No. 60
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 03. August
1877
siebenundvierzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1877 Nr. 60 Seite 1]

Politische Rundschau.

Deutschland. Kaiser Wilhelm wird am 8. August mit dem Kaiser Franz Joseph in Ischl zusammentreffen.
Der Antrag des Reichsgesundheitsamtes auf Erlaß eines die Zwangs=Untersuchung alles geschlachteten Fleisches einführenden Gesetzes dürfte jetzt nach den betrübenden Vorkommnissen der jüngsten Zeit eine günstigere Aufnahme finden, als es früher den Anschein hatte, zumal das Amt in seiner, an den Reichskanzler gerichteten Eingabe die Ausführbarkeit eines solchem Gesetzes dargelegt hat. Als es sich vor einiger Zeit um Erlaß eines Gesetzes betreffs zwangsweiser Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen handelte, wurde in Preußen nicht darauf eingegangen, es vielmehr den Bezirks=Regierungen überlassen, durch Polizeiverordnungen in ihren bez. Bezirken, da, wo sie es für erforderlich erachten, eine derartige Fleischschau anzuordnen, was denn auch verschiedentlich geschehen ist.
Der in der Streitsache zwischen den Königreichen Preußen und Sachsen bezüglich der Berlin=Dresdener=Eisenbahn von dem hanseatischen Ober=Appellationsgericht zu Lübeck unterm 28. v. Mts. gefällte und den beiden betheiligten Regierungen bereits unmittelbar zugestellte Schiedsspruch ist sammt den Entscheidungsgründen seitens des Reichskanzlers dem Bundesrath zur Kenntnißnahme vorgelegt worden.
Die Commission zur Vorbereitung der Gesetzentwürfe wegen Einführung einer Reichs=Stempel= und Erbschaftssteuer ist in Berlin zusammengetreten.
In der nächsten Frühjahrs=Session des Reichstages soll unter anderen legislatorischen Vorlagen eine Vorlage, betreffend die Revision der Gewerbeordnung, besonders in Bezug auf das Lehrlingswesen, Frauen= und Kinderarbeit, einen Gegenstand der Reichstagsverhandlungen bilden.
Das deutsche Panzer=Geschwader, welches ausgesandt worden, um im Orient die deutschen Interessen zu wahren und den Schutz der Christen zu übernehmen ist, nach einem Telegramme aus Syra, dort eingetroffen und nach kurzem Aufenthalte nach Saloniki, der Hauptstadt Macedoniens und der wichtigsten Handelsstadt der europäischen Türkei am Meerbusen von Saloniki, abgegangen. Alle Berichte aus dem Oriente stimmen darin überein, daß die Absendung dieser stattlichen Flotte unseren deutschen Landsleuten dort zu hoher Freude gereicht und ihnen neben dem Gefühle größerer Sicherheit auch die Genugthuung gewährt, die Größe und Bedeutung des Vaterlandes gegenwärtig auch von den Türken anerkannt zu sehen.
Von den Befestigungsbauten, welche augenblicklich sich noch im Gange befinden, werden mit Ausschluß der Reichslande betroffen: im Westen Deutschlands die Festungen, Köln, Koblenz, Mainz, Rastatt, Ulm und Ingolstadt, im Osten Deutschlands: die Festungen Spandau, Küstrin, Posen, Thorn, Königsberg, Glogau und Neise. Küstenbefestigungsarbeiten werden betrieben in Danzig, Memel, Pillau, Kolberg, Swinemünde, Stralsund, Sonderburg=Düppel, an der untern Elbe und an der untern Weser. Endlich werden Befestigungsarbeiten betrieben in den Kriegshäfen Friedrichsort und Wilhelmshaven. Für diese ganzen Arbeiten sind insgesammt 170,973,000 Mark ausgeworfen.
Türkei. Die Nachricht von einer Schlacht am Lom=Flusse (in welcher die Russen gesiegt haben sollten) hat keinerlei Bestätigung gefunden, sich vielmehr als irrige Mittheilung eines Bukarester Blattes herausgestellt. Indeß gewinnt es den Anschein, als ob sich Alles zu einer Schlacht zuspitze, für welche wohl die Gegend um Tirnowa das Kampffeld bilden würde. Die Vereinigung Achmed Ejub Paschas mit Mehemed Ali, die (türkischerseits wenigstens gemeldete) Einnahme von Lowetz durch Osman Pascha sind Anzeichen, welche auf die beabsichtigte Vereinigung einer möglichst starken Feldarmee und auf deren Bestreben, die Russen zu einer Feldschlacht zu zwingen, schließen lassen. Von dem Ausgange einer solchen Schlacht zwischen Lom und Jantra ist die nächste Zukunft des ganzen Feldzuges abhängig.
Griechenland. Die griechische Regierung hat die französische davon verständigt, daß Griechenland wegen der politischen Situation die für das Jahr 1878 in Paris in Aussicht genommene Weltausstellung nicht beschicken könne.
Nordamerika. Aus Washington kommt mittelst Kabeldepesche die beruhigende Mittheilung, daß der Strike als beendigt betrachtet werden kann, obgleich sich auf den westlichen Eisenbahnlinien noch einige Strikende befinden.
Einem Kabeltelegramm aus New=York vom 27. Juli zufolge haben die Indianer unweit Deadwood, in dem Lande der schwarzen Hügel, 20 Weiße ermordet.


