No. 83
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 21. Oktober
1884
vierundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1884 Nr. 83 Seite 1]

Bekanntmachung.

      In Gemäßheit des Publikandi Großherzoglicher hoher Landesregierung vom 11. d. Mts., betreffend die Reichstagswahl, wird hiedurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das hiesige Amtsgebiet mit der Mühle, der hiesige Bahnhof, sowie der Bauhof Schönberg mit der Feldziegelei zum

2. Wahlbezirke

gehören und für denselben

der Schulze Burmeister zu Kleinfeld zum Wahlvorsteher, und
der Mühlenpächter G. Creutzfeldt hieselbst zum Stellvertreter
ernannt sind.
Zum Wahllokal ist

der Köster'sche Gasthof hieselbst

bestimmt; der Wahltag ist auf den 28. d. Mts. festgesetzt und beginnt an demselben die Wahlhandlung Vormittags 10 Uhr und wird Nachmittags 6 Uhr geschlossen.
      Schönberg, den 13. October 1884.

Großherzoglich Mecklenb. Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
von Dewitz.


Nr. 21 des Offic. Anzeigers pro 1884 für das Fürstenthum Ratzeburg enthält in der
   2. Abtheilung:

(1.) Bekanntmachung, betr. die Reichstagswahl.
(2.) Bekanntmachung, betr. die zehnjährigen Durchschnittspreise des Liquidationsjahres 1. April 1884/85 für Landlieferungen.


Die erste Sitzung des neu ernannten Staatsrathes soll am 25. ds. unter dem Vorsitze des Kronprinzen im königlichen Schlosse zu Berlin stattfinden.
Kronprinz Rudolf ist am 15. ds. in Berlin eingetroffen, um sich mit dem Prinzen Wilhelm nach Ostpreußen zur Elchjagd zu begeben. (Der Elch oder Elenthier ist eine riesige, in Deutschland bis ins Mittelalter hinein sehr häufig vorkommende, jetzt aber bis auf einen Bestand von etwa 100 Stück in einem Forst bei Memel ausgestorbene Hirschart. Das Thier, das sich besonders durch die Plumpheit und Häßlichkeit seines Kopfes auszeichnet, wird bis 800 Pf. schwer).
Ende dieses oder Anfang nächsten Monats wird in Berlin eine Conferenz zur Regulirung der Congoangelegenheit zusammentreten. Gegenstände der Berathung sind : 1) Handelsfreiheit im Becken und an den Mündungen des Congo; 2) Anpassung der Bestimmungen des Wiener Vertrages über die freie Schifffahrt auf den internationalen Strömen, auf dem Congo und dem Niger, und 3) Feststellung der Formalitäten, welche nöthig sind, damit neue Besitzergreifungen an den afrikanischen Küsten als vollendete Thatsachen angesehen werden können. Der Standart meint, das Zustandekommen der Conferenz setze eine Einigung des Fürsten Bismarck mit den betheiligten Mächten voraus, denn der Reichskanzler sei ein solcher Narr (wörtlich) der sich in unfruchtbare Erörterungen einlasse, zumal er durch das Fehlschlagen der Londoner Conferenz gewitzigt sei (aha!). Im übrigen zeigt sich die englische Presse ziemlich widerwillig gegen die Conferenz. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung theilt in einem hochofficiösen Artikel mit, daß die beteiligten Mächte der Conferenz lebhaft zugestimmt hätten.
Am 9. ds. waren es 10 Jahre seit der Generalpostmeister Stephan den Weltpostverein ins Leben gerufen. Eine große Anzahl von Glückwünschungen, zum Theil in Versen, trafen an diesem Tage im Reichspostamte zu Berlin für Stephan ein.
In Berlin gibt's 283,818 eingeschriebene Reichstagswähler.
Schloß Augustenburg, das wieder in den Besitz der Herzöge von Schleswig=Holstein=Sonderburg=Augustenburg übergehen soll, hat eine Zeitlang als Infanteriekaserne gedient. Jetzt besteht darin ein Lehrerinnen=Institut.
In Paris erscheinen gegenwärtig 56 politische Zeitungen mit einer täglichen Auflage von stark 1 1/2 Millionen Exemplaren, wovon auf die republikanischen 1 200 000, auf die antirepublikanischen 340 000 kommen. Ministeriell republikanische Blätter gibt es 12, unabhängig republikanische 10, radicale 12, communistische und anarchistische 6, bonapartistische 6, royalistische 8, ultramontane 3.
Das Goldland Australien ist nun auch zu einem Silberland geworden. Unter 32 Grad südlicher Breite und 142 Grad östlicher Länge sind auf einem 90 Kilometer langen und 45 Kilometer breiten Gebiet sechzig reichhaltige Silberadern entdeckt worden. Sie liegen zum Theil in Südaustralien, zum Theil in Neu=Süd=Wales, etwa 350 Kilometer von Port Augusta entfernt.


