No. 17
Die Anzeigen erscheinen wöchentlich zweimal.
Dienstags und Freitags

Schönberg, den 24. April
1863
dreiunddreißigster Jahrgang
Preis vierteljährlich 20 Schilling (Mecklenburg) jährlich 1Mark (Lübeck) 32Schilling (Mecklenburg).
Jahrgang
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[ => Original lesen: 1863 Nr. 17 Seite 1]

Anzeigen.


Antragsmäßig soll über die Büdnerstelle c. p. der Ehefrau des Arbeitsmanns Rickert, Sophie Magdalena Wilhelmine geb. Stahl, auf der Baeck ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle Diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstücke zu haben vermeinen und deren Eintragung in das anzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf Freitag den 8. Mai d. J., Morgens 11 Uhr, peremtorisch und unter dem Nachtheil hiermit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht nicht ausgenommenen Realrechte an dem proclamirten Grundstücke sowohl gegen den jetzigen als zukünftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Anmeldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubiger, welche ihre Forderungen auf einem, mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidationstermin ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichnenden Postenzettel richtig und vollständig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 20. Februar 1863.
Großherzogl. Justizamt der Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
C. L. v. Oertzen.
(L.S.) Reinhardt.


Antragsmäßig soll über die Büdnerstelle c. p. des Schullehrers Wilms auf dem Heiligenlande ein Hypothekenbuch niedergelegt werden, und werden daher alle Diejenigen, welche Realrechte an diesem Grundstücke zu haben vermeinen und deren Eintragung in das anzulegende Hypothekenbuch verlangen, zu deren Anmeldung auf Freitag den 15. Mai d. J., Morgens 11 Uhr, peremtorisch und unter dem Nachtheil hiermit aufgefordert, daß alle nicht angemeldeten und von der Anmeldungspflicht nicht ausgenommenen Realrechte an dem proclamirten Grundstücke sowohl gegen den jetzigen als zukünftigen Besitzer desselben erloschen sein sollen.
Ausgenommen von der Anmeldungspflicht sind jedoch diejenigen Gläubiger, welche ihre Forderungen auf einem, mit dem Siegel des Gerichts versehenen, vor dem Liquidationstermin ihnen vorzulegenden und von ihnen zu unterzeichnenden Postenzettel richtig und vollständig aufgeführt gefunden haben.
Schönberg, den 7. März 1863.
Großherzogl. Justizamt der Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
C. L. v. Oertzen.
(L.S.) Reinhardt.


Verkaufsanzeigen.

Am Donnerstag den 30. d. M. April, Morgens 11 Uhr.
soll die Lohe von folgenden Eichen verkauft werden:
1) Im Forstrevier Rupensdorf, im Rupensdorfer Holze:

63 Eichen.
Ferner daselbst:
150 Tonnen Spiegellohe.
2) Im Carlower Revier
a. im Röggeliner Holze:
30 Eichen.
b. im Rünzer Zuschlage:
31 Eichen.
3) Im Schlagbrügger Revier,
a. im Garnsee:
18 kleine Eichen.
b. im Thandorfer Zuschlage:
50 Eichen.
c. in den Möörken:
60 Eichen.
4) Im Hohenmeiler Revier,
200 Tonnen Spiegellohe.
Der Verkauf geschieht auf der hiesigen Amtsstube öffentlich meistbietend, und wollen Kaufliebhaber sich dazu einfinden.
Schönberg, den 23. April 1863.
Großherzoglich Meckl. Domainen=Amt und Forst.
F. Graf Eyben. Danckwarth.


Öffentlicher Verkauf in Lübeck

in der Börse heim Becken durch unten benanntem beeidigten Makler am Donnerstag d. 7. Mai, Nachmittags 3 1/2 Uhr, auf Ordre der Erben:
Das sub No. 127 in der Mitte der Hundstraße belegene Branntweinbrenner=Haus, mit dem dazu gehörigen Nehenhause sub No. 126, und Weintrauben=Gang Nr. 128/1-10 mit 10 Wohnungen; so wie das Branntweinbrenner= und Distillir=Amt mit zugehörigem Inventarium.
Der obige gut unterhaltene Complex von Grundstücken enthält in dem Hause Nr. 127 an der geräumigen Diele mit Feuerheerd, Distillir=Apparat und Pumpe nebst Brunnen, und Speisekammer, beim Eingange die heizbare Gästestube und die Schenke mit Kammer daneben. Im Zwischenbau am Vorplatze 2 Kammern und einen Verschluß am Schornstein, auf dem ersten Boden 4 Kammern, höher Dachboden. Im ersten Flügel Kellerraum, darüber 2 Kammern, höher Dachboden, im zweiten Flügel Keller, Raum, und darüber großem Heuboden. Im Hofe Privet und kleiner Gartenplatz.
Von dem Haufe Nr. 126 mit 2 Hausthüren, ist der an obiges Haus grenzende Theil als Brennhaus eingerichtet und enthält vorne an der Diele eine heizbare Stube, verbunden mit der Gästestube in Nr. 127, auf der Diele das Brenn= und Distillir=Apparat, im Flügel unten die Maischkammer, darüber heizbare Stube, verbunden mit den zwei Kammern im Flügel des Hauses Nr. 127, höher Boden.
Auf dem sehr geräumigen Hofe ist eine Kalkgrube, großer Holzstall, Brunnen mit Pumpe, ein Bleichplatz, viele Fruchtbäume etc. und endlich der Kuhstall.
Die zweite Hausthür führt in den obern Theil des Hauses Nr. 126, woselbst an der Diele mit Feuerstelle und Ver=

