No. 32
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 23. April
1875
fünfundvierzigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1875 Nr. 32 Seite 1]

Politische Rundschau.

Deutschland. Se. Mai. der deutsche Kaiser hat ein eigenhändiges Schreiben an den König Victor Emanuel gerichtet, worin ein Besuch unsers Kaisers am italienischen Königshofe noch im Herbst dieses Jahres in Aussicht gestellt sein soll.
Die Kronprinzlichen Herrschaften sind am Montag in Bologna angekommen, von wo dieselben am Dienstag einen Ausflug nach Ravenna gemacht und gestern ihre Reise nach Florenz fortgesetzt haben.
In den ersten Tagen des Mai wird der Bundesrath seine Arbeiten wieder aufnehmen, und wird, wie verlautet, ein Musterschutzgesetz, sowie ein Versicherungsgesetz vorbereiten. Am 1. Mai wird auch der Präsidents des Reichskanzleramts, Staatsminister Delbrück, der längere Zeit auf seiner Hochzeitsreise abwesend war, seine Amtsgeschäfte wieder übernehmen.
Die P. Z. berichtet, daß Unterhandlungen eingeleitet seien, um die Gendarmerie der Einzelstaaten in eine unter einem Kommando stehende Reichsgendarmerie zu verwandeln und dieselbe auf den Reichsetat zu übernehmen. Doch verlautet sonst noch nichts näheres über die Sache.
Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck ist an einer, wie es scheint, leichten Erkältung erkrankt, wodurch derselbe verhindert wurde, in letzter Zeit an den Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses theilzunehmen, und wieder taucht das Gerücht auf, derselbe beabsichtige, sich auf einige Zeit von den Geschäften zurückzuziehen.
Dem aus dem Amt des bairischen Kriegsministers ausscheidenden Freiherrn v. Pranckh ist vom deutschen Kaiser das Emailleband zum Rothen Adlerorden Erster Klasse verliehen worden.
Am 15. April ist eine zweite deutsche Note an Belgien abgegangen, worin auf die Völkerrechtliche Pflicht jedes Staates hingewiesen wird, die Angehörigen des Nachbarstaates vor Störungen des inneren Friedens von seinem Gebiete aus zu schützen; allerdings zeige auch die deutsche Gesetzgebung noch eine den belgischen Zuständen analoge Lücke; doch werde schon in der nächsten Reichstagssession ein bezüglicher Gesetzentwurf eingebracht werden. Dazu wird von verschiedenen Seiten versichert, daß Rußland und Oesterreich die Vorstellungen der deutschen Reichsregierung in Brüssel dringend unterstützt haben. Die Richtigkeit dieser Nachricht vorausgesetzt würde dieselbe die Festigkeit des Drei=Kaiserbündnisses darthun.
Die "Wes. Ztg." enthält die Nachricht, daß die deutsche Feldartillerie bis zum Beginn der diesjährigen Schießübungen durchgehends mit den neuen Geschützen versehen sein werde, welche bisher in den angestellten Versuchen sehr befriedigende Resultate ergeben haben.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf über Aufhebung der Artikel 15, 16 und 18 der Verfassung in dritter Lesung mit 275 gegen 90 Stimmen angenommen. Am Dienstag begann die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über die Dotationen der Provinzial= und Kreisverbände. Die Staatsregierung hat sich bereit erklärt, dem Dotationsfonds noch die Summe von 4 Millionen Mark hinzuzufügen.
In München hat der nationalliberale Freiherr v. Stauffenberg vor einer zahlreich besuchten Versammlung des "Vereins der liberalen Reichsfreunde" in dreistündiger Rede eine Uebersicht über die Thätigkeit des Reichstages in der letzten Sitzungsperiode gegeben, worin derselbe ausführte, daß eine Verminderung der Militärlast unthunlich und ein Nachgeben der Regierung im jetzigen Stadium des Kirchenstreits unmöglich sei. Schließlich wurde eine von sämmtlichen (?) bairischen Reichstagsabgeordneten unterschriebene Ansprache an die Wähler verlesen, welche alle "freisinnigen und reichstreuen Männer auffordert, ihre ganze Kraft einzusetzen in dem schweren Kampfe gegen die Feinde des Reichs und Staates, sei es daß dieselben für ihre Bestrebungen die Religion mißbrauchen, oder daß sie die Grundlagen der bürgerlichen Ordnung durch Wort und That untergraben."
England. Vor dreizig Jahren ist im besonderen Interesse der Deutschen Londons in Dalston ein deutsches Hospital gegründet, dessen Freunde und Gönner am 16. April unter dem Vorsitz des Prinzen von Wales ihr alljährliches Zweckessen hielten. In Erwiderung eines auf ihn ausgebrachten Toastes sagte der Prinz daß es in anbetracht dessen, daß deutsches Blut in seinen Adern rinne, nicht wundernehmen könne, wenn er und seine Familie an dieser Stiftung den größesten Antheil nähmen.
In Frankreich will man mit Energie den Bau der Festungen in Angriff nehmen. Die mit der Frage über die technische Ausführung der projektirten Festungsbauten betraute Kommission hat ihre Arbeit vollendet.
Der Prinz Napoleon soll eifrigst bemüht sein, den demagogischen Cäsarismus unter seine Leitung zu bringen und bei den bevorstehenden Senatswahlen für seine Zwecke zu gewinnen; und besonders die bonapartistische Partei sieht seinem Treiben mit großer Besorgniß zu.
Der Vertrag der internationalen Meterkonferenz hat wahrscheinlich am Montag stattgefunden. Außer den meisten europäischen Staaten sind auch die Vereinigten Staaten, Brasilien, Argentinien und Venezuela der Konferenz beigetreten; und nur die Niederlande, Griechenland und Großbritannien verhalten sich durchaus ablehnend dagegen.
Zwei namhafte französische Physiker, die Herren Sivel und Croce=Spinelli haben bei einer Luftballonfahrt wahrscheinlich in Folge des schnellen Luftwechsels den Tod gefunden.
In Bezug auf Spanien ist die wichtige Nachricht zu nennen, daß sich der papstliche Nuntius für den Hof des Königs, MSgr. Simeoni, nunmehr wirklich nach Madrid begeben hat, eine Nachricht, die auf Karlisten sehr niederschlagend wirken dürfte.


