No. 5
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 18. Januar
1881
einundfünfzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1881 Nr. 5 Seite 1]

Publicandum.

     Es wird hierdurch, zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß die im Jahre 1861 und früher geborenen, resp. mit einer endgültigen Entscheidung über ihre Militairpflicht nicht versehenen militairpflichtigen jungen Leute, welche im hiesigen Fürstenthum ihren dauernden Aufenthalt haben, verpflichtet sind, sich Zwecks Eintragung ihrer Namen in die Recrutirungs=Stammrolle in der Zeit

vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js.

bei dem Ortsvorstande ihres Aufenthaltsortes anzumelden, und zwar die auswärts geborenen unter Vorlegung eines Geburtsscheins (der zu diesem Zwecke kostenfrei ertheilt wird) sowie die schon früher Gemusterten unter Vorlegung ihres Loosungsscheines.

     Im Uebrigen wird bezüglich der Meldepflicht auf die Vorschriften des § 23 der Ersatz=Ordnung (deutsche Wehrordnung vom 28. September 1875) hingewiesen und wird hervorgehoben, daß von der Meldepflicht nur die mit dem Berechtigungsschein zum Einjährigfreiwilligendienste oder mit besonderer Ausstandsbewilligung versehenen Militairpflichtigen ausgenommen sind. Sind zur Meldung Verpflichtete vorübergehend von ihrem ständigen Aufenthaltsorte abwesend, so haben ihre Eltern, Vormünder, Lehr=, Brod= oder Fabrik=Herren etc. die Verpflichtung, sie zur Stammrolle anzumelden.
     Zugleich werden sämmtliche Militairpflichtige sowohl, wie die Ortsvorstände des hiesigen Fürstenthums auf die genaue Befolgung resp. Ueberwachung der Bestimmungen im § 23 sub 8 der Ersatz=Ordnung aufmerksam gemacht, wonach Militairpflichtige, welche nach Anmeldung zur Stammrolle im Laufe eines ihrer Militairpflichtjahre ihren dauernden Aufenthalt oder Wohnsitz nach einem andern Aushebungsbezirke verlegen, dieses zwecks Berichtigung der Stammrolle sowohl beim Abgange der Behörde oder Person, welche sie in die Stammrolle aufgenommen hat, als auch nach der Ankunft an dem neuen Orte derjenigen, welche daselbst die Stammrolle führt, spätestens innerhalb dreier Tage zu melden haben.
     Die Unterlassung der vorgeschriebenen Meldungen ist mit Geldstrafe bis zu 30 M. oder mit Haft bis zu 3 Tagen bedroht.
     Schönberg, den 1. Januar 1881.

Der Civilvorsitzende der Ersatz=Commission des Aushebungsbezirk für das Fürstenthum Ratzeburg.
F. Graf Eyben.


Neustrelitz, 13. Januar. Noch haben wir in Betreff der Bestattung wailand Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin=Mutter in Mirow nachzuholen, daß Ihre königliche Hoheiten die Großherzogin und die Erbgroßherzogin, sowie Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und Ihre Kaiserliche Hoheit die Erbgroßherzogin von Mecklenburg=Schwerin, und Ihre Hoheit die Herzogin von Anhalt am Eingang der Kirche den Leichenzug erwarteten, den hochfürstlichen Sarg bis zum Altar begleiteten und dort zur Rechten desselben während der Leichenfeier Ihre Plätze einnahmen. (N. Z.)
Die "Meckl. Anz." vom 5. d. M. berichten über die Hochselige Folgendes: "Noch im Spätsommer freuten wir uns Alle über die Frische und Rüstigkeit der erlauchten Frau. Doch schon bald darauf fühlte sich die Frau Großherzogin unwohl und mußte das Zimmer hüten. Dieses Unwohlsein bildete sich zu einer ernstlichen Krankheit aus, welche sich im Laufe der Zeit bald so bedenklich steigerte, daß man um das theure Leben täglich in größter Besorgniß schwebte. Nun liegt sie da ein Bild des Friedens - die edlen Züge von keinem Kampf entstellt, umgeben von Ihrer trauernden Familie bewacht von Ihren treuen Dienern! . . . . Die Verewigte war die zweite Prinzessin=Tochter des im Jahre 1837 gestorbenen Landgrafen Friedrich zu Hessen=Kassel und am 21. Januar 1796 geboren. Höchstdieselbe vermählte sich am 12. August 1817 mit dem hochseligen Großherzoge Georg, der am 6. September 1860 im Tode voranging. Die Vermählungsfeier ward vom damaligen Kurfürsten Wilhelm I. unter großem Ceremoniel und mit vielen Festlichkeiten begangen. Zehn Tage nach der Vermählung in Kassel hielt das Großherzogliche Paar seinen Einzug ins mecklenburgische Land, und am 22. August in die hiesige Residenz. Herzog Carl, stets geschäftig, stets Sorgend im Großen wie im Einzelnen für sein Va=

