönberg, den 11. April 1886.

                                                    Der Oberförster
                                                    C. Hottelet.


Oeffentliche Versteigerung.

Am Montag, den 19. April d. J. Vormittags 9 Uhr, sollen im Gastwirth Boye'schen Locale hieselbst, verschiedene Sachen, als:

Mobilien aller Art auch Betten, Silber=, Alfenide=, Porzellan= und Glassachen, 1 Tafelaufsatz, 1 Kronleuchter, 1 goldene Herrn=Ankeruhr und vieles mehr
öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden.
Schönberg, den 1. April 1886.

Staffeldt, Gerichtsvollzieher.       


Schul=Anzeige.

Der Sommerkursus an der hiesigen Mädchenschule beginnt am Donnerstag, d. 29. April um 7 Uhr morgens. Die Aufnahme in die Elementarklasse findet an demselben Tage um 9 Uhr vormittags im Mädchenschulhause statt. Sämmtliche neu eintretenden Schülerinnen haben einen Impfschein, die nicht in Schönberg geborenen außerdem noch ihren Geburtsschein mitzubringen.
Schönberg, den 12. April 1886.

Rektor Woisin.       


Die Unterzeichneten haben beschlossen in Schönberg eine Genossenschaftsmeierei zu gründen und fordern hierdurch die Hauswirthe der angrenzenden Ortschaften auf, sich dieser Vereinigung anzuschließen. Zu diesem Zwecke ist eine Versammlung am

Donnerstag, den 15. d. Mts.
4 Uhr Nachmittags

im Boye'schen Gasthause angesetzt.
Schönberg, den 8. April 1886.

Schulze H. Lenschow Gr. Bünsdorf, Schulze P. Grevsmühl Retelsdorf, Hauswirth Burmeister Retelsdorf, Hauswirth Bohnhoff Retelsdorf, Hauswirth P. Ahrendt Sabow, Hauswirth H. Maaß Mahlzow, Pächter Ditmann Kleinfeld, Pfarrpächter A. Utermöhl Schönberg, Hauswirth Oldenburg Blüßen, Hauswirth Siebenmark Blüßen, Hauswirth A. Ahrendt Gr. Siemz, Hauswirth H. Lohse Gr. Siemz.


Schmiede u. Schlosserinnung.

Versammlung am 27. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr; die Mitglieder werden ersucht, ja recht zahlreich zu erscheinen.

Tagesordnung:

Einzahlung des Jahresbeitrages, sowie Besprechung über Verbandsanschluß.
Die Statuten liegen beim Schriftführer zur Abholung bereit. Etwaige Anmeldungen zur Lehrlingsprüfung sind baldigst zu machen.

Der Vorstand.       


Fechtschule Schönberg i/M. No. 11051.
Am Freitag, den 16. d. Mts.,
"Fechtabend"
im Boye'schen Gasthause.
Anfang präcise 8 Uhr. Um recht zahlreichen Besuch bittet

Der Fechtmeister.       


Deutscher Kunst-Verein
(Carl Grunert)
Berlin, S. Kommandanten.Str. 45.
Oelgemälde - Oeldruckbilder.
Prospect' und illustrirter Catalog
kostenlos - postfrei.


Ausverkauf.

Nachdem ich mein Putzgeschäft in Lübeck aufgegeben, bin ich Willens sämmtliche Artikel, wie garnirte und ungarnirte Strohhüte, Blumen, Federn, Agraffen, seidene Bänder und weiße Spitzen zu bedeutend billigen Preisen unter der Hand zu verkaufen.

Garnirte Strohhüte

schon von 2 Mk. an.

                                                    Agnes Reinhold.
                                                    Im Hause der Wwe. Tischlermeister Fick.


Das grosse
Bettfedern-Lager
William Lübeck in Altona.

versendet zollfrei gegen Nachnahme (nicht unter 10 Pfund) gute
neue Bettfedern für 60 Pfg. d. Pfd.
vorzüglich gute Sorte 1,25 Pfennig (Mecklenburg). d. Pfd.
Prima Halbdaunen 1,60 Pfennig (Mecklenburg). d. Pfd. und 2 M. d. Pfd.
Bei Abnahme v. 50 Pfd. 5 % Rabatt.