Schönberg, den 19. October. Der Kriegerverein für das Fürstenthum Ratzeburg feierte am 17. ds. den Geburtstag seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs mit einem Kommers im Boye'schen Saale. Durch das am Nachmittage und Abend herrschende Unwetter wurden viele der Mitglieder, besonders vom Lande abgehalten, sich zu dieser Feier einzufinden. Doch war die Stimmung unter den etwa 60 erschienenen Kameraden, durch Toaste, Musik= und Gesangvorträge belebt, eine recht ge=

[ => Original lesen: 1884 Nr. 83 Seite 2]

hobene. Man beschloß, ein Glückwunsch=Telegramm an Se. Königliche Hoheit den Großherzog zu senden. Von Allerhöchstdemselben ist nun gestern auf telegraphischem Wege folgende huldvolle Antwort eingetroffen:
Dem Kriegerverein in Schönberg M.: Freundlichen Dank für die in Treue und Anhänglichkeit Mir dargebrachten Glückwünsche.
Großherzog.
Schönberg. Der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde hier am Freitag in festlicher Weise begangen. In der Real= wie auch in der Mädchenschule fanden am Vormittage Andachten und Redeakte statt, während für den übrigen Tag der Unterricht ausfiel. In Spehr's Hotel hatten sich verschiedene Herren der Stadt und vom Lande zu einem Abendessen vereinigt, der Kriegerverein feierte den Geburtstag des Landesherrn in seinem Vereinslokal durch einen Kommers und in allen übrigen öffentlichen Lokalen waren die Gäste noch bis spät in der Nacht vereinigt, um ihrer Anhänglichkeit an den geliebten Landesherrn Ausdruck zu geben.
- In Berlin wurden im Jahre 1883 nach den amtlichen Feststellungen 12 252 Ehen geschlossen; von den Männern heiratheten 10 557 Junggesellen, 1396 Wittwer und 299 waren von erster Frau geschieden; von den Frauen waren 11 174 Jungfrauen, 818 Wittwen und 260 Geschiedene.
- In einem Teiche bei Stralsund wurde dieser Tage ein 5 Fuß langer Alligator in erstarrtem Zustande gefunden. Das Thier rührt jedenfalls aus einer Menagerie her, der es entsprungen ist.
- An 7000 Menschen hat die Cholera bereits in Neapel hingerafft. Neuerdings hat die Krankheit wieder zugenommen, man glaubt infolge von Genuß neuen Weines.
- Die erste Schuhmacherstadt der Welt ist Lynn im nordamerikanischen Staate Massachusetts. Es sind dort etwa 330 Fabriken im Gang, die etwa 18 000 Arbeiter beiderlei Geschlechts beschäftigen. Der Stapelplatz für die Schuhwaaren ist Boston, das jährlich 55 Millionen Paar versendet.


Blind und doch sehend.
Ein junger Arzt.
[Erzählung.]
[Fortsetzung.]