[ => Original lesen: 1881 Nr. 5 Seite 2]

terhaus, hatte für seinen Bruder alle Anordnungen zu den Empfangsfeierlichkeiten übernommen und leitete sie mit dem ihm eigenen Tact und Geschmack. Außer ihm empfingen gleichfalls drei junge Herzöge aus Schwerin - Carl, Gustav und Adolph - das neuvermählte hohe Paar. Das hiesige Schloß war zum Theil neu eingerichtet und stellenweise neu ausgebaut. Die Festlichkeiten dauerten 8 Tage lang, unter Anderen vereinigte ein glänzendes Turnier den einheimischen Adel, und die Feste alle, ein jedes in seiner Art, trugen nicht allein den Charakter unserer alten mecklenburgischen loyalen Herzlichkeit, sondern gaben noch insbesondere einen Ausdruck der Freude darüber, daß man nach 70 Jahren wieder die erste Landesmutter, und zwar diesmal die erste Großherzogin von Mecklenburg in Neustrelitz einziehen und den Großherzog ein Glück genießen sahe, das er so lange gesucht. Das Jahr 1818 beschenkte diesen gesegneten Ehestand mit einer Tochter, der im Jahre 1841 zu Rom gestorbenen Prinzeß Caroline Louise Friederike, welcher im Jahre 1819 ein Prinz, unser jetzt regierender Herr, folgte. Wenige Jahre später wurden die Herzogin Caroline und der Herzog Georg geboren. Beide sind Ihrer Mutter im Jahre 1876 im Tode voraufgegangen. Die Frau Großherzogin=Mutter war wie Ihr Gemahl, der unvergeßliche Großherzog, eine Wohlthäterin im weitesten Sinne des Wortes. Während der 63 Jahre, welche die Entschlafene unserem Lande angehörte, hat Sie kein größeres Glück gekannt, als Ihre Unterthanen zu beglücken . . . Möge Gott der Herr seinen Trost und Frieden in die betrübten Herzen der erlauchten Hinterbliebenen geben!"


Zum 18. Januar.

