No. 90
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 12. November
1878
achtundvierzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1878 Nr. 90 Seite 1]

Deutschland, Frankreich und Italien.

[] Wohl selten waren die Interessen der europäischen Mächte so eigenartig gruppirt, wie gerade gegenwärtig. Der Kampf, den einige Staaten gegen die Umsturzbestrebungen eines Theils der niederen Volksklassen aufnehmen mußten, prägt seinerseits der Gegenwart eine besondere Signatur auf. Deutschland gegen die Socialdemokraten, Italien, Spanien und Frankreich gegen die Internationale, Rußland gegen die Nihilisten - verschiedene Bezeichnungen für gleichartige, kulturfeindliche Bestrebungen, verschiedenartig wie die Kampfmittel, deren man sich zu ihrer Abwehr bedient. In den romanischen Staaten geht man einstweilen auf Grund der bestehenden allgemeinen Gesetze gegen die Kommunisten vor, in Deutschland schuf man ein besonderes Gesetz zur Bekämpfung der Staat und Gesellschaft untergrabenden Agitation, in Rußland weist man der Polizeigewalt die Aufgabe zu, den Staatsorganismus zu schützen.
Als politisch am bedeutendsten treten die orientalische Frage und die damit verknüpften Interessen in den Vordergrund, in welcher die englische und die russische Diplomatie gegenseitig ihre Kräfte messen. Da beide Mächte den Weg der Gewalt zur Erreichung ihrer Absichten augenblicklich gesperrt sehen, so suchen sie nun unter den übrigen Mächten nach Bundesgenossen, um mittels derselben im großen europäischen Concerte die Majorität zu erlangen und durch diese ihre Ziele möglichst auf friedlichem Wege zu erreichen.
Solchen Verbindungen stehen aber gewichtige Momente entgegen und dies führt uns auf unser eigentliches Thema, auf das Verhältniß Deutschlands, Frankreichs und Italiens zu einander.
Seit den Tagen von Königgrätz und Lissa sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien die freundlichsten gewesen. Beide Reiche hatten gleiche Ziele, Beide strebten nach Einheit in sich selbst uud beide haben dies Ziel erreicht, wenn auch auf verschiedenen Wegen - Deutschland durch die freie Entschließung seiner Fürsten und Völker, Italien auf dem Wege der Revolution. Hier offenbarte sich der germanische, conservative, dort der romanische, demokratische Charakter. Trotz dieser Grundverschiedenheit Sympathisiren Deutschland und Italien mit einander und als gar der Kulturkampf (der Kampf der Staatsautorität mit der römischen Hierarchie) entbrannte, schlossen sich die beiden Staaten womöglich noch enger aneinander.
In Frankreich haben sowohl die Legitimisten und Orleanisten, wie auch die Bonapartisten stets mit den Ultramontanen geliebäugelt und die letzteren waren auch stets bereit, einer monarchischen Restauration ihre Dienste zu leihen. Wir haben gesehen, wie die Ultramontanen unter den Mai=Männern des vorigen Jahres sogleich Oberwasser gewannen. Durch diese ihre Haltung machten sie sich aber alle aufrichtigen Anhänger der gegenwärtigen Staatsform in Frankreich zu Feinden und es darf daher nicht Wunder nehmen, wenn jetzt, nachdem eben diese Staatsform durch die Delegirtenwahlen zum Senat noch mehr Kräftigung gewonnen, auch das französische Regime daran denkt, den Einfluß, den die Geistlichkeit auf die Politik ausübt, zu kürzen, geradeso wie dies in Deutschland und Italien geschehen ist.
Daß man es in der katholischen Hierarchie mit einer Macht zu thun hat, mit der gerechnet werden muß, ist den leitenden Staatsmännern längst klar geworden und die nun schon mehrmonatlichen Verhandlungen des Fürsten Bismarck mit der römischen Curie wegen Wiederherstellung des Friedens zwischen Kirche und Staat beweisen, daß die Erkenntniß auch in Deutschland nicht fehlt. Mit dem Aufgeben des "Kulturkampfes" aber stellt sich Deutschland in einen gewissen Gegensatz zu dem befreundeten Italien uud zu Frankreich.
Die Thatsachen sind indeß keineswegs geeignet, besorgniserregend zu wirken; was die auswärtige Politik betrifft, so hat das deutsche Volk an seinem Reichskanzler einen vielbewährten Leiter, dem auch bei seinen Verhandlungen mit Rom stets das Wort als Motto dient, das er einst im Reichstage sprach: "Nach Canossa gehen wir nicht!" Wenn der Friede zwischen Berlin und dem Vatican wirklich zu Stande kommt, so wird er sicherlich ein für Deutschland ehrenvoller und keineswegs für Italien und Frankreich verletzend sein. Daß er aber überhaupt zu Stande komme, wäre im Interesse des inneren Friedens unseres großen Vaterlandes dringend zu wünschen.