- Am 28 v. M. Vormittags fand in Rostock vor dem Großherzoglichen Oberappellationsgerichte die öffentliche Schlußverhandlung wider den Knecht Warnemünde, den Mörder der Frau des Chausseewärters Johst zu Roduchelsdorf, statt. Der Inculpat selbst war vorgeladen und erschienen. Die Verhandlung wurde, wie wir den "M. A." entnehmen, vom Vicepräsidenten Dr. Budde geleitet und nahm (einschließlich der Plaidoyers des Criminalfiscal zur Nedden und des Vertheidigers Advocaten Kuhrt von hier) 3 1/2 Stunden in Anspruch. Nach derselben zog sich das Collegium zurück und es wurde demnächst nach etwa zweistündiger Berathung desselben das Urtheil vom Vorsitzenden publicirt. Das Erkenntniß lautete auf Todesstrafe für den Knecht Warnemünde, gegen welchen somit von allen drei Instanzen, also rechtskräftig auf Tod erkannt worden ist. (Der vorliegende Fall ist, wie die "M. A." hinzufügen, auch insofern von besonderer juristischer Bedeutung, als er der erste ist, in welchem nach Einführung des neuen Strafgesetzbuchs ein nur durch Indicien überführter Mörder rechtskräftig zum Tode verurtheilt ist, womit gleichzeitig die Beseitigung der für einen solchen Fall die Todesstrafe nicht zulassenden Bestimmung des § 12 der einheimischen Verordnung vom Beweise im Criminalprozeß, insonderheit vom Indicienbeweise, vom 12. Jan. 1841 oberstrichterlich anerkannt worden ist.)
- Das Germanische Nationalmuseum zu Nürnberg wird in den Tagen vom 13. bis 17. August

[ => Original lesen: 1877 Nr. 60 Seite 2]