[] Heute sind zehn Jahre verflossen, daß Kaiser Wilhelm am 18. Januar 1871 zu Versailles auf Antrag des Königs von Bayern die erbliche Würde eines deutschen Kaisers annahm; es ist ein denkwürdiger Tag, der leuchtend mit ehernem Griffel in die Annalen unserer Geschichte eingezeichnet ist, der Tag, an dem wir die Wiedergeburt, die Neueinrichtung unseres großen Vaterlandes feiern.
Dem deutsch=französischen Kriege ist es vorbehalten gewesen, die nationale Einigung unseres heißgeliebten Vaterlandes herbeizuführen, da erst wurde allen deutschen Stammesbrüdern klar, daß sie ein Volk seien, daß sie einmüthig sein müßten im Kampfe gegen den alten Erbfeind, der unter den nichtigsten Vorwänden in frivolster Weise einen so blutigen Krieg heraufbeschwor. Und einig wie ein Mann erhob sich das ganze deutsche Volk und eilte unter die Waffen, um Gut und Blut einzusetzen für die Freiheit des Vaterlandes. Noch unvergessen sind uns allen jene Tage, daß die deutschen Waffen Sieg auf Sieg davontrugen und den Gegner niederschlugen. Die Jahre, mit denen das Decennium begann, sie gehören zu den ruhmreichsten, sie sind unvergänglich, unauslöschlich in der deutschen Geschichte verzeichnet. Wie viel blutige Thränen auch vergossen sind über die, die ihr Leben verloren für die nationale Freiheit wie viel Schmerz und Trauer auch den Tausenden von Familien bereitet, auf den Trümmern der begrabenen Hoffnungen, des zertrümmerten Glückes, steht hoch aufgerichtet das große geeinte Vaterland.
Es war ein Kampf, reich an Blut, aber auch reich an Ehren. Das Nationalbewußtsein, das Gefühl der Einheit war dem deutschen Volke verloren gegangen oder im Schwinden begriffen, und es bedurfte einer gewaltigen äußeren Bewegung, um es aufzurütteln aus dem Schlafe und mit neuer Begeisterung zu erfüllen. Wie hoch schlugen die Flammen des Patriotismus, als die Kunde von den ersten Siegen in die Heimath drang, welche Freude, welcher Stolz erfüllte Aller Herzen, die ihre Brüder draußen wußten auf den blutgetränkten Kampfgefilden. Und Gott schützte die gute Sache, und verlieh Sieg auf Sieg den deutschen Fahnen.


Politische Rundschau.