[ => Original lesen: 1863 Nr. 17 Seite 2]

schluß unter der Treppe, vorne eine heizbare Stube, so wie oben gleichfalls eine heizbare Stube und Kammer befindlich; und daneben über der Diele und Stube des Brennhauses, eine abgeschlossene Wohnung mit Vorplatz und Kamin, heizbare Stube und Kammer nach der Straßenseite. Ueber dem ganzen Hause geräumiger Kornboden. Hinter dem Hause separirter kleiner Hofplatz mit Holzstall und Privet.
Der Weintrauben=Gang Nr. 128 mit 10 Wohnungen, enthaltend Diele mit Feuerstelle, heizbare Stube und darüber Boden in Nr. 1 dis 5, und in Nr. 6 bis 10 außerdem eine Kammer in der Etage.
Die jährlich eingenommene Miethe betrug Ct. Mark (Lübeck) 485. -
Das Inventarium ist in gutem Zustande complet vorhanden, und ist das Verzeichniß einzusehen.
Joh. N. Stolterfoht Gottl. Sohn.


Am Sonnabend den 2. Mai c., Vormittags 11 Uhr soll im Gasthause des Herrn Köster hieselbst ein brauner 4jähriger Wallach öffentlich meistbietend gegen sofortige Baarzahlung verkauft werden.
Schönberg, den 23. April 1863.


Vermischte Anzeigen.

Industrie-Ausstellung am Thierschautage den 4. Juni 1863 zu Schönberg.
Mit der am Tage der Thierschau zu Schönberg sattfindenden Industrie=Ausstellung soll mit Erlaubniß der Großherzoglichen Landvogtei eine Verloosung von daselbst angekauften Industrie=Gegenständen verbunden werden.
Es werden daher Diejenigen, welche Erzeugnisse der einheimischen Industrie zur Ausstellung liefern wollen, ersucht, solche am 3. Juni Abends oder spätestens bis zum 4. Juni bis 9 Uhr Morgens bei unterzeichneten Comite einzuliefern und zwar in das eigens zu diesem Zweck aufgestellte Zelt auf dem Baubrink.
Jeder Aussteller hat seine Ausstellungsgegenstände mit seinem Namen zu versehen und den Preis dabei zu notiren, wofür es käuflich.
Jeder Aussteller muß seine Ausstellungsgegenstände selbst beaufsichtigen oder durch sichere Personen beaufsichtigen lassen, da das Comite in keiner Beziehung eine Garantie übernehmen kann, wiewohl ein zuverlässiger Wächter im Zelte angestellt ist.
Jeder Aussteller muß sich den Anordnungen der Mitglieder dem Industrie=Comite hinsichtlich der Aufstellung fügen.
Loose zur Indnstrie=Ausstellung à 16 Schilling (Mecklenburg), sind bei den unterzeichneten Mitgliedern des Comite fortwährend zu haben, wie auch am Tage der Thierschau im Comitezelte.
Alle Aussteller werden gebeten, zum Zweck der Gewinnung von Platz möglichst früh die Ausstellungs=Gegenstände bei dem Herrn Lichtfabrikanten Spehr in Schönberg anzumelden, wo sie dann zugleich eine Karte zum freien Eintritt in die Ausstellungsräume entgegennehmen können.
Die Gewinnliste wird am Freitage den 5. Juni durch die hiesigen Anzeigen publicirt werden.
Schönberg den 9. April 1863.
G. W. Wicke.
H. Oldörp.
J. P. H. Spehr.
W. Wieschendorf.


Bekanntmachung.
Alle diejenigen, welche gewilliget sind, ihre Feldfrüchte gegen Hagelschlag bei der Hagel=Versicherungs=Gesellschaft für das Fürstenthum Ratzeburg zu versichern, werden hiemittelst ersucht, sich mit ihren desfallsigen Meldungen für das bereits angetretene Versicherungsjahr vom 1sten März 1863 bis dahin 1864 an den Director dieser Anstalt, Herrn Kaufmann Boye hieselbst, wo auch die Statuten dieser Gesellschaft eingesehen werden können, - wenden zu wollen.
Schönberg, den 7. April 1863.
Die Direction der Hagel=Versicherungs=Gesellschaft für das Fürstenthum Ratzeburg.


Die zwischen dem 1. Oct. 1862 und dem 31. März 1863 versichert gewesenen Mitglieder des Lübecker Feuerversicherungs=Vereins der Landbewohner haben im Mai d. Js. die Hälfte ihres einfachen Ansatzes (1/2 Simplum) als Beitrag zu bezahlen. Es contribuiren versichert gewesene 101.328.128 mMark Courant.
Lübeck den 13. April 1863.
Namens der Direction Bruhn, Secretair des Vereins.


Die Beiträge zur Ersten Hebung des Armengeldes für die Selmsdorfer Armencasse müssen innerhalb 4 Wochen an den unterzeichneten Armenvorsteher abgegeben werden. Die dann noch restirenden Armengelder werden executivisch beigetrieben werden.
Selmsdorf den 9. April 1863.
Hauswirth Jochen Bruhn, Armenvorsteher in Selmsdorf.


Russischen Leinsaamen empfiehlt Aug. Spehr.


