No. 62
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 10. August
1875
fünfundvierzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1875 Nr. 62 Seite 1]

Es wird hiedurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß das Füsilier=Bataillon 2. Hanseatischen Infanterie=Regiments Nr. 76 zu Lübeck am 12. dieses Monats auf der Palinger Heide Schießübungen abhalten wird. Zur Vermeidung von Unglücksfällen wird das Betreten des Terrains, welches durch den Landgraben von Brandenbaum bis Schwarzmühle und durch die Wege Brandenbaum=Palingen und Palingen=Schwarzmühle begrenzt wird, an dem gedachten Tage hiedurch bei Strafe verboten.
Schönberg, den 4. August 1875.

Großherzogl. Mecklenb. Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
F. Graf Eyben.     H. Wohlfahrt.     F. v. Dewitz.


Politische Rundschau.

Deutschland. Die freie Concurrenz war bekanntlich das Universalmittel, welches der Liberalismus nach Art der Revalenta arabica der Welt anpries und darum machte die abergläubige Welt denn auch die freie Concurrenz zum Leitstern unserer ganzen wirthschaftlichen Gesetzgebung. Die freie Concurrenz sollte nicht bloß dem Publikum billige Waare und Arbeit sondern merkwürdiger Weise auch zugleich den Arbeitern hohe Löhne bringen. Es half nichts, wenn man auf den Unsinn hiervon sowie auf die nothwendig daraus folgende Zerrüttung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse hinwies, wenn man durch schrankenlose Gewerbe= und Actienfreiheit der Faulheit und Spitzbüberei gleichsam einen Freibrief ausstelle. Man fand dafür bei der bethörten Volksmasse keinen Glauben. Es ist ja hinlänglich bekannt, welche schreienden Mißstände die liberale Wirthschaft hervorgerufen hat; wenn auch die liberalen Zeitungen soviel als möglich davon schweigen, so schreien die Steine auf der Gasse davon. Aber ein interessantes Beispiel, wie wir mit unseren wirthschaftlichen Zuständen hinter das Ausland zurückgekommen sind, bietet die mehrfach berichtete Thatsache dar, daß der Fürst Pleß zum Bau eines berliner neuen Palastes selbst die Materialien zum Theil aus Frankreich bezogen hat und daß die eiserne Dachconstruction ihm einschließlich des Transportes aus Paris um 15,000 Mark billiger kommt, als der Mindestfordernde in Berlin für das einfache Material verlangt hatte. Auch Bauarbeiter läßt man jetzt aus Frankreich kommen, weil diese wohlfeiler und billiger als die Berliner. - Darf man sich darüber wundern, wenn man bedenkt, wie in den letzten 10 Jahren vom Liberalismus aller Schattirungen in der deutschen Arbeiterwelt gewühlt worden ist, bis man sie endlich richtig in die Hände der Sozialdemokraten getrieben hat? Fleiß und Sparsamkeit sind natürlich Tugenden. Solche wachsen aber nicht auf dem Sumpfboden politischer Agitation; der Geistesmacht aber, welche allein Tugenden in die Herzen der Menschen zu pflanzen vermag - der christlichen Religion - hat man die Arbeiter richtig entfremdet und sie glücklich dem Materialismus in die Arme getrieben! Wenn man sich einbildet, dadurch, daß man jetzt Arbeiter aus dem Auslande kommen läßt und die deutschen arbeits= und verdienstlos am Markte stehen läßt, könne man dieselben zur Tugend zurückführen, so dürfte sich diese Meinung als sehr verkehrt erweisen; viel eher könnte dadurch die von der Sozialdemokratie schon lange geladene Pulvertonne platzen - und ohne einen solchen Krach wird's überhaupt schwerlich abgehen.
Unter den Vorlagen für den nächsten Reichstag soll sich auch wieder der frühere unerledigt gebliebene Entwurf über den Rechnungshof und die Einnahmen und Ausgaben des Reiches befinden. Es wird auch immer noch davon geredet, daß in irgend einer Form - ob als Zusatz zu dem Jesuitengesetz oder als besonderes Klostergesetz, steht dahin - das preußische Klostergesetz, d. h. die Aufhebung der Mönchs= und Nonnenklöster auf das Reich ausgedehnt werden soll. - Ob die Justizreformgesetze in der nächsten Reichstags=Sitzungs=Periode zur Berathung kommen werden, ist noch sehr zweifelhaft, da die Commission ihre Vorarbeiten schwerlich rechtzeitig beendigen können.
Auf den deutschen Münzstätten herrscht eine große Thätigkeit, welche sich auch auf die Herstellung silberner Fünfmarkstücke und Fünfzigpfennigstücke erstreckt.
Aus Prag ist die Meldung von einer schweren Erkrankung der Fürstin von Hanau, der Wittwe des Kurfürsten von Hessen, eingegangen.
Die preußische Kronprinzessin wird den Manövern in Schlesien beiwohnen. Dieselbe gedenkt dem Kaiser ihr Husaren=Regiment (2. Leib=Husaren=Regiment Nr. 2) selbst vorzuführen.
Wie in früheren Jahren, so sind auch diesmal sehr zahlreiche Meldungen fremdherrlicher Offiziere zur Theilnahme an den diesseitigen Herbstmanövern eingegangen, besonders zahlreich namentlich aus Oesterreich und Frankreich. Selbstverständlich haben alle Anträge ein bereitwilliges Entgegenkommen gefunden.
Frankreich. Wie aus Paris gemeldet wird, hat der Appellhof das Urtheil erster Instanz, durch welches der Maler Courbet zur Tragung der Kosten für Wiederherstellung der Vendomesäule verurtheilt wurde, bestätigt. - Nachrichten aus dem Jura zufolge hegt man wegen einer Ueberschwemmung bei Lons le Saulnier lebhafte Besorgnisse.
Die Nationalversammlung ging am 4. August unter einigen schüchternen Hochrufen auf die Republik in die Ferien. Von besonderer Ernsthaftigkeit und besonderem Patriotismus hat sie in den letzten Sitzungen eben keine Beweise geliefert. Nachdem sie vor leeren Bänken ohne Discussion die Budgetgesetze für 1876 erledigt hatte, war sie nur mit Mühe dahin zu bringen, die Vorlage über die strategische Gürtelbahn um Paris wenigstens zum Schein zu prüfen. Diese "große Gürtelbahn," im Gegensatze zu der gegenwärtigen kleinen Gürtelbahn, soll dem neuen Schutzgürtel angepaßt werden.