Deutschland. Der Kaiser leidet an einem leichten Erkältungszustande, welcher Denselben gegenwärtig ans Zimmer fesselt. Wie mitgetheilt wird, hat in der vergangenen Nacht Se. Majestät im ganzen gut geschlafen, der Katarrh löst sich und auch die Heiserkeit ist geringer.
Der Kaiser soll die Absicht haben, an den im Herbst d. J. stattfindenden gemeinschaftlichen Manövern des IX. und X. Armeecorps persönlich theilzunehmen. Die Manöver sollen entweder in Holstein oder in der Umgegend von Harburg stattfinden. Wie es heißt, wird der Kaiser bei dieser Gelegenheit sein Domicil in Hamburg nehmen.
Dem Bundesrathe ist nunmehr der Wehrsteuer=Gesetzentwurf zur Beschlußfassung zugegangen, nachdem die Ausschüsse, denen die Vorlage zur Vorberathung überwiesen worden war, hierüber Bericht erstattet haben. Die von den Ausschüssen vorgeschlagenen Aenderungen der Vorlage berühren wesentliche Punkte nicht und sind zumeist nur redactioneller Natur.
An eine Revision des Strafgesetzbuches wird nach mehrseitiger Versicherung zur Zeit nicht gedacht und in dieser Richtung sieht, abgesehen von dem Gesetze über die Trunksucht, welches übrigens von Seiten verschiedener Bundesregierungen, so namentlich von Preußen, verschiedene erhebliche Veränderungen erfahren hat, keine Novelle bezüglich des Strafgesetzes zu erwarten.
In keinem Armeekorps des deutschen Heeres tritt der Mangel an Offizieren fühlbarer auf, als in dem 12, dem königlich sächsischen. Um den Mangel einigermaßen zu decken, hat man nicht nur ehemalige bayrische, braunschweigische und württembergische Offiziere aufgenommen, sondern auch Reserve=Offiziere in die aktive Armee versetzt. Die beiden neu zu formirenden sächsischen Infanterie=Regimenter bedingen zur Besetzung der etatsmäßigen Offizierstellen allein 12 Stabsoffiziere, 24 Hauptleute, 24 Premierlieutenants, 30 Secondelieutenants und 8 Portepeefähnriche.
Oesterreich=Ungarn. Die neuesten Depeschen vom Goldenen Horne und aus Albanien scheinen die Nachricht kaum zu bestätigen, der zufolge in Konstantinopel nach der anfänglichen Kriegslust eine friedlichere Wendung eingetreten sein soll. Ghazi Osman will Griechenland an die Wand drücken; kommt es dabei zum Kriege, um so besser, so wird die Türkei den Hellenen eine Lection ertheilen, die sie für geraume Zeit von ihren chauvinistischen Gelüsten curirt. Daß Rußland nur zögernd und unwirrsch an einer Vergrößerung des hellenischen Staates mithilft, bedarf ebensowenig eines Commentars, als daß Gladstone derweile zu Hause beschäftigt ist. Barthelemy Saint=Hilaire hat ausdrücklich erklärt, auf keinen Fall werde Frankreich sich im Falle eines türkisch=griechischen Krieges einmischen. Unter diesen Umständen ist die Sucht Italiens, im Trüben zu fischen, um so weniger zu fürchten, als Oesterreich und Deutschland Ruhe auf der Balkanhalbinsel haben wollen. Aber das sollte die Pforte nicht vergessen: alle Mächte wollen eben Ruhe haben; wenn sie diese daher eben so wenig wie 1876 erhalten können, so werden sie es demjenigen Theil doppelt entgelten lassen, der den Krieg erneuert und damit vielleicht nicht nur die große Orientfrage abermals aufgerollt, sondern auch möglicher Weise die Handhabe zu einer Katastrophe im Westen geboten hat.
Frankreich. Neuerdings hat der Kriegsminister zwei Erlasse an die Corpsbefehlshaber gerichtet. In dem einen zeigt derselbe an, daß im Hinblick auf die für das Budget von 1881 bewilligten Credite die Zahl der in diesem Jahre nach Maßgabe des Gesetzes vom 23. Juli 1878 anzunehmenden Wiederengagements, wie in den Jahren 1879 und 1880, auf den zwanzigsten Theil des normalen Bestandes der Unterofficiere festgesetzt bleibt. In dem andern erklärt General Farre seine Absicht, jedem Regiment der Armee zum Schmuck eines seiner Versammlungssäle ein Bild zukommen zu lassen, welches die bedeutendste Waffenthat aus der Geschichte des Regiments von 1790 ab darstellt. Er bittet deshalb, in den Archiven der betreffenden Corps Nachforschungen zu diesem Behufe anstellen zu lassen und mit dem Ergebniß dieser Arbeit eventuell auch alle sonstigen Angaben zu übermitteln, welche dem Künstler die Ausführung des ihm anvertrauten Werkes erleichtern könnten.
England. Selbst dem Papst gefällt das Treiben in Irland nicht. Er hat an den Erzbischof in Dublin ein Schreiben gerichtet, worin er ihn bittet, dahin zu wirken, daß die irischen Katholiken die Gesetze respektiren.

[ => Original lesen: 1881 Nr. 5 Seite 3]

Belgien. Hinter der aufgeflogenen Hochzeit des österreichischen Kronprinzen mit der belgischen Prinzessin steckt durchaus nichts Bedenkliches. Die Braut ist knapp 17 Jahre alt und sehr zart. Da finden die Eltern eine Hochzeit im (hoffentlich) wunderschönen Monat Mai viel passender als im kalten Februar.