Neustrelitz, 20. April. Nach hier eingetroffenen Nachrichten ist Ihre Königliche Hoheit, die Großherzogin=Mutter gestern Nachmittag glücklich in London eingetroffen. Die Ueberfahrt ward von Calais nach Dover auf einem Königlichen Dampfschiffe, welche Ihre Majestät die Königin Victoria Ihrer Königlichen Hoheit entgegengesandt hatte, bei günstigem Wetter zurückgelegt.

[ => Original lesen: 1875 Nr. 32 Seite 2]

Seit einiger Zeit sind die Landbriefträger mit Signalpfeifen versehen mit welchen sie während des Bestellganges durch die Landorte Signale abgeben, um den Bewohnern ihre Anwesenheit bekannt zu machen, es soll dadurch das Bestellgeschäft beschleunigt, sowie die Uebergabe von Briefen etc. an die Landbriefträger erleichtert werden.
- Dick gekochte Kartoffelsuppe ist nicht das Leibgericht des Leib=Regiments in München. Die 3. Compagnie wenigstens des 1. Bataillons weigerte sich beharrlich diese Suppe zu essen. Zur Strafe muß sie eine Woche lang von 7-12 Uhr Vorm. und 2-8 Uhr Nachm. exerzieren so haben kleine Ursachen große Wirkungen.
- Die Bauern in B. in Bayern waren über ihren Schulmeister so erbost, daß sie ihm Nachts auflauerten und ihn in die tiefe Pferdeschwemme warfen, und er wäre todt, wenn er nicht schwimmen gekonnt hätte. Daß die Früchtlein dieser Bauern Holzäpfel sind, kann man sich denken und über diese kam auch der Streit her; denn der Schulmeister sagte: Zucht ist die Hauptsache! und wollte nicht leiden, daß die Jungen mit Tabackspfeifen in die Schule kommen.


Anzeigen.