seine 25jährige Jubelfeier, zu der alle Freunde der deutschen Geschichts= und Alterthumskunde eingeladen sind, festlich begehen.
- Nürnberg, 27. Juli. Die Lebensmittelpolizei hat im Juni 2297 Visitationen bethätigt. Ein Mastochse und eine Kuh wurden perlsüchtig befunden. Die eine Hälfte des Ochsen konnte mit gewissen Beschränkung verkauft, die andere mußte, wie die ganze Kuh zu technischen Zwecken (Leimsund) verwendet werden. Ein verdorbenes Schwein wurde, mit Petroleum bestrichen, dem Wasenmeister übergeben. Sechs finnige Schweine wurden theils lebende theils geschlachtet, den Verkäufern zurückgestellt. Ein anderes, nothgeschlachtetes Schwein fand ebenfalls Verwendung zu technischen Zwecken. Eine Kuh, wegen Gedärmverschlingung geschlachtet, wurde zum menschlichen Genuß unter Beobachtung der oberpolizeilichen Vorschrift vom 15. April 1874 § 3 für tauglich erklärt. Ein Ochse, 28 Kälber und 11 Schweine zweiter Qualität wurden vom Verkauf an Großbankmetzger ausgeschlossen, desgl. 136 Heerd= und junge Stiere. Ein Charcutier wurden wegen Verkaufs von finnigem Fleische, ein anderer wegen Feilhalten Von finnigen Würsten zur Anzeige gebracht; 4 Milchverkäuferinnen, welche Milch feilboten, die mit Wasser von 10-30 Grad gefälscht war, wurden ebenfalls der Staatsanwaltschaft angezeigt, die Milch vernichtet.
- Aus Teheran (Persien) wird unterm 19. v. M. berichtet daß fünf Sechstel der Bevölkerung von Rescht in Folge des Grassirens der Pest, welche sich nunmehr auf die benachbarten Dörfer ausgedehnt hat, ausgewandert sind.
- Von der Höhe des Straßburger Münsters hat sich dieser Tage ein Weinhändler gestürzt, er fiel auf das Dach des Langschiffes und verschwand in einer Dachspalte. Er war natürlich todt; denn es war immerhin ein Sturz von 70-80 Fuß; man mußte ihn mit Seilen herausholen.
- Strousberg - den Doctorhut hat er ab gelegt - kommt in diesen Tagen aus Rußland nach Deutschland zurück. Es fragt sich nur, ob mit dem alten, von bitteren Erfahrungen geläuterten Unternehmungsgeist. Ein frischer Luftzug ohne Schwindel wäre für Handel und Wandel nützlich wie eine frische Brise dem matt dahingleitenden Schiffe.
- Im Canton Bern in der Schweiz gibts 2 Bauernhöfe, Haslebach und Oberfürten, die seit 400 Jahren ununterbrochen in derselben Familie geblieben sind, wie die Urkunden nachweisen.
- Der Cigarrenfabrikant Herr F. W. Haase in Bremen übersendet uns eine Flugschrift, in welcher er auf die sehr übliche künstliche Färbung von Cigarren aufmerksam macht. Zu dieser Färbung werden künstliche Beizen verwendet, die schwerlich der Gesundheit zuträglich sind. Gefärbt werden grade die beliebten dunklen und egalen Cigarrensorten.
- (Verscheuchte Fische?) In den Mündungen des Dnjestr ist eine bis jetzt noch nie dagewesene Masse Fische erschienen, was sich durch deren Verscheuchung aus der Donau erklärt, wo sie durch Kanonendonner beunruhigt worden sind.
- In der Wiener "Jagdzeitung" erzählt ein im Jägerleben wohlbewanderter Waidmann folgende "Jagdgeschichte" aus seinen Erlebnissen: Es war Hochsommer, ein Jahrmarkt vor der Thür, dem jedes Jahr einige Stück Schmalwild gespendet wurden. Ich halte einem Jagdgaste einen sicheren Stand in meinem Thiergarten gegeben und mich auf eines Schusses Weite unter ihn placirt. Plötzlich kam ein Rudel von 4 Stück Wild auf meinen Gast, äugte denselben aber und wechselte in gerader Linie auf mich zu. Sobald das kleine Rudel die Schützenlinie passirt hatte, suchte ich mir ein Schmalthier aus, bemerkte aber, daß während des Ablassens meines Schusses das Wild plötzlich durcheinander gefahren und ein altes Thier, welches hinter dem Schmalthiere flüchtig war, durch rasche Bewegung in gleiche Richtung hinter letzteres gelangte. Auf den Schuß stürzte das auf das Visir genommene Stück Schmalwild; als ich mich demselben näherte, sah ich ein zweites gleiches Stück hinter dem vordersten liegen. Das bestimmte, freigewesene, vorderste Schmalthier war durch die Blätter geschossen, dem von demselben gedeckten hatte die Kugel durch die Halsarterie durchgeschlagen und war gleichfalls durch selbiges hindurchgedrungen. Nachdem ich beide Stücke geknickt hatte, wurde Recherche gepflogen, ob die durch dieselben hindurchgedrungene Kugel nicht etwa das alte Thier noch möchte erfaßt haben - und siehe da, das letztere lag etwa 200 Schritte vom Anschusse verendet, das Geschoß war jedoch in der Lunge stecken geblieben. Diesen Jagdfall hat eine ganz gewöhnliche Büchsflinte mir einer Rundkugel und verhältnißmäßig wenig Pulver herbeigeführt! In Oberösterreich wissen "alte Jäger" eine Geschichte zu erzählen, die ganz ähnlich klingt, nur war die Jagdbeute eine noch viel größere; das letzte der verendeten Thiere hatte im Umfallen einen Hasen erdrückt; der glückliche Jäger schlug vor Freuden die Hände über den Kopf zusammen -und siehe da, eine Waldschnepfe fiel todt zu Boden. Sie war ihm zwischen die Handflächen gerathen.
- In Wien war's, die gnädige Frau kommt mit ihrem Sohne, einem Einjährig=Freiwilligen, vom Spaziergang heim und überrascht ihr Zimmermädchen am häuslichen Heerde in Gesellschaft eines Soldaten. Fi Donc, sagt sie zu ihrem Sohn, geh' doch hinüber und weise dem Menschen die Thüre! - Sogleich, gnädige Frau Mutter! - Er geht, kommt aber sofort bestürzt zurück: Mama, es geht nicht, der Mensch ist mein - Corporal. -