Allerneueste wiederum mit Gewinnen vermehrte große Geldverloosung von 2 Million. 700,000 Mark in welcher nur Gewinne gezogen werden, garantirt von der Staats-Regierung.
Ein Original-Loos kostet 4 Taler (Mecklenburg)
Ein halbes Original-Loos kostet 2 Taler (Mecklenburg)
Zwei viertel Original-Loose kosten 2 Taler (Mecklenburg)
Vier achtel Original-Loose kosten 2 Taler (Mecklenburg)
Unter 18,200 Gewinnen befinden sich Haupttreffer von Mk. 250,000, 150,000, 100,000, 50,000, 2mal 25,000, 2mal 20,000, 2mal 15,000, 2 mal 12,500, 2mal 10,000, 1mal 7500, 5mal 5000, 7mal 3750, 105mal 500, 260mal 250 mMark etc. Beginn der Ziehung am 11ten kommenden Monats.
Diese Verloosung steht nicht allein unter der Garantie der Staats-Regierung, sondern die Ziehungen werden von einer eigens dazu ernannten Regierungs-Commission beaufsichtigt, so dass, bei verhältnissmässig kleinen Einlage und der Chance des grossen Gewinnes die grösstmöglichste Sicherheit vorhanden ist.
Unter meiner in weitster Ferne bekannten und allgemein beliebten Geschäfts-Devise:
"Gottes Segen bei Cohn"
wurde im verflossenen Jahre am 2. Mai zum 17t. Male und am 25. Juli zum 18ten Male das grösste Loos, sowie in den letzten Monaten 2mal der grösste Hauptgewinn bei mir gewonnen.
Auswärtige Aufträge werden gegen Einsendung des Betrages in allen Sorten Papiergeld oder Freimarken, sowie gegen Postvorschuss prompt und verschwiegen ausgeführt und sende ich amtliche Ziehungslisten und Gewinngelder sofort nach Entscheidung zu.
Laz. Sam. Cohn, Banquier in Hamburg.


Rath und Hülfe für Diejenigen, welche an Gesichtsschwäche leiden und namentlich durch angestrengtes Studiren und angreifende Arbeit den Augen geschadet haben.
Seit meinen Jugendjahren hatte auch ich die leidige Gewohnheit, die Stille der Nacht wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen. Sowohl hiedurch, als auch durch viele angreifende optische und feine mathematischen Ausführungen war meine Sehkraft so sehr geschwächt, daß ich um so mehr den völligen Ver=

[ => Original lesen: 1863 Nr. 17 Seite 3]

lust derselben befürchten mußte, da sich eine fortwährende entzündliche Disposition eingestellt hatte, welche mehrjährigen Verordnungen der geschicktesten Aerzte nicht weichen wollten. Unter diesen betrübenden Umständen gelang es mir, ein Mittel zu finden, welches ich nun schon seit 40 Jahren mit dem ausgezeichnetsten Erfolge gebraucht. Es hat nicht allein jene s
fortdauernde Entzündung vollständig beseitigt, sondern auch meinen Augen die volle Schärfe und Kraft wiedergegeben, so daß ich jetzt, wo ich das 75. Lebensjahr antrete, ohne Brille die feinste Schrift lese und mich, wie in meiner Jugend, noch der vollkommensten Sehkraft erfreue. Dieselbe günstige Erfahrung habe ich auch bei andern gemacht, unter welchen sich mehrere befinden, welche früher, selbst mit den schärfsten Brillen bewaffnet, ihren Geschäften kaum noch vorzustehen vermochten. Sie haben bei beharrlichem Gebrauche dieses Mittels die Brille hinweggeworfen und die frühere natürliche Schärfe ihres Gesichts wieder erlangt. Dieses Waschmittel ist eine wohlriechende Essenz, deren Bestandtheile die Fenchelpflanze ist. Dieselbe enthält weder Drastica noch Narcotica noch metatallische oder sonstige schädliche Bestandtheile. Die Bereitung der Essenz erfordert indessen eine verwickelte chemische Behandlung, und ich bemerke daher, daß ich dieselbe seit längerer Zeit in vorzüglicher Güte von dem hiesigen Chemiker, Herrn Apotheker Geiß, beziehe; derselbe liefert die Flasche für einen Thaler, und ist gern erbölig, dieselbe nebst Gebrauchsanweisung auch auswärts zu versenden. Ich rathe daher den Leidenden, die Essenz von hier zu beziehen, indem eine solche Flasche auf lange Zeit zum Gebrauche zureicht, da nur etwas Weniges, mit Flußwasser gemischt, eine milchartige Flüssigkeit bildet, womit Morgens und Abends, wie auch nach angreifenden Arbeiten, die Umgebung des Auges befeuchtet wird. Die Wirkung ist höchst wohlthätig und erquickend, und erhält und befördert zugleich die Frische der Hautfarbe.
Es wird mich erfreuen, wenn vorzüglich denen dadurch geholfen wird, welche bei dem rastlosen Streben nach dem Lichte der Wahrheit oft das eigene Licht ihrer Augen gefährden und einbüßen müssen. Vielleicht kann auch durch den Gebrauch dieses Mittel das leider in der jungen Welt so sehr zu Mode gekommene entstellende Brillentragen vermindert werden, da dieses in den meisten Fällen die Augen mehr verdirbt als verbessert. Brillen können nur einer fehlerhaften Organisation des Auges zu Hülfe kommen, aber nie gesunde oder geschwächte Augen stärken und verbessern.
Aken, a. d. Elbe.
Dr Romershausen.

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Der 20te Jahresbericht über die Wirksamkeit dieser Essenz ist soeben erschienen und wird bei franco Bestellung unter Kreuzband franco und gratis übersandt.
Aken, a. d. Elbe, Königr. Preußen.
Apoth. Dr. F. G. Geiss.


Die Maschinenbau-Anstalt
von
J. H. Ohnesorge in Rostock,
Wokrentenstraße No. 32,
empfiehlt sich zur Anfertigung aller Arten landwirthschaftlicher Maschinen, als: Dresch= und Kornreinigungs=Maschinen, Häckerlings=, Butter= und Säe=Maschinen, Mühlen zum Schroten und Mahlen, die durch Dampf=, Wind=, Wasser= und Pferdekraft in Bewegung gesetzt werden können; sowie überhaupt mit allen in diesem Fache vorkommenden Arbeiten.
Bestellungen werden recht zeitig erbeten, da selbige der Reihenfolge nach ausgeführt werden.