7 Wochen alte, gut genährte                                                    
Ferkel
hat zu verkaufen.                                                    
                                                                              C. Buchholz.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 30 Seite 4]
Mecklenburgische Pferde-Loose nur
1
Mark
11 Loose für 10 M.
XVI. Große
Mecklenburgische Pferde-Verloosung
Ziehung am 19. Mai d. J. 3 Equipagen (Vierspännige u. Zweispännige) im Werthe von 10,000 Mk., 4500 Mk., 1650 Mk.,
sowie
73 edle Reit= und Wagenpferde
im Gesammtwerthe von
64,094 Mark und 1020 sonstige werthvolle Gewinne.
Mecklenburgische Pferde-Loose à 1 Mark 11 Loose für 10 Mark
sind, so lange der Vorrath reicht, zu haben in den durch Placate kenntlichen Verkaufsstellen und zu beziehen durch
                          F. A. Schrader. Hauptagent,
                          Hannover, Gr. Packhofstraße 29.
                          (Für Porto und Gewinnliste sind 20 Pfg. beizufügen.)


Frühjahrs-Saison 1886.
Wir empfehlen unser reichhaltiges Lager neuer geschmackvoller                          
Kleiderstoffe
sowie schwarzer Cachemirs, ferner:                          
Regenmäntel, Jaquetts, Umhänge
neuester Facons, dem geehrten Publikum Schönbergs und Umgegend zu bekannten billigen Preisen.
                                                    Hochachtungsvoll
                                                    Rehtwisch & Borchert.


Wiesen=Eggen
von 30 Mark an;                                                    
3- und 4schaarige Pflüge,
bester Construktion,
sowie                                                                 
Säemaschinen aller Art,
bei                                                    
                                                    Ludw. Warncke,
                                                    Mölln i. Lbg.


Restaurant
zum Deutschen Kaiser
Lübeck     gänzlich renovirt     Lübeck.
Mitte der Stadt.
Gute Küche.             Münchener Spaten.
Den geehrten Besuchern Lübecks
bestens empfohlen.


Böhmische
Salon=Stückkohlen
ab Bahnhof zu liefern empfiehlt billigstens                          
                                                                              Aug. Spehr.


Eine Etagen=Wohnung

von 6 Zimmern habe im Ganzen oder getrennt zu Michaelis zu vermiethen.

Tuchmachermeister Voss.       


Eine gut erhaltene brauchbare                          
Häcksellade
hat billigst abzugeben                                                    
                                                                              A. Lenschow-Schönberg.


Zu Hof Lockwisch wird zu Ostern d. J. ein tüchtiger Arbeiter in Wohnung gesucht.


Gesucht zum 1. Mai ein
Mädchen,
das auch kochen kann.                          
                                                    Joh. Boy,
                                                    Lübeck, Mauer b. d. Krähenstr. 84.


Alles Betreten unserer von Herrn Th. Fick gepachteten Gärten, sowie das Beschädigen des sich darin befindlichen Erlen=Holzes verbieten wir hiermit bei Strafe gerichtlicher Ahndung. Wir haben mehrere anwohnende Bürger beauftragt uns Zuwiderhandelnde anzuzeigen.

J. Frentz                                                                               J. Wulff.


Heute Nachmittag 4 Uhr entschlief nach schwerem Krankenlager, in seinem 82. Lebensjahre mein lieber Mann und meiner Kinder liebevoller Vater der Maurer J. Lenschow, tiefbetrauert von den Hinterbliebenen. Dies zeigt tiefbetrübt an

Cathr. Lenschow geb. Eckmann.

Schönberg, den 10. April 1886.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 15. d. Nachmittags 2 Uhr statt.


Allen Denen, die meinen lieben Mann und unseren guten Vater zu seiner letzten Ruhestätte begleiteten und seinen Sarg so reich mit Kränzen schmückten, sagen wir unseren innigsten Dank.

                                                    Chr. Creutzfeldt
                                                    und Kinder.

Schönberg i. M., den 10. April 1886.


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Hierzu eine Beilage.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1886 Nr. 30 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 30 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
(Schönberger Anzeigen.)
Schönberg, den 13. April 1886.