Politische Rundschau.

Mecklenburg. Der diesj. Landtag ist am 6. Nov. in herkömmlicher Weise in Malchin eröffnet. Von den Landesherrl. Propositionen betrifft die erste die ordinäre Landes=Contribution, die zweite die Bewilligung des Edicts zur Deckung der Bedürfnisse des Central=Steuerwesens, die dritte die Berathung über die Ausführung der Reichsjustizgesetze.
Deutschland. Der Reichsregierung werden demnächst von der römischen Curie neue Vorschläge zugehen, um wenigstens die weniger schwierigen Streitfragen zu lösen, wie z. B. die Wiederbesetzung erledigter Bischofssitze und Pfarrstellen.
Es wird seit längerer Zeit beabsichtigt, für die Vereidigung der Truppen des deutschen Heeres auf die Fahne eine einheitliche Formel einzuführen. Für das preußische Heer ist die seit dem Jahre 1831 bestehende Eidesformel unverändert beibehalten, auch nach der Führung des Kaisertitels durch den König von Preußen. Dagegen wird der Fahneneid von Angehörigen der Reichslande dem deutschen Kaiser geleistet, während die übrigen deutschen Bundescontingente den Eid ihrem angestammten Fürsten und dem Kaiser als Bundesfeldherrn leisten. Man will nun eine möglichst einheitliche Eidesformel für die Zukunft feststellen, doch ist man zur Zeit über den Wortlaut einer solchen noch nicht schlüssig.
Wie zuverlässig verlautet, hat der Reichskanzler kürzlich in einem Rundschreiben an die Bundes=Regierungen die Nothwendigkeit einer Revision des Zolltarifs erörtert und die Einsetzung einer mit Prüfung der Tariffragen zu betrauenden Reichs=Commission in Vorschlag gebracht.

[ => Original lesen: 1878 Nr. 90 Seite 2]