Nur 26 Silbergroschen baar oder gegen Post=Nachnahme kostet bei unterzeichnetem Bankhause ein viertel Originalloos (keine Promesse) zu der am 28. und 29. Mai unter Garantie hiesiger Regierung stattfindenden Ziehung der großen Staats-Gewinne-Verloosung, welche letztere in ihrer Gesammtheit 14800 Gewinne enthalt, worunter solche von ev. Thlr. 114000, 57,000, 28,500, 17000, 14,300, 11,400, 8570, 6860, 5700, 2300, 1700, 1140, 570 etc. etc. - (Ganze Loose kosten 3 Thaler 13 Sgr. und halbe 1 Thlr. 22 Sgr.) Die Gewinne werden baar in Vereins=Silber=Thaler durch unterzeichnetes Bankhaus in allen Städten Deutschlands ausbezahlt, welches überhaupt Ziehungslisten und Pläne gratis versendet. - Man beliebe sich daher direct zu wenden an das Haupt=Depot bei Stirn & Greim in Frankfurt a./M.
NB. Außer den Gewinnbeträgen werden durch unterzeichnete auch die planmäßigen Freiloose verabfolgt.
Laut Jedermann zu Diensten stehenden amtlichen Listen wurden durch unsere Vermittelung wieder in jüngster Zeit folgende Capitalpreise gewonnen, resp. ausbezahlt, fl. 115,000 100,000 70,000, 50,000, 35,000, 30,000, 25,000 etc. etc.


Frankfurter Stadtlotterie
Es findet in jedem Monat eine Ziehung statt.
Gewinne: fl. 20,000 - 100,000, 50,000 - 30,000 - 25,000 - 20,000 - 15,000 - 12,000 - 10,000 - 5000 - 4000 - 3000 - 1000 - 117 Mal 1000 - 111 Mal 300 - 633 Mal 100 etc.
Es existiren hierbei nur 28,000 Loose, wovon 14,800 Loose Gewinne erhalten.
Jedes Loos, welches in den ersten fünf Ziehungen herauskommt, erhält einen Gewinn und ein Freiloos.
Jedes Loos, welches bei der sechsten Ziehung ohne Gewinn herauskommt, erhält ein Freiloos zur nächsten Ziehung.
Die Ziehungslisten werden nach jeder Ziehung pünktlich überschickt und da bei der Schlussziehung alle Loose gezogen werden, so erhält jeder Theilnehmer diejenige Ziehungsliste, worin seine Nummer mit dem Resultat verzeichnet steht. Die Gewinne werden sogleich nach jeder Ziehung ausbezahlt. Verloosungspläne und nähere Auskunft werden auf Verlangen gratis und franco übersendet.
Um einer reellen Bedienung und pünktlicher Lieferung der Freiloose versichert zu sein, beliebe man sich direct zu wenden an das Loose-Haupt-Depot.
Anton Horix in Frankfurt a/M.


[ => Original lesen: 1863 Nr. 17 Seite 4]

Zu bevorstehendem Jahrmarkte halte mein wohlassortirtes Tuch= und Manufacturwaaren=Lager bestens empfohlen und bemerke, daß ich Kleiderstoffe, sowie baumwollne und halbwollne Waaren zu alten Preisen offeriren kann, unter reellster und billigster Bedienung.
Ergebenst Heinrich Creutzfeldt.


Saamen=Verkauf

  1) von knolliger Gerste (Hordeum bulbosum) à Loth 1 Taler (Mecklenburg)   2) perenn. Winterkraut (Graicheniana) à Loth 15 Sgr.
  3) both. weißblüh. Riesen=Honigklee à Pfund 15 Sgr.
  4) schwedischen Bastardklee à Pfund 15 Sgr.
  5) australisches Futtergras à 15 Sgr.
  6) ganz neuen sehr zeitigen Mais à Pfund 10 Sgr.
  7) Serradella (neue Futterpflanze) à Pfund 15 Sgr.
  8) weißblh. amerikan. Riesenflachs à Pfund 10 Sgr.
  9) rothe Flageolet=Buschbohnen à Pfund 5 Sgr.
10) chinesisches Zuckerrohr à Pfund 12 Sgr.
11) perenn. Lupinen (als neue Futterpflanze) à Loth 5 Sgr.
12) echte blaue do. à Pfund 6 Sgr.
13) schwarze Malve à Loth 5 Sgr.
und noch viele andere, echte und frische Sämereien sind von mir käuflich zu beziehen. - Käufern von Sämereien, über 1 Taler (Mecklenburg) an Werth, werden meine Berichte über den Anbau mit neuen landwirthschaftlichen Nutzgewächsen - welche durch die Buchhandlungen für 10 Sgr. zu erhalten - gratis zugesandt.
Adv. Heinrich Graichen in Leipzig, Rechtsanwalt und Gutsbesitzer.


Zu Johannis dieses Jahres suche ich für ein ritterschaftliches Gut 8000 Thaler (in Pösten von 1000 Thaler und darüber) zu 3 1/2 Procent Zinsen, innerhalb 12,000 Thaler pro Hufe.
Rehna, den 18. April 1863.
Schwetzky, Stadtsecretair.