Anzeigen.

Antragsmäßig soll über die zu Lübseerhagen belegene Vollstelle c. p. der Ehefrau des Schulzen Egert daselbst, Louise geb. Callies, ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle Diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstücke zu haben vermeinen, und deren Eintragung in das niederzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf

Sonnabend, den 13. October d. J.,
Vormittags 11 Uhr,

peremtorisch und unter dem Nachtheile hiemit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht nicht ausgenommenen Realrechte an dem proclamirten Grundstücke, sowohl gegen die jetzige Besitzerin, als auch die künftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Anmeldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubiger welche ihre Forderungen auf einem mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidationstermine ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichnenden Postenzettel vollständig und richtig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 28. Juli 1877.

Großherzogliches Justiz=Amt der Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
Horn.

A. Dufft.    


Die von uns auf Sonnabend, den 4., Montag den 6. und Dienstag den 7. August, Abends 7 1/2 Uhr, angesetzt gewesenen meistbietenden Verkäufe auf dem Rupensdorfer Felde, dem Palmberge, dem Rüben= und Mühlenkamp, sowie auf dem Spiegelfelde finden wegen jetzt geschehener Pachtzahlung der betreffenden Restanten nicht statt.
Schönberg, den 2. August 1877.

Der Magistrat.


Auction.

Am Mittwoch, den 8. August d. J., Morgens von 9 Uhr an, sollen auf der Oelmühle zum Hammer die zur Concursmasse des Oelmüllers A. Capell gehörenden Gegenstände öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden, als: 1 doppeltes Comptoirpult, hölzerne Oelkisten mit Blei ausgeschlagen, circa 300 leere Oeltonnen, 1 Dreschmaschine, 3 Kreissägen, 1 Heckerlingmaschine, 1 Heckerlinglade, 1 1/2 Stück Preßtuch, Ober= und Unterbetten und Pfühle, Bettstellen, 1 Staubmühle, 2 gute große Decimalwaagen mit Gewichten, altes Gußeisen, 92 mille ebenkantige Streichbretter, Streichtische, Bretter, Schubkarren, Lehmkarren, Karrensielen, Drainsmaschinen, Maschinen zur Anfertigung der Ziegel, Tradengeschirre, eine Quantität Steinkohlen, 150

[ => Original lesen: 1877 Nr. 60 Seite 3]

Stück Krippensteine, circa 20 mille Stücksteine, Felsen, 4 Bauwagen u. s. w.
Mannhagen, den 24. Juli 1877.

W. Solvie.     


Eisenbahn     Mecklenburgische Friedrich=Franz=Eisenbahn.
Am Sonntag den 5. August cr. wird ein
Extrazug
Hamburg=Lübeck=Schwerin und zurück
abgefertigt.

Abfahrt von Lübeck 7 Uhr 15 Min. Morg.
Abfahrt von Schönberg 7 Uhr 46 Min. Morg.
Abfahrt von Grevesmühlen 8 Uhr 13 Min. Morg.
Abfahrt von Bobitz 8 Uhr 34 Min. Morg.
Abfahrt von Kleinen 9 Uhr 7 Min. Morg.
Ankunft in Schwerin 9 Uhr 30 Min. Morg.