Eine neue Erfindung, die Gewehre mit Pufferverschlußköpfen zu versehen, in Folge deren kein Schuß versagen soll, wird, falls sie sich bewährt, beim Militär eingeführt werden. Es sind vorläufig probeweise 3 Infanterie=Regimentern, einem Jägerbataillon und einem Cavallerie=Regiment Gewehre mit der erwähnten Vorrichtung übergeben worden.
Italien. Die Nachricht, daß der Papst den katholischen Wählern aufgegeben habe, sich an den politischen Wahlen zu betheiligen, war verfrüht; der Papst hat vielmehr die Frage, ob es opportum sei, daß sich die italienischen Katholiken an den politischen Wahlen betheiligten, erst den Cardinälen zur Prüfung vorgelegt. Mehrere gleichfalls deshalb zu Rathe gezogenen Bischöfe sollen in bejahendem Sinne geantwortet haben. - Die italienischen Kammern sind auf den 21. d. M. einberufen worden.
Rußland. Aus Petersburg wird gemeldet, daß dort unter dem Vorsitze des Ministers Walujew eine Commission eingesetzt werde, um die Ursachen der Entstehung und Ausdehnung der nihilistischen Umtriebe, sowie die Mittel zu deren ferneren Hintanhaltung zu prüfen. - Die allgemeine Aushebung der Rekruten steht bevor. Die Zahl derselben ist in den letzten Jahren immer höher angesetzt worden. Diesmal müssen sich 218,000 stellen, während vor vier Jahren nur 150,000, vor 2 Jahren 196,000 einberufen wurden. Gestellungspflichtig waren in diesem Jahre 750,000 Personen.
Türkei. Die Lage der Dinge im Orient ist eine äußerst Ungewisse. Die Russen haben die Räumungsbewegung längst eingestellt und vielmehl bereits geräumte Punkte wieder besetzt; sie richten sich in Adrianopel und einigen noch südlicher liegenden Ortschaften für den Winter ein. Den Türken, die sich beklagen, daß sie die im Berliner Vertrag ihnen zugesprochenen Bezirke von Thracien nicht bekommen können, halten sie den Vertrag von Stefano entgegen und den Schrecken der vor den türkischen Beamten flüchtenden christlichen Bevölkerung. So macht Einer den Andern für Greuel= und Blutthaten verantwortlich, ohne daß, was das Schlimme ist, diese aufhören. In der so gespannten Lage, deren unklare Zukunft von dem Eingreifen Dritter abhängt, haben jedenfalls die Russen den Vortheil der thatsächlichen Macht und des Besitzes für sich, und wenn im nächsten Frühjahr der Kampf wieder losbrechen sollte, so wird sich wohl herausstellen, daß sie nun auch die Balkanpässe sorgfältig befestigt haben.