Meine durch neue Einkäufe completirte Stickereihandlung, enthaltend alle Sorten Stickwolle, Seide, Chenille u. s. w. in neuesten Farben, Weißstickerei u. Stickbaumwolle, angefangene und fertige Gegenstände, sowie diverse kleinere und größere Artikel, die sich zum Einsetzen von Stickereien eignen, als Cigarrenetuis, Portemonnais, Kamm=Etuis, Feuerzeuge, Notizbücher, Brieftaschen, Visites, Zeitungsmappen, Cigarrenteller, Aschbecher, Thee= u. Cigarrenkasten u. s. w. auch Haarnetze, Coifüren, Federrüschen empfehle bestens.
Carl Bade.


Ich erhielt wieder eine Sendung neuer Tapetenproben aus einer Hamburger Tapetenfabrik auf Lager, wovon ich einige Sorten billiger Tapeten auf Lager genommen habe, die ihrer Güte und hübschen Muster wegen bestens empfehlen kann.
Rouleaux=Proben, billige Rouleaux habe ich auf Lager.
C. Schwedt.


Sommermäntel und Umhänge, neuester Facons, empfiehlt billigst Aug. Groth.


Tapeten und Borden in geschmackvoller Auswahl, zu billigen Preisen, empfiehlt Aug. Spehr.


G. A. Levissohn (Marcus Nachf.) aus Rehna besucht das bevorstehende Schönberger Frühjahrs=Markt wiederum mit einem großen Tuch= und Manufactur=Waarenlager.
Persönliche Einkäufe in Hamburg, Berlin und Leipzig haben dasselbe so vollständig sortirt, daß jeder Artikel in großer Auswahl und namentlich darunter fertige Mäntel Jacken und Kragen für Damen, auch fertige Sommerröcke, sowie die neuesten blanken, bunten und schwarzen Bänder für Landleute zu sehr billigen Preisen vorräthig. Mit der Zusicherung der besten und reellsten Bedienung bittet er die geehrten Bewohner Schönbergs und der Umgegend ergebenst um zahlreichen Zuspruch.
Die Bude befindet sich wie früher vor dem Hause des Gastwirth Herrn Fick.


Von kommender Woche an sind wieder sehr gute Drainröhren, von 1 1/2 bis 4 Zoll Weite, vorräthig und sehe ich größeren Bestellungen baldigst entgegen, um dieselben bei den Ziegeleien ehestens anfertigen lassen zu können.
Ch. Egert.


Wer beim Sandgraben auf dem sogen. Voßberge bei Carlow, der Scheide der dortigen neuen Kirchekoppel zu nahe kommt, hat gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen.
Carlow, den 16. April 1863.
Der Kirchenvorstand.


Neue große Geldverloosung der freien Stadt Frankfurt am Main unter Leitung und Garantie des Staates von 791,674 Thaler, mit 14800 Prämien von Fl. 200,000, 100,000, 50,000, 30,000, 25,000, 2mal 20,000, 15,000, 12000, 10,000, 6000, 2mal 5000, 5mal 4000, 3000, 14mal 2000, 117mal 1000 etc. etc.
Die Auszahlung der Gewinne erfolgt in Silber, 14 Tage nach der Ziehung, ausschließlich gegen Einlieferung der Gewinnloose, und die amtlichen Gewinnlisten werden den resp. Loosinhabern sofort nach der Ziehung übermittelt.
Man kann dich bei derselben für wenige
Sgr. 26. mit 1/4
Thlr. 1. Sgr. 22. mit 1/2
Thlr. 3. Sgr. 13. mit einem Ganzen
bei der am 28. und 29. Mai stattfindenden Ziehung betheiligen durch die mit dem Verkauf dieser Loose concessionirte Effectenhandlung von Jacob Strauß in Frankfurt a. M.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß hier von keinen sogenannten Actien oder Certificaten, sondern von Original=Loosen die Rede ist.
D. O.


Backtafel für die Stadt Schönberg.

[Tabelle siehe im Abbild der Originalseite]


Kirchliche Nachrichten.
Schönberger Gemeinde.
In der Woche vom 17. bis 23 April.

Geboren: Den 18. Dem Arbm. Söhlbrandt hies. ein S., dem Kfm. Eckmann vor Schönberg ein S. Den 21. dem Arbm. Niehus vor Schönberg eine T. Den 22. eine unehel. T. hies.

Gestorben: Den 18. M. S. Steinfeldt, Korbmachersfrau in Lindow, 62 J. 5 M. Den 19. A. Elisabeth Rickert, Schuhmachersfrau hies., 60 J.
Copulirt: Den 17. H. P. Rentzow, Arbm. u. Anerbe zu Rabensdorf, u. Cath. Elis. Kramp, das. J. J. G. Schmüser, Arbm. hies., und C. Elsave E. Brockmöller zu Kronskamp. H. H. Ollrogge, Hsw. u. Wittwer zu B. Resdorf, und Cath. Mar. Arndt zu Kl. Siems. Den 21. J. P. Lohse, Schneidermstr. hies., und Marg. Cath. Elise Hillmer zu Lemförde.

Proclamirt: J. H. Törber, Arbm. u. Wittwer auf dem Hofe Wahrsow, und A. M. Stooß zu Wahlsdorf. - J. P. Lüdeman, Tischlermeister zu Herrnburg, u. J. Christ. W. Repschläger hies.

Anzeige.
Die Frühkirche fällt am 26. April aus.