Die s. g. Läuberung und die daneben befindliche Trockenscheuer auf der Röggeliner Ziegelei soll auf Abbruch öffentlich meistbietend verkauft werden und ist dazu an Ort und Stelle Termin auf Montag den 3. Mai d. J., Vormittags 11 Uhr,
angesetzt, wozu Kaufliebhaber hiedurch mit dem Bemerken geladen werden, daß die Bedingungen vor Eröffnung des Verkaufs bekannt gemacht werden, auch in der hiesigen Registratur eingesehen werden können.
Schönberg den 17. April 1875.

Großherzogl. Mecklenb. Domainen=Amt
F. Graf Eyben.


In Sachen, betreffend den Concurs über die Verlassenschaft des Hufenpächters Köster zu Lüdersdorf sollen das zu dieser Concursmasse gehörige Vieh, als: 5 Pferde, 15 Kühe, 2 Starken, 3 Kälber und einige Hühner, sowie die Ackergeräthschaften und Mobiliargegenstände, unter ersterem auch mehrere Wagen, Pflüge und Eggen, öffentlich meistbietend am Montag den 3. Mai d. J., von Vormittags 10 Uhr ab auf der Hofstelle des Schulzen Lühr zu Lüdersdorf gegen gleich baare Zahlung verkauft werden, wozu Kaufliebbaber hiermit geladen werden.
Schönberg, den 19. April 1875.

Großherzogliches Justiz=Amt der Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
H. Wohlfahrt.

A. Dufft.     


In Sachen betreffend den Concurs über die Verlassenschaft des Buchbinders Carl Bade zu Schönberg steht zur Publikation des abgesetzten Prioritätserkenntnisses ein Termin auf Sonnabend den 1. Mai d. J., Vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Concursgerichte an, zu welchem die nicht präcludirten Bade'schen Gläubiger unter dem Nachtheile hiermit geladen werden, daß auch ohne ihr Erscheinen mit der Publication wird verfahren werden.
Schönberg, den 15. April 1875.

Großherzogliches Justiz=Amt der Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
H. Wohlfahrt.

A. Dufft.     


Am Sonntag den 25. April, Nachmittags von 1 Uhr an, soll beim Gastwirth Lühr zu Schlagsdorf in öffentlicher Auction gegen gleich baare Bezahlung verkauft werden:

Mannskleidungsstücke, 1 Oberbett, 1 Unterbett, 1 Pfühl, 6 Kissen, 1 gr. Kleiderschrank, 1 Komode, 2 Rohrstühle, 1 Bettstelle, 1 Koffer.
Schlagsdorf den 9. April 1875.

Krüger.     


Das auf den Namen der Hebeamme Greve in Carlow ausgestellte Einlagebuch Nr. 431 der hiesigen Ersparniß=Anstalt ist bei der Anstalt bisher nicht eingeliefert, auch sind Rechte daran nicht geltend gemacht worden. Auf Antrag der Hebeamme Greve in Carlow erklären wir deswegen in Gemäßheit des § 30 unserer Statuten das beregte Einlagebuch Nr. 431 der hiesigen Ersparniß=Anstalt hiemit für nichtig und werden an Stelle desselben ein neues Einlagebuch ausfertigen.
Schönberg, den 14. April 1875.

Das Directorium der Ersparniß= und Vorschuß=Anstalt.
Wigger.      Burmeister.      H. Stamer.     Aug. Spehr.      W. Gartz.

Secretär: R. Rackow, Adv.     


Wir vergüten für bei uns belegte Gelder bis auf Weiteres
4 % bei zwölfmonatl. Kündigung,
3 1/2 bei sechsmonatl. Kündigung,
und 3 % bei dreimonatlicher Kündigung

Die einzuzahlenden Gelder dürfen nicht weniger als Ct. Mark (Lübeck) 300. betragen und kann die Zinse halbjährlich erhoben werden.
Lübeck, den 1. Februar 1874.

Lübecker Bank.   