- Die Vorbereitungen zur Hochzeit des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Victoria Augusta sind in vollem Gange. Die Potsdamer Wohnung wird auf das Schönste hergerichtet: fürstlich, vornehm und dabei einfach; die hauptsächlichsten Arrangements trifft die Frau Kronprinzessin nach eigenen Ideen und nach Vorschlägen bewährter Architekten. Das prinzliche Paar bleibt nach der Hochzeit hier; der Prinz nimmt nur einen mehrtägigen Urlaub. Die Trauung wird in der Kapelle des königlichen Schlosses vorgenommen; wahrscheinlich vollzieht sie der Oberhofprediger Kögel, obwohl in Rede gestanden hatte, der Geistliche aus Primkenau, der die Prinzessin=Braut eingesegnet hat, solle auch die Ehe einsegnen. Die standesamtlichen Geschäfte übernimmt der Minister des königlichen Hauses Graf von Schleinitz, unter Zuziehung des Justizministers Dr. Friedberg. Erst vor 14 Tagen hatte, wie man hört, die Königin Victoria von England nach Berlin melden lassen, sie würde zu ihrem lebhaften Bedauern nicht im Stande sein, den Hochzeitsfeierlichkeiten beizuwohnen; sie ließe damit einen Wunsch fallen, den sie schon seit Monaten gehegt hätte. Gewiß würde sie, wenn sie an der Feier Theil nähme, im Sinne des Prinzgemahls handeln, allein die Regierungsgeschäfte gestatteten eine sechstägige Abwesenheit von England nicht. Zu den Theilnehmern an der Hochzeitsfeier gehört voraussichtlich auch der Reichskanzler Fürst Bismarck.
- In Osterwick in Hessen stürzte ein alter Geizhals, der ein Vermögen von 800,000 M. zusammengescharrt hatte, von einem hohen Baum, von welchem er sich trockenes Holz stehlen wollte, um sich eine warme Stube zu machen.
In Stadt und Land haben dankbare Seelen zu Neujahr hoffentlich der Briefträger nicht vergessen, und wer's vergessen hat, kann's täglich nachholen. Sie sind gleichsam das Perpetuum mobile der neuen Zeit und Kultur immer mobil und thätig, ohne Rast und Ruh in Schnee und Kälte, in Hitze und Staub; denn wer bekommt in unserer Zeit nicht Briefe, Zeitungen, Packete? Mit einem "Wupp=Dich" ist's nicht immer gethan; denn bei den vielen Häusern und Briefen werden es der "Wupp=Dichs" leicht zu viele. Und in der Stadt? Nicht einmal ihres Lebens sind sie immer sicher. In Wien sind schon zweimal Briefträger meuchlerisch überfallen und ermordet worden und eben jetzt wieder einer in Pest. Er überbrachte einen Geldbrief und wurde im Nu von den Empfängern niedergeschlagen, entkam aber noch lebend, da die Mörder von einem Dritten überrascht wurden.
- Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich in der Teufelsbrücker Brauerei bei Hamburg. Ein bei dem Malermeister Müller zu Kl. Flottbeck angestellter Malergehülfe hatte den Auftrag erhalten, mehrere in der Brauerei befindliche große leere Fässer von innen auszulackiren. Er hatte diese Arbeit fast vollendet und um sich zu überzeugen, ob dieselbe gut gerathen, kroch er mit einer Spritlampe in der Hand in das Faß hinein. Die Spritlampe muß nun der noch nassen Masse, mit welcher das Faß verpecht war, zu nahe gekommen sein, denn letzteres explodirte plötzlich und als die Leute zu der Unglücksstätte hineilten, wurde der Malergehülfe in einem entsetzlichen Zustande in seinem Blute schwimmend todt vorgefunden. Dem Armen waren Kopf, Arme und Beine abgerissen.
- Seit Einführung der Eisenbahnen 1829 sind in dem ersten halben Jahrhundert ihres Bestehens, also bis 1879 auf der Erde im Ganzen ungefähr 350,000 Kilometer Eisenbahnen gebaut mit 105,000 Locomotiven, 210,000 Personenwagen und 245,000 Güterwagen versehen worden. Alles zusammen mit einem Kostenaufwand von 80,000 Mill. Mark. Der bekannte Statistiker, Geheimrath Engel, berechnet, daß die Eisenbahnen selbst diese Summe mittelst der durch sie erzielten Ersparniß an Zeit und Kraft herbeigeschafft hätten.
- Wider die Ratten und Mäuse. Aus Amerika wird berichtet: Wir vertreiben diese schauderhaften Thiere dadurch, daß wir die Wände, Steine und Decken der Keller mit einer Kalkfarbe streichen, die durch Zusatz von Eisenvitriol=Krystalle und streuen sie auch auf dem Fußboden und in die Ecken. Der Erfolg war bei uns eine vollständige Flucht aller Ratten und Mäuse; wir haben seitdem im Hause oder dessen Nähe keine Spur derselben mehr gefunden. Jedes Frühjahr geben wir dem Keller wieder einen gelben Kalkanstrich als Reinigungsmittel.
- Zwischen Europa und Amerika wird ein neues Doppelkabel gelegt. Das Capital für das Kabel, dessen Länge 9000 englische Meilen beträgt, ist in New=York gezeichnet worden.
- Die Holländer halten nächstens zwischen Rotterdam und Utrecht ein Wett=Schlittschuhlaufen, an welchem namentlich viele Engländer und Schotten, mehre Amerikaner und Deutsche Theil nehmen. Als der flotteste englische Läufer gilt Fis=Swart aus Welney, der auf gerader und glatter Eisbahn eine englische Meile in 3 Minuten zurücklegt; ihn übertrifft aber noch der Amerikaner Clarke aus Wisconsin, der vor Jahren dieselbe Strecke in 1 Minute 56 Secunden durchmaß.
- In Egypten sind im Norden des alten Memphis zwei Pyramiden mit ihren Königsgräbern und Särgen geöffnet worden. Die Zimmer und Gänge enthalten Tausende von Inschriften in Hieroglyphen, d. h. in egyptischer Zeichenschrift.