-----------------------

Abfahrt von Schwerin 9 Uhr 7 Min. Abds.
Ankunft in Kleinen 9 Uhr 36 Min. Abds.
Ankunft in Bobitz 9 Uhr 50 Min. Abds.
Ankunft in Grevesmühlen 10 Uhr 13 Min. Abds.
Ankunft in Schönberg 109 Uhr 38 Min. Abds.
Ankunft in Lübeck 11 Uhr 5 Min. Abds.

Auf den vorgenannten Stationen werden an diesem Tage zu dem Extrazuge Hamburg=Lübeck=Schwerin    Fahrbillets II. und III. Wagenclasse nach Schwerin zum einfachen Fahrpreise
ausgegeben, welche zur Rückfahrt nicht allein zu dem Extrazuge Schwerin=Lübeck=Hamburg sondern auch zu allen fahrplanmäßigen Personenzügen am 5. und 6. August cr.

mit Ausschluß jedoch der Schnellzüge

Gültigkeit haben.
In gleicher Weise werden am 5. August zu dem um 8 Uhr Morgens abgehenden Zuge in Wismar Billets zum einfachen Fahrpreise nach Schwerin ausgegeben, welche zur Rückfahrt mit allen Personenzügen am 5. und 6. August berechtigen.
Freigewicht für Gepäck wird auf diese Doppelbillets nicht gewährt.

Die Direction.     


Zu dem am

Montag, den 13. August d. J.
in Rehna

stattfindenden

großen Gesangfest
des Elbe=Sängerbundes

ladet freundlichst ein
Rehna, den 1. August 1877.

die Fest-Commite.     

Fest-Programm: Morgens 7 Uhr Reveille, 9 Uhr Empfang der fremden Gäste, demnächst Musik auf dem Markte; Nachmittags 2 bis 3 Uhr Festzug durch die decorirte Stadt, Festrede, 3 bis 6 Uhr Concert im Schützengarten, 7 Uhr Festessen mit nachfolgendem Balle.


Hotel National.
Berlin N.
129 Invalidenstrasse 129.
gegenüber dem Stettiner Bahnhof.
Hotel und Restaurant I. Ranges.
Reich ausgestattete Zimmer schon für M. 1,25.
Vorzügliche Weine.
Feinstes Nürnb. Bier v. Fass. Brauerei: Henninger.

(S. 868)     


Füllen-Schau und -Markt,
veranstaltet vom
Landwirthschaftlichen Verein zu Lübeck
auf dem Schützenhofe zu Lübeck
am 23. August 1877.
---------------
Programm:

Zur Prämirung werden nur Saugefüllen zugelassen.
Hinsichtlich der Schau und des Marktes findet in Bezug auf das Alter der Füllen keine Beschränkung statt.
Als Preise sind ausgesetzt:
     1) für Hengstfüllen 50 M. und 25 M.      2) für Stutfüllen 50 M. und 25 M. Von 7 Uhr morgens bis zum Beginn der Schau um 9 Uhr müssen die Füllen auf den Platz gebracht werden.
Zwischen 12 und 1 Uhr wird das Urtheil der Preisrichter verkündigt.
Eine etwaige Versteigerung findet nach Schluß der Schau um 1 Uhr statt.
Kein zur Schau gebrachtes Füllen darf vor 1 Uhr vom Platz entfernt werden.
Das Eintrittsgeld beträgt 50 Pfennig (Mecklenburg). à Person, die Führer der Füllen sind von demselben befreit.
Standgeld wird nicht erhoben.
Lübeck im Juni 1877.

Das Comité.     


Meine noch vorräthigen diesjährigen

Sommer-Kleiderzeuge

verkaufe von heute an zu bedeutend heruntergesetzten Preisen.
Schönberg.

August Creutzfeldt.     


Bremer Bierkruken,

in allen Größen, sowie

Porzellansachen,

verkaufe ich um damit zu räumen, zum Einkaufspreis.

Schönberg.                                                     H. Duve.


Erndtehandschuhe

in großer Auswahl und in verschiedenen Sorten sind stets zu haben in Schönberg bei

                          Emil Jannicke.
                          Handschuhmacher und Bandagist.