Bekanntmachung. Nach Bestreitung sämmtlicher, rückständiger Entschädigungen und der veranschlagten Verwaltungskosten verblieb dem Lübecker Feuerversicherungs=Verein der Landbewohner zu Ende März d. J. ein Kassenbehalt von 24,200 M. zu dessen ordnungsmäßiger Verstärkung im Mai d. J. ein Beitrag von 2/10 oder 1/5 des jetzigen Simplums zu erheben gewesen wäre.
Zur Vermeidung jedoch der mit solcher Erhebung für die Vereinskasse wie für die einzelnen Mitglieder des Vereins verbundenen unverhältnißmäßigen Druckkosten, Portoauslagen etc. hat die Direction auf Grund des § 17 der Statuten beschlossen, von der Einforderung des Mai=Beitrags einstweilen abzusehen und die gedachten, für diesen Zweck bestimmten 2/10 Simplum zugleich mit dem diesjährigen November=Termins=Beitrag von allen dazu pflichtigen Mitgliedern einzufordern und zu erheben.
Lübeck den 10. April 1875.

Namens der Direction
Bruhn, Secretair.


Arco Meine kleine, dunkelbraune, tragende Dachshündin, auf den Namen "Bello" hörend, hat sich am Sonnabend voriger Woche auf der Holzauction in Selmsdorf verlaufen. Den jetzigen Besitzer derselben bitte ich nun hiermit freundlichst, mir über deren Verbleib Anzeige machen zu wollen, wo ich dann dieselbe wieder abholen lassen werde, oder bitte ich, mir dieselbe gegen eine gute Belohnung auf der Mühle zu Lockwisch zurück geben zu wollen.
Lockwisch den 19. April 1875.

G. Creutzfeldt.     


Geschäfts=Eröffnung.

Den geehrten Bewohnern von Stadt und Land die ergebene Anzeige, daß ich am heutigen Tage hieselbst ein Colonial= und Materialwaaren=Geschäft eröffne. Um geneigtes Wohlwollen bittet

Johs. Kummerow,
v. d. Siemzerthore.

Schönberg den 19. April 1875.


Braune Milchsatten und Butterkruken in verschiedenen Größen empfiehlt Chr. Rubin in Dassow.


Nähmaschinen

verschiedener Systeme aus den renommirtesten Fabriken zu Fabrikpreisen,

Handnähmaschinen vorzüglicher Construction,

ferner Lager von

Maschinen=Oel, Garn u. Nadel empfiehlt

               Chr. Rubin in Dassow.


[ => Original lesen: 1875 Nr. 32 Seite 3]

Kuh= und Pferdeheu hat zu verkaufen      Tretow in Schönberg, Omnibusfuhrmann.


Zahnschmerzen jeder Art werden selbst wenn die Zähne angestockt sind, augenblicklich durch den berühmten Indischen Extract beseitig. Dieses Mittel hat sich seiner Unübertrefflichkeit wegen einen Weltruhm erworben und sollte daher in keiner Familie fehlen. Echt in Fl. à 5 Sgr. im Alleindepot für Schönberg bei

Emil Jannicke,
Bandagist.


Die Kaiserl Königl.
Hof-Chocoladen-Fabrik
von Gebrüder Stollwerk

in Köln übergab den Verkauf ihrer vorzüglichen Fabrikate in Schönberg Herrn J. L. Petersen, in Dassow Herrn Kaufmann Sterly, in Herrnburg Frau Wwe. Mette, in Schlagsdorf Herrn H. Siebenmark, in Selmsdorf Herrn P. Buschow.


Anfang Mai findet statutenmäßig die Wiedereröffnung der

Schweine=Versicherung
der Vogtei Stove

statt. Alle zur Betheiligung Geneigten werden hierdurch ersucht zu Abgabe ihrer Beitrittserklärung am Sonntag, den 2. Mai, Nachmittags 2 Uhr, im Locale der Gastwirthin Wwe. Schlatow in Carlow sich einzufinden.

Die Aeltesten des Schweine=Versicherungsvereins der Vogtei Stove.


Tüchtige
Agenten

oder solche Personen, die hiezu die Eigenschaft besitzen, werden zum Verkaufe von Anlehns=Loosen und Staatspapieren gegen monatliche Terminzahlung, für alle großeren Orte Deutschlands von einem Leipziger Bankhause gesucht. Die Provisionsbedingnisse sind sehr günstig Offerten sind zu richten unter Chiffre C. F. 760 an Haasenstein & Vogler.

Leipzig.                                                (H. 31820.)