Schönberg. Die mikroskopische Untersuchung der Gänsebrüste, durch deren Genuß hier einige Personen nicht unerheblich erkrankten, hat ergeben, daß dies Fleisch vollständig von Bacterien überzogen dasselbe also bereits zersetzt war. Diese Gänsebrüste sind übrigens nicht aus Rostock, wie irrthümlich gemeldet, sondern aus Lübeck bezogen und die dortige Polizei bereits von diesem Falle von hier aus unterrichtet. Die erkrankten Personen sind theils wiederhergestellt, theils in der Besserung.
- Am 5. November hat der deutsche Kronprinz sein 25jähriges Jubiläum als Freimaurer gefeiert.
- Ein Fahrgast in Paris hat sämmtliche Urkunden zur Erhebung einer Erbschaft von 1 1/2 Mill. Franks in einer Droschke liegen lassen.
- Die Pariser Ausstellung hat an Eintrittsgeldern vom 1. Mai bis 31. October 12,621.708 Franks eingenommen.
- Vor kurzer Zeit starb in der Gegend von Rakonitz ein reicher Müller. In seinem Testament enterbte er seinen Sohn, während er sein gesammtes Vermögen zwei Töchtern vermachte. Dem Sohne war die Enterbung nicht recht, weshalb er zum Bezirksgerichte ging und nachstehende mysteriöse Geschichte zur Anzeige brachte: Vor 22 Jahren verheirathete sein Vater die älteste Tochter an Herrn Joseph R., welcher einen Maierhof vom Grafen W. gepachtet hatte. Er gab der Tochter als Mitgift vorläufig blos einige tausend Gulden, den Rest von 15,000 fl. versprach er dem Schwiegersohn in einem Jahre zu bezahlen. Als der Schwiegersohn in einem Jahre auf wiederholtes Schreiben das versprochene Geld nicht bekommen konnte, ging er selbst in die Mühle, um das Versprochene zu holen. Der Schwiegervater nahm ihn gut auf, und nach 11 Uhr Nachts gingen Alle zu Bette. Um Mitternacht stand der Müller auf, nahm eine unter dem Bette liegende Hacke und spaltete mii einem Schlage dem Schwiegersohn den Kopf. Die That hatte keinen anderen Zeugen als den genannten Sohn. Zeitig früh begrub der Müller die Leiche des Ermordeten im Garten. Durch Drohungen wußte er den Knaben zum Schweigen zu bewegen, traute ihm aber nicht und gab den Sohn bald aus dem Hause. Als er das Müllerhandwerk erlernt, mußte er auf die Wanderschaft gehen. Der Schwiegersohn verschwand damals ohne Spur, und allgemein hielt man dafür, daß er nach Amerika entflohen sei. In Folge dieser unglaublich genug klingenden Anzeige begab sich eine Gerichts=Commission zur bezeichneten Stelle im Garten und fand dort in der That menschliche Gebeine. Ob dies die Ueberreste des unglücklichen Schwiegersohnes sind, konnte jedoch nicht sichergestellt werden. Der Verstorbene soll seine Unthat auch im Beichtstuhle gestanden haben.
- Hühnerzucht und Eier in Frankreich. Nach einer französischen Zeitschrift werden in Frankreich etwa 45 Millionen Hühner gehalten, welche 3000 Millionen Eier legen. Man schätzt den Fleischertrag der geschlachteten Hühner auf 120 Millionen Mark und die Eier auf 150 Millionen Mark. In Frankreich gilt es als eine abgemachte Sache, daß im Eierstock der Henne sich keine Neubildung von Eiern vollzieht, woraus folgt, daß dieselbe während ihrer Lebenszeit nur eine bestimmte Anzahl Eier legen kann; wie viel Zeit vergeht, bis die einmal gebildeten Eier gelegt sind, das hängt allein von der Behandlung der Hühner ab. Ein schlecht genährtes Huhn wird 4-5 Jahre gebrauchen, um sich zu entleeren; wird das Huhn dagegen gut gefüttert und warm gehalten, entwickeln die Eier sich schneller und werden in kürzerer Zeit gelegt. Um die Eier im Preise zu erhalten, ist es nothwendig, sie täglich zu sammeln und ganz frisch an den Markt zu bringen. Im Leben des kleineren französischen Landwirths spielt die Hühnerzucht eine sehr große Rolle und die Mästung der Hühner bilden dort vielfach ein großartiges und einträgliches Geschäft. Das Geheimniß der französischen Hühnermast besteht darin, daß man von dem Augenblicke an, wo die Jungen aus dem Ei schlüpfen, bis dahin, daß sie geschlachtet werden, sie nicht blos am Leben erhält, wie anderswo der Fall ist, sondern daß man sie wirklich gut füttert und pflegt. In Folge dessen ist in 3-4 Wochen ein guter Braten für die Küche fertig und nach 6-7 Monaten ein großer hübscher Vogel, der sich auf der Pariser Mastgeflügel=Ausstellung sehen lassen kann. Professor Segelcke in Kopenhagen, welcher bei der diesjährigen Pariser Weltausstellung als Preisrichter für Eier fungirte, sagt u. A.: Ein Pariser Eiergeschäft, dessen Umsatz etwa der Eierausfuhr von ganz Dänemark gleichkommt (Dänemark exportirt ca. 26 Millionen Stück), nimmt darauf Bedacht, die Eier, deren Preis in den verschiedenen Jahreszeiten sehr verschieden ist, für die theuren Zeiten zu conserviren. Zu dem Ende werden die besten Eier in Bassins mit Kalkwasser gelegt, worin sie 3-5 Monate aufbewahrt werden können, ohne den mindesten Schaden zu nehmen. Segelcke hat selbst Eier aus den Bassins herausgenommen und geprüft, theils roh, theils weich gekocht, und es war ihm nicht möglich, diese Eier von den ganz frischen zu unterscheiden. Der Inhaber des Geschäfts ist Millionär geworden. Während der Belagerung von Paris hatte er 3-4 Mill. Eier eingelegt, von welchen die letzten mit 80 Pf. pr. Stück bezahlt wurden.
- Zu den Zeichen und Wundern unserer Zeit gehört, daß nicht nur eine Tochter des Frankfurter Hauses Rothschild katholisch wird, sondern auch ein Sohn desselben Hauses, Baron Ferdinand, unter die Schriftsteller gegangen ist. Das ziemlich wohlgerathene Kind seiner Laune heißt: "Vroni, eine Novelle."
- In Genf ist James Fazy, ein einst vielgenannter Mann, halb Politiker, halb Geldspekulant im großen Stil, 81 Jahr alt, gestorben.
- Aus Metz kommen Klagen, daß in dortiger Gegend Wölfe als lästige Gäste in großer Anzahl sich einfinden und ihre Streifereien bis wenige Kilometer vor der Stadt ausdehnen. Trotzdem, daß seit Uebergang an die deutsche Verwaltung durchschnitt=