[ => Original lesen: 1884 Nr. 83 Seite 3]

Blind und doch sehend.
Ein junger Arzt.
[Erzählung.]
[Fortsetzung.]


Anzeigen.

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das Vermögen des zu Schlagsdorf verstorbenen Tischlers Hans Joachim Christoph Leetz wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.
Schönberg, den 16. October 1884.

Das Großherzogliche Amtsgericht.
Dr. jur. E. Hahn.

W. Wetzel.       


Unter Hinweis auf die regiminelle Bekanntmachung vom 11. October d. J., betreffend die Reichstagswahl, machen wir hiedurch bekannt, daß im 1. Wahlbezirk des Fürstenthums Ratzeburg (Stadt Schönberg mit der Ziegelei auf der Stadtfeldmark) der Kaufmann Asmus Wigger zu Schönberg zum Wahlvorsteher und der Kaufmann J. L. D. Petersen zu Schönberg zum Vertreter des Wahlvorstehers ernannt worden sind. Die Wahl geschieht am 28. October 1884 im Gastwirth Boyeschen Gasthaufe während der Zeit von Vormittags 10 Uhr bis Abends 6 Uhr.
Schönberg, den 16. October 1884.

Der Magistrat.


Inhaber der Policen aus den Jahren 1880 und 81, welche ihre dreimaligen gewöhnlichen Beiträge zur Vereinskasse geleistet haben (§ 14 der Statuten) sind in diesem Jahre wiederum frei von gewöhnlichen Beiträgen. Auch zur Erhebung eines außerordentlichen Beitrags liegt zur Zeit keine Veranlassung vor.

Der Vorstand des Mecklenburgischen Feuerversicherungsvereins für Kirchendiener und Forstbeamten.


Es werden sämmtliche Meister unserer Zunft freundlichst ersucht, zu der am 21. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr, abzuhaltenden Versammlung, zwecks Beratung der neuen Statuten, pünktlich zu erscheinen.
Schönberg, den 17. October 1884.

Die Aelterleute der Schmiede= und Schlösserzunft.


Gesangverein Teutonia.

Dienstag, den 21. Oktober findet im Vereinslokal (J. Boye) ein

Ball

statt. Anfang: Abends 7 1/2 Uhr. Einführungen gestattet.

Der Vorstand.       


Der Herr Gutsbesitzer

Pogge auf Blankenhof

schreibt mir, daß er am Sonntag, den 26. October d. J. hier eintreffen und um 4 Uhr Nachmittags im Hause des Ackerbürgers Boye hieselbst seinen Wählern Bericht abstatten werde über die Reichstags=Verhandlungen der letzten Jahre.
Schönberg, den 16. October 1884.

Kindler.       


Mittwoch den 29. d. M. fahre ich mit meinem Omnibus zum

Ratzeburger Viehmarkt

Abfahrt von hier 5 1/2 Uhr, der Neuenwelt 7 Uhr.

Schütt.       


[ => Original lesen: 1884 Nr. 83 Seite 4]

Wegen Aufgabe meines Geschäftes:
Gänzlicher Ausverkauf
meines Leinen= und Holländisch=Waaren=Lagers.
Lübeck, Obere Johannisstr. 7.                                                    J. H. v. Borries.


Für Hagelschaden haben wir in diesem Jahre zu vergüten:
1) an Hausw. Heinr. Lenschow in Sabow 544 M.
2) an Hausw. Joch. Lenschow daselbst 217 M.
3) an Hausw. P. Ahrendt daselbst 334 M.
4) ab Hausw. A. Ahrendt in Gr. Siemz 307 M.
5) an Frau Wittwe Hagen in Rupensdorf 156 M. 25 Pfennig.
Zur Deckung dieser Schäden und Verstärkung des Reservefonds vernothwendigt sich ein Beitrag von 30 Pfennig pro 100 M. Versicherungssumme und werden unsere Mitglieder ersucht, solchen Beitrag

am Dienstag, den 4. November cr.,
Morgens 10 Uhr,

im Boye'schen Gasthause hieselbst einzuzahlen.
Unser bis jetzt bei der hiesigen Ersparniß= u. Vorschußkasse belegter Reservefonds beträgt 15,200 M.
Schönberg, den 20. October 1884.