Herren= und Knaben=Garderoben

zu billigen und festen Preisen, sowie nach Maaß in kürzester Zeit gefertigt, empfiehlt

H. Hundt.
Herren=Kleidermacher in Schönberg,
Siemzerstraße 130.


Zu Michaelis ist eine Vorder=Wohnung zu vermiethen. Zu erfragen bei
Schönberg. Wwe.                                                Greiff, Conditor.


H. Kock,
Uhrmacher & Goldarbeiter in Schönberg, Lager
von goldenen und silbernen Taschenuhren, goldenen und silbernen Ketten, Medaillons, Brochen und Ohrringen, Verlobungs= und Siegelringen, silberner Potage, Eß= und Theelöffeln, Fisch= und Kuchenhebern, Theesieben u. s. w.
Bestellungen u. Reparaturen prompt.


J. Hillefeld,
Commissions=Lager
von
gewebten Strümpfen - Prima Qualität -, sowie Leinen, Taschentücher, Tischzeug, Damast-Servietten, Handtücher, federdichte rosa Lustre und Köper, Neglige Stoffe, Reps, Strickgarn etc. etc. zu mässigen aber festen Preisen.
(Zahlung contante)
Lübeck, Ob. Alfstrasse No. 54, 1. Treppe hoch.


Am Donnerstag, den 29. April feiern die Schuhmacher Soll'schen Eheleute zu Schönberg ihre goldene Hochzeit.


Segelschiff
Frischer Gotländ. Kalk
aus dem Schiff, und
Portland-Cement,
360 Pfund incl. Tonne zu 11 M 25 Pf.,
empfiehlt
W. J. Heymanson, Lübeck, a. d. Trave 300.

H.0890b.


Auf dem Gute Neuenhagen bei Dassow werden zum 24. Oktober d. J. Miethstagelöhner eingerichtet und können ordentliche Leute, die hierzu Lust haben, das Nähere hierüber erfahren, sowie den Contract einsehen, jederzeit bei Herrn Inspector Zimmermann zu Neuenhagen.


Lager von
Tapeten, Borden & Rouleaux in neuen geschmackvollen Mustern
empfiehlt               C. Schwedt in Schönberg.


Stahlspaten, Gartenharken,
eiserne und stählerne
Schaufeln
in allen Formen,
sowie deutsche, schweizer und englische
Kohlenplätteisen
empfiehlt               C. Schwedt in Schönberg.


Fremde Tagelöhner erhalten in dieser Woche auf dem Gute Neuennhagen 30 Schill. Tagelohn.


Chirurgische- und Augen-Klinik
in Lübeck.
Kranke der I. Klasse zahlen 6 M pro Tag.
Kranke der II. Klasse zahlen 3 M pro Tag.

Commünen, Krankenkassen und Vereine zahlen für Kranke täglich 1 M 80 Pfennig (Mecklenburg) incl. ärztlicher Behandlung.

Sprechstunden: Morgens von 9-11 Uhr,
Sprechstunden: Nachmittags von 2-3 Uhr,
C. Schorer,
Dr. med. u. chirurg.

(H.0711b.)


Auf einem Gute in der Nähe kann ich einer Tagelöhner=Familie bei gutem Verdienst zum 24. October d. J. eine Wohnung nachweisen.
Dassow, den 17. April 1875.

F. Bühring.     


Prima Wagenfett
in Gebinden von 12 1/2 Pfund und 25 Pfund groß à 100 Pfund 20 Reichsmark,
in Gebinden von 50 Pfund und 100 Pfund groß à 100 Pfund 180 Reichsmark,
bestes Maschinenöl à Pfund 45 [symbol Pfennig], bei Abnahme in größeren Quantitäten billiger, empfiehlt
Schönberg.                                              Aug. Spehr.


Bestes russisches Säeleinsaat,
die Tonne 36 M., 13 Pfund für 3 M.,
hiesiges Säeleinsaat,
das Pfund 16 Pf.
empfiehlt                                             Aug. Spehr in Schönberg.


[ => Original lesen: 1875 Nr. 32 Seite 4]

Gardinen
in Tüll, Mull und Zwirngaze

empfiehlt zu Fabrikpreisen

Alfred Schmidt,
Lübeck, Breitestrasse 792.