[ => Original lesen: 1878 Nr. 90 Seite 3]

lich jedes Jahr ungefähr 50 Wölfe erlegt wurden, sei deren Anzahl immer noch größer, als im Interesse der Landwirthschaft, der Jagd und der öffentlichen Sicherheit liege. Auch sei für die nächste Zeit nicht an völlige Ausrottung zu denken, da dies theils durch die fast undurchdringlichen Waldungen des Elsaß, theils dadurch erschwert sei, daß sich mit den angrenzenden französischen Districten keine gemeinschaftlichen Jagden veranstalten lassen. Aus gleichen Gründen kommen dort auch die Wildschweine noch in großer Menge vor und richten alljährlich in Getreide= und Kartoffelfeldern, sowie in den Weinbergen bedeutenden Schaden an.
- (Ein "praktischer" Arzt.) An einem Wiener Theater ist ein Arzt angestellt, der an allen Gebrechen der Welt zu leiden vergiebt, wenigstens thut er dies Seinen Patienten gegenüber. Klagt ihm ein Bühnenmitglied, es leide an Asthma-sofort ruft er aus: "Wie, Sie leiden an Asthma, das ist noch gar nichts gegen meine Brust= und Athembeschwerden. Ich versichere Sie, ich verbringe seit Jahren schlaflose Nächte und doch stelle ich immer meinen Mann." Klagt ihm Jemand über Kopfweh, so leidet er selbst an den schrecklichsten Congestionen gegen das Gehirn; ist Jemand heiser, so laborirt der Arzt an fürchterlichem Halsweh. Aber er erzielt immer den Erfolg, daß seine Patienten seinem Beispiele folgen und trotz allerhand kleiner Leiden ihre Pflicht thun. Er hat sich aber in diese Gewohnheit so hineingelebt, daß, als er dieser Tage zu der Gemahlin des Directors gerufen wurde, welche das Unglück gehabt hatte, von der Treppe zu stürzen, er gleich beim Eintreten in das Zimmer den Klageruf ausstieß: "Wissen Sie, was mir passirt ist? Nicht viel hat gefehlt und ich hätte beim Hinaufeilen über die Treppe den Fuß gebrochen!" Es ist eben ein Musterarzt, der keinem Patienten die Krankheit allein gönnt. Stets muß er auch etwas davon haben und diese originelle Manier, den Kranken auf alle Fälle zu trösten, hat sich während seiner langen Praxis bis heute noch immer glänzend bewährt. Daß ihm aber, wo es darauf ankommt, auch drastischere Mittel zur Verfügung stehen, davon hat er, wie man erzählt, erst jüngst ein erzählenswerthes Pröbchen geliefert. Ein Sänger, dem häufig das Malheur passirte, daß ihm die Stimme versagte, klagte mürrisch dem Arzte: "Herr Doctor, Sie kuriren schon lange an mir herum, ohne sonderlichen Erfolg zu erzielen: packen Sie doch einmal die Sache energischer an und suchen Sie die Wurzel des Uebels mit einem Schlage zu heben. "Mit einem Schlag? das will ich!" sprach der Doctor, erhob seinen Stock und zerschmetterte mit einem Schlag desselben - eine große Weinflasche, die auf einem Nebentische stand.


Anzeigen.