Sonnabend, den 4. August

Marienthaler Doppel-Bier
vom Faß
Anstich abends 7 Uhr.

Wozu freundlichst einladet

F. Tesch.     


Während der Erndtezeit werde ich mit meinem Omnibus nur an den Tagen:

Sonntag, Dienstag und Freitag

von Carlow nach Schönberg fahren.

Büdner Oldenburg, Carlow.     


Von Richter's Verlags=Anstalt in Leipzig wird auf Wunsch ein Auszug aus diesem Buche Jedermann gratis und franco zur Einsicht gesandt.

Ein großartiger Erfolg

ist es ohne Zweifel, wenn von einem Buche 90 Auflagen erschienen sind und um so großartiger ist derselbe, wenn dies trotz gehässiger Angriffe möglich war und in einer so kurzen Zeit, wie solches der Fall, bei dem illustrirten Buche:

Dr. Airy's Naturheilmethode

Dies vorzüglich populär=wissenschaftliche Werk kann mit Recht allen Kranken, welche bewährte Heilmittel zur Beseitigung ihrer Leiden anwenden wollen, dringend zur Durchsicht empfohlen werden. Die darin abgedruckten Atteste beweisen die außerordentlichen Heilerfolge und sind eine Garantie dafür, daß das Vertrauen nicht getäuscht wird. Obiges über 500 Seiten starke, nur 1 Mark kostende Buch ist in jeder Buchhandlung vorräthig, wird aber auch auf Wunsch direct von Richter's Verlags=Anstalt in Leipzig gegen Einsendung von 10 Briefmarken à 10 Pf. versandt.


[ => Original lesen: 1877 Nr. 60 Seite 4]

Concert,
am Sonntag, den 5. August im Garten der Frau Gastwirthin Köster.
Anfang Nachmittags 4 Uhr.                           Entree à Person 30 Pf.

Die Vereinsmusiker.     


Guano der Peruanischen Regierung.

Wir zeigen hierdurch an, dass wir nach wie vor mit grossen Vorräthen von

direct importirtem Peru-Guano

versehen sind und eingehende Aufträge darauf jederzeit prompt effectuiren werden.
Auf Anfragen über Preise etc. dienen wir bereitwilligst mit näherer Auskunft.

----------------------

Aufgeschlossenen Peru-Guano

in sofort verwendbarer Pulverform mit einem garantirten Gehalt in demselben von                           7 % gegen Verpflüchtigung geschützten Stickstoff und
                          9 1/2 % leicht löslicher Phosphorsäure, (mit bisheriger Analysen-Latitude) werden wir von heute ab zu einem um 25 Mark per 1000 Kilo ermässigte Preise und zwar ab Lager hier liefern zu
                          M. 260. - bei Abnahme von 30,000 Kilo und Mehr,
                          M. 280. - bei Abnahme unter 30,000 Kilo,
per 1000 Kilo, inclusive Säcke, exclusive Verladungsspesen, gegen comptante Zahlung in Reichsmünze.
Ueber sonstige Verkaufsbedingungen geben wir auf Anfrage gern Auskunft.
Zur grösseren Sicherstellung unserer Abnehmer vor Täuschungen, wie solche wieder mehrfach zu unserer Kenntniss gebracht worden sind, lassen wir jeden einzelnen Sack mit einer, unsere behördlich registrirte Fabrikmarke tragenden, nachfolgend verzeichneten Plombe

Bleiblombe                                                     Bleiblombe

versehen, was wir bei Ankäufen zu beachten bitten.
Hamburg, den 1. Juli 1877.

Ohlendorff & Co.,
alleinige Agenten der Herren Dreyfus Frères & Cie in Paris (Contrahenten der Peruanischen Regierung) für den Verkauf des Peruanischen Guanos in ganz Deutschland und dem Norden
und von denselben ausschliesslich autorisirte Fabrikanten des aufgeschlossenen Peru=Guanos für ganz Europa und die Colonien.