(H. 0893 b.)


Seit Anfang dieses Jahres bis heute sind nachstehende Schäden bei unserer Gesellschaft angemeldet:

1) vom Büdner Lenschow zu Lockwisch 1 Kuh 135 Rmk.
2) vom Hauswirth Retelsdorf zu Selmsdorf 1 Kuh 90 Rmk.
3) vom Einnehmer Faasch daselbst 1 Kuh 135 Rmk.
4) vom Bäckermeister Schröder zu Herrnburg 1 Kuh 120 Rmk.
5) vom Müller Sarcander zu Dassow 2 Kühe 270 Rmk.
6) vom Ackerbürger J. Burmeister hieselbst 1 Kuh 120 Rmk.
Da wir nur dreimal im Jahre Beiträge erheben möchten, halten wir es, bei der Möglichkeit größerer Schäden in den nächsten 4 Monaten, angemessen, auch jetzt einen Beitrag von 50 Pfennigen pro 100 Mark Versicherungssumme auszuschreiben und ersuchen unsere Interessenten, denselben am

Sonnabend, den 1. Mai d. J., Morgens 10 Uhr,

im Boye'schen Gasthause hieselbst einzuzahlen.
An demselben Tage liegt der Rechnungsabschluß unserer Gesellschaft pro 1874 mit zugehörigen Belegen zur Einsicht unserer Mitglieder und aller für Viehversicherung sich Interessirenden vor. Aus demselben sei hier allgemein bemerkt, daß die Zahl unserer Mitglieder 300 in 62 verschiedenen Ortschaften und die Höhe der Versicherungssumme 435,000 Mark beträgt. Letztere hat sich im abgelaufenen Jahre um 120,000 Mark vermehrt.
Es wurden im Jahre 1874 volle Schadenszahlung geleistet für

12 Pferde,
32 Kühe,
1 Starke,
1 Bollen
und war dazu, wie zur Deckung der geringen Verwaltungskosten ein Beitrag von 2% der Versicherungssumme erforderlich.
Schönberg, den 23. April 1875.

Direction der Viehversicherungs-Gesellschaft im Fürstenthum Ratzeburg.


Das Confections-Geschäft
von Alfred Schmidt,
Lübeck, Breitestrasse 792,

empfiehlt sein reichhaltiges Lager in den

neuesten Costüms für die Saison
unter Zusicherung reellster Bedienung.                                              (H. 0894 b.)


Ausverkauf

sämmtlicher Kleiderstoffe in Seide, Wolle und Halbwolle, Jaconnets, Piques und Cattune bei

Carl Meyer, Herm. Wilde Nchflgr. (H. 0839 b.) Lübeck Markt 251.


C. Pätsch,
Opticus aus Rostock.
wird noch bis Sonntag Abend in Schreibers Hotel zu Rehna vertreten sein.


Meinen vereinten Freunden und Gönnern die ergebende Anzeige, daß ich meinen

Schuh- & Stiefel-Laden

von der Fleischhauerstraße nach der

Beckergrube 136, Ecke vom Fünfhausen,

verlegt habe. Indem ich für das mir bewiesene Wohlwollen danke, bitte ich, mir solches in meinem neuen Hause auch zu erhalten.
Lübeck, den 8. April 1875.

Hochachtungsvoll
J. Schleuss, Schuhmachermeister.


Auf dem Hofe zu Löwitz bei Rehna kommen zum 24. October d. J. 2 Tagelöhner=Wohnungen frei; auch wird daselbst ein verheiratheter Kuhfutterer gesucht.


Getreide=Preise in Lübeck.
Waizen17 M 50Pfennig  bis 18 M 30Pfennig.
Roggen14 M 75Pfennig  bis 15 M 60Pfennig.
Gerste14 M 50Pfennig  bis 15 M 60Pfennig.
Hafer16 M 75Pfennig  bis 17 M 40Pfennig.
Erbsen16 M 50Pfennig  bis 19 M 50Pfennig.
Wicken- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Buchwaizen- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Winter=Rappsaat- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Winter=Rübsen- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.
Schlagleinsaat- M -Pfennig  bis - M -Pfennig.