[ => Original lesen: 1875 Nr. 62 Seite 2]

Spanien. Viel Aufsehen hat die Anerkennung Don Alfonsos von Seiten eines seiner eifrigsten Gegner, des Herzogs de la Union de Cuba gemacht, der seine Unterwerfung vor einigen Tagen in Paris auf der spanischen Botschaft angezeigt hat. Seitdem man angefangen hat, alles Eigenthum von carlistenfreundlichen Familien einzuziehen, ist die Sache für Manchen ernst geworden; ehe sie ihre Besitzungen einbüßen, ändern sie lieber ihre Haltung.
Türkei. Der Aufstand in der Herzegowina scheint von größerer Bedeutung zu sein, als es nach den bisherigen Nachrichten zu sein schien. Die Einschließung der nahe an der österreichischen Grenze gelegenen Stadt Trebinje wird jetzt mit dem Hinzufügen bestätigt, daß der Einschließung mehrere Gefechte zwischen der schwachen türkischen Besatzung der Stadt und den dort in großer Ueberzahl operirenden Insurgenten vorangegangen seien, wobei letztere einige von Türken bewohnte Vororte Trebinjes niedergebrannt hatten - Eine Privatdepesche der "Voss. Ztg." aus Wien ist der Meinung, daß die Einnahme baldigst zu erwarten sei. Die Belagerer zählen nach Tausenden, während in der Stadt nur etwa 400 türkische Jäger sind.
Merkwürdiger Weise legt der Sultan jetzt auf einmal einen großen Eifer für den Bau der Eisenbahnen an den Tag - wahrscheinlich in der Vorsicht, daß er, wie das bei türkischen Versprechen in der Regel der Fall ist, doch nicht zur Ausführung kommt. So wird berichtet, der Sultan beabsichtige jährlich 480,000 türkische Lire von seiner Civilliste für den Bau der Eisenbahn nach Bagdad zu verwenden.