Liebig's Kumys=Extract

ist nach neuest. Forschungen mediz. Autoritäten alleiniges, sicheres diät. Radical=Mittel bei: Halsschwindsucht, Lungenleiden (Tuberculose, Abzehrung, Brustkrankheit), Magen=, Darm= und Bronchial=Catarrh (Husten mit Auswurf), Rückenmarksschwindsucht, Asthma, Bleichsucht, allen Schwächezuständen (namentlich nach schweren Krankheiten). Kisten von 5 Flacon an à Flacon 1 1/2 Mark excl. Verpackung versend. mit Gebrauchsanw.: Hartung's Kumys=Anstalt, Berlin W., Verläng. Genthiner St. 7. Aerztl. Brochüre über Kumys=Kur liegt jeder Sendung bei.
Wo alle Mittel erfolglos, mache man vertrauensvoll den letzten Versuch mit Kumys, Heilung wird der Lohn sein.


Von meiner Koppel sind am Montag, den 30. Juni 4 1jährigeKälber entlaufen, 3 davon roth und 1 roth und weiß. Ich bitte, mir gefällige Nachricht geben zu wollen, wenn sich dieselben irgendwo eingefunden haben.

Hauswirth Oldenburg in Selmsdorf.     


Das Betreten nicht Befugter unserer Wiesen am Rupersdorfer Bach, sowie unserer übrigen Ländereien, verbieten wir hiermit bei Strafe gerichtlicher Ahndung.

A. Heitmann.     
J. Boye.            


Einen fast neuen, wenig gebrauchten

Einspänner,

Sielen mit Zaum, complet, preiswerth zu verkaufen.

Schönberg.                                                     H. Duve.


Zu vermiethen auf Michaelis eine freundliche

Tagelöhnerwohnung

in Seeretz bei Schwartau.

A. Meuck.     


Empfohlen zum 24. Oktober

Wirthschafterin, Meierin, Stubenmädchen, Köchin und Hausknechte
durch                                                    Rebescky, Grevesmühlen.


Sonntag                                                    
große Tanzmusik
bei                                                    Johannes Eckmann, Carlow.


Kirchliche Nachrichten.

Sonntag, 5. August.
Früh=Kirche: fällt aus.
Vormittags=Kirche: Pastor Kämpffer.
Amtswoche: Pastor Kämpffer.


Getreide=Preise in Lübeck.
Waizen20 M -Pfennig  bis 26 M -Pfennig.
Roggen17 M 50Pfennig  bis 18 M 50Pfennig.
Gerste15 M -Pfennig  bis 17 M -Pfennig.
Hafer15 M -Pfennig  bis 16 M 50Pfennig.
Erbsen15 M -Pfennig  bis 17 M -Pfennig.


Markt=Preise in Lübeck.
Butter pr. 500 Gr. M1,20 .
Hühner d. St. M1,40 .
Tauben d. St. M0,40 .
Schinken pr. 500 Gr. M0,90 .
Wurst pr. 500 Gr. M1,25 .
Eier 5 St. für M0,30 .
Kücken d. St. M0,70 .


(Hierzu eine Beilage.)


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1877 Nr. 60 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 60 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
Schönberg, den 3. August 1877.


Falsche Münze.
Eine Erzählung.
(Fortsetzung.)

[ => Original lesen: 1877 Nr. 60 Seite 6]

Falsche Münze.
Eine Erzählung.
[Fortsetzung.]


- Am Balkan begegnen sich ein Kosak und ein türkischer Baschiboschuk auf freiem Felde. Einer stürzt auf den Andern los und sie packen sich gleichzeitig am Kragen: Jetzt hab' ich Dich! - Und ich Dich auch! - Du bist mein Gefangener! - Und Du meiner! - Nun, Du hast einen Gefangenen und ich hab' einen. Wie wär's, wenn wir sie gegen einander austauschten? - Einverstanden! - Darauf drückt einer der Biedermänner dem andern die ungewaschene Hand und reitet vergnügt seines Weges.
- "Jetzt ist's 3 Uhr Morgens" zankte die Frau. "Die ganze Nacht habe ich hier im Wiegestuhl gesessen und auf Dich gewartet. Der Kopf thut mir weh, mir ist ganz schwindlich -" "Das muß an der Wohnung liegen," lallte der Mann, "mir gehts ganz ebenso - ohne Wiegestuhl!"


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