Getreide= und Markt=Preise in Lübeck am 15. April 1863.
Weitzen1Taler (Mecklenburg)12 - 22Schilling (Mecklenburg)
Roggen1Taler (Mecklenburg)1 - 4Schilling (Mecklenburg)
Gerste-Taler (Mecklenburg)32 - 40Schilling (Mecklenburg)
HaferTaler (Mecklenburg)28 - 33Schilling (Mecklenburg)
ErbsenTaler (Mecklenburg)40 - 52Schilling (Mecklenburg)
WickenTaler (Mecklenburg)40 - 48Schilling (Mecklenburg)
BuchweizenTaler (Mecklenburg)36 - 40Schilling (Mecklenburg)
Winter=RapssaatTaler (Mecklenburg)29 30Mark (Lübeck)
RübsenTaler (Mecklenburg)28 29Mark (Lübeck)
SchlagleinsaatTaler (Mecklenburg)20 - 21
Butter13Schilling (Mecklenburg)pr.Pfund
Kartoffeln pr. Faß4 - 5Schilling (Mecklenburg).


Redaction, Druck und Verlag von L. Bicker.


(Nebst Beilage.)


[ => Original lesen: 1863 Nr. 17 Seite 5]

Beilage
zu den Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg.
Schönberg, den 24. April 1863.


Mecklenburgische Lebensversicherungs= und Spar=Bank in Schwerin schließt Lebens=, Leibrenten= und Sterbekassen=Versicherungen, Zeitrenten=, Darlehns=, Einlage= und sonstige Geldgeschäfte ab, und verzinst alle Kapital=Einlagen von mindestens 50 Taler (Mecklenburg) mit 3 1/4 Procent für's Jahr, durch die unterzeichneten Agenturen.
Agentur Schönberg und Dassow.
J. P. Bade, Buchbinder.


Die Dittmer'sche Buchhandlung in Lübeck,
Königstraße bei St. Catharinen Nr. 669.
empfiehlt zu bekannten billigen Preisen ihr reichhaltiges Lager der beliebtesten älteren und neueren Erscheinungen aus allen Zweigen der Literatur, insbesondere: Bilder und ABC-Bücher für ganz kleine Kinder, Jugendschriften für Knaben und Mädchen von 3-16 Jahren, Schulbücher, Wörterbücher, Atlanten, Landkarten, Schreib= u. Zeichen=Vorlagen, Romane, Classiker, Reise=Handbücher, Kochbücher, Volksschriften, Volkskalender etc.
Alle nicht vorräthigen Bücher werden jederzeit in kürzester Frist und ohne Kostenaufschlag von den Verlagsörtern besorgt. Auch Musikalien von welchen jedoch kein Lager gehalten wird, sind stets am vortheilhaftesten durch oben genannte Buchhandlung zu beziehen, welche mit allen Verlagshandlungen Deutschlands in directer Geschäftsverbindung steht.


Garantie der Aechtheit.
Dr. Borchardt's Kräuter-Seife
Dr. Hartung's Chinarinden-Oel und Kräuter-Pomade
Dr. Suin de Boutemard's Zahn-Pasta
Vegetabilisch Stangen-Pomade
A. Sperati's Honig-Seife
Dr. Koch's Kräuter-Bonbons
Caution.
Nachdem der seit Jahren so wohl begründete Ruf der nebenstehenden privilegirten Specialitäten fast täglich mannigfache Nachbildungen u. Falsificate = hervorruft, wollen die geehrten P. T. Consumenten unserer im In= und Auslande in so großen Ehren stehenden Artikel sowohl auf deren mehrfach veröffentlichte Original=Verpackungsart, als auch auf die beigedruckten Namen der Componenten dieser Specialitäten. So wie auch auf die Firmen unserer durch die betreffenden Lokalblätter u. Provinzialzeitungen von Zeit zu Zeit bekannt gegebenen alleinigen Herren Orts=Depositäre = zur Verhütung von Täuschungen = gef. genau achten.

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Obige durch ihre anerkannte Nützlichkeit und Solidität so beliebt gewordene Artikel sind zu den bekannten Fabrikpreisen in dem alleinigen Local=Depot der Stadt Schönberg bei Herrn J. P. Bade in gleichmäßig guter Qualität stets zu haben.