In Sachen betreffend den Concurs über die Verlassenschaft des zu Lüdersdorf verstorbenen Halbhufners und Zieglermeisters August Winkenwerder wird, nachdem die erforderlichen Sicherheitsmaßregeln getroffen, mittelst des gegenwärtigen Prodams ein Liquidations=Termin auf

Freitag den 24. Januar 1879,
Vormittags 11 Uhr

vor dem Großherzoglichen Justiz=Amte hieselbst angesetzt, zu welchem Alle, welche aus irgend einem Grunde Ansprüche und Forderungen an den Halbhufner und Zieglermeister August Winkenwerder, in specie an dessen zu Lüdersdorf belegene Halbstelle c. p., soweit solche Ansprüche und Forderungen in Gemäßheit des Publicandi vom 26. August d. J., betr. den zwangsweisen öffentlich meistbietenden Verkauf dieser Halbstelle, nicht schon in dem auf Freitag den 22. November d. J. Morgens 11 Uhr vor Großherzogl. Justiz=Amte anstehenden Liquidationstermin zur Anmeldung gelangen müssen zu haben, vermeinen, Zwecks Anmeldung ihrer Ansprüche und Vorlegung ihrer schriftlichen Beweismittel unter dem hiedurch ein für alle Mal angedroheten Nachtheile der Abweisung von der vorhandenem Masse und des Ausschlusses mit ihren Beweismitteln, hiemit peremtorisch geladen werden.
Zugleich ist auch ein Termin auf

Mittwoch den 19. Februar 1879
Vormittags 11 Uhr

vor dem hiesigen Justiz=Amte anberaumt zum Versuche gütlicher Aufgreifung des Debitwesens und event. zur Prioritätsausführung, zu welchem die Winkenwerder'schen Gläubiger unter dem ein für alle Mal angedroheten Nachtheile der Einwilligung in die Gerichtswegen zu machenden Vergleichsvorschläge - wobei etwaige Ablehnungen oder Fristgesuche von Bevollmächtigten nur im Falle einer auf Widerspruch gerichteten Specialvollmacht, bloße schriftliche Erklärungen aber überall nicht berücksichtigt werden können - und des Ausschlusses mit der Prioritätsdeduction hierdurch geladen werden.
Den etwaigen Winkenwerder'schen Schuldnern wird hierdurch bei Strafe doppelter Zahlung aufgegeben, fortan nicht an die Winkenwerder'schen Erben, sondern nur an das unterzeichnete Justiz=Amt Zahlung zu leisten.
Schönberg, den 4. November 1878.

Großherzogliches Justiz=Amt der Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
H. Wohlfahrt.

A. Dufft.


Statt besonderer Meldung.

Durch die Geburt eines kräftigen Knaben wurden hoch erfreut

                          Actuar A. Dufft und Frau
                          geb. Müller.

Schönberg, den 10. November 1878.


Nach längeren Leiden entschlief meine liebe Frau Luise geb. Bohn heute Morgen sanft im 38 Jahre. Verwandten und Freunden widmet diese Anzeige mit der Bitte um stille Theilnahme, der tiefbetrübte Gatte, Kinder und Eltern.

A. Dreyer     

Rehna, den 8. November 1878.


Hagelschaden-Versicherungs-Verein für Mecklenburg-Schwerin und Strelitz zu Grevesmühlen.

Nach der in heutiger Directorial=Versammlung aufgestellten Berechnung sind in diesem Jahre versichert 2321977 Centner Getreide, dessen Werth nach den Preisen vom 15. August und 1. November d. J. 16650735 M. 30 Pfennig (Mecklenburg) beträgt.
Für die in diesem Jahre stattgefundenen 51 Hagelschäden sind mit Einschluß der Taxations= und sonstigen Kosten erforderlich 50299 M. Zur Aufbringung dieser Summe ist der diesjährige Beitrag auf 30 Pfennig pro 100 M. festgesetzt worden.
Nach Vorschrift des § 36 der Statuten wird solches mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß jedem Mitgliede über die Höhe des zu zahlenden Beitrages eine besondere Abrechnung zugehen wird.
Grevesmühlen, den 6. Nov. 1878.

Die Direction.


Huste=Nicht*) von L. H. Pietsch & Co. in Breslau, Honig=Kräuter=Malz=Extrakt und Caramellen*)

Jeder Husten kann höchst gefährlich werden. Wir machen darauf aufmerksam.
Zu haben in Schönberg, bei Herrn J. Ludw. D. Petersen.


Steingut-, Porcellan- und Glaswaaren-Handlung.
En gros! en detail!