Anzeigen.

Die Anmeldung zur Stammrolle aller im Jahre 1861 und früher geborenen, resp. mit ihrer endgültigen Entscheidung über ihre Militairpflicht nicht versehenen militairpflichtigen jungen Leute, welche in der Stadt Schönberg ihren Aufenthalt haben, hat am

Mittwoch den 26. Januar d. J.
Vormittags in den Stunden von 10-12 Uhr,

bei uns zu geschehen. Auswärts geborene Militairpflichtige haben ihren Geburtsschein (der zu diesem Zwecke kosten frei ertheilt wird), die bereits früher Gemusterten ihren Loosungsschein vorzulegen.
Schönberg den 12. Januar 1881.

Der Magistrat.


Bekanntmachung.

Die Hebung einer Armensteuer zum vollen Beitrag ist erforderlich, es werden demnach alle Zahlungspflichtigen des Schönberger Armendistricts hiermit aufgefordert ihre Beiträge fördersamst einzuzahlen.
Schönberg den 17. Januar 1881.

Die Armenbehörde.


Zwangs=Versteigerung.

Am Donnerstag den 20. Januar cr. Vormittags 10 1/2 Uhr sollen in Lüdersdorf
                          2 Starken
öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden. Versammlung der Käufer im Kruge daselbst.

Schönberg.                                                     Staffeldt, Gerichtsvollzieher.


Holz=Auction Nr. 12.

Am Montag den 24. Januar Morgens 9 Uhr sollen hieselbst in Kösters Hotel nachstehende Holzsortimente aus dem Rupensdorfer Holze meistbietend verkauft werden:

83 Rmt. eichen Kluft
128 Rmt. eichen Knüppel (groß und klein)
30 Fuder eich. Durchforstholz von Schleetstärke
201 Rmt. buchen Kluft
37 Rmt. buchen Knüppel
3 Fud. buch. Durchforstholz von Schleetstärke
21 Fuder buchen Reiser
3 Rmt. birken Kluft
1 Fuder starkes birken Wadelholz
2 Fuder geringeres birken Wadelholz
4 Fuder starkes ellern Wadelholz
43 Rmt. Nadelholz Kluft und Knüppel.
NB. Das Holz kann vom Freitag den 21. d. M. an besichtigt werden.
Schönberg, den 17. Januar 1881.

Der Oberförster              
C. Hottelet.       