Aus Newyork ist vom 1. d. M. die Nachricht eingegangen, daß der frühere Präsident Johnson, der Vorgänger Grants und Nachfolger Lincolns, gestorben ist.
- Kassel. Wie das Kass. "Tagebl." meldet, begab sich die Tochter des Generals von Blumenthal am 29. Juli nach ihrem Badezimmer, um ein Bad zu nehmen. Als dieselbe nach ungewöhnlich langer Zeit von dort nicht zurückkehrte und auf das Rufen nach ihr keine Antwort gab, wurde die Thür geöffnet, und fand man die Dame, von den Gasen der zur Erwärmung des Wassers dienenden Kohlenheizung erstickt, todt auf dem Boden liegen.
- Endlich ist es Meister Hamm durch einige kleine Abänderungen an der Axe und am Klöpfel der Kaiserglocke in Cöln gelungen, den Erzkoloß zum Läuten zu bringen. Am 4. d. M. ließ dieser seine tiefe Baßstimme erschallen. Nach acht bis zehn Tagen wird nun das Probeläuten stattfinden.
- In Florenz hat sich ein Comite gebildet, um im Mai 1876 in würdiger Weise das Andenken des Bartolomeo Christofori, des Erfinders des Claviers, zu feiern, dessen letzte Reste bis dahin unbeachtet und vergessen in der ehemaligen Kirche S. Jacopo tra fossi bestattet lagen.
- Wie man reich wird. Ein Modewaarenhändler in Baltimore - erzählt ein dortiges Blatt - der vor zehn Jahren einen Papagei lehrte, zu jeder Dame, die in seinem Kaufladen trat, zu sagen: "Reizendes Geschöpf!" ist jetzt ein - Millionär.


Weihnachten und der Krieg
oder
Der Friede in Gott.

[ => Original lesen: 1875 Nr. 62 Seite 3]

Weihnachten und der Krieg
oder
Der Friede in Gott.
[Fortsetzung.]


Anzeigen.

Zufolge der Verfügung vom heutigen Dato ist antragsmäßig in das hiesige Handelsregister Fol. XXXVI sub Nr. 49 eingetragen worden:

Columne 3: Joachim Kleinfeld.
Columne 4: Hamburg.
Columne 5: Kaufmann Hans Joachim Heinrich Kleinfeldt in Herrnburg.
Schönberg, im Fürstenthum Ratzeburg,
den 6. August 1875.

Das Handelsgericht.
F. v. Dewitz.

A. Dufft.     


Schulsache.

Der Unterricht der Real= und Bürgerschule beginnt nicht Montag den 16., sondern Donnerstag den 19. d. Mts.

Schönberg.                                              Die Direktion.


Dr. E. Peters,
pract. Arzt, Wundarzt u. Geburtshelfer, approbirter Augenarzt.

Hierdurch zeige ich an, daß ich mich hier als practischer Arzt niedergelassen habe.
Rehna, den 26. Juli 1875.


Hübsche Kinder=Wagen

in grau und braun mit Matratzen und Kopfpfühl; auch

Schrauben=Schlüssel

sind zu haben bei

Ratzeburg.                                             W. Gärtner.


Schleuderhonig, à Pfund 75 Pf.
Scheibenhonig, à Pfund 85 Pf.
Schönberg. J. Wegner


Trunksucht heilt gründlich, mit oder ohne Wissen des Trinkers, Honorar 15 Mark:

Wwe. Grone in Ahaus i/Westf.


Probsteiner Saat=Roggen

empfiehlt und nimmt fernere Aufträge darauf entgegen

F. Heitmann, Schönberg.     


Zum 24. October suche gegen guten Lohn ein tüchtiges freundliches Mädchen für Küche und Hausarbeit, sowie ein kleines Kindermädchen.
Anmeldungen in der Expedition der Anzeigen zu Schönberg.


Grosses
Militär-Concert
im Gastwirth
Schwiesow'schen Garten
am Sonnabend den 14. August,
Nachmittags 5 Uhr,
ausgeführt von dem Hautboisten=Corps des Neustrelitzer Bataillons, 33 Mann,
unter Leitung des Herrn Musik=Directors Burald.
Nach dem Concert Tanzvergnügen.

Billette à Stück 50 Pfennig (Mecklenburg) sind schon jetzt zu haben bei Herrn Senator

Aug. Spehr, Herrn Kaufmann Petersen und im Schwiesow'schen Gartenlokal.
Billetts an der Casse à Stück 75 Pfennig (Mecklenburg).
Es wird freundlichst um recht zahlreichen Besuch gebeten.
Schönberg, im August 1875.


[ => Original lesen: 1875 Nr. 62 Seite 4]

          Vorräthig in allen renommirten Buch- & Musikalien-Handlungen.          
Deutsche Fantasie
zur Einweihung des
Hermann - Denkmals
für Clavir componirt von
D. Krug.
Op. 333. - M. 1,50 netto.