Hiedurch erlaube mir die Anzeige zu machen, daß ich bei wirklich biligen Preisen, nur gegen Contant verkaufe. Von 3 Mark an 5 % Sconto.

J. N. Nisfen, Breitestrasse 795.     


[ => Original lesen: 1878 Nr. 90 Seite 4]

Ein großes Uebel weicht oft einem einfachen Mittel,
wie aus nachstehendem Schreiben hervorgeht:

       Herrn Fenchelhonigfabrikanten L. W. Egers in Breslau.

Buchoethen bei Kaukehmen, 7. Juni 1877.       

Mein zwei Jahr alter Sohn litt seit 6 Wochen dermaßen am Keuchhusten mit starkem Auwurf, daß der behandelnde Arzt Lunge für sehr angegriffen erklärte und an seinem Aufkommen zweifelte. Glücklicherweise erfuhr ich von Ihrem wohlbewährten Fenchelhonig*) und nach Gebrauch von 2 halben Flaschen bekam das schreckliche Uebel wie mit einem Schlage eine andere Wendung, so daß mein Junge jetzt Gottlob ganz gesund ist.

Carl Friederici, Besitzer.       

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*) Der zahlreichen Nachpfuschungen wegen beachte man, daß der Fenchelhonig nur echt ist, wenn die Flasche Siegel, Namenszug und im Glase eingebrannt die Firma von L. W. Egers in Breslau trägt. Verkaufsstelle in Schönberg allein bei Buchbinder C. Sievers.


Man biete dem Glücke die Hand!
375,000 R.-Mark

Haupt-Gewinn im günstigsten Falle bietet die allerneueste grosse Geld-Verloosung, welche von der hohen Regierung genehmigt und garantirt ist.
Die vortheilhafte Einrichtung des neuen Planes ist derart, dass im Laufe von wenigen Monaten durch 7 Verloosungen 42,600 Gewinne zur sichern Entscheidung kommen, darunter befinden sich Haupttreffer von eventuell R.-M. 375,000 speciell aber

1 Gewinn à M. 250,000
1 Gewinn à M. 125,000
1 Gewinn à M. 80,000
1 Gewinn à M. 60,000
1 Gewinn à M. 50,000
2 Gewinne à M. 40,000
1 Gewinn à M. 36,000
3 Gewinne à M. 30,000
1 Gewinn à M. 25,000
5 Gewinne à M. 20,000
6 Gewinne à M. 15,000
1 Gew. à M. 12,000
23 Gew. à M. 10,000
4 Gew. à M. 8,000
31 Gew. à M. 5,000
74 Gew. à M. 4,000
200 Gew. à M. 2,400
412 Gew. à M. 1,200
621 Gew. à M. 500
700 Gew. à M. 250
28015 Gew. à M. 138
etc. etc.
Die Gewinnziehungen sind planmässig amtlich festgestellt.
Zur nächsten ersten Gewinnziehung dieser grossen vom Staate garantirten Geldverloosung kostet
1 ganzes Original-Loos nur Mark 6
1 halbes Original-Loos nur Mark 3
1 viertel Original-Loos nur Mark 1 1/2.
Alle Aufträge werden sofort gegen Einsendung, Posteinzahlung oder Nachnahme des Betrages mit der grössten Sorgfalt ausgeführt und erhält Jedermann von uns die mit dem Staatswappen versehenen Original-Loose selbst in Händen.
Den Bestellungen werden die erforderlichen amtlichen Pläne gratis beigefügt und nach jeder Ziehung senden wir unseren Interessenten unaufgefordert amtliche Listen.
Die Auszahlung der Gewinne erfolgt stets prompt unter Staats-Garantie und kann durch directe Zusendungen oder auf Verlangen der Interessenten durch unsere Verbindungen an allen grösseren Plätzen Deutschlands veranlasst werden.
Unsere Collecte war stets vom Glücke begünstigt und hatte sich dieselbe unter vielen anderen bedeutenden Gewinnen oftmals der ersten Haupttreffer zu erfreuen, die den betreffenden Interessenten direct ausbezahlt wurden.
Voraussichtlich kann bei einem solchen auf der solidesten Basis gegründeten Unternehmen überall auf eine sehr rege Betheiligung mit Bestimmtheit gerechnet werden, und bitten wir daher, um alle Aufträge ausführen zu können, uns die Bestellungen baldigst und jedenfalls vor dem 30. November d. J. zukommen zu lassen.