(Egs.) Schönberg. Der Vorstand der hiesigen Sonntags= und Feierabendes=Schule hat beim Abgange eines seiner Schüler, des Drechslerlehrlings Heinrich Müller von hier, demselben als Anerkennung für Fleiß und ordentliches Betragen, beim Antritt seiner Wanderschaft ein Prämien=Wanderbuch übergeben. Ein solches Wanderbuch ist die beste Empfehlung eines Gesellen auf der Wanderschaft; jeder Meister zieht gewiß den Inhaber desselben andern Arbeitern vor, da er sicher ist, daß dadurch nur das wirkliche Verdienst ausgezeichnet wird.
- Der Himmel weiß, wohin der polnische Aufstand führen wird. Die Polen wollen von der Amnestie Rußlands nichts wissen, sondern nur von voller Selbständigkeit. Der geheime Revolutionsausschuß zu Warschau hat das Stichwort ausgegeben: "Fort mit der Gnade des Czaren. Wir haben die Waffen ergriffen und nur die Waffen werden unsern Streit mit Rußland lösen!" Niemand wagt in Polen zu widersprechen und der Aufstand wächst und wird allgemein. Plan ist: keine großen Heere, sondern unzählige kleinere Schaaren bis zu 500 Mann, hier und da und dort, überall ein die Russen neckender, zerstreuender, ermüdender Guerillakrieg, in welchem sie nirgends einen entscheidenden Sieg erfechten können. Nur Zeit gewonnen! Sagen die Polen. Ihre Häupter verhandeln mit Napoleon vertraulich und thun nichts ohne ihn. Napoleon beutet Aufstand für seine Politik aus und fischt im Trüben. Allgemeiner Wirrwarr, Widerspruch der Interessen, unklare Verhältnisse und Lagen, das ist sein diplomatisches Feld, da ist er Meister. Oestreich, lange sich klug zurückhaltend, ist jetzt gezwungen, strenger als seither gegen die Polen in Krakau und Galizien aufzutreten; denn es darf seine Stadt und Provinz nicht zum Heerd und Waffenplatz der polnischen Revolution werden lassen. Es hat bereits viele und Aufsehen machende Verhaftungen vorgenommen.
- Im Pleschener Kreise ist es zwischen Preußen und Polen zu einem Gefechte gekommen. Einem Transporte von Waffen und Munition, der von preußischen Truppen überrascht und weggenommen wurde, kamen polnische Truppen von der Grenze her zu Hülfe; es entspann sich ein Gefecht, in welchem die Polen 30 Gefangene verloren.
- Schweden ist Rußlands grimmiger Feind, seit es Finnland verloren hat. Von Frankreich angeregt, setzt es seine Flotte und seine Häfen in kriegerischen Stand, namentlich Karlskrona wird in der Weise hergestellt, daß es die schwedische Flotte und andere Kriegsfahrzeuge aufnehmen kann, welche andere Mächte etwa schicken werden.
- In London mahnen die Diplomaten, Jeder möge sein Haus bestellen, Europa treibe widerwillig, aber unaufhaltsam einem großen Kriege entgegen. - Auch in Paris befürchtet man in unterrichteten Kreisen den Ausbruch eines Krieges zwischen Rußland und Frankreich in Polen, wohin Frankreich seine Truppen zu Wasser schicken werde, doch hofft man dort, daß es, wie neuerdings die Kriege in der Krimm und in Italien, auch diesmal ein kurzer Krieg werde, der in Polen allein zu Ende geführt wurde, wenn nicht Preußen, als Verbündeter Rußlands, zugleich die französische Gränze am Rhein bedrohe.
- Dänemark ist Englands Schwager und Deutschland, Preußen und Österreich sind nicht einiger geworden als früher, warum sollte Dänemark ihnen nicht den Handschuh hinwerfen? Es hat dies in einem neuen Staatsstreich gewagt. Am 30. März hat der dänische König eine Bekanntmachung nebst 3 Rescripten an die betr. Minister erlassen, in welchen eine Aussonderung Holsteins aus dem Gesammtstaate ins Werk zu setzen versucht wird. Die Aussonderung Holsteins wird zu dem Zwecke ins Werk gesetzt, um die vollständige Einverleibung Schleswigs in den dänischen Eiderstaat anzubahnen. Holstein und Schleswig sollen also vollständig getrennt und Schleswig

[ => Original lesen: 1863 Nr. 17 Seite 6]