Markt=Preise in Lübeck.
Butter pr. 500 Gr. M1,00 - 1,12 .
Hühner d. St. M1,35 - 1,80 .
Tauben d. St. M0,30 - 0,45 .
Schinken pr. 500 Gr. M0,75 - 0,82 .
Schweinskopf pr. 500 Gr. M0,45 - 0,52 .
Wurst pr. 500 Gr. M0,90 - 1,05 .
Eier 6 - 7 St. für M0,30 .
Kartoffeln pr. 10 Lit. M0,52 .


(Hiezu eine Beilage.)


Redigirt, gedruckt und verlegt von L. Bicker in Schönberg.


[ => Original lesen: 1875 Nr. 32 Seite 5]

Beilage
zu Nr. 32 der Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
Schönberg, den 23. April 1875.


- Der deutsche Kronprinz wird trotz seines Incognitos in den Städten Italiens (Brescia. Verona) von den Behörden und großen Volksmassen sehr freundlich empfangen und begrüßt.
- Fürst Bismarck hat von seinen Getreuen in Jever zu seinem Geburtstag wieder 101 Kibitzeier erhalten. Das Begleitschreiben lautet: De Kewit kann vor Köll (Kälte) nicht leggen, datt woll'n wi to us Entschuldigung seggen. (Die Eier kamen erst am 9. April.)
- Ein schöner Zug kaiserlicher Freundlichkeit und Gemüthlichkeit wird aus Berlin mitgetheilt. Der Kaiser empfing einen zum Vortrage befohlenen höheren Beamten, indem er im Eckenfenster stand und, ohne sich umzudrehen, weiter hinaussah. "Sie müssen mich heute schon entschuldigen, lieber L.", sagte der Kaiser, "daß ich Sie in dieser Art und Weise empfange, es geht aber nicht anders, ich darf mich im Augenblick nicht umdrehen. Bitte, treten Sie einmal näher; sehen Sie, dort drüben am Denkmal steht ein alter Mann, der hebt eben seinen Enkel in die Höhe, damit derselbe mich sehen kann. Und da wäre es doch wohl unrecht gehandelt, wenn ich nicht stehen bliebe, bis der Kleine sich seinen Kaiser ganz genau angesehen hat."
- In Wien kam ein Mann in die Apotheke am Schottenring und verlangte Cyankali, um Bismarck zu vergiften. Er wurde festgenommen und als ein Tagelöhner Kleinpeter erkannt, der an religiösem Wahnsinn erkrankt ist und den Deutschkatholiken kürzlich die Fenster eingeworfen hat.
- Ein Kaufmann in New=York hatte eine Bekanntmachung veröffentlich, daß er einen munteren aufgeweckten Jungen in seinem Geschäft brauche. Am Abend klingelt es an seiner Thür und als er heraustritt, findet er einen solchen, 11 Tage all, in einem Körbchen. Der Junge war sorgfältig eingehüllt und steckte in einem Pelzmuff. Auf einem Zettel war zu lesen; "Munter aufgeweckt und noch ganz unverdorben; kaut nicht einmal Tabak."
In Ems hörte man am 9. April plötzlich einen Knall wie von einem Kanonenschuß. In dem Laden des Kaufmanns Caluori war eine Kruke Petroleum oder Neolin explodirt und das Haus in Brand gerathen. Das Feuer wurde mit Sand gedämpft.
- Von den lebendigen Sehenswürdigkeiten der Leipziger Messe nennen wir: 1) die beiden russischen Wunderkinder, welche die Natur mit einer ungeheuren Fett= und Muskelmasse allzu freigebig ausgestattet hat; denn das 2jährige Kind hat ein Körpergewicht von 113 Pfund, das 5jährige ein Gewicht von 264 Pfd. 2) das lebende Skelett oder der Skelettmensch, 29 Jahre alt. Letzterer hat eine Höhe von 6 Fuß und trotzdem hat er von dem Brustknochen bis zum Rückenwirbel nur den geringen Durchmesser von 3 Zoll, der Durchmesser des einen Oberarms beträgt 1 1/2 Zoll, der des andern etwas mehr und der des Oberschenkels nur 2 1/2 Zoll. Dabei ist der Kopf wohlgebildet und sein Sinnorgan so kräftig und er selber so kerngesund, daß hier durchaus nicht an Auszehrung und dergleichen zu denken ist. Der junge Mann ist dabei lustig und fidel und - raucht Cigarren.