- Ueber die Bärenjagden des Prinzen Wilhelm in Nieswincz bringt jetzt der Oberschlesische Anzeiger einen ausführlichen Bericht eines Forstbeamten des Fürsten Anton Radziwill. "Jetzt ist in Litauen nur Eine Stimme", heißt es darin: "Prinz Wilhelm ist znah, d. h. tapfer bis zur Verwegenheit." In den fürstlichen Forsten von 1,2 Millionen Morgen Fläche waren 23 Bären fest, die gejagt werden sollten. Prinz Wilhelm schoß den ersten Bären am zweiten Tag, 4. Februar. Er war der stärkste, der je dort vorgekommen ist. Eine Meute von 10 Koppeln Bracken brachte ihn und griff ihn muthig an. Gelang es ihm, einen Hund zu packen, so nahm er ihn zwischen die Pranken, rollte ihn ein wenig und schleuderte ihn dann unter die Meute, wo er mit zerbrochenen Rippen liegen blieb. Drei Hunde waren schon todt, da kam der Bär, im höchsten Grad wüthend, dem Prinzen in den Schuß. Es krachte, und der Bär lag wie vom Blitz getroffen da, so meisterhaft geschossen, wie es nur bei größter Ruhe und Fertigkeit möglich ist. Den dritten Tag war Jagd auf eine starke Bärin mit Jungen. Sie lag auf einem kleinen Hügel, der undurchdringlich mit Eichengestrüpp bewachsen war, rings umgeben von Sumpf, Weiden und Schilf. Der quellige Boden war nur stellenweise festgefroren, so daß man alle paar Schritte einbrach. Prinz Wilhelm beschloß, die Bärin in dem Lager anzugreifen, und ging in Begleitung von vier Jägern auf das Lager los. Doch die Bärin zog sich zurück und so nahm der Prinz die Jungen vom Lager, die Büchse in der einen Hand schußfertig. Einige Augenblicke darauf brachten die Hunde die Bärin, welche der Prinz schoß, daß sie sich überschlug. Der Prinz befahl nun, die jungen Bären nach Berlin zu nehmen, und befolgte die Landessitte, welche darin besteht, daß, wer die Bärin schießt, ihre Jungen aufzieht. Die Bauern", heißt es in dem Bericht weiter, "segnen den Prinzen, daß er sie von den Bären befreit hat; denn die Bären im Deniskowitzer Revier haben 35 Stück Hornvieh geschlagen und über 50 Bienenstöcke zerstört; auch machten sie großen Schaden im Getreide. Die Jagd erforderte 150 fürstliche Jäger, täglich über 1500 Bauern zum Treiben, 2 Isprawniks und 5 Bezirkspolizisten. Um zu beurtheilen, was verzehrt wurde, wird bemerkt, daß der 1200 Pfund schwere Elchhirsch in 1 1/2 Tagen von der Dienerschaft aufgegessen war. Von den Jagden soll ein großes Gemälde hergestellt werden."
- Vor siebenhundert Jahren. Es wird einem ganz eigen zu Muth, wenn man in des Schulmeisters Johannes Binhard "Thüringischen Chronica" das Folgende liest: "Anno 1186 ist ein groß, geschwind pestilenzisch Sterben erfolgt: dazu denn auch groß Ursach gab der warme und linde Winter; denn es war bald im Anfang des neuen Jahres so schönes warmes Wetter, daß die Bäume im Jännern anfingen zu blühen und im Hornung waren die Aepfel abereit so groß wie ziemlich welsche Nüß. Gleichergestalt blühet der Wein und das Getreidich auch gar zeitlich und weil keine Kälte noch Frost darauf erfolget, sondern immer ein fein beständig fruchtbar Wetter bliebe, war es der Früchte halber ein sehr gutes Jahr. Im Maimonden war Ernte in Thüringen, da man doch Sonsten kaum im Ausgang des Monden Juli pflegt an den Schnitt zu gehen. Um St. Sixtus=Tag, im Anfang des Augustmonats, hatte man allenthalben, wo nur Weinwuchs war, neuen Most und war Korn und Wein dieses Jahr im Ueberfluß."
-Wie aus Burgdorf in der Schweiz berichtet wird, hat sich dort in den Papieren eines Freundes des verstorbenen Max Schneckenburger das Manuskript des Gedichtes: "Die Wacht am Rhein", vorgefunden. Dasselbe ist, obwohl ohne Datum und Unterschrift, ohne allen Zweifel vom Verfasser selbst geschrieben und darf somit als Original betrachtet werden. Das Manuskript befindet sich bei Herrn Alt=Stadtschreiber Schnell in Burgdorf in Verwahrung, welcher ermächtigt ist, dasselbe vorzuzeigen und vielleicht auch zu veräußern. Der 1849 verstorbene Dichter hat als Theilhaber eines Geschäfts in Burgdorf lang gelebt und auf dem dortigen Kirchhof seine letzte Ruhestätte gefunden. Wenn es verkäuflich ist, sollte die deutsche Regierung zugreifen!
- Bescheidener Wunsch. Major: "Du bist ein stattlicher Bursche, kannst beim Militär Dein Glück machen. Zu welcher Truppengattung möchtest Du wohl eingereiht werden?" Rekrut: "Na, wenn ich bitten darf, ich thät' am liebsten zu die Urlauber kommen!"


Besondere Kennzeichen.
Kriminal=Novelle von Ludwig Habicht.
Fortsetzung.

[ => Original lesen: 1886 Nr. 30 Seite 6]

Besondere Kennzeichen.
Kriminal=Novelle von Ludwig Habicht.
[Fortsetzung.]


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