Direction der Hagelversicherungs=Gesellschaft im Fürstenthum Ratzeburg.
J. Kröger-Lockwisch.       Wilh. Heincke.


Stadttheater in Lübeck.

Die unterzeichnete Direction beabsichtigt bei genügender Betheiligung im Laufe der Wintersaison 1884/85 am Sonnabend für auswärtige Theaterbesucher mindestens

10 Nachmittags=Vorstellungen

zu geben, in denen zumeist klassische Stücke, aber auch die hervorragendsten Novitäten aus dem Gebiete des Schau= und Lustspiels zur Aufführung gelangen sollen.
Die Vorstellungen beginnen präcise

3 3/4 Uhr

und enden spätestens 7 Uhr, so, daß die auswärtigen p. t. Theaterbesucher die an dem betreffenden Tage hier ankommenden Nachmittagszüge und abgehenden Abendzüge bequem benutzen können.

Kassen=Preise:

Ein Platz im 1. Rang (Loge oder Balcon) 2 M. 50 Pfennig.
Ein Platz im Parquet 2 M.
Ein Platz im 2. Rang (Loge oder Balcon) 1 M.
Ein Platz im Parterre 75 Pfennig.
Ein Platz im 3. Rang 50 Pfennig.
Ein Platz auf der Gallerie 40 Pfennig.

Abonnements=Bedingungen:

10 Billets 1. Rang (Loge oder Balcon) 20 M.
10 Billets Parquet 15 M.
10 Billets 2. Rang (Loge oder Balcon) 8 M.
10 Billets Parterre 6 M.

Diese Abonnementsbillets sind in beliebiger Anzahl in den stattfindenden 10 Vorstellungen zu verwenden.
Es circulirt eine Abonnementsliste zur gefälligen Subscription in den betr. Städten, doch nimmt auch das Theaterbureau Fischergrube 459 Abonnements=Anmeldungen entgegen.
Sonnabend, den 25. Oct.: 1. Nachmittagsvorstellung.
Lübeck, den 15. October 1884.

W. Hasemann,
Director des Stadttheaters in Lübeck.


Sonntag, den 20. ds. Mts.
Concert
der Günther'schen Berg=Capelle
nach dem Concert Ball.
Anfang 7 Uhr.                                                     Entree a Person 50 Pfennig.
                                                    J. Köster Wittwe.


Kanarienhähne
a 2 M. verkauft                                                    
                                                    D. Hempel.


Ziehung den 12. November 1884.
15 200 Geldgewinne, 161 500 Mk.
Haupttreffer: 50000 Mk., 10000, 5000 etc.
349. LETZTE MÜNCHEN-GIESINGER LOTTERIE.
Loose á 2 M. gegen Postanweis. od. Briefmarken nebst 30 Pfennig. für Francatur und Ziehungsliste versendet.
                          Alb. Roesl in München.


Kräftige Stutzhaare

bezahle mit 1,50 à Pfund.
Schönberg im September 1884.

J. Licht.            
Bürstenmacher.       


Futterrüben
sind zu kaufen bei 
Schönberg.                                                     F. C. Wolgast.


Wegen wegzugshalber bin ich gewilligt, mehrere Gegenstände zu verkaufen, Kleiderschrank, Sophas, 1 Klavier, zwei Pelze, Pelzstiefel, Bettzeug, eine Brennmaschiene, eiserner Ofen mit Röhre, Tonnen und Kisten.
Schönberg d. 20. October 1884.

H. Hein.       


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


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