von seiner Verbindung mit Deutschland losgerissen werden. Der Staatsstreich ist wider die uralten heimischen und wider gegen die neuen Verträge Dänemarks mit Oesterreich und Preußen, den Bevollmächtigten Deutschlands. Es ist eine förmliche Kriegserklärung.
- Der Sultan reibt sich vor Vergnügen über den polnischen Aufstand die Hände, und hat seinen Ministern befohlen ein Gleiches zu thun, so daß im Serail gegenwärtig Alles mit Händereiben beschäftigt ist, denn jeder bittere Tropfen, den die Russen schlucken müssen ist für die Türken köstlicher Nektar. Die polnischen Officiere in der türkischen Armee, wenn sie in ihr Vaterland zurück wollen, bekommen ihre ehrenvolle Entlassung und werden mit Gnadengeschenken überhäuft und haben sich dafür nur zu verpflichten, möglichst viele Russen umzubringen.
- Der Privatschatz des Sultans, der durch seine verrückte Freigebigkeit und namentlich auch durch die vielen großherrlichen Privatschätze gründlich geleert worden war, hat sich glücklicherweise wieder gefüllt, denn der neue Vicekönig von Egypten hat die bei seinem Regierungsantritte üblichen Geschenke, eine Kleinigkeit von 10 Millionen, bereits zu den Füßen des Sultans niedergelegt, und dieser soll es diesmal nicht unter seiner Würde gehalten haben, sich zu bücken und die 10 Millionen aufzuheben. Der lebhafte Wunsch Sr. Hoheit nach noch mehr egyptischen Regierungswechseln ist unter diesen Umständen begreiflich, und werden solche Wechsel in Konstantinopel stets honorirt werden.
- Das deutsche Bundesheer soll 553,000 Mann mit 1130 Geschützen betragen. Da aber bekanntlich die Wirklichen Streitkräfte Oesterreichs und Preußens mehr als das Doppelte ihrer Bundescontingente abmachen, so kann man kecklich sagen, das deutsche Bundesheer sei 900,000 Mann und 1800 Geschütze stark. Ein ordentliches Häuflein, mit dem man ein Wort dreinreden kann, wenn europäische Fragen abgehandelt werden.
- Man erzählt sich in Berlin, der Kaiser von Rußland werde im Juni den König von Preußen in Berlin besuchen, sei es auch nur, um die andern Herren Brüder und Vettern zu ärgern.
- König Wilhelm von Preußen hat sein Testament gemacht und auf dem Stadtgericht in Berlin niedergelegt. Diese Förmlichkeit war vor dem Tode Friedrich Wilhelm III. unterlassen worden und hat dem Privatvermögen der königlichen Familie mancherlei Nachtheile gebracht.
- In der Schweiz ist das goldene Zeitalter thatsächlich angebrochen. Als die Berner Sträflinge kürzlich von der Arbeit in ihren Käfig zurückkehrten, konnte man sehen, wie ihrer vier ihren besoffenen Wächter trugen und ein fünfter trug seine Flinte. Ist das nicht gemüthlich? Für diesen edlen Zug gehörte den Sträflingen eine Extraration, dem Wächter aber auch eine.
- In Lübeck ist der Paßzwang aufgehoben. Vom 1. Mai an sind demnach Fremde, welche in das Lübecksche Staatsgebiet kommen, nicht mehr gezwungen, einen Paß oder ein sonstiges Reiselegitimations=Document vorzuzeigen oder bei einer lübeckischen Polizeibehörde visiren zu lassen; sie bleiben jedoch verpflichtet, auf amtliches Erfordern über ihre Person und die Mittel zu ihrem Unterhalt sich auszuweisen.
- Aus Schwerin wird gemeldet: Dr. Fritz Reuter wird nach Eisenach seinen Wohnsitz verlegen. Aus Anlaß seiner Ehrenpromotion hat Reuter an den Großherzog, als den Kanzler der Universität Rostock, eine humoristische Danksagung gerichtet, deren witzige Fassung hohes Wohlwollen erregt und die vom Großherzog selbst bei Tafel vorgelesen sein soll. - L. Reinhard, früher Rector in Boizenburg, hat Mecklenburg verlassen, um sich in Koburg wohnhaft zu machen.
- In den Südstaaten der Union hat ein böser Gast, der Hunger, mit der Faust an die Thür gepocht. In Richmond, der Hauptstadt, sind Unruhen in Folge von Hungersnoth ausgebrochen und mit Mühe gestillt worden. Kaum die eigene Truppen haben zu leben und die eigene Bevölkerung; was wird aus den vielen Tausenden von Gefangenen? Viele Baumwollpflanzungen werden in Fruchtfelder umgewandelt.
- Ein grauenhafter Fund soll auf dem Grasbrook in Hamburg gemacht worden sein. Der Kapitän der Hafenrunde fand nämlich bei einer Ausgrabung des Hafens 12 ziemlich gut erhaltene Leichen, jedoch sämmtlich ohne Kopf in Kisten verpackt.
- Der Löwenbändiger Crocket in Paris hätte im Circus Napoleon fast Unglück gehabt. Er hatte seine Löwen in einen geräumigen Käfig gebracht, wo sie sich viel lustiger und in ihren Bewegungen ungehinderter befanden. Bei einer der letzten Vorstellungen stieg er auf einen liegenden Löwen, konnte nicht das Gleichgewicht halten, glitschte mit dem Fuße aus, trat und drückte den Hals des Thieres. Es brüllte und schnappte nach dem Fuße. Das Publikum war bei dieser Scene in höchster Aufregung; Crocker bändigte noch rechtzeitig mit Blick und Stimme den grimmigen Löwen, doch konnte er nicht hindern, daß er am Fuße verletzt wurde. Heftige Peitschenhiebe brachten schließlich den Widerspenstigen zu seiner gewohnten Unterwürfigkeit.
- Ueber die Reise eines Ritters des eisernen Kreuzes aus Schorgast in Baiern und seine Rückkehr durch Leipzig berichten die Lpz. N. : Am Tage nach der in Berlin veranstalteten großen Festlichkeit passirte ein Theilnehmer an derselben, ein schlachtenergrauter Veteran durch Leipzig. Sein Name war Johann Rupprecht, sein jetziger Stand Chausseesteinklopfer. Er trug sieben Ordensdecorationen, darunter das eiserne Kreuz, das russische Georgenkreuz u. a. Er hatte in allen Kriegen Preußens vom Jahr 1806 bis 1815 mitgekämpft, und für eine besonders kühne That bei Waterloo, wo er mit einer kleinen Abtheilung Jäger eine feindliche Batterie überrumpelt und genommen, das eiserne Kreuz erhalten. Den Aufruf in den Zeitungen an die Veteranen hatte er in seinem kleinen baierischen Wohnorte nicht gelesen; der dortige Landrichter aber, dem die Schicksale Rupprechts in der Hauptsache bekannt waren, hatte ihn auf das bevorstehende Fest und seine Berechtigung an demselben Theil zu nehmen aufmerksam gemacht. So gelangte der Greis am 15. März nach Berlin. Dort erregte er bei seiner Ankunft natürlich mit seinen sieben mittelst Bindfaden an den Rock befestigten Ordensdecorationen Aufsehen. Er wurde bei einem General ins Quartier gebracht, und hatte die große Freude, in ihm einen Officier seines ehemaligen Jägerdetachements wiederzuerkennen. Der General, welcher sich seines alten Kriegskameraden gleichfalls wieder erinnerte, ließ ihn sofort von Kopf bis zu Fuß neu kleiden, die ehrwürdigen Ordenszeichen mit den entsprechenden Bändern versehen, und gab ihm einen Garde=Unterofficier als Begleiter mit, der für alle seine Bedürfnisse zu sorgen angewiesen wurde. Ueber das Diner im königlichen Schloß, bei welchem er auch von dem König und der Königin in der herzlichsten Weise angeredet worden war, und überhaupt unter den zahlreichen Veteranen besonderes Interesse erregt hatte, konnte er nicht genug erzählen. Die ihm gesetzlich zufallende Pension von 50 Thalern jährlich stellte ihn zufrieden, indem er dadurch in die Lage kommt, der für sein Alter so mühselige Arbeit des Steinklopfens, das überdies bei der großen Concurrenz gar nicht lohnend sei, wie er naiv äußerte, nicht mehr so eifrig nachgehen zu müssen. Heimweh und große Anhänglichkeit an seine Enkel hatten ihn gleich am Tag nach dem Fest wieder von Berlin nach der Heimath getrieben. Rührend war es zu sehen, wie der alte gute Mann in einem Taschentuch die schönsten und seltensten Leckerbissen von der königlichen Tafel eingepackt hatte, um sie seinen Enkeln mitzubringen.


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