- Einem alten derben Landmann hatte sein Sohn als Bruder Studio denn doch zu viel verbraucht und zu wenig Collegia gehört. Er ließ ihn zurückkommen, damit er Landwirth werde und nahm ihn mit aufs Feld. Dem Herrn Sohn paßte das nicht recht und er warf mit lateinischen Citaten stolz um sich. "Sag' mal, Fritz," meinte der Alte nach einer Weile, "hier ist die Mistgabel, hier ist der Dung und hier ist die Karre, wie nennst Du das auf Latein?" ""Forkibus, Karribus, Manuribus,"" höhnte der Junge. "Gut, Fritz" antwortete Papa, "wenn Du nun nicht sehr schleunibus die Forkibus ergreifst und den Manuribus in den Karribus schmeißt, dann schlag' ich Dir einfachibus deine Knochibus entzwei. Verstandibus?"
- Amerikanische Blätter erzählen von einer alten Frau, die sich als junges Mädchen bettelnd in den Dörfern am Hudson herumgetrieben habe, zur Verbrecherin geworden sei und nach ihrem Tode dem Staate eine Nachkommenschaft hinterlassen habe, die aus 623 sämmtlich dem Bettel, dem Verbrechen oder dem Laster verfallenen Personen bestehe. Mag auch die ganze Geschichte an Uebertreibung leiden, so liegt doch immer eine sehr ernste Lehre darin. Wenige Dollars hätten hingereicht, um vor Jahren das verlassene Kind in gute Pflege zu geben und vielleicht zu einer braven Hausfrau zu erziehen; heute belasten die Nachkommen jenes sich selbst überlassenen Kindes den Staat, die Gemeinde und einzelne Bürger mit Schaden und Unkosten, die sich jährlich möglicherweise auf viele Tausende berechnen. Die Ersparniß am unrechten Orte hat also einen überreichen Gewinn vereitelt.
- Neun Berliner Petroleusen, wie sie der Volksmund nennt, standen am 13. April vor Gericht, um sich wegen Uebertretung der Vereinsgesetze zu verantworten. Sie hatten einen Arbeiter=Frauen= und Mädchen=Verein gestiftet, in welchem sie nach ihrer Art Politik trieben, man kann sich denken, was für eine. Die Präsidentin Hahn, eine schlanke Brünette von äußerst entschiedenem Auftreten erklärte: Wir wollen in unserem Verein das Familienleben sittlicher machen. Präs.: Wie denn? Angekl. Hahn.: Wir wollen die Mädchen und Frauen bilden durch Bücher und sie für ihre Classenlage aufklären. Präs.: Was verstehen Sie unter Aufklärung der Classenlage? Frau Präsid. Hahn: Nun, wir wollten die Mädchen durch Vorträge und Lesen des "Neuen Sozialdemokraten" und der "Sozialpolitischen Blätter" darüber aufklären, "dat sie eben so ville sind, wie die jroßen Madamen." - Schriftführerin des Vereins war Frau Gundemann, eine sehr junge, schlanke, schöne Blondine, die kokett ihren Mantel abwirft, als sie aufgerufen wird und in hellblauem Ballkleide Parade macht. Sie zeigte ein gutes Mundwerk, begriff nicht, warum man nicht die Arbeiter=Marsellaise singen und die Pariser Commune solle hoch leben lassen und berief sich darauf, daß zu den öffentlichen Versammlungen Jedermann Zutritt habe, nur die "Reptilien=Schreiber" nicht. Staatsanwalt und Richter waren ungalant genug, sie zu 36-60 Mark Strafe zu verurtheilen, weil politische Frauen=Vereine unzulässig seien.


Im Vorzimmer des Arztes.
[Erzählung]
(Schluß.)

[ => Original lesen: 1875 Nr. 32 Seite 6]

Im Vorzimmer des Arztes.
[Erzählung]
[Schluß.]


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