Dieses neueste Werk des überall beliebten Componisten Dietrich Krug ist überaus dankbar und effectvoll und wird bald das beliebteste Salonstück der Gegenwart sein.
Der Titel zeigt eine schöne Abbildung des Hermann-Denkmals in Tondruck. Gegen Einsendung von M. 1,50 in Freimarken oder per Postanweisung versende ich franco.

Pet. Jos. Tonger, Cöln a. Rh.


Bilanz
der
Mecklenburgischen Lebensversicherungs- und Spar-Bank
in Schwerin
pro ultimo Juli 1875.

[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]

Schwerin, den 5. August 1875.

Mecklenburgische Lebensversicherungs= und Spar=Bank.
C. A. Schwerdtfeger, Director.
C. L. F. Soltau, General=Agent.


Die Mecklenburgische Lebensversicherungs= und Spar=Bank
in Schwerin

schließt Lebensversicherungen, Leibrenten=Versicherungen, Kapital=Einlage=, Darlehns= und alle sonstigen Geld=, Inkasso= und Commissions=Geschäfte durch das unterzeichnete Bureau zu den vortheilhaftesten Bedingungen ab. Die Geschäfts=Prospekte (Nr. I. für Lebensversicherungen, Nr. II. für Leibrentenversicherungen, Nr. III. für Spar=Bank=Geschäfte) sind bei derselben unentgeltlich zu entnehmen und wird jede gewünschte nähere Auskunft bereitwilligst ertheilt.

Bureau der Mecklenburgischen Lebens=Versicherungs= und Sparbank in Schönberg.
W. Stephan.      W. H. Schacht.


Feuerfeste Asphalt
Steinpappe

in 5 verschiedenen Stärken; - auch besorge das Legen des Dachs (ab Fabrik) mit 10 jähriger Garantie für Dauerhaftigkeit und Dichtigkeit zum Fabrikpreise.

(H 01631b.)

Ludwig Warncke, Mölln i. L.


Ein Conditor=Lehrling

unter vortheilhaften Bedingungen zu sogleich gesucht von der

Conditorei und Marzipanfabrik
von C. Wescke.
Lübeck, kurze Königstr. 845.

(H.01789b.)


Pferd Am 18. August erhalte ich einen Transport hannöverscher Säugefüllen.

J. A. Auerbach.
Moisling.


Kirchliche Nachrichten.

Geboren. D. 22. Juli dem Schuhmachermeister Kleinfeld hieselbst ein Sohn. - D. 24. dem Arbm. Greve vor Schönberg eine Tochter. - D. 25. Dem Schneider Lenschow vor Schönberg eine Tochter. - D. 27. eine uneheliche Tochter vor Schönberg. - D. 29. dem Schlachtermeister Gramm in Schönberg ein Sohn. - D. 30. dem Lehrer Meincke zu Lockwisch ein Sohn.

Gestorben. D. 28. Juli Wilhelm Joachim Heinrich Mathias Schwarz zu Westerbeck. - D. 1.August Peter Heinrich Schrep, Schlossermeister und Quartiersmann in Schönberg, 71 J. 9 M. alt. - D. 3 Marie Margarethe Sofie Bünger, Schmiedswittwe von Damshagen, geb. Davieds von dort, 81 J. 4 M. alt. - D. 4. Catharina Margaretha Bohnhoff, Hauswirths=Altentheilerin zu Malzow, geb. Sävenmarck von Blüssen, 67 J. 10 M. alt.

Copulirt. D. 30. Juli Hans Joachim Asmus Ahrendt von Neschow, Maurergesell hieselbst, und Catharina Elisabeth Bruhn (von Sülsdorf) hieselbst. - D. 1. August Hans Heinrich Maaß, verwittw. Schustermeister (jetzt Brodträger) hieselbst, und Anna Friedrike Wilhelmine Soltmann hieselbst.


Getreide=Preise in Lübeck.
Waizen19 M 40Pfennig  bis 21 M -Pfennig.
Roggen15 M 50Pfennig  bis 16 M 50Pfennig.
Gerste14 M -Pfennig  bis 14 M 80Pfennig.
Hafer16 M 50Pfennig  bis 17 M 50Pfennig.
Erbsen16 M -Pfennig  bis 19 M -Pfennig.
Wicken- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Buchwaizen- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Winter=Rappsaat- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Winter=Rübsen- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Schlagleinsaat- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


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