[ => Original lesen: 1881 Nr. 5 Seite 4]

F. W. Kaibel,
Kunst-, Musikalien- und Instrumenten-Handlung.
Lübeck.
Grosses Lager Musikalien. Billige Ausgaben der Edition Peters, Breitkop und Härtel, Coll. Litolff.
Kupferstiche.
Photographien - Glasphotographien.
Prachtwerke.
Eine Parthie Oeldruck-Bilder in Rahmen zu herabgesetzten Preisen.
Flügel und Pianinos.
aus der ersten Fabriken Deutschlands.
Fabrikpreise - Fünfjährige Garantie.
Cataloge gratis.


Spielwerke

4-200 Stücke spielend; mit oder ohne Expression, Mandoline, Trommel, Glocken, Castagnetten, Himmelsstimmen, Harfenspiel etc.

Spieldosen

2-16 Stücke spielend; ferner Necessaires, Cigarrenständer, Schweizerhäuschen, Photographienalbums, Schreibzeuge, Handschuhkasten, Briefbeschwerer, Blumenvasen, Cigarren-Etuis, Tabaksdosen, Arbeitstische, Flaschen, Biergläser, Portemonnaies, Stühle, etc., alles mit Musik. stets das Neueste und Vorzüglichste empfiehlt

J. H. Heller, Bern (Schweiz).

Nur direkter Bezug garantirt Aechtheit fremdes Fabrikat ist jedes Werk, das nicht meinen Namen trägt. Fabrik im eigenen Hause.

100 der schönsten Werke im Betrage von 20,000 Francs kommen unter den Käufern von Spielwerken vom November bis 30. April als Prämie zur Vertheilung. Illustrirte Preislisten sende franco.


Die von mir verloosten Kleidungsstücke sind auf nachstehende Nummern gefallen:

[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]
Schönberg den 13. Januar 1881.                          
                                                    J. Lohse,
                                                    Damenkleidermacher.


Gesucht

zu Ostern ein ordentlicher Knecht an Stelle eines sich verheirathenden.
Schönberg im Januar 1881.

G. Breuel.       


Ersuche diejenigen Herren, den Schlitten und Bank wieder an Ort und Stelle zu bewegen, widrigenfalls ich andere Maßregel gebrauchen muß.

F. Tesch.       


Rübenschneider
und
Häckselmaschinen
sind in vielen verschiedenen Größen auf Lager bei
Ludw. Warncke - Mölln i. Lb.


Verkauft soll werden.

Ein Kruggehöft mit Höckerei und ca. 4 Scheffel Aussaat guten Ackers nebst schöner Wiese.
Eine Landstelle von ca. 70 Scheffel und eine Landstelle von ca. 190 Scheffel Aussaat. 1 Büdnerei von ca. 7 Scheffel Aussaat schwerer Boden, sowie mehrere Häuser in Schönberg.

Näheres ertheilt                            
P. Maass,               
Makler, Schönberg.       


Auf dem Pfarrhofe zu Selmsdorf stehen noch einige Faden

Buchenholz

zum Verkauf.


I a. grüne und gelbe
Kocherbsen
sowie
Futterkorn aller Art
                                                    empfiehlt
                                                    H. F. Studemund,
Schönberg,                                            Siemzerstraße.


Von jetzt an fahre ich wöchentlich 3 mal (am Sonntag, Dienstag, Freitag) mit meinem Omnibus von Carlow nach Schönberg.

Oldenburg.       


Als Verlobte empfehlen sich:                          
Katharina Oldenburg
Heinrich Bremer
Lüdersdorf.                                                     Schönberg.


Es hat dem allmächtigen Gott gefallen, mir meine liebe, Frau Catharine geb. Maaß, und Mutter meiner lieben Kinder, heute Nachmittag 1/2 3 Uhr im Alter von fast 29 Jahren nach 14tägiger schwerer Krankheit durch den unerbittlichen Tod zu entreißen. Tief betrauert von

den Hinterbliebenen.       

Die Beerdigung findet am Donnerstag Nachmittag halb 3 Uhr statt.
Schönberg den 16. Januar 1881.

L. Creutzfeldt.       


Markt=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Getreide=Preise in Lübeck.
[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


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