Kaufmann & Simon,
Bank- und Wechsel-Geschäft in Hamburg.
Ein- und Verkauf aller Arten Staatsobligationen, Eisenbahn-Actien und Anlehnsloose.

P. S. Wir danken hierdurch für das uns seither geschenkte Vertrauen und indem wir bei Beginn der neuen Verloosung zur Betheiligung einladen, werden wir uns auch fernerhin bestreben, durch stets prompte und reelle Bedienung die volle Zufriedenheit unserer geehrten Interessenten zu erlangen.

D. O.          


Das Sandgraben auf der Lauer Feldmark unweit der Hohenmeile, hart an der Chaussee, ist bei angemessener Strafe verboten.
Lauen, im November 1878.

J. Prüss.     


Verloren auf dem Wege von Rehna nach Grieben ein Wagenschloß. Abzugeben gegen Belohnung bei Bäcker Düssler in Rehna.


!!! Dreh-Piano's !!!

mit 2 Walzen, 20 beliebte Tänze spielend, mit äußerst starkem Tone; besonders gut für Tanzmusik geeignet, empfiehlt zum billigsten Preise von 500 M.

A. F. Haussmann, Lübeck.
Piano-Magazin, Aegidienstrasse 643.


Bekanntmachung.

Der diesjährige Herbstbeitrag der Mitglieder des Lübecker Feuerversicherungs=Verein der Landbewohner ist in der Zeit vom 15. bis 30. Novbr. d. J. mit fünf Zehntel des einfachen Ansatzes (5/10 Simplum) auf dem hiesigen Bureau zu entrichten.
Lübeck den 5. October 1878.

                          Die Direction
                          des Lübecker Feuerversicherungs=Verein der Landbewohner
                          Bruhn, Sekretair.


Gastwirthen oder sonstigen soliden Personen ist der Verkauf eines überall leicht verkäuflichen Artikels bei hoher Provision zu übertragen. Franco=Offerten sind innerhalb 8 Tagen sub M. P. 800 postlagernd Carlsruhe (Baden) zu richten.


Zu dem am Donnerstag den 14. d. M. bei mir stattfindenden

Bauerballe

erlaube ich mir die geehrten Hauswirthe, sowie sonstige Freunde und Gönner ergebenst einzuladen.

J. Köster, Wittwe.     

Schönberg, den 6. November 1878.


Zu dem am Freitag den 22. d. M.

bei mir stattfindenden Bauerball erlaube ich mir sowohl die geehrten Hauswirthe als auch meine geschätzten Gönner zur gütigen Theilnahme hiedurch einzuladen.

Schönberg.                                                     Gastwirth Boye.


Zu dem am 15. Nov. bei mir stattfindenden

Ball

lade ich meine Freunde und Gönner hiedurch freundlichst ein.

Gastwirth H. Tretow in Demern.


Markt=Preise in Lübeck.
Butter pr. 500 Gr. M1,10 .
Tauben d. St. M0,45 .
Hühner d. St. M1,30 .
Enten d. St. M2,50 .
Küken d. St. M0,80 .
Hasen d. St. M3 - 4 .
Eier 4 St. für M0,30 .
Kartoffeln pr. 10 Lit. M0,50 .
Fette Gänse pr. 500 Gr. Pf.70 - 80 .


Getreide=Preise in Lübeck.
Waizen16 M -Pfennig  bis 17 M -Pfennig.
Roggen12 M 50Pfennig  bis 13 M 50Pfennig.
Gerste12 M 50Pfennig  bis 13 M 50Pfennig.
Hafer11 M -Pfennig  bis 12 M -Pfennig.
Erbsen12 M 50Pfennig  bis 16 M 50Pfennig.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


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